„Notstandstreffen“: Venezuelas Bischöfe wollen Papst Franziskus die schwere Krise in ihrem Land „erklären“

Die Spitze der Venezolanischen Bischofskonferenz wird am Donnerstag erneut Papst Franziskus aufsuchen, um ihm die Venezuela-Krise zu "erklären"
Die Spitze der Venezolanischen Bischofskonferenz wird am Donnerstag erneut Papst Franziskus aufsuchen, um ihm die Venezuela-Krise zu "erklären" (Archivbild)

(Rom) Die Venezolanische Bischofskonferenz teilte gestern in einer Presseerklärung mit, daß ihr Ständiger Rat am kommenden Donnerstag in Rom von Papst Franziskus in Privataudienz empfangen wird. Es handelt sich um ein „Notstandstreffen“, bei der die Bischöfe mit dem Papst „über die Venezuela-Krise“ sprechen wollen. Das lateinamerikanische Land befindet sich in einer schweren Krise. „Bei uns sterben die Menschen an Hunger.“ Diese dramatische Aussage machte der Vorsitzende der Bischofskonferenz, Erzbischof Diego Padrón Sanchez von Cumaná, vor kurzem. Der Erzbischof sagte seine Worte nicht, um das sozialistische Regime von Staatspräsident Nicolas Maduro zu unterstützen, sondern ließ keinen Zweifel daran, dieses Regime für die Toten und das Leiden verantwortlich zu machen. In Rom sieht man die Sache bekanntlich etwas anders. Um genau zu sein: Papst Franziskus sieht die Sache etwas anders.

„Schwerwiegende Lage in Venezuela“

Am kommenden 8. Juni wird Erzbischof Padrón die Delegation der Bischofskonferenz anführen, die mit dem Papst über die Venezuela-Krise sprechen will. Begleitet wird er von seinen Stellvertretern, von Bischof José Luis Azuaje Ayala von Barinas und Bischof Mario del Valle Moronta Rodríguez von San Cristobal de Venezuela, zudem vom Generalsekretär der Bischofskonferenz, Bischof Victor Hugo Basabe von San Felipe, und von den beiden venezolanischen Kardinälen Jorge Urosa Savino und Baltazar Porras, die aufgrund ihrer Würde Ehrenvorsitzende der Bischofskonferenz sind.

Die Privataudienz soll dazu dienen, „Papst Franziskus persönlich die schwerwiegende Situation zu erklären, in der sich Venezuela befindet“, so die Presseerklärung der Bischofskonferenz.

Don Aguilar, Pressesprecher der Venezolanischen Bischofskonferenz
Don Aguilar, Pressesprecher der Venezolanischen Bischofskonferenz

Dabei ist der Papst über die Lage in Venezuela sehr genau informiert, und zwar über die Apostolische Nuntiatur. Kardinalstaatssekretär Pietro Parolin war, bevor ihn Papst Franziskus nach Rom berief, selbst als Nuntius in Venezuela tätig. Sein Nachfolger wurde von ihm ausgewählt.

Dennoch wollen die Bischöfe dem Papst ihr Anliegen persönlich und unter Ausschluß der Öffentlichkeit darlegen. Der Grund? Franziskus bewertet die Venezuela-Krise ziemlich anders als die direkt Betroffenen. Franziskus machte in der Vergangenheit kein Hehl aus seiner Sympathie für das Regime der „Bolivarischen Revolution“. Zweimal wurde Staatspräsident Maduro bereits von Franziskus im Vatikan empfangen. Für die Opposition nahm sich der Papst noch keine Zeit. Die Kirche Venezuelas steht hingegen auf der Seite der Opposition. Sie weiß nur zu gut, wie es ihm Land zugeht. Maduro bedankte sich im vergangenen März beim Papst mit einem Appell und einer Warnung: „Katholiken der Welt, seid wachsam“, denn die „Westmächte“ möchten Franziskus stürzen.

Papst Franziskus versucht mit Hilfe des Generalschlüssels seines Pontifikats, der Personalpolitik, den venezolanischen Episkopat umzubauen. Von den sechs Bischöfen, die ihn am Donnerstag aufsuchen werden, wurden drei von ihm auf die Position gehoben, die sie heute innehaben. Darunter befindet sich auch Kardinal Baltazar Porras, den Franziskus 2016 in den Kardinalsstand erhob, um Kardinal Jorge Urosa Savina, die eigentliche Autorität der Kirche Venezuelas zu schwächen. Die Hoffnung des Papstes war es, mit Kardinal Porras einen Mann einzusetzen, der einen Weg des Ausgleichs mit der sozialistischen Regierung sucht. Dafür scheint es zu spät zu sein. Im Tonfall zumindest sind die päpstlichen Ernennungen dennoch vernehmbar.

Enttäuschte Hoffnung auf ein Papstwort

Die venezolanische Kirche und das venezolanische Volk warten seit Monaten auf ein Wort des Papstes, das ihnen Hilfe und Trost bringen soll. Doch dieses Wort kommt nicht. Dabei schrieb Franziskus den Venezolanern am 5. Mai einen ausführlichen Brief. Er brachte nicht Eintracht, sondern zusätzliche Zwietracht – zur Freude des Regimes.

Wie gespannt die Lage ist, klingt auch in der Presseerklärung an, in der sich die Bischöfe in Ergebenheitsbekundungen gegenüber dem Papst ergehen. Sie bringen ihre „Solidarität“ und ihren „Dank“ für „das Gebet, die Anteilnahme und die Sorge des Papstes für Venezuela“ zum Ausdruck: „Wir erneuern unsere Zugehörigkeit, Gemeinschaft und unseren Gehorsam gegenüber dem Heiligen Vater Franziskus. Wir danken von Herzen für seine beständige Begleitung“.

Wozu diese Treuebekundungen durch Bischöfe eines Landes, in denen die Menschen durch Hunger oder Regierungskugeln sterben, nur weil sie dem Papst ihr Leid klagen und ihn um Hilfe bitten wollen? Weil es einen kaum verhüllten Konflikt zwischen den Bischöfen und dem Papst gibt über die Einschätzung der Krise gibt.

Die Bischöfe gingen in ihrer gestrigen Ergebenheitserklärung soweit, die „Manipulation“ zu beklagen, die „verschiedene Akteure“ den Worten des Papstes vom 5. Mai gegeben haben. Mit den „Akteuren“ sind nicht etwa Regierungsanhänger gemeint, sondern Oppositionelle. Unter ihnen herrschte große Enttäuschung über die Papst-Worte. Die Aufforderungen des Papstes wurden als Versuch gesehen, die Opposition zu spalten. Franziskus wurde daher vorgeworfen, das Maduro-Regime der Sozialistischen Einheitspartei Venezuelas (PSUV) aktiv zu unterstützen und dessen Machterhalt zu fördern.

Das Leiden wegen der linken Sympathien des Papstes

Der Großteil der Bischöfe und die Opposition des Landes leiden unter der päpstlichen Linkslastigkeit.

Das eingangs zitierte Wort „Notstand“ findet sich in der Erklärung nicht. Es stammt von Don Pedro Pablo Aguilar, dem Leiter des Presseamtes der Venezolanischen Bischofskonferenz. Er gebrauchte dieses Wort im Zusammenhang mit dem bevorstehenden Besuch bei Papst Franziskus gestern abend gegenüber Unión Radio.
Die Interviewer des Radio-Senders machten dabei Aguilar das Befremden der Venezolaner über die Haltung von Papst Franziskus zur Venezuela-Krise deutlich.

Protest gegen das Maduro-Regime auf dem Petersplatz
Protest gegen das Maduro-Regime auf dem Petersplatz

Als Reaktion auf das unbefriedigende Papst-Schreiben vom 5. Mai protestierten Venezolaner am 7. Mai mit schwarzen Kreuzen beim Regina Coeli auf dem Petersplatz. Auf den Kreuzen standen die Namen getöteter Regimekritiker geschrieben.

Noch drastischer formulierte es Don José Palmara, einer der bekanntesten Priester Venezuelas. Seelsorger in einer „Randpfarrei“ von Maracaibo. Er warf dem Papst „völlige Unkenntnis der Lage in Venezuela“ vor.

Oppositionelle gehen heute aus Enttäuschung soweit, Papst Franziskus zu unterstellen, aus ideologischer Sympathie für den Sozialismus, trotz genauer Kenntnis der Lage, die Menschen dem Machterhalt des Regimes „zu opfern“.

Tatsache ist, daß westliche Medien kaum über die Staatskrise in Venezuela berichten, weil dort ein sozialistisches Regime die eigenen Bürger unterdrückt. Auch von der Verfolgung und den Gulags in der Sowjetunion wollten beachtliche Teile der westlichen Gesellschaft nach dem Ersten Weltkrieg und ebensowenig nach dem Zweiten Weltkrieg etwas wissen. Deit dem Zusammenbruch des Ostblocks 1989/1991 wurde das ganze Leid unter im Schnellverfahren unter den Teppich gekehrt und der Schleier des Schweigens darüber gebreitet.

Text: Giuseppe Nardi
Bild: Cev.org.ve/Union Radio (Screenshots)

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2 Kommentare

  1. Ein Dank diesen Bischöfen, die sich ihrer Verantwortung für die Menschen in ihrem Land nicht entziehen wollen.

    Die Venezolaner haben ihren Protest gegen Bergoglios Positionen auf den Petersplatz getragen und somit öffentlich gemacht. Großartig!

  2. In der heutigen Predigt spricht Papst Franziskus die Heuchelei an, die Thema seiner Predigt ist siehe auf http://www.kath.net/news/59838.

    Wörtliche Rede: „Und die Heuchelei ist nicht die Sprache Jesu. Die Heuchelei ist nicht die Sprache der Christen. Ein Christ kann kein Heuchler sein und ein Heuchler ist kein Christ. Das ist so klar. Das ist das Adjektiv, das Jesus am meisten für diese Leute benutzt: Heuchler. Wir sehen, wie diese vorgehen. Der Heuchler ist immer ein Schmeichler, entweder großspurig oder kleinspurig, aber er ist ein Schmeichler“.

    Wenn ich das in Abgleich stelle, was Papst Franziskus vernachlässigt in verschiedensten Bereichen, in seiner Personalpolitik, das Fragezeichen über Fragezeichnen aufwirft, auch deutlich herauszulesen im heutigen Beitrag auf kath.Info -Islam – Das Wort, das der Papst nicht ausspricht, oder wie in diesem Beitrag, wo zu lesen ist: Zweimal wurde Staatspräsident Maduro bereits von Franziskus im Vatikan empfangen. Für die Opposition nahm sich der Papst noch keine Zeit. Die Kirche Venezuelas steht hingegen auf der Seite der Opposition. Sie weiß nur zu gut, wie es ihm Land zugeht, dann kommt bei mir die Frage massiv auf, ob er seine eigene Predigt von heute selbst versteht oder das Wort Jesu nicht verstanden hat, weil es für meine Empfindungen deutliche Widersprüche zu seiner Person und seinem Handeln enthält.
    Aus der Schülerzeit habe ich in Erinnerung, als die Weißen nach Amerika kamen, dass aus Indianermund das Wort kam: Der weiße Mann spricht mit gespaltener Zunge. Da zeigen sich für mich deutliche Unterschiede.Ich kann mir nicht mehr helfen, als das so zu sagen, was ich empfinde.

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