Algerien: Islamisten brannten protestantische Kirche nieder

(Algier) In Algerien ist die antichristliche Gewalt wiederaufgeflammt. In der Nacht auf vergangenen Samstag drang eine Gruppe von Islamisten in die protestantische „Tafat-Kirche“ der Stadt Tizi Ouzou – Hauptstadt der Kabylei – ein, verwüsteten das Haus und die Nebenräume und setzten sie anschließend in Brand.

Protestantischen Quellen zufolge sind Bewohner des Stadtteils Bekkar in das Gemeindezentrum der zur Église protestante d’Algérie (EGA) gehörenden pentekostal-charismatische Tafat-Kirche eingedrungen, haben Bibeln und religiöse Bücher zerstört und schändeten Kreuze. Danach hätten sie Feuer gelegt. Die Gemeindeverantwortlichen erstatteten Anzeige; seien jedoch bei den lokalen Behörden auf Desinteresse gestossen, so der Bericht.

Evangelikale werfen den Behörden vor, aus Angst vor einem erstarkenden Islam bei solchen Attacken nicht einzugreifen. Die örtliche Polizei wies diese Anschuldigungen zurück. Man habe nicht eingreifen können, da der Raum nicht offiziell als Gebetsstätte registriert gewesen sei.

Im überwiegend muslimisch bewohnten Algerien genießt die christliche Minderheit Kultfreiheit. Ein Gesetz aus dem Jahr 2006 unterdrückt jedoch jede missionarische Tätigkeit nicht-islamischer Konfessionen.

Bereits am 26. Dezember bildeten mehr als 50 Mitglieder einer islamischen Gemeinschaft eine Menschenkette vor der protestantischen Tafat-Kirche um die Mitglieder an der Teilnahme des Weihnachtsgottesdienstes zu hindern. Nach Angaben der Tageszeitung El Watan riefen die Islamisten in Sprechchören: „Dieses Land ist islamisches Land. Geht weg und betet anderswo“. Einige Protestierende drohten gar, den Pastor, Mustafa Krireche, zu töten.

Zeitungsangaben zufolge äußerten sich die Einwohner des Stadtteils Bekkar besorgt darüber, daß in ihrem Wohnquartier eine christliche Kirche mit zahlreichen auswärtigen Gottesdienstbesuchern errichtet wurde. Dem Blatt zufolge befürchteten die Bewohner, daß ihre Jugendlichen mit Geschenken wie Bargeld oder Mobiltelefonen in die Kirche gelockt würden.

Die Kabylei ist das Zentrum der hamitischen, nichtarabischen Berberbevölkerung Algeriens. 1873 begannen katholische „Weiße Väter“ und „Weiße Schwestern“ mit der Mission unter den Berbern in der Kabylei. In den vergangenen 20 Jahren hatten evangelikale, pfingstlerische und charismatische Kirchen und Gemeinschaften vor allem in der Kabylei beachtliche Bekehrungserfolge zu verzeichnen. Dabei ist vereinzelt auch Proselytismus im Spiel gewesen.

(APD)



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