Kardinal Burke und die Kurskorrektur zu „Amoris laetitia“ durch brüderliche Zurechtweisung des Papstes

"The Wanderer": Interview Kardinal Burke über die formale Zurechtweisung von Papst Franziskus wegen "Amoris laetitia"
"The Wanderer": Interview Kardinal Burke über die formale Zurechtweisung von Papst Franziskus wegen "Amoris laetitia"

(New York) Die katholische Zeitung The Wanderer veröffentlichte in ihren beiden jüngsten Ausgaben ein Interview mit Kardinal Raymond Burke. Im gestern erschienenen zweiten Teil antwortet der von Papst Franziskus am schlechtesten behandelte und vom päpstlichen Umfeld am meisten gefürchtete und bekämpfte Kardinal auf die Frage, wie eine brüderliche Zurechtweisung zum umstrittenen nachsynodalen Schreiben Amoris laetitia zu erfolgen habe, nachdem Papst Franziskus nicht auf die fünf Dubia (Zweifel) der Kardinäle Brandmüller, Caffarra, Meisner und Burke antworten will.

Kardinal Raymond Burke
Kardinal Raymond Burke

Der Kardinal bestätigte in dem Interview, daß die Form einer brüderlichen Zurechtweisung nicht oft in der Kirche genützt wurde, in den vergangenen Jahrhunderten gar nicht. In der Kirchengeschichte habe es aber Zurechtweisungen von Päpsten „zu wichtigen Punkten“ gegeben, wenn auch nicht auf doktrineller Ebene.

„Mir scheint, daß das Wesen der Zurechtweisung ziemlich einfach ist. Auf der einen Seite wird die klare und offensichtliche Lehre der Kirche aufgezeigt, auf der anderen Seite wird dargelegt, was der römische Pontifex in diesem Moment lehrt. Gibt es darin einen Widerspruch, wird der Papst aufgefordert, seine Lehre im Gehorsam gegenüber Christus und dem Lehramt der Kirche anzupassen.“

Die Frage sei aber, wie man dazu kommt, so der Kardinal.

„Auf sehr einfache Weise: durch eine formale Erklärung, auf die der Heilige Vater verpflichtet wäre, zu antworten.“

Die Kardinäle Brandmüller, Caffarra, Meisner und er selbst hätten eine alte Sitte der Kirche aufgegriffen, indem sie dem Papst formale Dubia vorgelegt haben.

„Das wurde auf sehr respektvolle und mitnichten aggressive Weise getan mit dem Zweck, ihm die Gelegenheit zu geben, die unveränderliche Lehre der Kirche darzulegen. Papst Franziskus hat entschieden, nicht auf die fünf Dubia zu antworten, weshalb es jetzt notwendig ist, in aller Einfachheit zu erklären, was die Kirche über die Ehe, die Familie, die Handlungen, die in sich schlecht sind und so weiter lehrt. Das sind die Punkte, die in der derzeitigen Lehre des römischen Papstes nicht klar sind. Deshalb muß diese Situation korrigiert werden. Die Kurskorrektur betrifft vor allem diese Punkte der Glaubenlehre. Es gab Fälle der Zurechtweisung, wie ich vorhin sagte, von früheren Päpsten durch Kardinäle zu nicht die Doktrin betreffende Angelegenheiten, die sich auf Fragen bezogen wie zum Beispiel die Verwaltung der Kirche.“

Man könne daher noch eine andere Frage aufwerfen, so Kardinal Burke:

„Der Papst ist das Prinzip der Einheit der Bischöfe und aller Gläubigen. Die Kirche aber wird durch die Verwirrung und die Spaltung zerrissen. Der Heilige Vater muß aufgerufen werden, sein Amt auszuüben und dem allem ein Ende zu setzen.

Der nächste Schritt wäre dann eine formale Erklärung, in der die klare Lehre der Kirche dargelegt wird, wie es in den Dubia geschehen ist. Zudem wäre zu erklären, daß diese Glaubenswahrheiten vom römischen Papst nicht eindeutig darlegt worden sind. Mit anderen Worten: Anstatt Fragen zu stellen, wie wir es mit den Dubia getan haben, wäre die formale Zurechtweisung, Antworten zu geben, wie sie die Kirche klar lehrt.“

Unabhängige katholische Medien

Die seit 1867 erscheinende Wochenzeitung The Wanderer, in der das Interview von Kardinal veröffentlicht wurde, ist die älteste katholische Zeitung der USA. Von ihrer Gründung bis 1957 erschien sie in deutscher Sprache, seit 1931 zunächst auch, dann wegen der „Amerikanisierung“ der Kirche in den USA nur mehr in englischer Sprache. Gegründet wurde die Zeitung, um die katholischen Einwanderer aus dem deutschen Sprachraum, die sich in den Staaten Wisconsin, Minnesota und den beiden Dakotas niederließen, vor dem Einfluß freimaurerisch geprägter, deutschsprachiger Medien zu schützen. 39 Prozent der heutigen Einwohner dieser vier Staaten sind deutscher Abstammung, 29 Prozent sind Katholiken. Die Deutschstämmigen und die katholische Kirche stellen damit nach Abstammung und Religionszugehörigkeit die jeweils stärksten Gruppen.

Der von zwei deutschen Benediktinern gegründete Der Wanderer, wie die Zeitung in ihrer deutschen Ausgabe hieß, wurde zunächst von Hugo Klapproth aus dem heute niedersächsischen Zellerfeld geleitet. Der ehemalige Lutheraner, der in den USA zur katholischen Kirche konvertiert war, leitete mehr als 30 Jahre das Medienunternehmen. 1899 übergab er die Herausgeberschaft an den aus Kirrweiler in der Pfalz in die USA ausgewanderten Joseph Matt.

Der Wanderer, der seit 1931 in der englischen Ausgabe The Wanderer heißt, kritisierte frühzeitig den Nationalsozialismus als antichristlich und ebenso das Bündnis der USA mit der Sowjetunion im Zweiten Weltkrieg als „unheilige Allianz“. Die Auslieferung der deutschen Ausgabe wurde 1933, als Adolf Hitler Reichskanzler wurde, im Deutschen Reich verboten.

1964 übergab Joseph Matt die Zeitung an seine beiden Söhne. Als sich diese in der Beurteilung des Zweiten Vatikanischen Konzils überwarfen, kam es zur Trennung. Alphons Matt blieb Leiter des Wanderer, während sein Bruder Walter Matt 1967 The Remnant gründete. Beide Zeitungen werden heute von Enkeln von Joseph Matt geleitet.

Die Medien der Familie Matt waren nie kirchenoffizielle Publikationen, sondern blieben unabhängig. Ihre Reichweite erstreckt sich heute über die gesamten USA und darüber hinaus.

Kardinal Burke, dessen Vorfahren irischer Abstammung sind, stammt aus Wisconsin.

Text: Giuseppe Nardi
Bild: The Wanderer/Radio Vatican (Screenshot)

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