Bischof Semeraro: „Papst sieht sich selbst eigentlich nicht als Reformer“ – C9-Kardinalsrat tagt

C9-Kardinalsrat: Vorschläge zu Kurienreform liegen zu "drei Viertel" vor.
C9-Kardinalsrat: Vorschläge zu Kurienreform liegen zu "drei Viertel" vor.

(Rom) Gestern begann in Rom die XXI. Sitzung des C9-Kardinalsrates, den Papst Franziskus im April 2013 errichtete. Der Kardinalsrat hat die Aufgabe, Franziskus in der Leitung der Weltkirche und vor allem bei der Kurienreform zu beraten. Die XXI. Sitzungsperiode dauert wie gewohnt drei Tage. Laut Bischof Marcello Semeraro, Sekretär des C9-Rates, ist die Kurienreform „fast abgeschlossen“. Auszüge aus dem gestern von Radio Vatikan – Italienischen Sektion veröffentlichen Interview mit Msgr. Semeraro.

Bischof Semeraro, Sekretär des C9-Kardinalsrates
Bischof Semeraro, Sekretär des C9-Kardinalsrates

Bischof Semeraro: Der Papst selbst sieht sich selbst eigentlich nicht als „Reformer“ …, wenn der Papst diese Arbeit zur Kurienreform begonnen hat, hat er dies unter dem Anstoß von Empfehlungen getan, die vor allem in den Versammlungen vor dem Konklave geäußert wurden.

Radio Vatikan: Viele fragen sich, an welchem Punkt die Reform angelangt ist…

Bischof Semeraro: Ich würde sagen, was den Reformprozeß der Römischen Kurie betrifft, sind mehr als drei Viertel des Weges geschafft. Er ist dabei, abgeschlossen zu werden. Er ist dabei abgeschlossen zu werden, was die Ebene der dem Papst gemachten Vorschläge anbelangt. Wir wissen, daß er einige Zusammenlegungen von Päpstlichen Räten sehr schnell bekanntgemacht hat: Sagen wir, daß es zu Laien, Familie und Leben eine Art von Homogenität und thematischer Folgerichtigkeit gibt. Das Dikasterium für die ganzheitliche Entwicklung des Menschen, auch das begnügt sich nicht damit, die vorherigen Strukturen zu übernehmen, sondern setzt einheitlich das Projekt des Konzilsdokuments Gaudium et spes um. Von großer Bedeutung ist auch ein anderes Dikasterium, das Kommunikationssekretariat, das auch vordringlich pastorale Funktionen übernimmt, sagen wir jene, die zuvor beim Päpstlichen Rat für die sozialen Kommunikationsmittel lagen. Zusammen mit dieser pastoralen Aufgabe der Orientierung hat das Kommunikationssekretariat, wegen seiner Größe, auch eine große Verwaltungsverantwortung. Auch wegen der Bedeutung des Kommunikationsthemas ist es ein zentrales Dikasterium im Projekt der Kurienreform.

Radio Vatikan: Geht der Weg also seinem Ende zu?

Bischof Semeraro: Im Augenblick sind drei Viertel des Weges bereits zurückgelegt: Ich denke, daß in einigen Monaten diese Revision mehr oder weniger vollendet sein wird, dann wird der Papst die Vorschläge zur Verfügung haben, die alle Dikasterien betreffen, und es wird ihm zustehen, zu entscheiden, wie und wann sie umgesetzt werden. Im Moment hat der Papst eine schrittweise Umsetzung bevorzugt, indem er in gewisser Weise eine Art Eingewöhnung ermöglicht. In manchen Fällen hat der Papst bereits eingegriffen, um Korrekturen vorzunehmen, weil beim Übergang von der Theorie zur Praxis die Notwendigkeiten von Korrekturen aufgetreten sind. Franziskus verfolgt im Moment das Projekt einer stufenweisen Umsetzung.

Einleitung/Übersetzung: Giuseppe Nardi
Bild: Radio Vatikan/Youtube (Screenshots)

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1 Kommentar

  1. Eh klar; der Papst sieht sich ja selbst als Spalter und Verwirrer und daher nicht als Reformer, das sollte schön langsam auch von weniger theologisch gebildeten Gläubigen erkannt werden

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