Marcelo Sanchez Sorondo, der „politische Arm“ des Papstes – Sproß der Oberschicht, der den Geruch seiner Herkunft loswerden will

Marcelo Sanchez Sorondo, der "politische Arm" des Papstes. "Jahrzehntelang verhielt er sich an der Römischen Kurie unauffällig, bis zur Wahl von Papst Franziskus". Der Name Sanchez Sorondo ist wegen seines Großvaters und seines Vaters in Argentinien noch heute ein Begriff.
Marcelo Sanchez Sorondo, der "politische Arm" des Papstes. "Jahrzehntelang verhielt er sich an der Römischen Kurie unauffällig, bis zur Wahl von Papst Franziskus". Der Name Sanchez Sorondo ist wegen seines Großvaters und seines Vaters in Argentinien noch heute ein Begriff.

(Rom) Der argentinische Bischof Marcelo Sanchez Sorondo, offiziell Großkanzler der Päpstlichen Akademien der Wissenschaften und der Sozialwissenschaften, ist der „politische Arm“ von Papst Franziskus. Er zeichnet verantwortlich für eine neue Zweideutigkeit und Anpassung in Sachen Lebensrecht, Kultur des Todes und Sterilisation als Lösung der Umweltprobleme und des Klimawandels. Die Politik wurde dem politischen Berater des Papstes bereits in die Wiege gelegt. Er entstammt einer namhaften Familie der argentinischen Oberschicht. Sein Großvater war argentinischer Innenminister und sein Vater ein bekannter politischer Publizist.
Nun wurden sogar Vorwürfe laut, daß der Politikberater von Franziskus nicht wie ein Priester leben soll, da er „nie die Heilige Messe zelebriert und ebensowenig das Brevier betet“, wie InfoVaticana berichtete.

Sproß der argentinischen Oberschicht:  Politik schon in die Wiege gelegt

Geboren wurde der Kurienbischof in Buenos Aires am Fest Maria Geburt des Jahres 1942. Geboren wurde er als Sohn einer Familie der Oberschicht und wuchs in einem sehr intellektuell geprägten Umfeld auf. Seine Mutter Amalia Moreno Bunge starb, als Marcelo jun. acht Jahre alt war. Im Alter von 26 Jahren wurde er im bezeichnenden Jahr 1968 für das Erzbistum Buenos Aires zum Priester geweiht. Nach seiner Priesterweihe ging er nach Italien, wo er an der Dominikaner-Universität Angelicum Theologie und an der Universität Perugia Philosophie studierte.

Der junge Priester kehrte nicht mehr nach Argentinien zurück, wo sein Familienname unter älteren Menschen noch immer bekannt ist. Grund dafür sind sein Großvater Matías Guillermo Sánchez Sorondo und sein Vater Marcelo Sanchez Sorondo, beide bekannte Gestalten des katholischen Rechtsnationalismus in Argentinien. Die Sanchez Sorondo sind eine vor 180 Jahren entstandene Linie der Sanchez de Loria, die zu den ältesten spanischen Familien Argentiniens und überhaupt Hispanoamerikas gezählt werden. Msgr. Marcelo Sanchez Sorondos Ururgroßvater war Mateo Sanchez de Loria y Echegaray.

Der Großvater Matías Sánchez Sorondo: Professor, Innenminister, Putschist, Senator

Der Großvater Matías Sánchez Sorondo (rechts) in den 30er Jahren als Senator
Der Großvater Matías Sánchez Sorondo (rechts) in den 30er Jahren als Senator

Matías Guillermo Sánchez Sorondo (1880-1959), war Professor für Bergrecht an der Universität Buenos Aires und Rechtsanwalt in der argentinischen Hauptstadt. Als solcher vertrat er Standard Oil in Argentinien. Von 1918-1926 war er zudem Abgeordneter im Provinzparlament von Buenos Aires. Der überzeugte Antikommunist gehörte 1930 zu den führenden Köpfen des Staatsstreiches. Von 1930-1931 war er argentinischer Innenminister. Unter seiner Amtsführung wurde der Kommunismus verboten und im Innenministerium eine Sonderabteilung zur Unterdrückung kommunistischer Aktivitäten ins Leben gerufen. Anschließend gehörte er bis 1941 für die konservative Nationaldemokratische Partei (PDN) dem argentinischen Senat an, dann noch bis 1943 dem Senat der Provinz Buenos Aires. Im Herbst 1932 berichteten argentinische Medien, daß ein neuer Putsch geplant sei, der Matías Guillermo Sánchez Sorondo zum Präsidenten einer „faschistischen Regierung“ machen solle. Dazu kam es aber nicht. Die Konservativen regierten Argentinien bis 1943.

El Orden, 12. Oktober 1932: Putsch zur Einsetzung einer faschistischen Regierung
El Orden, 12. Oktober 1932: Sanchez Sorondo als „wahrscheinlicher“ Präsident einer faschistischen Regierung

Mit dem Staatsstreich des Militärs, mit dem Juan Perons politischer Aufstieg begann, endete seine politische Karriere. Noch heute ein Feindbild der argentinischen Linken, wird ihm von dieser Seite vorgeworfen, so von Raul Campodonico in seinem 2005 erschienenen Buch „Trincheras de Celuloide“ (Zelluloid-Schützengräben), ein „Verehrer“ von Mussolini und Hitler gewesen zu sein. Matías Guillermo Sánchez Sorondo gründete das erste, staatliche Kinematographische Institut Argentiniens, dessen erster Direktor er wurde. Das sei aber, so linke Autoren, nur geschehen, um das aufkommende Kino nach deutschem und italienischem Vorbild für Propagandazwecke zu nützen.

Der Vater Marcelo Sanchez Sorondo sen.: Professor, Putschist, Publizist

Marcelo sen. (1911-2012), Vater von Marcelo jun., ist der zweite Sohn des bekannten Politikers. Mit seiner Frau, Amalia Moreno Bunge, hatte er sechs Kinder.  Seine ursprünglich monarchistische Gesinnung gab er zugunsten seiner Bewunderung für Benito Mussolini und vor allem Francisco Franco auf, den er als „besten Herrscher“ Spaniens seit Karl III. bezeichnete. Er lobte Franco wegen seiner Niederschlagung der Volksfront-Regierung und der Wiederaufrichtung Spaniens. Marcelo Sanchez Sorondo sen. studierte Rechtswissenschaften und wurde Rechtsanwalt wie sein Vater. Er war Professor für Verfassungsrecht und Direktor des Instituts für Politikwissenschaften an der Rechtswissenschaftlichen Fakultät der Universität Buenos Aires. Wie sein Vater war auch er ein Vertreter des traditionellen Nationalismus, der aber keine politischen Ämter bekleidete, sondern publizistisch in Erscheinung trat.

Der Vater Marcelo Sanchez Sorondo sen.
Der Vater Marcelo Sanchez Sorondo sen.

Er gründete und leitete drei Publikationen: Nueva Politica (Neue Politik, 1940), Azul y Blanco (Blau und Weiß, 1956) und Segunda Republica (Zweite Republik, 1961). Wie sein Vater 1931 war Marcelo Sanchez Sorondo einer der führenden Köpfe des Militärputsches von 1955. Der überzeugte Antiperonist wurde zum Vordenker des Moviemento Revolucionario Nacional (Nationale Revolutionsbewegung), die als „politischer Arm“ der Streitkräfte galt, die 1955 Peron stürzten.

1973, als Peron noch im Exil war, kandidierte Marcelo Sanchez Sorondo sen. als Vertreter des Frente Justicialista de Liberacion (Justizialistische Befreiungsfront) für den argentinischen Senat. Die Befreiungsfront war eine Allianz aus Peronistischer Partei, der Konservativen Volkspartei (PCP), dem sozialliberalen MID und Teilen der Christlichen Volkspartei (PPC). Sanchez Sorondo war gegen den Willen Perons nominiert worden, der nach der Wahl eines peronistischen Präsidenten noch im selben Jahr aus dem Exil zurückkehrte und seine dritte Amtszeit als Staatspräsident antrat. Marcelo Sanchez Sorondo wurde in der Hauptstadt Buenos Aires in der Stichwahl von einem jungen, unbekannten Kandidaten der sozialdemokratischen Unión Cívica Radical (UCR, Radikale Bürgerunion) namens Fernando de la Rúa geschlagen, der 1999-2001 argentinischer Staatspräsident werden sollte. Grund für die spektakuläre Niederlage sei die fehlende Unterstützung der jüdischen Gemeinschaft der argentinischen Hauptstadt gewesen sein, die Ressentiments gegen ihn und auch noch seinen Vater hegte. De la Rúa wurde ihm hingegen zum persönlichen Freund.

Marcelo Sanchez Sorondo sen. 1973 als Kandidat für einen Senatorensitz
Marcelo Sanchez Sorondo sen. 1973 als Kandidat für einen Senatorensitz

Marcelo Sanchez Sorondo lehnte in seinem Leben zweimal die Ernennung zum Botschafter ab und mußte dreimal für seine politischen Überzeugungen ins Gefängnis. Einmal davon, 1955, weil er die Kathedrale von Buenos Aires gegen die Peronisten verteidigte. Bei der Fronleichnamsprozession jenes Jahres nahmen in Buenos Aires 100.000 Menschen teil. Nach dem Ende Prozession verwandelte sie sich in eine Kundgebung gegen die Regierung Peron. Als Repressalie ließ Peron 300 politische Gegner, hauptsächlich Katholiken, darunter auch Marcelo Sanchez Sorondo einsperren. Das war der Auftakt zu Perons Sturz.

Als Autor mehrerer Bücher befaßte er sich vor allem mit Verfassungsfragen und Staatstheorie. Dazu gehört das Buch „Teoría política del federalismo“ (Politische Theorie des Föderalismus).

In seinem letzten Interview 2005 für die spanische Tageszeitung La Nacion beklagte er das Verschwinden der traditionellen Führungsschicht Argentiniens und kritisierte das „oligarische System“, das errichtet worden sei. Er betonte die Notwendigkeit, das politische Parteiensystem wiederaufzubauen und forderte gleichzeitig die „neuen politischen Kräfte“ auf, sich mit den „historischen Wurzeln des Landes zu identifizieren“. In der Globalisierung sah Marcelo Sanchez Sorondo sen. „kein Hindernis“, daß jeder Staat „seine Souveränität voll ausüben“ könne. Wesentliche Elemente seines politischen Denkens faßte er in seinem 1987 veröffentlichten Buch „La Argentina por dentro“ (Argentinien von innen) zusammen.

Marcelo Sanchez Sorondo jun.: der „politische Arm“ von Papst Franziskus

Der Sohn von Marcelo Sanchez Sorondo und Enkel von Matías Sánchez Sorondo, Marcelo Sanchez Sorondo jun., folgte seinem Vater und Großvater in der akademischen Laufbahn. 1976 wurde er zum Professor für Geschichte der Philosophie an der Päpstlichen Lateranuniversität ernannt. Von 1987-1996 war er zudem Dekan der Philosophischen Fakultät. 1989 wurde er Mitglied der Päpstlichen Akademie des heiligen Thomas von Aquin. 1998 nahm er immer im Fach Philosophiegeschichte einen Lehrstuhl an der katholischen Freien Universität der allerseligsten in den Himmel aufgenommenen Maria (LUMSA) an. Zugleich ernannte ihn Papst Johannes Paul II. zum Kanzler der Päpstlichen Akademie der Wissenschaften und der Päpstlichen Akademie der Sozialwissenschaften. Seit 1999 ist er zudem Sekretär der Päpstlichen Akademie des heiligen Thomas von Aquin. Ämter, die er unter Benedikt XVI. beibehielt und noch heute innehat.

2001 ernannte ihn Johannes Paul II. zum Titularbischof von Forum Novum und spendete ihm persönlich die Bischofsweihe.

„Jahrzehntelang verstand er es, sich mehr oder weniger unauffällig zu verhalten“, so InfoVaticana.

Als Angehöriger der Römischen Kurie sammelte er „beachtliches Gepäck an Titeln, Auszeichnungen, Preisen“. Den Großteil seines Einsatzes bestand darin, internationale Ereignisse, Tagungen, Kongresse und Konferenzen abzudecken. „Was einige ‚akademischen Tourismus‘ nennen“, so InfoVaticana, erlaubte ihm, seine Fähigkeiten als Netzwerker unter Beweis zu stellen.

Entscheidende Wende: die Wahl von Papst Franziskus

Sanchez Sorondo mit Massimo Vattimo 2015 in Buenos Aires: "Papistische Internationale"
Sanchez Sorondo mit Massimo Vattimo 2015 in Buenos Aires: „Papistische Internationale“

Die entscheidende Wende war jedoch die Wahl seines Landsmannes Jorge Mario Kardinal Bergoglio zum Papst Franziskus. In den vergangenen Jahren, seit März 2013, trat Sanchez Sorondo jun. einen Schritt vor und wurde zu einem der Hauptakteure des argentinischen Pontifikats. Er wurde zum politischen Berater von Franziskus und knüpfte für diesen die internationalen Kontakte, sowohl zum linksliberalen Establishment, besonders in den internationalen Institutionen, aber auch zu Bewegungen der radikalen Linken. Er ist die „Galionsfigur“ (Infovaticana) der politischen Agenda des Papstes. Am 13. März 201 nahm Sanchez Sorondo in Buenos Aires an einem „antikapitalistischen Forum“ teil, das von der damaligen argentinischen Kulturministerin Teresa Parodi veranstaltet worden war. Neben Leonardo Boff, trat auch der italienische Kommunist und bekennende Homosexuelle Gianni Vattimo ans Rednerpult und forderte als neue Kommunistische Internationale im Kampf gegen den Kapitalismus eine Papistische Internationale unter Führung von Papst Franziskus. Während die anwesenden Vertreter linksradikaler Bewegungen und Parteien frenetisch applaudierten, saß Sanchez Sorondo schmunzelnd auf dem Podium.

Im September wird Marcelo Sanchez Sorondo 75, doch es besteht kein Zweifel, daß Papst Franziskus ihn im Amt halten wird. Das Denken Sanchez Sorondos bewegt sich zwischen einer klassischen aristotelisch-thomistischen Formung und einem ausgeprägten „Eifer für Neuheiten“, so Infovaticana.

Die Sorge um die Armen und die Sorge, den aristokratischen Stallgeruch loszuwerden

2014 wurde auf seine Initiative das Global Freedom Network (GFN) der Presse vorgestellt. Im selben Jahr folgte als interreligiöse Initiative das Global Sustainability Network (GSN). Das sind nur zwei von einer ganzen Reihe solcher Initiativen. Niemand kann sagen, ob diese effektvoll für die Medien angekündigten Projekte tatsächlich irgendeine konkrete Auswirkung hatten. Vor wenigen Tagen wurde die Schaffung eines Global Network „against mafia and corruption“ angekündigt. Die Vorgehensweise von Msgr. Marcelo Sanchez Sorondo scheint einer weltlichen Logik für Öffentlichkeitsarbeit zu folgen. Große Ankündigungen, globale Ziele, mehrjährige Planungen. Das GFN hat Ziele für 2020 formuliert, das GSN für 2030.

 

Sanchez Sorondo mit Jeffrey Sachs
Sanchez Sorondo mit Jeffrey Sachs (links)

Die spanischsprachige Nachrichtenseite Infovaticana spricht von einer soziologisch „sehr charakteristischen forma mentis“. Bischof Marcelo Sanchez Sorondo stammt aus einer Familie der Oberschicht, der am eigenen Leib nie Armut kennenlernen mußte. Argentinische Kritiker sehen in seinem Eifer für „die Armen“, „die Ausgegrenzten“, „die Unterdrückten“ Klischees von Armut, Ausgrenzung und Unterdrückung am Werk. „Die relativ neue (zumindest öffentliche) Sorge von Msgr. Sanchez Sorondo für die Armen soll ja nicht mit dem Geruch seiner aristokratischen Abstammung in Verbindung gebracht werden können“, so Infovaticana. „So etwas erzeugt in der Regel eine gewisse psychische Spannung, die das Ergebnis eines schlechten Gewissens ist.“

Die Folge sind politische Positionen, die der Linken nahestehen. Offenbar sollen damit ungelöste Spannungen beschwichtigt werden. Im Zusammenhang mit verschiedenen Veranstaltungen und Initiativen zur Öko-Enzyklika Laudato si wurde das deutlich. Eine solche Sanchez Sorondo-Initiative ist das Global Catholic Climate Movement, das einen Online-Kurs mit dem progressiven UNO-Experten für Klimawandel und Überbevölkerung, Jeffrey Sachs, angeboten wird. Ein weiterer Wirtschaftswissenschaftler, der einen nicht unerheblichen Einfluß auf den Vatikan ausübt, ist der ebenfalls von Sanchez Sorondo eingeführte Joseph Stiglitz.

Der Netzwerker: Bernie Sanders, Jeffrey Sachs, Paul R. Ehrlich, John Boongarts

Auch die Kontakte zum Bewerber um die Präsidentschaftskandidatur der Demokratischen Partei, US-Senator Bernie Sanders, den Papst Franziskus am liebsten im Weißen Haus gesehen hätte, gehen auf Sanchez Sorondo zurück. In einer öffentlichen Polemik dazu widersprach der argentinische Kurienbischof der Vorsitzenden der Päpstlichen Akademie der Sozialwissenschaften, Margaret Archer, und betonte, daß er Sanders in den Vatikan eingeladen hatte. Eine Einladung, die mitten im Vorwahlkampf erfolgte und von US-Medien als deutliche Parteinahme des Heiligen Stuhls zugunsten Sanders gewertet wurde.

Zum Netzwerk des „politischen Armes“ des Papstes gehören auch die Beziehungen zu Boliviens Staatspräsident Evo Morales und dem neomalthusianischen Abtreibungsbefürworter, Paul R. Ehrlich, der im vergangenen Februar im Vatikan auftreten durfte. Eine Einladung, die zu Rücktrittsaufforderungen an Sanchez Sorondo führten, die dieser unbeachtet lassen kann, solange er sich der Unterstützung durch Papst Franziskus sicher ist. Kardinal Raymond Burke, ein führender Kritiker des aktuellen Pontifikats brachte in Interviews sein Entsetzen über die Einladung von Abtreibungsideologen in den Vatikan zum Ausdruck. Zu diesen gehören neben Sachs und Ehrlich auch Mathis Wackernagel vom Global Footprint Network und John Boongarts vom Population Council und der Rockefeller Fundation. Beide treten für eine Bevölkerungsreduzierung durch massive Geburtenkontrolle ein und betrachten die Geburtenreduzierung als Lösung für die von ihnen behaupteten Umwelt- und Klimaprobleme.

Das neomalthusianische Wende des Vatikans

Die Initiativen von Sanchez Sorondo richten sich nicht an die Gläubigen, für die sie häufig ein Ärgernis oder zumindest enttäuschend sind. Die US-amerikanischen Lebensrechts-Nachrichtenseite LifeSiteNews wollte vom argentinischen Bischof Auskunft erhalten, warum ausgerechnet ein Paul R. Ehrlich in den Vatikan eingeladen wurde. Die Antworten von Sanchez Sorondo ließen eine gewissen Spannung und Aversion erkennen. Glaubenstreue Kritiker aus den katholischen Reihen scheinen den Bischof zu stören, Fragen, wie sich manche seiner Positionen mit der Lehre der Kirche vereinbaren lassen, wurden von ihm als lästig empfunden und abgewürgt.

Eine Konstante läßt sich aus den schriftlichen und mündlichen Stellungnahmen Sanchez Sorondos ablesen. Für seine Strategie einer Zusammenführung von Vatikan und internationalen Institutionen und einem Verschmelzen der Positionen nimmt der Kurienbischof den Heiligen Geist in Anspruch. Insgesamt könne die Dialogstrategie von Papst Franziskus etwas bewegen, so der Bischof, während die Lebensrechtsgruppen und selbsternannten Verteidiger der Familie nichts bewegen würden.

Sanchez Sorondo sitzt heute im Führungsrat (Leadership Council) des Sustainable Development Solutions Network, einer Organisation, die auf eine Initiative von UNO-Generalsekretär Ban Ki-moon zurückgeht. Gemeinsam mit Sanchez Sorondo sitzen dort auch Jeffrey Sachs und Ted Turner, zwei Verfechter der Bevölkerungskontrolle zur Reduzierung der Weltbevölkerung.

Ted Turner organisierte über seine United Nations Foundation einen Event, mit dem die Arbeit von Msgr. Sanchez Sorondo, der Päpstlichen Akademie der Wissenschaften und die Führungsrolle von Papst Franziskus für eine „nachhaltige Entwicklung“ zugunsten „unseres gemeinsamen Hauses“ anerkannt und geehrt wurden. Die Veranstaltung fand im September 2015 im Harvard Club in New York statt.

Menschheit erlebt „magischen Augenblick“

Sanchez Sorondo in Valencia: "Menschheit erlebt magischen Moment"
Sanchez Sorondo in Valencia: „Menschheit erlebt magischen Moment“

Erst vor wenigen Tagen sagte Sanchez Sorondo an der Katholischen Universität Valencia: „Die Menschheit erlebt einen magischen Moment“, weil das Lehramt des Papstes und das der Vereinten Nationen erstmals übereinstimmen im Ziel, die Armut auf der Welt auszumerzen und die Ziele einer nachhaltigen Entwicklung von der UNO nach einer Rede von Papst Franziskus einstimmig angenommen wurden. Das Thema Abtreibung wurde vom Politikberater des Papstes ebenso übergangen wie einige andere „Details“.

Obwohl Sanchez Sorondo schon seit Jahrzehnten nicht mehr in Argentinien lebt, ist er sehr genau über die dortigen Entwicklungen informiert. Seine Kontakte, die besonderes Staunen auslösen, betreffen Gustavo Vera und Guillermo Moreno. Vera gründete 2014 die Partei Bien Común (Gemeinwohl). Die Parteigründung, so betont Vera, gehe auf eine Begegnung mit Erzbischof Jorge Mario Bergoglio zurück und ein Wort von ihm. Beide bewerben sich bei Vorwahlen für politische Ämter und arbeiten an einer Anti-Macri-Front. Es ist ein offenes Geheimnis, daß der amtierende rechtsliberale Staatspräsident Mauricio Macrí Papst Franziskus ziemlich zuwider ist, wie insgesamt aller Politiker und politischen Gruppierungen rechts der Mitte. Sanchez Sorondo findet jedenfalls noch Zeit, sich in die argentinische Innenpolitik einzumischen, in der sein Vater und Großvater bereits eine wichtige Rolle spielten, von der sich der Sohn und Enkel allerdings möglichst weit distanziert. Um genau zu sein, erwähnt er beide nicht.

Ihm wird von Kritikern vorgeworfen, eine Papolatrie zu fördern und sich in bestimmten Bereichen als authentischen Interpreten des päpstlichen Willens zu sehen. Bei einer Veranstaltung des Acton Institute an der Päpstlichen Universität vom Heiligen Kreuz in Rom sagte Sanchez Sorondo, daß die menschenverschuldete „Erderwärmung Teil des ordentlichen Lehramtes ist wie zu sagen, daß Abtreibung Sünde ist“.

„Er zelebriert nie die Heilige Messe und ebensowenig betet er das Brevier“

„Sanchez Sorondo lebt mehr wie ein Geschäftsmann als ein Kleriker“, so Infovaticana. Die Nachrichtenseite zitiert Zeugen, die „lange Zeit Tür an Tür mit ihm gearbeitet haben“, und die behaupten, daß Kurienbischof Marcelo Sanchez Sorondo „nie die heilige Messe zelebriert und ebensowenig das Brevier betet“.

Infovaticana spricht von Personen, die mehrere Monate hintereinander intensiv mit ihm zusammengearbeitet haben, die behaupten, daß der „politische Arm“ von Franziskus „nicht wie ein Priester lebt“.

„Die Kapelle in der Casina, in der er wohnt, bleibt ungenützt.“

„Ebensowenig betet er das Brevier: Wahrscheinlich besitzt er nicht einmal eines. Eines Tages sollte er an einer Heiligen Messe teilnehmen, und es war ziemlich komisch zu sehen, daß er nicht einmal die wesentlichsten Teile des Ordinariums der Eucharistiefeier kannte.“

Und noch einmal Infovaticana:

„Es zeugt auch vom schrecklichen Charakter des Argentiniers, wie despotisch und respektlos er sich gegenüber Untergebenen verhält, besonders Frauen.“

Text: Giuseppe Nardi
Bild: InfoVaticana/Wikipedia/Hemeroteca Digital/UCV (Screenshots)

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6 Kommentare

  1. „Zeige mir mit wem Du gehst und ich sage Dir wer Du bist.“
    Die Entourage von Papst Bergoglio ist selbstredend und entlarvend, da bedarf es keiner großen Analyse mehr. Wenn wir vergleichen, wieviele redliche Geistliche und Bischöfe Papst Benedikt XVI. um sich scharte, von deren priesterlichem Auftritt und spürbaren Gebetsleben einmal ganz abgesehen.

  2. Wenn das alles der Wahrheit entspricht, gehört diese Person von der Priesterschaft ausgeschlossen. Das ist ein wirklicher Skandal, daß eine Person wie dieser Kardinal, seinen Priesterstand für die Ausübung seiner politischen Machenschaften missbraucht. Es ist schon traurig und tut mir leid, jedoch kann man das nicht anders ausdrücken. Für mich stellt sich aber nun die Frage, wie lange wird einen derartigen Treiben, ohne daß irgend jemand aus der Hierarchie, der Verantwortungsgefühl besitzt und dessen Wort auf Grund seiner Stellung und seines Ranges ( Kardinäle, Kurienerzb. Z.B.) genügend Gewicht besitzt, noch zugesehen wird. Irgendwann muß doch jemand die Notbremse ziehen. Ich kann das alles noch glauben und nicht fassen und ebenso wenig verstehen.

    • @ Franz Josef. Ich stimme Ihnen voll umpfänglich zu. Und nun das große „Aber“. Sanchez Sorondo arbeitet und erklärt nicht aus eigene Rechnung, sonder alles, was er macht , geschieht im Auftrag. Er sagt nur das, was Bergoglio gefällt. Das hier erkennbare Kernproblem besteht darin. dass Bergoglio glaubt und durch Serondo verkünden lässt, Inhaber des Lehramtes zu sein und nicht mehr weiß oder wissen will, dass der Stuhl Petri ihm nur für Zeit zur Verantwortung übergeben wurde und dass er an Alles gebunden ist, was von Gott kommt und an alles, was seine Vorgänger lehramtlich gebunden haben. Kurz: Handelt er anders und lässt es durch seine Adlaten so verkünden, benimmt er sich als der Besetzer des Lehramtes. Was die Beurteilung der Zusamenhänge angeht, verweise ich auf die von PvW zitierte Volksweisheit: „Zeige mir mit wem Du gehst und ich sage Dir wer Du bist.“

  3. Für die Beurteilung von Persönlichkeiten gilt das von ihnen gesprochene und/oder geschriebene Wort. Das gilt insbesondere für so einflussreiche Männer, wie Sanchez Sorondo.
    Sanchez Sorondo wurde vor einigen Tagen an dieser Stelle mit folgenden denkwürdigen Worten zitiert: „Menschheit erlebt einen magischen Moment: Erstmals stimmen Lehramt des Papstes und Lehramt der UNO überein“. Sorondo spricht in dieser Aussage mit dem Wort „magisch eine Ebene an, die sich der analytischen Ratio entzieht. Damit wird seine Aussage kryptisch. Der Versuch der Deutung dieser Aussage näher zu kommen, führt zu den für das Adjektiv „magisch“ synonymen Worten wie: dämonisch, mystisch, rätselhaft, unerklärlich, zauberisch, okkult, okkultistisch, spiritistisch, überirdisch, übersinnlich, dunkel und damit zu einer Bedeutung, die nicht christlich ist. Ein weiteres ist für Sanchez Sorondo aus dem ersten Artikel zu erlesen: Er falsifiziert Begriffe und spricht von einem Lehramt des Papstes, das es so nicht gibt. Es gibt zwar das Lehramt der Kirche mit päpstlichen Primat, das bezieht neben dem Papst auch die Bischöfe und die traditionelle Lehre mit den Dogmen mit ein. Aber das kirchliche Lehramt ist etwas anderes als ein Lehramt des Papstes, das nur auf die Person des Papstes bezogen ist. Dem Papst gegenüber sind trotz Primat – wie bereits Paulus aufzeigte – Zweifel erlaubt. Bei der heutigen Diskussion um Amoris Laetitia scheint die Diskussion im Sinne von Sanchez Sorondo nur mehr auf das Lehramt des derzeitigen Papstes und nicht mehr auf das Lehramt der Kirche bezogen zu sein. In diesem Sinne haben die beiden Artikel über Sanchez Sorondo, die im sachlichen Zusammenhang stehen, Klarheit gebracht. Daher gilt mein Dank der Redaktion für ihr politisches Gespür.

    • Hochgeehrter @Hans,
      Sie haben mit dem Hinweis auf magisch/Magie tatsächlich den Nagel auf den Kopf getroffen.
      Von Unserem Herrn Jesus Christus verpönt und vom Christentum der ersten Jahrhunderten streng abgelehnt und bekämpft, hat die Magie seit der Renaissance und besonders in der Aufklärung und bei „Besserwissern“ viel unseligen Einfluß auf kirchlichen Hierarchen ausgeübt.
      Da dürfte die Quelle von vielen verwirrenden Aussagen liegen.
      Ihrem Dank an die Redaktion für die Veröffentlichung dieser wichtigen Texten schließe ich mich gerne an.

  4. Mit dem Hintergrundwissen dieses Artikels und des verlinkten Artikels von 2015 über die Papistische Intrenationale und die Förderung des Kirchnerismus kann man die These von Loris Zanatta, die vor einigen Tagen hier dargelegt wurde, wonach Franziskus sozialwissenschaftlich gesehen, ein typischer Vertreter des lateinamerikan. Populismus sei, nachweislich erweitern auf den Aspekt „links-sozialpopulist. Peronismus“.
    -
    Franziskus` linke „Volksnähe“ (Populismus) geht so weit, dass er durch sein für ihn wirkendes Umfeld und die von ihm geförderten Personen, wie Sorondo, Paul Ehrlich und John Boongarts usw, alle christl. Lebensrechtsregeln „mitwirkend“ verletzt.
    -
    In diesem Fall heiligt der populist. Zweck (z.B. reduzierte Überbevölkerung) anscheinend die Mittel (Lebensrechtsregelverletzung).
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    Man darf gespannt sein, wie dieser Paradigmenwechsel der Philosophen Franziskus und Sorondo uns kirchenrechtlich noch präsentiert wird. Man kann kaum fassen, was hier passiert.

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