Pakistan löst Minderheitenministerium auf – Mordfall Bhatti zwischen Archivierung und Al-Kaida

(Islamabad) Weiterhin widersprüchliche Signale kommen seit der Ermordung des katholischen Ministers Shabhaz Bhatti aus Pakistan. Die pakistanische Regierung beschloß, das von Bhatti geleitete Ministerium abzuschaffen. In einem Land, in dem Christen wegen ihres Glaubens diskriminiert und ermordet werden, bedeutet dies eine weitere Schwächung ihrer ohnehin prekären Position.

Nach dem Mord gab es bereits mehrere Umbesetzungen an der Spitze des Ministeriums, die für Verwirrung sorgten. Internationale Proteste löste die Ernennung eines Moslems als Chef jener Behörde aus, die die Rechte der in einem weitgehend moslemischen Land bedrängten religiösen Minderheiten sicherstellen soll. Mit der Entscheidung, zwei Katholiken, darunter Paul Bhatti, der jüngere Bruder des Ermordeten, mit der Vertretung der Minderheiteninteresse zu beauftragen, schien Ruhe eingekehrt zu sein. Sie war aber nur von kurzer Dauer. Die völlige Abschaffung des Ministeriums erfolgt mit der Begründung, die Provinzen und deren Zuständigkeiten zu stärken und die Dezentralisierung des Staates zu fördern. Die Christen sehen in der Streichung einer Bundesbehörde eine weitere Deklassierung und damit Schwächung ihrer Position und ihrer Sicherheit.

Gleichzeitig scheinen die Ermittlungen gegen die Mörder von Minister Shabhaz Bhatti Gefahr, im Sand zu verlaufen. Auch dort überbieten sich die pakistanischen Behörden mit widersprüchlichen Signalen. In diesen Tagen forderte Tahir Alam, Leiter der Sonderkommission zur Aufklärung des Mordes, die Archivierung der Ermittlungen. Nach der Einvernahme von 519 Verdächtigen, darunter auch Mumtaz Qadri, der Salman Taseer, den Gouverneur von Punjub ermordete, gebe es keine heiße Spur, so der hohe Polizeibeamte.

Erst in den vergangenen Tagen gab es den Versuch, den Mord als einen „innerchristlichen Konflikt“ darzustellen. Der unter dubiosen Umständen verhaftete Muhammad Hafiz Nazar wurde inzwischen wieder freigelassen. Die christliche Minderheit Pakistans protestierte gegen diesen „Ablenkungsversuch“. Wer das offensichtliche Manöver steuerte, blieb unklar.

Im Widerspruch zu den Archivierungsbestrebungen kündigte Pakistans Innenminister Rehman Malik einen internationalen Haftbefehl an. Den Thesen des Generalinspektors der pakistanischen Polizei folgend, beschuldigt er Al-Kaida für den Mord an Minister Bhatti verantwortlich zu sein. Hinter dem Mordanschlag stecke der Pakistaner Ilyas Kashmiri und die Brigade 313 des internationalen islamischen Terrornetzwerkes von Osama bin Laden. Laut Innenministerium habe Kashmiri den Talibanführer des Punjub, Asmattullah Mawaia mit der Durchführung des Mordes beauftragt. Die Tat sei von einem gemischten Killerkommando der islamistischen Gruppen Tehrik-e-Islami und Ghazi Force Islamabad ausgeführt worden.

„Nach verschiedenen Ablenkungsmanövern und Umleitungsversuchen, mit denen man meinen Bruder zusätzlich beleidigte, kommt nun endlich die Wahrheit ans Tageslicht: wir waren davon überzeugt, daß man ihn wegen seines Engagements zum Schutz der Menschenrechte und der Christen und für die Abschaffung des Blasphemieparagraphen ermordet hat. Nun geben die Ermittlungen uns Recht. Wir wünschen eine rasche Beendigung der Ermittlungen und die Festnahme der Täter des Verbrechens. Dies wäre ein gutes Signal für den Gesundheitszustand des Rechtsstaats in Pakistan“, wie Paul Bhatti, der Bruder des Ermordeten dem Nachrichtendienst Fides sagte.

Die Widersprüche bei den Mordermittlungen und die Auflösung des Ministeriums für die religiösen Minderheiten belegen die Mischung aus Gleichgültigkeit und Feindseligkeit, der sich die Christen des Landes ausgesetzt sehen. Sie leben in einem Land, in dem sie zunehmend an den Rand gedrückt werden und um ihr Leben bangen müssen.

Der jüngste Mord an einem Christen fand am 21. Juni in Lahore statt. Abas Masih, ein städtischer Straßenkehrer, wurde von Muhammad Ilyas auf offener Straße niedergestochen, weil er vor dem Geschäft des moslemischen Kaufmanns nicht nach dessen Angabe gereinigt habe. Wie oft bei Fällen, in denen das Opfer Christen und die Täter Moslems sind, weigerte sich die Polizei die Tat aufzunehmen. Erst nach Protesten der Christen und von Menschenrechtsorganisationen wurden Ermittlungen aufgenommen und der Täter vorerst verhaftet.

Text: Asianews/Fides/Giuseppe Nardi
Bild: Asianews

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