Gemeinschaft der Seligpreisungen, Legionäre Christi – Gibt es eine Zukunft für Gründungen mit dubiosen Gründern?

(Rom) Der Gründer und andere Führungskräfte der Gemeinschaft der Seligpreisungen, die in rund 60 Diözesen der Welt präsent ist, haben sexuellen Mißbrauch begangen. Die Gemeinschaft, die ihren Sitz in Frankreich hat, gab dies selbst bekannt. Der Vatikan hat die Gemeinschaft unter Beobachtung gestellt und führt seit einem Jahr eine Inspektion durch. Das bedeutet, daß der Heilige Stuhl gewissermaßen selbst die Kontrolle über die Gemeinschaft übernommen hat, die sich nun bewähren muß.

Der Gründer Gerard Croissant, ein ehemaliger protestantischer Pastor, der zur katholischen Kirche konvertierte und 1978 zum ständigen Diakon geweiht wurde, hat „Verbrechen gegen das Moralgesetz der Kirche begangen“. Zu seinen Opfern gehören Ordensschwestern der Gemeinschaft. „Viele Schwestern haben wegen der Mißbräuche die Gemeinschaft verlassen und das Ordensleben aufgegeben.“ Ein Mißbrauchopfer war ein zur Zeit der Tat noch minderjähriges Mädchen. Die Verfehlungen in der Gemeinschaft der Seligpreisungen erinnern unweigerlich an die sexuelle Mißbräuche von Marcial Maciel, des Gründers der Legionäre Christi, die den Orden in seinen Grundfesten erschütterten.

Die Gemeinschaft der Seligpreisungen wird von einem gewählten Generalmoderator geleitet, der von einem Generalrat unterstützt wird. Sie besteht aus Häusern, die zu Provinzen zusammengefaßt sind. Der Gemeinschaft können sowohl Männer als auch Frauen aller Stände angehören. So gibt es Männer und Frauen, die in der Form des geweihten Lebens mit Gelübden der Gemeinschaft angehören. Sie leben „die evangelischen Räte der Armut, des Gehorsams, der Keuschheit und widmen sich frei von den Sorgen der Welt, mit Eifer dem Gebet, der geistlichen Lektüre und dem Dienst am Nächsten“. Die von manchen „neuen Gemeinschaften“ erst nach dem Zweiten Vatikanischen Konzil gewählte Form eines gemeinschaftlichen Zusammenlebens beider Geschlechter in denselben Häusern, machte sich auch die Gemeinschaft der Seligpreisungen zu eigen. Darin wird ein Hauptgrund für die Mißbräuche gesehen. Zumindest wurden sie durch diese Lebensform erleichtert.

Eine andere Form der Mitgliedschaft sind die Familiaren, die ständig in einem Haus der Gemeinschaft leben, deren Leben teilen und zur “Familie“ gehören, wenn auch ohne Gelübde. Weiters gibt es die „Freunde des Lammes“. Das sind Gläubige aller Stände, die in der Welt leben, aber die Spiritualität der Gemeinschaft mit den eigentlichen Gemeinschaftsmitgliedern teilen wollen. Die „Treue zum Evangelium“ soll den Mittelpunkt ihres Lebens bilden. Schließlich gibt es noch Familien und Unverheiratete, die den Seligpreisungen der heiligen Familie angehören. Sie leben in der Nähe eines Hauses der Gemeinschaft, mit der sie eng verbunden sind und die sie bei deren „apostolischen Aktivitäten“ unterstützen.

Die Gemeinschaft der Seligpreisungen zählt rund 1500 Mitglieder in 29 Staaten (11 in Europa, 6 in Afrika, 4 in Asien, 4 in Amerika, 2 im Nahen Osten und 2 in Ozeanien). Zu den Zweigen der Gemeinschaft gehört die Alliance de la Charité, eine Nicht-Regierungsorganisation, die den Kirchen in den Entwicklungsländern hilft, ein Krankenhaus in Kabinda im Kongo, Waisenhäuser im Kongo und in Gabun, die Lebensrechtsorganisation Mà¨re de Miséricorde, die Fraternités Saint Camille für die Armen- und Flüchtlingsfürsorge, ein Verlag, ein Radiosender und das Oeuvre Saint Bernard für die Entwicklung der sakralen Kunst und der christlichen Kunst. Dazu kommen noch interdiözesane Seminare in der Elfenbeinküste und im Kongo, Schulen für Straßenkinder in der Zentralafrikanischen Republik und schließlich noch die Vereinigung Soleil de Justice, in der christliche Politiker Afrikas organisiert sind.

Die Vielzahl wertvoller Initiativen, die von jungen, idealistischen und gläubigen Katholiken aufgebaut und vorangebracht werden, verdienen, so ist man sich in Rom und in den betroffenen Diözesen einig, einen Fortbestand. Ist Frage ist, wie dies geschehen soll. Auf der einen Seite geht es Rom darum, daß keine Verwirrung gestiftet wird. Gleichzeitig aber auch darum, den vielen Mitgliedern, die sich nichts zuschulden haben kommen lassen, Halt zu geben. Wie auch bei den Legionären Christi bemüht sich der Heilige Stuhl um eine Reinigung und Neuordnung, um einen Neuanfang möglich zu machen, vor allem für die große Zahl der Mitglieder, die sich nichts zuschulden kommen haben lassen. Die Frage, ob und wie ein Fortbestand bei Gründungen möglich sein wird, deren Gründerfiguren dubios sind, könne unter Verweis auf die göttliche Vorsehung nur die Zeit beantworten, heißt es beim Päpstlichen Rat für die Laien.

Die Gemeinschaft der Seligpreisungen wurde 1973 mit dem Namen Léon de Juda et Agneau Immolé im französischen Montpellier gegründet. Die Initiative ging auf das Ehepaar Gérard (Ephraï m) und Josette Croissant zurück, die sich zu einem Leben des Gebets und in Gemeinschaft berufen fühlten. Der Name der Gemeinschaft „Der Löwe von Juda und das geopferte Lamm“ ist der Offenbarung des Johannes entnommen. In der Apokalypse wird Jesus als Löwe und Lamm beschrieben: Stärke und Schwäche, als allmächtig und als Kind, als Tod, der den Tod besiegt, um das Tor zum ewigen Leben aufzustoßen.

1975 übersiedelte die Gemeinschaft nach Cordes. 1979 wird sie als fromme Gemeinschaft anerkannt, 1985 als privater Verein von Gläubigen diözesanen Rechts mit der provisorischen Anerkennung (ad experimentum) der Statuten durch den Erzbischof von Albi. 1991 erfolgte die Umbenennung in Gemeinschaft der Seligpreisungen, um die Öffnung der Gemeinschaft für die Armen zu verdeutlichen, aber auch weil der neue Name kürzer und leichter in den verschiedenen Ländern und Kulturen zu vermitteln ist.

Die Gemeinschaft der Seligpreisungen ist Mitglied der Catholic Fraternity of Charismatic Covenant Communities and Fellowships. Am 8. Dezember 2002 erfolgte die provisorische Anerkennung auf fünf Jahre durch den Päpstlichen Rat für die Laien als Internationale Laienvereinigung päpstlichen Rechts. Trotz der Namensänderung „bewahrte“ die Gemeinschaft den ursprünglichen „apokalyptischen“ Namen als „versteckten Namen“. Damit sollte die Kontinuität der ursprünglichen Berufung gewahrt bleiben und ein Geheimnis, dem man im Gebet und in der Verehrung „treu“ bleiben wollte. Die Gemeinschaft gehört zu den „neuen Gemeinschaften“ der katholischen Kirche, die nach dem Zweiten Vatikanischen Konzil entstanden. Nach Bekanntwerden der Mißbrauchsfälle wurde der Gemeinschaft vom Vatikan im Frühjahr 2011 der Status päpstlichen Rechts wieder entzogen und die Gemeinschaft auf die einfache Stufe eines öffentlichen Vereins von Gläubigen diözesanen Rechts (Erzbistum Toulouse, in dem sich der Sitz der Generalleitung befindet) zurückgestuft.

Die Berufung der Gemeinschaft ist es, „wahres Volk Gottes zu sein, das ein trinitarisches Leben anstrebt, wie Therese vom Kinde Jesu alles wählte um die Liebe zu sein“. Die Gemeinschaft pflegt vor allem auch die jüdischen Wurzeln des Christentums und widmet sich der Evangelisierung.

Text: Giuseppe Nardi
Bild: Gemeinschaft der Seligpreisungen

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