„Neue Bischöfe braucht das Land“ – Schreiben französischer Priester an den Vatikan

(Paris/Vatikan) Einundzwanzig französische Priester fordern in einem aufsehenerregenden Brief an Kardinal Marc Ouellet neue Bischöfe für das Land. In einem dramatischen Appell erklären die Priester, daß es so nicht weitergehen könne. Der katholische Glauben schwinde in Frankreich dramatisch. Verantwortlich dafür seien nicht zuletzt die Oberhirten. Diese hingen zum Großteil noch immer dem Geist von 1968 an oder seien unfähig, eine katholische Erneuerung voranzubringen. Die Lage sei jedoch nicht aussichtslos, denn es gäbe inmitten der geistlichen Wüste ausreichend glaubensstarke Gruppen, die die Kraft hätten für einen lebendigen Wiederaufbau. Um diese Erneuerung zu stützen und voranzubringen, brauche es jedoch neue Bischöfe. Andernfalls bestehe die Gefahr, auch diese lebendigen Pfanzen, die die Zukunft der Kirche seien, zu ersticken. Die Priester beschlossen, bewußt keine Seminaristen das Schreiben unterzeichnen zu lassen, obwohl es entsprechende Anfragen gab, um sie nicht in Schwierigkeiten zu bringen, wie Osservatore Vaticano berichtet.
Der Brief der französischen Priester in deutscher Übersetzung von katholisches.info :

An S.Em. Marc Kardinal Ouellet
Präfekt der Kongregation für die Bischöfe
Vatikanstadt

Eminenz,

wir möchten Sie informieren, daß ein Großteil der Priester und Katholiken Frankreichs die laufenden Bischofsernennungen nicht versteht.

In unserem Land ist der katholische Glaube seit drei oder vier Jahrzehnten geschwunden und schwindet weiterhin dramatisch (kontinuierliche Einbrüche bei den sonntäglichen Meßbesuchern, bei den Ordensleuten, bei den Priesterberufungen, usw.). Es ist nicht ausgeschlossen, daß der Heilige Stuhl bald gezwungen sein wird, einige französische Diözesen wegen der geringen verbliebenen Zahl an aktiven Priestern in Apostolische Administraturen umzuwandeln.

Dennoch ist dieser kranke Katholizismus nicht tot. Verwandelt durch die schreckliche Prüfung der Säkularisierung gibt es noch immer – wie lange noch? – in einer Minderheit Kraft und Fähigkeit zur Erneuerung und Wiederbelebung: Pfadfindertum, wirklich katholische Schulen, Bewegungen, Pilgergruppen, zahlreiche neue Gemeinschaften, Diözesanseminaristen und viele potentiellen Berufungen der „Generation Benedikt XVI.“, liturgische Möglichkeiten und solche der Berufungen durch das Motu proprio Summorum Pontificum, junge kinderreiche christliche Familien, sehr aktive Lebensschutzgruppen. Dieser lebendige Katholizismus will ein tödliches Kapitel abschließen: liturgische Mißbräuche, verheerende Predigten über die Ehemoral, latente antirömische Komplexe, irreführende sakramentale Praktiken (Segnung neuer „Ehen“ von wiederverheirateten Geschiedenen, Generalabsolutionen), Religionsunterricht und Katechese von zweifelhafter Katholizität über die Eucharistie usw.

In diesem Kontext sind die Bischofsernennungen unverständlich. Viele französische Bischöfe koppeln sich zunehmend von diesem neuen Katholizismus ab. Es ist eine große Enttäuschung zu sehen, daß ein Teil der heute unter Papst Benedikt XVI. Ernannten noch immer dem Geist der 68er-Generation nachhängt. Es scheint, als würden sie sich durch Kooptation ständig neu reproduzieren, während der andere Teil der ernannten Bischöfe unter jenen ausgewählt wird, die extrem erneuerungsscheu sind, um einen nicht möglichen Konsens zu erreichen.

Die Priester, die Ordensleute, die Kleriker, die wir vertreten, wünschen sich, daß einer immer gleichgültiger werdenden Gesellschaft das Evangelium mit Klarheit verkündet wird. Sie sind angetrieben von einem authentischen Wunsch nach Versöhnung und Frieden zwischen allen Katholiken Frankreichs, die inzwischen wissen, daß sie eine kleine Minderheit sind. Um jedoch eine neue Seelsorge einzusetzen, braucht es neue Hirten. Priester im Alter von 50-60 Jahren , mit einem soliden pastoralen, psychologischen und intellektuellen Profil, das genau den lebensnotwendigen Bedürfnissen des neuen französischen Katholizismus entspricht, sind inzwischen zahlreich.

Eminenz, die Rettung des französischen Katholizismus hängt von den Bischofsernennungen ab, die den tatsächlichen Bedürfnissen und den wahren Erwartungen entsprechen.

Wir drücken Euer Eminenz unsere tiefe und religiöse Hochachtung aus und bitten Sie, unserem Heiligen Vater dem Papst den Ausdruck tiefer respektvoller und frommer Anhänglichkeit seiner treuen Söhne, der Priester Jesu Christi zu übermitteln.

(Übersetzung Giuseppe Nardi, Bild: Petrus)

 

 

 

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