Durch den Glauben und mit Hilfe der Vernunft kann der Mensch die Existenz Gottes erkennen

Liebe Brüder und Schwestern!

Die heutige Katechese widme ich noch einmal dem heiligen Thomas von Aquin und möchte dabei auf einige Aspekte seines Gedankenguts eingehen. Das Meisterwerk seiner reifen Jahre ist die Summa der Theologie. Sie ist aufgebaut in der Methode der „quaestio“: Fragen, Einwände, Antwort, Lösung der Probleme. Es handelt sich um wirkliche Fragen, die sich stellen, die durchgeknetet werden und in deren Bearbeiten schließlich eine zusammenhängende Sicht des Glaubens wächst. Das denkerische Durchdringen der christlichen Offenbarung, der Einblick in den Zusammenhang von Vernunft und Glaube und das konkrete Handeln der Gläubigen aus dieser Erkenntnis gehören zusammen. Es geht nicht um irgendeine Theorie über Gott oder über den Menschen; es geht darum, den Menschen von Gott her zu erkennen und damit zugleich eine praktische Wirklichkeit zu finden: Was haben wir zu tun? Durch den Glauben, der eine Gabe Gottes ist, und mit Hilfe der Vernunft kann der Mensch zunächst erkennen, daß es Gott gibt. Gott ist die Grundlage und das Ziel aller Dinge. Aber dann wird Gott, der Ferne, durch seine Gnade im Leben und Wirken des gläubigen Christen gegenwärtig und hilft uns auf unserem Weg. Und endlich ist Gott nicht ferngeblieben, er ist einer von uns geworden, so daß wir nun wirklich sozusagen sein Gesicht kennen, er ist unser Nächster geworden.

Ein weiteres Buch, das ich erwähnen möchte, sind die sogenannten kleinen Werke, die „opuscula“, die aus seinen Fastenpredigten im Jahr 1273 in Neapel hervorgegangen sind, die er dort im neapolitanischen Dialekt gehalten hat. Der Aufbau dieser Schrift mit Erklärungen zum Glaubensbekenntnis, zum Vater Unser und Ave Maria und zu den Zehn Geboten, entspricht ungefähr der Gliederung des Katechismus der Katholischen Kirche. Es geht um die Fragen: Was glauben wir? Was beten wir? Wie leben wir als Christen? Immer wieder hebt Thomas den Wert des Glaubens hervor: Die menschliche Vernunft reicht allein nicht aus, um die sichtbare und unsichtbare Welt in ihrem Zusammenhang zu erkennen. Es ist vernünftig, Gott Glauben zu schenken, der sich den Aposteln als der Grund und die Fülle des Lebens offenbart hat. Thomas verdeutlicht dies in seinen Predigten mit einem einfachen Vergleich: „Wenn der Bruder eines Königs in der Ferne wäre, würde er sich danach sehnen, bei ihm zu sein. Für uns ist Christus der Bruder. Wir müssen also seine Nähe wünschen, danach streben, ein Herz und eine Seele mit ihm zu werden.“ So sind wir dem König, dem Herrn der Welt, nahe und können mit ihm eins werden.

Von Herzen heiße ich alle Pilger und Besucher deutscher Sprache willkommen. Euch alle ermutige ich, wie Thomas von Aquin – jeder nach seiner Art – aus der Kraft des Heiligen Geistes zu leben, sich vom Wort Gottes und den Sakramenten zu nähren und so auf dem Weg des rechten Lebens, auf dem Weg zur Gemeinschaft mit Gott und mit den Nächsten voranzuschreiten. Der Segen Gottes begleite euch alle!

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