Menschwerdung Gottes Mittelpunkt der Schöpfung und der Heilsgeschichte

Liebe Brüder und Schwestern!

In der heutigen Audienz möchte ich den seligen Johannes Duns Scotus vorstellen. Die geographischen Koordinaten des Lebens dieses mittelalterlichen Franziskanertheologen, der 1308 mit 43 Jahren in Köln gestorben ist, finden wir in einer alten Inschrift auf seinem Grab, wo es heißt: »England hat ihn aufgenommen; Frankreich hat ihn unterrichtet; Köln in Deutschland bewahrt seine sterblichen Reste; in Schottland wurde er geboren.« Aus seinem theologischen Werk, das aus seiner Lehrtätigkeit in Oxford, Cambridge und Paris hervorgegangen ist, möchte ich zwei Themen herausgreifen, die er mit großem Scharfsinn dargelegt hat. Wie sein Ordensvater Franziskus widmete sich Duns Scotus besonders der Betrachtung des Geheimnisses der Menschwerdung Gottes. Anders als viele seiner Zeitgenossen sah er darin nicht in erster Linie die Antwort auf die Tragik des Sündenfalls, sondern er war überzeugt, daß der Sohn Gottes auch Mensch geworden wäre ohne die Sünde Adams, weil Gottes Plan von Anfang an umfaßte, daß am Ende die ganze Schöpfung in seinem kreaturgewordenen und gottseienden Sohn zusammengefaßt würde, um so Schöpfung und Gott miteinander zu vereinigen. So ist für ihn die Inkarnation Mittelpunkt des Denkens Gottes, Mittelpunkt der Schöpfung und der Heilsgeschichte. Der zweite Punkt, auf den ich hinweisen möchte, besteht darin, daß Duns Scotus die Frage der Unbefleckten Empfängnis, das heißt der Bewahrung Marias vor der Erbsünde, dargestellt hat. Es bestand ja der Einwand: Wenn Maria ohne Erbsünde geboren ist, dann brauchte sie die Erlösung durch Christus nicht, und das kann nicht sein. Duns Scotus hat gezeigt, daß sie vorerlöst ist, daß sie – in der erlösenden Liebe Gottes eingeschlossen – schon von Anfang an von dieser Liebe getragen und durchdrungen ist. Dazu hat er uns das Besondere dieses Geheimnisses und das Ganze der marianischen Wirklichkeit neu vor Augen gestellt. Der Glaubenssinn des Gottesvolkes hatte dies schon lange geglaubt, ohne die theologischen Formeln dafür zu haben. Dies ist ein typisches Beispiel, daß oft der Glaube des Gottesvolkes dem Denken der Theologen vorangeht. Und erst als das Denken der Theologen alles genügend geklärt hatte, konnte 1854 Papst Pius IX. dieses Dogma von der Erbsündenbewahrung Marias verkünden. In alledem sehen wir die große Liebe des seligen Duns Scotus zu Christus als Mitte aller Wirklichkeit und zu Maria, die für den Sohn Gottes das Tor in die Schöpfung herein geworden ist.

Ganz herzlich begrüße ich die deutschsprachigen Pilger und Besucher. Für den seligen Johannes Duns Scotus stand Christus im Zentrum der Geschichte und der Schöpfung, und das war für ihn nicht nur eine Theorie, sondern auf ihn hat er sein ganzes Leben ausgerichtet und so die wahre Freiheit gefunden. Das soll uns allen ein Ansporn sein, gerade auch in den Sommermonaten mehr Zeit für das Gebet zu finden, um Christus nahe zu sein und in der Liebe zu ihm und so in der Wahrheit unserer selbst zu wachsen. Euch allen wünsche ich einen gesegneten Aufenthalt in Rom.

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