Papst-Vertrauter Victor Manuel Fernandez: „Neuer Organisationstypus in den Pfarreien ohne Zölibatsabschaffung“

Victor Manuel Fernandez über Priesterzölibat und warum Papst Franziskus seine Heimat Argentinien nicht besucht.
Victor Manuel Fernandez über Priesterzölibat und warum Papst Franziskus seine Heimat Argentinien nicht besucht.

(Buenos Aires) „Ohne notwendigerweise den Zölibat zu abzuschaffen, könnte es einen anderen Typus von Organisationsstruktur in den Pfarreien geben.“ Am vergangenen Samstag, dem 12. August, veröffentlichte im argentinischen Cordoba La Voz del Interior ein Interview mit Titularerzbischof Victor Manuel Fernandez. Msgr. Fernandez ist Rektor der Päpstlichen Katholischen Universität von Argentinien. Er ist der Ghostwriter von Papst Franziskus und gilt als ein Alter ego seines argentinischen Landsmannes auf dem Papstthron. Im Interview ging es vor allem um die Gründe, warum Papst Franziskus seine Heimat Argentinien nicht besucht. Ein anderer Teil des Interviews bezieht sich auf den Priesterzölibat. Papst Franziskus ließ nach Unstimmigkeiten mit dem amtierenden argentinischen Staatspräsidenten mitteilen, daß „Franziskus für sich selbst spricht“ und keine Sprecher habe, auch nicht in Argentinien. Die Herausgabe einer argentinischen Ausgabe des Osservatore Romano wurde damit begründet, daß die Stimme des Papstes in seiner Heimat direkt gehört werden könne. In Wirklichkeit bestehen aber gewisse Zweifel, da Msgr. Fernandez immer wieder mit dem Habitus eines authentischen Franziskus-Interpreten an die Öffentlichkeit tritt. Das gilt nicht nur für ihn allein

Zur Tatsache, daß Papst Franziskus weiterhin seine Heimat Argentinien nicht besuchen will, sagte Msgr. Fernandez (Auszug):

La Voz del Interior: Warum kommt der Papst nicht nach Argentinien, obwohl es sein Land ist?

Victor Manuel Fernandez: Weil einige Dinge, die er sagt, und einige seiner Sorgen mißverstanden werden. Argentinien erlebt im Moment eine starke Polarisierung und Spannung. Es wird befürchtet, daß seine Anwesenheit dazu benützt werden könnte, zu einer noch größeren Spaltung aufzureizen.

Zum Priesterzölibat sagte er:

La Voz del Interior: Kann die Anforderung des Zölibats für Priester geändert werden?

Victor Manuel Fernandez: Der Zölibat ist keine Glaubensnorm im Sinne, daß nicht darüber diskutiert werden kann, ob er geeignet ist oder nicht. Die Kirche glaubt, daß er geeignet ist, versperrt sich aber nicht in dem Sinn, daß er nie geändert werden könnte. Man kann nicht sagen, daß er sinnlos ist. Es gibt Leute, die sehr glücklich leben und die ganze Energie, die sie in der Ehe einsetzen könnten, für einen großzügigen Dienst einsetzen. Es gibt Wissenschaftler, Ärzte, buddhistische Mönche, die zölibatär leben. Die Energien, von denen einige behaupten, daß sie unterdrückt würden, werden in Wirklichkeit auf andere Weise kanalisiert und zwar auf eine sehr effiziente Weise. Worüber man diskutieren kann, das ist, ob er obligatorisch sein muß, aber nicht über den Wert, den der Zölibat hat.

La Voz del Interior: Es gibt aber viele Diakone. Was sagt Ihnen das?

Victor Manuel Fernandez: Viele Personen, die eine starke Berufung zur Ehe haben, schließen das Priestertum aus, aber es ist zu berücksichtigen, daß das Diakonat ein Weiheamt ist. Der Diakon tauft und schließt Ehen. Man kann ihm auch eine Gemeinschaft übertragen, sie zu begleiten, zu organisieren, sie lebendig zu machen, die Leute zu versammeln. In der Praxis kann er Funktionen ausüben, die denen eines Pfarrers ähnlich sind, er hat seine Familienpflichten, er zelebriert weder die Messe noch hört er die Beichte, doch den Rest kann er machen. Es gibt Orte, an denen viele Diakone geweiht wurden. Man garantiert dadurch, daß die Gemeinden Aufmerksamkeit finden, und die wenigen Priester, die es gibt, ziehen wandernd herum, die Messen zu zelebrieren und die Beichte zu hören.

La Voz del Interior: Wird es also Änderungen geben? Muß die Zölibatsforderung flexibler werden?

Victor Manuel Fernandez: Manchmal wird über den Zölibat sehr diskutiert, weil er als Vollmacht für den Pfarrer gesehen wird, Oberhaupt einer Gemeinde zu sein. Wenn wir aber an einen Typus von Organisation denken, wo es nicht unbedingt einen Mann braucht, wo es nicht um eine Frage der Leitungsvollmacht geht, sondern um eine Frage der verschiedenen Charismen sowohl von Männern als auch von Frauen. Eine solche Gemeinde ist voller Reichtum, weil sie viele Menschen hat, die sich untereinander mit einer Vielzahl von Charismen ergänzen. Es gibt einen der die Beichte hört und die Messe zelebriert, aber man zielt nicht darauf ab, daß alles von dieser Person abhängt. Ohne notwendigerweise den Zölibat zu beseitigen, könnte es einen anderen Typus von Organisationsstruktur in den Pfarreien geben, wo es weniger stört, daß der Priester zölibatär sein muß, und das weniger in Frage gestellt wird. Mehr an eine Gemeinschaft denken als an eine Person.

Text: Giuseppe Nardi
Bild: La Voz del Interior (Screenshot)

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4 Kommentare

  1. „Es gibt einen, der die Beichte hört und die Messe zelebriert“ – genau und das ist der katholisch geweihte und zölibatäre Priester. Der Bischof spendet die Firmung und die Priesterweihe und der geweihte Diakon spendet die Taufe, ist für Beerdigungen, Eheschließungen und soziale Dienste zuständig. Die Gemeindemitglieder bringen ihre jeweiligen Charismen ein, aber als Diener und nicht als Narzissten und Selbstdarsteller – was soll daran neu sein?
    Was soll das also sein „ein anderer Typus von Organisationsstruktur“?
    Stimmt das Verhältnis von katholischen, geweihten und zölibatären Priestern und ebensolchen Bischöfen zu katholischen Gläubigen wirklich nicht?

    • Um Gläubige zu organisieren, müssen zuerst einmal Gläubige da sein. Und dort, wo es Gläubige gibt, gibt es auch Priester. Dazu reicht ein Blick nach Afrika.

    • Vermutlich ist das von Manuel Fernandez folgendermassen gemeint:
      Die Priester lesen hauptsächlich noch die hl. Messen und hören Beichte. Diese können dann (aufgrund des Priestermangels) ein weit größeres Gebiet betreuen.
      Alles andere (z.B. Eheschließungen, Taufen, Beerdigungen) wird dann hauptsächlich von Diakonen, bzw. von Laien (soziale Dienste, teilweise auch Katechesen) „erledigt“.
      Ich denke, dass er es so meinte.
      Dann wäre es nicht mal ein so schlechter Ansatz.
      Was mich stört ist, dass er nicht darauf hingewiesen hat mehr für Berufungen zu beten.

  2. Interessant durch die Fragen, interessant durch die Antworte und nicht zuletzt wichtig durch die Person des Befragten „Tucho“Manuel Fernandez, und wohl besonders was jener sagt, únd was er nicht sagt.
    Bergoglio besucht Argentinien nicht, weil seine Anwesenheit dort für ihn und die von ihn verkörperten/durchgeführten Modernisierungs- und Innenzerstörungsoffensive der Kirche katastrophal enden würde:
    Bergoglios ganze Vergangenheit, seine Jugendjahren und familiale und politische Einbettung, sein für die argentinisce Jesuitenprovinz verheerendes Regiment, seine Aktivitäten und vielleicht noch mehr seine Nichtaktivität während den Juntajahren (cfr. entführten und gefolterten Mitjesuiten (F. Jalic)), sein Verschwinden hinterher ins Exil nach Deutschland, sein Wiederauftreten in Argentinien mit Anschluß am linksperonistischen Milieu, und nicht zuletzt die Archive mit den Skandalen an der Rio de la Plata (u.A. Fall Don Julio Cesare Grassi/Móron) würden Bergoglio explodierend um die Ohren knallen.
    Das kann man in der Tat mit „Mißverständnissen von bestimmten Dingen, die er sagt, und Sorgen, die er äussert“ und mit „Polarisierung, Spannungen und Spaltung“ euphemistisch umschreiben.
    Was betrifft Manuel Fernandez‘ aussagen zum Zölibat und Diakonat und neuen arten von Pfarreinheiten:
    das, was Manuel Fernandez hier beschreibt, wurde schon vollkommen verwirklicht im Bistum Brügge (Belgien, Provinz Westflandern) unter dem Bischof Roger vanGheluwe (1985-2010);
    abgesehen von seinen persönliche pädophile Aktivitäten weihte er 85 Diakone, eine sehr große Schar von Priestern, sehr häufig topnarzistisch und zum größten Teil homo- und pädophil, und inzwischen sehr häufig gerichtlich belangt, verurteilt oder tot durch Suizid („Alles die Schuld vom Msgr. EB Léonard“);
    eine große Homocommune, Sektenbildung in und später am Rande der Kirche ( mit dem knackigen Namen „www.rent-a-priest.be“ („Miete einen Priester“) (ein Schelm, wer hier an Simonie denkt) und viele mysteriöse Gesellschaften runden alles ab.
    Alles liegt jetzt in Ruinen; offensichtlich nur noch psychiatrisch Kranken – und der neue Bischof Lode Aerts, kein großes Licht, darf die Scherben mit Kehrwisch und Kuttenschaufel zusammen kehren- und, simpel, lächelt dabei.

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