Auf Säkularisierung kann man nicht mit Säkularisierung antworten – Altersschwacher Theologenprotest

(Rom) Südlich der Alpen findet der „Appell“ der 143 deutschsprachigen Theologen kaum Beachtung. Man stößt in diesen Tagen häufig auf eine wortlose Gestik, die ausdrücken will: „Nichts Neues im Norden“. Die Hochachtung, die man dem deutschen Denken entgegenbringt, ist stets mit einem unterschwelligen Verdacht verbunden, die deutsche Kirche sei seit langem schon von einem protestantisierenden Fieber angesteckt, das in Schüben auftrete. Als solcher Fieberschub einer verschleppten Krankheit wird selbst von hochrangigen Prälaten im Vatikan auch das jüngste Dokument gewertet. Manche betrachten die Aufmüpfigkeit in der deutschen Kirche bereits als „biologische“ Frage, die sich durch eine neue heranwachsende Priestergeneration erledige oder zumindest deutlich abschwäche.

„Es ist ein offenes Geheimnis, daß es in Deutschland und Österreich nicht wenige Fälle von Priestern gibt, die im Konkubinat leben und dies nicht einmal verstecken“, schreibt der Vatikanist Andrea Tornielli. Die rückläufigen Zahlen an Seminaristen und Neupriestern mache sich auch in diesen Ländern bemerkbar. „Ist aber wirklich die Abschaffung des Zölibats die Antwort darauf? Meinen wir wirklich, daß die Änderung der Lehre zur Homosexualität wieder die halbleeren Kirchen füllen würde?“, fragt Tornielli nach Gesprächen mit mehreren Würdenträgern der italienischen Kirche und des Vatikans.

Es genüge ein Blick auf das, was in der anglikanischen Gemeinschaft geschehen sei, „um zu begreifen, daß die Antwort auf die Säkularisierung nicht eine andere Säkularisierung sein kann“, so Tornielli. Die sich noch viel schneller leerenden Kirchen trotz immer liberalerer Positionen (vom Frauenpriestertum bis Bischöfinnen, von geschiedenen und homosexuellen Pastoren und Pastorinnen) sprechen eine deutliche Sprache.

Was also am meisten an der Initiative der 143 Theologen erstaune, sei die Tatsache, daß „zyklisch“ die „immer gleichen“ Fragen aufgeworfen werden, ohne im geringsten „zu berücksichtigen, daß das kirchliche Lehramt zu eben diesen Fragen mehrfach ausführlich und klar Stellung bezogen hat“.

Und dennoch, trotz Verlautbarungen, Enzykliken, Hirtenbriefen, päpstlichen Stellungnahmen „ist es so, als würde man immer wieder bei Null beginnen“, so Tornielli. Die Resistenzfähigkeit deutscher Theologen sei wirklich beachtlich.

Eine einzige der von den Theologen vorgebrachten „Forderungen“, sei „nicht selbstbezogen und klerikal“ und habe wirklich mit einer größeren Zahl von Personen zu tun: die „leider wachsende Zahl der wiederverheirateten Geschiedenen und deren Zugang zum Eucharistieempfang“, so Tornielli.

Benedikt XVI. sagte am vergangenen Samstag bei der Weihe von fünf neuen Bischöfen: „Der Hirte darf kein Schilfrohr sein, das sich mit dem Winde dreht, kein Diener des Zeitgeistes. Die Unerschrockenheit, der Mut zum Widerspruch gegen die Strömungen des Augenblicks gehört wesentlich zum Auftrag des Hirten. Nicht Schilfrohr darf er sein, sondern – nach dem Bild des ersten Psalms – wie ein Baum, der tiefe Wurzeln hat und darauf festgegründet steht.“

Gewiß, der Papst sprach von den Bischöfen und nicht von den Theologen. Doch seine Überlegungen gelten auch für sie. Mit Tornielli darf man fragen, ob die „notwendige Wende“ (so die deutschen Theologen) zur Stärkung des Glaubens in einer säkularisierten und entchristlichten Gesellschaft wirklich etwas mit Ämtern, Zölibat und randständigen sexuellen Neigungen zu tun hat?

Am 11. Mai 2010 sagte Papst Benedikt XVI. in Lissabon, daß man wohl zu sehr auf „Strukturen“, „kirchliche Programme“, die „Verteilung von Macht und Funktionen“ achte, „doch was geschieht, wenn das Salz schal wird?“

Zwei Tage später fügte er in Fatima noch hinzu: “ Denn wenn der katholische Glaube im Empfinden vieler kein gemeinsames Erbe der Gesellschaft mehr darstellt und oft eine Saat zu sein scheint, der von den „Göttern“ und Herren dieser Welt bedrängt und verdunkelt wird, dann werden die Herzen nur schwer von bloßen Worten oder moralischen Vorhaltungen berührt werden und noch weniger von allgemein gehaltenen Verweisen auf die christlichen Werte. (…) Das, was fasziniert, ist vor allem die Begegnung mit gläubigen Menschen, die durch ihren Glauben Zeugnis von Christus ablegen und die anderen zur seiner Gnade hinführen.“

(Sacri Palazzi/Giuseppe Nardi, Bild: Palazzo Apostolico)

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