Antichristliche Gewalt in Indien ein „menschlicher Tsunami“ – Behörden behindern Kardinal

(Mumbai) Nach den schweren Ausschreitungen fundamentalistischer Hindus gegen Christen zu Weihnachten 2007 besuchte der Vorsitzende der indischen Bischofskonferenz Ende Dezember den betroffenen Bundesstaat Orissa. Die lokalen Behörden verweigerten ihm, die Opfer der Aggression vor Ort aufzusuchen. Nach einer Aussprache mit dem indischen Ministerpräsidenten Manmohan Singh verurteilte dieser nun die Exzesse gegen die Christen des Landes. Erst nach Protesten durch Menschenrechtsorganisationen beginnt sich auch die nationale Kommission für die Minderheiten (NCM) zu rühren.


Zwischen 24. und 27. Dezember war es im Bundesstaat Orissa  zu einem bisher ungeahnten Gewaltausbruch radikaler Anhänger der hindu-nationalistischen Organisation Vishva Hindu Parishad (VHP) gegen Christen gekommen. Die Christen, rund sieben Prozent der Bevölkerung, gehören fast ausnahmslos den Dalits an, zu den „Unberührbaren“, die außerhalb des hinduistischen Kastensystems oder an derem unteren Ende stehen. Sie fühlen sich durch die, allen Menschen unterschiedslos zugesprochene Menschenwürde im Christentum angezogen. Die oberen Kasten, die weniger als ein Drittel der Bevölkerung ausmachen, sehen durch Konversionen und Taufen das Kastenwesen, und damit ihren sozialen Rang und die politische Vormachtstellung  bedroht. Im Bundesstaat Orissa sind die hindu-nationalistischen Kräfte sehr stark. Bereits seit 1968 gilt ein Anti-Konversions-Gesetz, das jede christliche Mission verbietet.

Die erschreckende Bilanz der schweren Ausschreitungen in der Gegend von Bubhaneshwar im Distrikt Kandhamal und weiteren Distrikten sind sechs getötete Christen, 70 zerstörte Kirchen und kirchliche Einrichtunge, 600 beschädigte Privathäuser und Geschäfte von Christen, insgesamt rund 5000 von den Angriffen direkt geschädigte Christen.

Die Lokalbehörden scheinen die Aufklärung der antichristlichen Exzesse zu behindern. Der zuständige Ortsbischof Raphael Cheenath besuchte mit Kardinal Toppo einige besonders schwer betroffene Orte. Der Kardinal berichtete, daß die Menschen noch unter Schock stünden und in großer Angst lebten.

Bei einer Begegnung informierte der Kardinal Indiens Ministerpräsidenten Singh über die Ereignisse. In einem Schreiben, das er dabei übergab, bezeichnete er die „wirklich tragischen“ Vorfälle als „vorbereitete Taten“. Am 7. Januar wandte sich der Purpurträger an alle Diözesen und katholischen Einrichtungen Indiens mit der Bitte, den betroffenen Christen von Orissa beim Wiederaufbau zu helfen.

Erst nachdem Menschenrechtsorganisationen die „Apathie“ und „Ineffizienz“ kritisierten, begann die staatliche Kommission für die Minderheiten (NCM), mehr als zehn Tage nach den Aggressionen, tätig zu werden. Am 7. Januar besuchten zwei Vertreter den Distrikt von Kandhamal mit der Aufgabe, die Ursachen der Gewalt festzustellen und Maßnahmen für die Opfer vorzuschlagen.

(asianews/RP)

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