36 Jahre nach Attentat auf Johannes Paul II.: Marokkaner plante ein Attentat gegen Papst Franziskus in Fatima

Marokkaner wollte am 13. Mai in Fatima ein Attentat auf Papst Franziskus verüben
Marokkaner wollte am 13. Mai in Fatima ein Attentat auf Papst Franziskus verüben

(Lissabon) Ein marokkanischer Muslim plante ein Attentat auf Papst Franziskus. Das Attentat sollte stattfinden, als Franziskus im vergangenen Mai das Marienheiligtum Fatima in Portugal besuchte. Dies berichtete die portugiesische Tageszeitung Sol am 22. Juli unter Berufung auf Polizeikreise. Die Informationen seien zurückgehalten worden, um „keine öffentliche Unruhe“ auszulösen und dem Tourismus Portugals nicht zu schaden.

Am selben Tag: 36 Jahre nach Attentat auf Johannes Paul II.

Papst Franziskus besuchte am 12./13. Mai Fatima, den Ort, an dem vor 100 Jahren sechs Marienerscheinungen stattgefunden haben. Die Gottesmutter Maria war, jeweils am 13. Tag des Monats, drei Hirtenkindern erschienen. Die erste Erscheinung fand am 13. Mai statt. Die Geschwister Francisco und Jacinta Marto wurden von Franziskus zu diesem Anlaß heiliggesprochen.

Johannes Paul II. bricht von Ali Agcas Kugeln getroffen zusammen
Johannes Paul II. bricht von Ali Agcas Kugeln getroffen zusammen

Laut der portugiesischen Tageszeitung Sol wurde ein marokkanischer Staatsbürger, „verheiratet mit einer portugiesischen Feuerwehrfrau“, verdächtigt, ein Attentat  gegen Papst Franziskus bei seinem Besuch in Fatima geplant zu haben. Der Maghrebiner wurde aus Portugal ausgewiesen.

Der Mann soll in den vergangenen Monaten weitere „verdächtige“ Aktivitäten unternommen haben, die von der Polizei, so die Tageszeitung, „nicht bekanntgegeben werden, um keine öffentliche Unruhe auszulösen“.

Bereits 1981 hatte ein Muslim am 13. Mai ein Attentat auf einen Papst verübt. Der Türke Mehmet Ali Agca schoß auf dem Petersplatz auf Johannes Paul II. und verletzte ihn schwer. Die Hintergründe hatten allerdings weniger mit dem Islam zu tun. Die Spuren führten über Bulgarien in das damals kommunistische Moskau.

Attentäter wollte sich im Krankenwagen für den Papst verstecken

Der terrorverdächtige Marokkaner stand bereits seit einiger Zeit unter Beobachtung. Er besorgte sich explosives Material und weiteres Material, das für den Bau von Bomben notwendig ist. Seine portugiesische Ehefrau arbeitet bei der Feuerwehr von Ourém, der Stadt, zu der Fatima gehört. Der Marokkaner habe sie gedrängt, ihn in den Rettungswagen zu schleusen, der sich immer in der Nähe des Papstes befand.

Bei der Gebetsvigil am Abend des 12. Mai hatten sich zahlreiche Polizisten und Angehörige der Anti-Terroreinheit unter die Gläubigen gemischt. Laut dem Medienbericht seien die Schweizer Gardisten und die vatikanischen Gendarmen, die für den Personenschutz des Papstes zuständig waren, in ständigem Kontakt mit den portugiesischen Sicherheitskräften gewesen und waren von diesen über mehrere verdächtige marokkanische Staatsbürger informiert worden.

Der Mann wurde inzwischen aus Portugal ausgewiesen und in sein Heimatland Marokko abgeschoben. Seine Frau wurde vom Dienst suspendiert.

Der Vorfall wurde von den Behörden nicht bekanntgegeben, weil man in der Öffentlichkeit „keine Unruhe“ auslösen wollte, wie Sol unter Berufung auf Polizeikreise berichtete. Zudem hätte eine solche Nachricht dem Tourismus des Landes schaden können. Die Zurückhaltung der Informationen war von zuständiger politischer Seite so entschieden worden.

Neben dem Marokkaner wurde auch ein jordanischer Staatsbürger wegen verdächtiger Bewegungen ausgewiesen. Auch der Jordanier ist mit einer Portugiesin verheiratet. Er soll versucht haben, junge Syrer, die in der Gegend von Leiria ansässig sind, für die Durchführung von Attentaten zu rekrutieren.

Der Marokkaner sei bereits Ende 2016 in Frankreich wegen des Verdachts, ein Attentat vorzubereiten, inhaftiert gewesen. Seit dem Sommer 2015 stand er unter Beobachtung der Staatssicherheit. Ein weiterer Marokkaner, der mutmaßlich derselben Terrorzelle angehören soll, wurde im vergangenen März von der Bundesrepublik Deutschland ausgeliefert und in Beugehaft genommen.

Italienischer V-Mann und Terrorist in Fatima verhaftet

Italienische Medien berichteten in den vergangenen Wochen in anderem Zusammenhang über den Papstbesuch in Fatima. Einen Monat nachdem Franziskus in Portugal war, wurde im Marienheiligtum der Italiener Maurizio Tramonte verhaftet. Der Mann befand sich als Pilger dort. Am vergangenen 20. Juni hatte der Oberste Gerichtshof in Rom ein Urteil bestätigt, mit dem Tramonte wegen eines Bombenattentats zu lebenslanger Haft verurteilt wurde. Vor 43 Jahren soll er in der norditalienischen Stadt Brescia das„Blutbad der Piazza della Loggia“ verübt haben. Acht Menschen wurden getötet, 102 verletzt. Vor zwei Tagen entschied die portugiesische Gerichtsbarkeit seine Auslieferung an Italien.

1974: Attentat in Brescia
1974: Attentat in Brescia

Am 28. Mai 1974 war während einer von einem „Antifaschistischen Komitee“ unter Beteiligung von linken Parteien und Gewerkschaften organisierten Kundgebung in einer Mülltonne eine Bombe explodierte. Es war die Zeit der „Bleiernen Jahre“ in Italien, in denen es zu gewalttätigen Zusammenstößen zwischen linken und rechten Gruppen kam,  und links- und rechtsextreme Gruppen Attentate verübten.

Für das Attentat wurden von Politik und Medien sofort Neofaschisten verantwortlich gemacht. Die Polizei siebte in den folgenden Tagen die neofaschistische Szene mit Razzien. Dabei kam es zu einem Schußwechsel. Zwei Carabinieri wurden verletzt, ein Neofaschist getötet.

An der Totenfeier für die Attentatsopfer nahm eine halbe Million Menschen teil und wurde zur „antifaschistischen Antwort“ auf den „rechten Terrorismus“ erklärt. Wenige Tage nach dem Attentat spricht die unter starkem öffentlichem Druck stehende Staatsanwaltschaft von „konkreten Spuren“. Wie sich viele Jahre später herausstellte, gingen sie auf einen „Hinweis“ von Maurizio Tramonte zurück, der V-Mann des Militärgeheimdienstes SID war. Er zeigt mit dem Finger auf eine „subversiv agierende, neofaschistische Gruppe namens Ordine Nuovo“ (Neue Ordnung).

Neofaschistisches Attentat, antifaschistische Geschichtsdeutung oder „tiefer“ Staat?

Eine erste Gruppe von Neofaschisten wurde 1979 angeklagt, aber freigesprochen. Eine zweite Gruppe 1984 angeklagt, aber ebenfalls freigesprochen. Die gerichtliche Aufarbeitung des Attentats wurde zum politischen Kampfplatz. Der Linken wurde vorgeworfen, mit dem Finger auf politische Gegner gezeigt zu haben und diese Theorie unbedingt bestätigt sehen zu wollen. Der ermittelnde Staatsanwalt gab nach neun Jahren auf, weil die Ermittlungen, „die von anderen gelenkt scheinen, zu keinem Ergebnis führten“. In der öffentlichen Diskussion wurde neben der neofaschistischen Komponente eine mögliche Beteiligung des „tiefen Staates“ zur Konstante. Seit dem Sturz Allendes in Chile 1973 und bis in die 90er Jahre stelle ein mögliches Zusammenwirken von gewaltbereiten neofaschistischen Gruppen und staatlichen Einrichtungen ein Trauma der italienischen Linken dar. Im Ringen um die Deutungshoheit der jüngeren Geschichte spielt dieses Trauma nach wie vor eine zentrale Rolle.

Die Linke, die sich durch das Attentat direkt angegriffen fühlte, zeigte nach den beiden gescheiterten Prozessen mit dem Finger auf die Sicherheitskräfte und beschuldigte sie, Beweise vernichtet und die Ermittlungen manipuliert zu haben. An Ungereimtheiten fehlte es nicht, auch nicht an politischer Einmischung von allen Seiten.

2005 folgte schließlich die Anklage gegen eine dritte Gruppe von Personen, die zum Zeitpunkt des Attentats in neofaschistischen Kreisen verkehrte, darunter auch gegen Tramonte. Tramonte, heute 65 Jahre alt, der damals als V-Mann tätig war, soll mit einem anderen Angeklagten, der heute 82 ist, die Bombe in der Mülltonne plaziert haben. 2008 wurden auch in diesem dritten Verfahren alle Angeklagten freigesprochen. 2012 wurde der Freispruch vom Obersten Gerichtshof bestätigt, im Urteil aber das Attentat drei inzwischen verstorbenen Neofaschisten der Organisation Ordine Nuovo zugeschrieben.

2014 hob der Oberste Gerichtshof den Freispruch von Tramonte auf und ordnete eine Neuverhandlung an. 2015 erging durch ein Oberlandesgericht das nun rechtskräftig gewordene Urteil, daß Tramonte lebenslang ins Gefängnis muß, der seine Unschuld beteuert. In Italien fragt man sich, ob damit nach 44 Jahren Klarheit geschaffen wurde.

Weder von der einen noch der anderen Episode dürfte Papst Franziskus etwas mitbekommen haben. Das vatikanische Staatssekretariat zeichnete die höchsten Polizeichefs Portugals mit hohen Orden aus. Das sei auf diplomatischer Eben bei Staatsbesuchen so üblich, hieß es im Vatikan.

Text: Giuseppe Nardi
Bild: Sol/Wikicommons (Screenshots)

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