Christenverfolgung in Frankreich: Polizeieinsatz gegen kniende Beter

(Paris) Seit dem 20. Oktober 2011 wird im Theatre de la ville in Paris das Theaterstück On the Concept of the Face of God von Romeo Castellucci aufgeführt. Eine riesiege Christus-Darstellung bildet das gesamte Bühnenbild und wird mit Fäkalien beschmiert und beworfen. Die Botschaft dazu lautet: „Du bist nicht mein Hirte.“

Seit der Premiere knien junge Katholiken vor dem Theater auf dem Gehsteig und beten gegen dieses blasphemische Spektakel, um Sühne und um Einsicht der Theaterbetreiber, Regisseur und Schauspieler. Sie bringen damit ihre Entrüstung zum Ausdruck.

Die Priesterbruderschaft St. Pius X. kritisiert auf ihrer Internetseite die französische Presse. „Die Presse insgesamt schreit ‚Zensur‘ und schreibt von ‚Fundamentalisten‘, ein Begriff , der von den französischen Bischöfen gebraucht wird, die mit wenigen löblichen Ausnahmen schweigen … Dieselben Medien haben in der letzten Zeit mit Begeisterung die Bewegung der Indignados begleitet: Haben die Christen kein Recht sich zu empören? Ist die berühmte Meinungsfreiheit nur für die Feinde der Kirche vorbehalten?“

Wie es scheint, haben Frankreichs Kulturminister Fréderic Mitterrand, der Bürgermeister von Paris Bertrand Delanoà« und der Direktor des Theatre de la Ville, Emmanuel Demarcy gemeinsam die katholischen Beter angezeigt. Die jungen Katholiken scheinen aber entschlossen, ihre Form des friedlichen Protestes fortzusetzen.

Die französische Polizei überprüft immer wieder die Beter, nimmt deren Daten auf, und versuchte bereits mit Gewalt gegen die Katholiken vorzugehen. Mehrere Beter wurden in Handschellen gelegt. „Fürchten die Behörden nicht, jede Glaubwürdigkeit zu verlieren, wenn sie mit Polizeieinsatzwagen und Hundertschaften aufmarschieren, um friedliche Beter zu verhaften?“, fragt sich die Piusbruderschaft in ihrer Stellungnahme, um dann zu fragen: „Welcher Schrei der Empörung und des Protestes würde Frankreich erschüttern, wenn zum Beispiel die Marianne, ein Rabbi oder Mohammed selbst in einem Theaterstück so verhöhnt würde?“

Am Samstag, den 29. Oktober findet der nächste Gebetsprotest auf der Place des Pyramids vor dem Theatre de la Ville statt. „Wir werden wieder zahlreich auf dem Boden knien, gewaltlos, einzig um zu beten“, heißt es im Aufruf dazu.

Am 20. Oktober, der Premiere des Theaterstücks, gingen mehrere Dutzend junge Katholiken der Gemeinschaft „Französische Erneuerung“ mit einem Spruchband auf die Bühne mit der Aufschrift: „Stoppt Christianophobie“. Die Jugendlichen wurden sofort von der Theatertruppe angegriffen. Schließlich räumte die eingreifende Polizei die Bühne und entfernte die jungen Katholiken aus dem Theater.

Der Sprecher der französischen Bischofskonferenz distanzierte sich von den jungen Katholiken, verurteilte die „Gewalt“ gegen die Aufführungen und bekräftigte, daß die Bischofskonferenz „den Dialog zwischen Kultur und Glauben fördert“.

Der italienische Journalist Marco Tosatti schrieb dazu: “Nicht oft stimme ich mit den Stellungnahmen und den Positionen der Priesterbruderschaft St. Pius X. überein. Eigentlich nur ganz selten. In diesem Fall aber kann ich nicht anders, als ihrer Verteidigung der jugendlichen Proteste gegen das Theaterstücke zuzustimmen. Die katholische Tageszeitung Frankreichs, La Croix, hingegen beschimpft die jungen Protestierer als „Integralisten“. Das allein genügt eigentlich, um in der heutigen Sprachregelung der Medien zu begreifen, daß es sich bei den Jugendlichen um Katholiken handelt. „Gewissermaßen mit dem Beigeschmack, daß es sich um jemand zweiter Klasse handelt, jemand, der sich im Gegensatz zu den anderen, noch nicht ganz von der Erbsünde befreit hat“, so Tosatti. „Und die französischen Bischöfe distanzieren sich von den jungen Betern, wie das Blatt schreibt.“

„Die Haltung scheint mir ausgesprochen schwach, Ausdruck eines Minderwertigkeitskomplexes, welchem auch immer. Um also die jungen Beter von Paris zu verteidigen, muß ich noch nicht einmal das Sakrale bemühen. Ich bin überzeugt, daß wann immer das Gesicht von irgendwem mit Exkrementen beschmiert wird, eine Geste der Gewalt begangen wird, auch dann, wenn es sich nur um ein Bild handelt“, so Tosetti. „Wer beschmiert, sagt damit ja: ihr liebt ihn, ihr verehrt ihn und betrachtet ihn als etwas ganz Entscheidendes: Deshalb beschmiere ich sein Gesicht mit Scheiße.“

Es ist müßig, in der Gedankenwelt eines Autors und Regisseurs die Ursache für den Haß zu suchen, den er mit viel Energie als bewußte Provokation auf die Bühne bringt. Da sich die Provokation als Stilmittel im Laufe der Jahre abnützte, bleibt nur noch das Heilige, das einen Skandal auszulösen vermag. Verhöhnung Gottes als billige Reklame? Damit erklärt sich jedenfalls längst nicht alles.

Die Philosophie der Toleranz, das Verständnis für die anderen, die Political correctness verbietet es, in einem Theaterstück eine Menorah, einen Koran und gar das Gesicht eines Rabbiners oder Mohammeds mit Fäkalien zu beschmieren. Denn zurecht würde ein solches Verhalten als „hate speech“ betrachtet, als Aufwiegelung zum Haß. Deshalb fragt Tosetti: „Warum ist im so laizistischen, soi-disant toleranten und fortschrittlichen Frankreich ein so brutaler „hate speech“ gegen die Christen möglich? Warum dürfen sie im Unterschied zu allen anderen Bürgern ungestraft beleidigt werden?“
„Die Antwort“ so Tosetti“, „ist klar und einfach“. Der Erzbischof von New York, Dolan, von dem die französischen Bischöfe vielleicht etwas lernen könnten, habe sie gegeben: „Die Christen und die Katholiken im besonderen, sind inzwischen in der westlichen Welt ‚fair game‘, Freiwild. Und im laizistischen Frankreich ist die liberté etwas heiliges. Fast für alle. Für die Christen allerdings gilt die egalité und die fraternité etwas weniger.“

Text: Vatican Insider/Giuseppe Nardi
Bild: Vatican Insider

Katholisches wird immer für den Leser kostenlos bleiben. Damit das Magazin Tag für Tag mit neuen Artikel weiterhin erscheinen kann sind Zuwendungen notwendig: Unterstützen Sie bitte Katholisches mit einer Spende.
Zuwendungsübersicht

ANZEIGE

FalkMedien liefert jedes Buch! - Recherche mit dem Verzeichnis Lieferbarer Bücher.


FalkMedien liefert jedes neue Buch versandkostenfrei ohne Mindestbestellwert.

Kostenfreie Hotline: 0800-2824325 / Mo. - Fr.: 8-16:30 Uhr

HIER KÖNNEN SIE WERBEN »
Print Friendly, PDF & Email

Hinterlasse jetzt einen Kommentar

Lesen Sie hier zuvor die Richtlinien für Lesermeinungen

Kommentar hinterlassen

E-Mail Adresse wird nicht veröffentlicht.


*