Papst beendet Bischofssynode – Reiseankündigung für Afrika

(Vatikan) Mit einer Messe in St. Peter ist am Sonntag die Weltbischofssynode zu Ende gegangen. Vor den Synodenvätern aus aller Welt kündigte Benedikt XVI. seine erste Reise nach Afrika an. Im März 2009 will er Kamerun und Angola besuchen. Bischöfe aus aller Welt hatten sich seit dem 5. Oktober im Vatikan mit dem Thema Wort Gottes beschäftigt.

„Singt dem Herrn ein neues Lied“, psalmodiert der Chor, als Benedikt XVI. und die Teilnehmer an dieser Bischofssynode im Petersdom einziehen. Was an diesem Sonntag hier zu Ende geht, war die XII. Ordentliche Generalversammlung der Bischofssynode. Thema: Das Wort Gottes im Leben und in der Sendung der Kirche. Mit dem Papst konzelebrieren 326 Synodenväter, darunter 52 Kardinäle und 14 hohe Vertreter katholischer Ostkirchen – ein prachtvolles Bild.

Auf Gott hören – den Brüdern dienen

„Wie wichtig ist es, das Wort zu hören und ihm im persönlichen und gemeinschaftlichen Leben Gestalt zu verleihen!“, sagt Benedikt in seiner Predigt. „In dieser Eucharistiefeier zum Abschluß der Synodenarbeiten nehmen wir in einzigartiger Weise die Beziehung wahr, die zwischen dem liebevollen Hören auf Gott und dem uneigennützigen Dienst an den Brüdern besteht. Wie oft haben wir in den vergangenen Tagen Erfahrungen und Reflexionen gehört, die unterstreichen, daß es heute ein wachsendes Bedürfnis gibt, innerlicher auf Gott zu hören, sowie sein Heilswort wahrhaft zu kennen und in aufrichtigerer Weise den Glauben zu teilen, der sich beständig am Tisch des göttlichen Wortes nährt!“

Der Papst dankte allen Teilnehmern und Helfern der Synode – mit einem besonderen Gedanken für die Bischöfe vom chinesischen Festland, die vom Pekinger Regime nicht nach Rom gelassen wurden. Er danke ihnen für „ihre Gemeinschaft mit der Weltkirche und ihre Treue zum Nachfolger des Apostels Petrus“, so Benedikt XVI. wörtlich. „Bitten wir den “obersten Hirten“ (1 Petr 5,4), ihnen Freude, Kraft und apostolischen Eifer zu schenken, damit sie mit Weisheit und Weitsicht die katholische Gemeinschaft in China führen können, die uns sehr am Herzen liegt.“

„Wir alle, die wir an den Synodenarbeiten teilgenommen haben, nehmen das erneuerte Bewußtsein mit, daß die Hauptaufgabe der Kirche am Beginn des neuen Jahrtausends vor allem darin besteht, sich vom Wort Gottes zu ernähren, um ihren Einsatz in der Neuevangelisierung wirksam werden zu lassen. Jetzt muß diese kirchliche Erfahrung in jede Gemeinschaft hineingetragen werden; wir müssen die Notwendigkeit erkennen, das gehörte Wort in Gesten der Liebe umzusetzen, weil nur so die Verkündigung des Evangeliums glaubwürdig wird, trotz aller menschlicher Schwächen. Das erfordert vor allem eine noch tiefere Kenntnis Christi und ein immer fügsameres Hören auf sein Wort.“

Zugang zur Schrift muß für alle offenstehen

So viele Menschen seien „auf der Suche“, meinte der Papst eindringlich; so viele sehnten sich, „manchmal sogar ohne sich dessen bewußt zu sein, nach der Begegnung mit Christus und seinem Evangelium“. Ein „klares und gemeinsames Zeugnis“ von einem Leben nach dem Wort Gottes sei das beste Angebot, das die Christen der Welt von heute machen könnten.

„Das Zweite Vatikanische Konzil bekräftigt: “Der Zugang zur Heiligen Schrift muß für die an Christus Glaubenden weit offenstehen“ (Konstitution Dei Verbum, 22)… Es handelt sich um ein heute unerläßliches Erfordernis für die Evangelisierung. Und weil die Begegnung mit der Schrift nicht selten Gefahr läuft, keine „kirchliche Angelegenheit“ zu sein, sondern Subjektivismus und Willkür ausgesetzt ist, wird es unerläßlich, durch eine gehaltvolle und glaubwürdige Pastoral die Kenntnis der Heiligen Schrift zu fördern, um das Wort in der christlichen Gemeinschaft zu verkünden, zu feiern und zu leben. Dies soll im Dialog mit den Kulturen unserer Zeit geschehen, im Dienst der Wahrheit und nicht der gängigen Ideologien, zur Vertiefung des Dialogs, den Gott mit allen Menschen führen will (vgl. ebd., 21).“

Die Bibel – „ein Buch eines Volkes und für ein Volk“. Ihr „privilegierter Ort“: die Liturgie. „Die Bibel bleibt ein lebendiges Buch, wenn es ein Volk gibt, das sie liest“, mahnt der Papst; „das Volk existiert nicht ohne das Buch, denn in ihm findet es seine Daseinsberechtigung, seine Berufung, seine Identität. Diese wechselseitige Zugehörigkeit von Volk und Heiliger Schrift wird in jeder liturgischen Versammlung gefeiert, die durch den Heiligen Geist auf Christus hört“.

Im März Papstreise nach Kamerun und Angola

Zum Schluß der Predigt, etwas unvermittelt, dann eine Ankündigung:

„Ich habe die Absicht, im nächsten März nach Kamerun zu reisen. Dort will ich den Vertretern der Bischofskonferenzen Afrikas das Instrumentum laboris der zweiten Sondersynode für Afrika übergeben, die im Oktober nächsten Jahres in Rom stattfindet. Von Kamerun aus werde ich mich, so Gott will, nach Angola begeben, um feierlich den 500. Jahrestag der Evangelisierung des Landes zu begehen.“ Es wird die erste große Afrikareise dieses Pontifikats sein; Benedikt XVI. hat bisher neben europäischen Zielen schon Nord- und Südamerika sowie Australien besucht. In Kamerun war schon Papst Johannes Paul II. in den Jahren 1985 und 1995 gewesen; Angola besuchte der Papst aus Polen im Jahr 1992.

Auf Arabisch und auf Hindi wurde an diesem Sonntag bei den Fürbitten im Petersdom um Frieden gebetet; beim Angelusgebet auf dem Petersplatz ging der Papst dann vor 60.000 Menschen auf die Schwierigkeiten der Christen im Irak und in Indien ein. In beiden Ländern kommt es stellenweise zur Jagd auf Christen, Tausende werden von Fanatikern vertrieben. „Ich mache mir den Appell der Patriarchen der Ostkirchen zu eigen, die die Aufmerksamkeit aller Menschen guten Willens auf die Tragödie in einigen Ländern des Orients richten: Dort werden die Christen Opfer von Intoleranz und grausamer Gewalt; sie werden getötet, bedroht, zur Flucht gezwungen. Ich denke vor allem an den Irak und an Indien. Ich bin mir sicher: Die alten und edlen Völker dieser Nationen werden doch im Lauf von Jahrhunderten den Beitrag zu schätzen gelernt haben, den die kleinen, aber rührigen christlichen Minderheiten zum Wachstum des gemeinsamen Vaterlandes leisten. Sie wollen ja keine Privilegien – sie wollen einfach weiter im Land leben, bei ihren Mitbürgern, wie immer.“

Appell für verfolgte Christen im Irak und in Indien

Der Papst appellierte an die Behörden in beiden Ländern, die Sicherheit der Christen zu garantieren. Auch von den religiösen Führern wünsche er sich „deutliche und explizite Gesten der Freundschaft und Wertschätzung der Minderheiten, ob sie nun christliche sind oder zu anderen Religionen gehören“. Sie sollten die Verteidigung der Minderheiten als „Ehrensache ansehen“, so Benedikt wörtlich. Und dann nochmals ein kleiner Blick auf die Bibel:

„Jeder Text muß im Licht der Einheit der ganzen Schrift, der lebendigen Tradition der Kirche und des Glaubens gelesen und interpretiert werden. Natürlich ist die Bibel auch ein literarisches Werk, ja sogar der große Kodex der universellen Kultur schlechthin. Aber man darf das göttliche Element in ihr nicht leugnen: Alles muß im gleichen Geist gelesen werden, in dem es geschrieben wurde. Wissenschaftliche Exegese und die so genannte „lectio divina“ sind also beide nötig und komplementär, um durch den wörtlichen Schriftsinn den spirituellen aufzuspüren, den Gott uns heute mitteilen will.“

Auf deutsch sagte Papst Benedikt zum Abschluß der Synode:

„Gerade in der Liturgie kommt das Thema dieser Synode „Das Wort Gottes im Leben und in der Sendung der Kirche“ deutlich zum Ausdruck. Denn in der Eucharistie ist Gott mit seinem fleischgewordenen Wort unter uns zugegen, er erfüllt unser Leben mit seiner Gegenwart und stärkt die Kirche in ihrer Heilssendung zu den Menschen. Der Friede Christi begleite euch auf allen Wegen!“

(RV)

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