Die österreichische Kirchensteuer – falsche Weichenstellung aus der NS-Zeit

Kirchenbeitragsstelle Bezirk Rohrbach (Diözese Linz)
Kirchenbeitragsstelle Bezirk Rohrbach (Diözese Linz)

Von Wolfram Schrems*

Jedes Jahr im Frühling kommt die Kirchensteuervorschreibung für die österreichischen Katholiken, die aufgrund eines historischen Zufalls seit 1939 gleichzeitig auch Mitglieder der Gemeinschaft der Kirchensteuerpflichtigen sind. Die Kirchensteuerstellen sind nach vielen Erfahrungswerten zweifellos die am effizientesten arbeitenden Einrichtungen der kirchlichen Bürokratie. Denn hier geht es eindeutig um das Wichtigste, um das Geld. Daher wird in diesem Artikel nicht der offizielle Ausdruck „Kirchenbeitrag“ verwendet. Denn dieser klingt allzusehr nach Freiwilligkeit.

Der Mammon und die Prioritäten

Ein einschlägiger Erfahrungswert ist beispielsweise, daß nach der Hauptwohnsitzmeldung in Wien die Kirchenbeitragsstelle nach etwa 14 Tagen die Vorschreibung schickte, die territorial zuständige Pfarre ihren Willkommensbrief aber erst nach fünf Monaten. Das sind klare Gewichtungen.

Ein anderer Erfahrungswert ist, daß bei Besprechungen in diözesanen Mitarbeiterkreisen das Geld einen überproportional wichtigen Platz einnimmt, weit vor der Frage der inhaltlichen Ausrichtung. Dabei ist in Bezug auf das angeblich fehlende Geld oft eine gewisse Larmoyanz festzustellen, d.h. man lamentiert, anstatt zu fragen, zu welchem Zweck man überhaupt im kirchlichen Apparat arbeitet.

Und schließlich: Wer sich als „mündiger“ Katholik erdreistet, sein Geld selbständig an ihm förderungswürdig erscheinende Institutionen oder Geistliche zu bezahlen, wird letztlich mit dem Rechtsanwalt und der Pfändung bedroht.

Alles das haben viele schon erlebt.

Um den Horizont für die folgenden Überlegungen zu erweitern, sei hier zunächst eine grundsätzliche und aktuelle Frage erörtert:

„Arme Kirche für die Armen“ – wie bitte?

Papst Franziskus hat schon früh in seinem Pontifikat diese schmissige Parole ausgegeben. Warum, entzieht sich einer rationalen Erklärung. Denn die Parole ist erstens ohnehin sinnlos. Und zweitens widerspricht sie der Realität der finanziell steinreichen Diözesen des deutschen Sprachraums, die spirituell so gut wie mittellos sind, aber den vatikanischen Betrieb maßgeblich mitfinanzieren.

Irgendetwas ist immer unehrlich bei der „Armuts“-Rhetorik, einschließlich der „Armutsnetzwerke“ und „Armutskonferenzen“. Sie widerspricht in ihrer kryptomarxistisch-ideologischen Aufladung dem Geist des Evangeliums. Sie widerspricht der Geschichte der Kirche, die etwa in Gestalt der Klöster über Jahrhunderte hinweg durch Fleiß und Askese ungeheure materielle Werte geschaffen hat, die allen zugute kommen. Der Marxismus hat gar nichts geschaffen, sondern nur weggenommen und zerstört.

Pauperismus als Hobby der Superreichen?

Die Armutsrhetorik widerspricht vor allem der Realität: Papst Franziskus umgibt sich häufig mit superreichen Globalisten, die ihrerseits die Armutsrhetorik bedienen.

Das gibt es auch auf einer niedrigeren hierarchischen Ebene.

Dazu ein grelles Beispiel:

In der Fastenzeit war ein Beitrag auf dem kirchennahen und ziemlich sinnlosen Radio Klassik/Stephansdom über einen Ordenspriester aus einer Gemeinschaft zu hören, die sich besonders der Armut verschrieben hat. Der Geistliche erzählte vom bescheidenen Lebensstil und von der Einsiedelei, in die er sich immer wieder zurückziehe. Dort gebe es kein Fließwasser und keine Heizung u. dgl. Der Pater lobte diesen Gebrauch. Die Redaktion unterstrich durch die Gestaltung des Beitrags die Armutspredigt des Paters. Auf diesen Sendebeitrag folgte eine Werbeeinschaltung eines Bankhauses zum Thema Kapitalinvestition. Danach folgte eine Werbeeinschaltung einer Monatszeitschrift, die sich nach ihrem Titel dem finanziellen Profit widmet. Darauf folgte der Börsenreport.

Nicht unwitzig – und gleichzeitig symptomatisch:

Die Redaktion empfand die Armutsglorifizierung offenbar nicht als Widerspruch zum Dienst am Mammon.

Die „arme Kirche für die Armen“ ist deswegen Unsinn, weil eine arme Kirche den Armen ja gar nichts nützt. Die Frage ist eben nur, ob man die Hilfswerke finanziell gut ausstattet oder aber einen sterilen Apparat.

Materielle Armut pauschal zu verherrlichen (also eine Ideologie, die als „Pauperismus“ bezeichnet wird), kann sich nicht auf die kirchliche Lehre berufen. Wenn sich Armut und Ärmlichkeit auf die Gottesverehrung beziehen, haben sie den Verräter im ersten Apostelkreis zum Vorbild (Mt 26,9).

Etwas anderes ist es selbstverständlich, im Rahmen des Ordenslebens ein freiwilliges Armutsgelübde abzulegen. Ohnehin gilt für alle, der Habgier zu widerstehen, eine gewisse innere Distanz zu allem Vergänglichen zu pflegen und nicht dem Mammon zu „dienen“. Für die Kirchenführer gilt, den materiellen Besitz, der von den Gläubigen beigetragen wird, sparsam, sinnvoll und verantwortungsvoll einzusetzen.

Derlei moralische Imperative interessieren die Kirchenführer derzeit aber nicht. Um dieses Versagen schlaglichtartig zu beleuchten:

Die „arme Kirche“ verheizt sinnlos die Kirchensteuergelder – Beispiel Linzer Dom

„Die arme Kirche für die Armen“ ist vor allem eine faustdicke Lüge. Ein geradezu brutales Beispiel für diese Lüge sind die derzeitigen Vorgänge um den Linzer Dom. Vor zwei Jahre wurde in den Medien berichtet, daß ein Umbau des Altarraums geplant sei. Man wolle den „Volksaltar“ näher zu „den Menschen“ rücken. Auf diese Weise soll auch das „Atmen“ des Doms „erfahrbar“ gemacht werden. Das Projekt sollte für den läppischen Betrag von 950.000,– realisiert werden.

Altarraumgestaltung Dom Linz: Toter Altarraum und Hochaltar, Auslagerung des Altars ins Kirchenschiff
Altarraumgestaltung Dom Linz: entleerter Altarraum, toter Hochaltar, Auslagerung des Altars ins Kirchenschiff

Nun, keine zwei Jahre später, wird in Medienberichten über weitere Planungsstadien des Projekts bereits von Kosten über 1,2 Millionen Euro berichtet. Ein kleiner, unbedeutender Kostenanstieg? Kein Problem für die arme Kirche der Armen!

Aus ideologischer Verblendung wird von einer schwer zu durchschauenden diözesanen Machtclique ein Projekt geplant, das sehr kostspielig ist und das im gläubigen Volk (oder was davon nach Jahrzehnten des Abbruchs noch übrig geblieben ist) kaum jemand will. Verschiedene Initiativen versuchen, wie man hören kann, das Ensemble des Doms zu retten. Es gibt sogar Unterschriftenaktionen im Zentrum von Linz.

Alle Eingaben waren aber bis jetzt erfolglos.

Das mit rigiden Mitteln eingetriebene Kirchensteuergeld wird in diesem konkreten Fall also für ein Prestigeprojekt mit enormer ideologischer Aufladung gesteckt. Warum wird hier nicht auf die vox populi gehört? Warum ist hier die „arme Kirche für die Armen“ plötzlich kein Thema?

Wer profitiert übrigens von diesem Auftrag? Wer profitiert von der Verteuerung des Projekts? Das wäre auch eine eigene Recherche wert.

Kirchenmitgliedschaft muß von der Geldeintreiberherrschaft getrennt werden!

Unter Papst Benedikt XVI. wurde im Jahr 2006 vom Päpstlichen Rat für die Gesetzestexte amtlich verkündet, daß ein formaler Austritt aus der Kirche nicht vor einer Zivilbehörde erfolgen kann und daß eine entsprechende Erklärung vor ebendieser Behörde im Zusammenhang mit der Zugehörigkeit zur Kirchensteuergemeinschaft keinerlei Kirchenstrafen nach sich zieht. Auf gut Deutsch gesagt: Der zivilrechtliche „Austritt“ ist nicht als Glaubensabfall (Apostasie) oder Schisma zu werten. Deswegen kann auch kein Ausschluß von den Sakramenten, also keine Exkommunikation, erfolgen.

Erwartungsgemäß unterliefen die österreichischen Bischöfe diese Erklärung. Denn die Trennung der  Kirchenmitgliedschaft von der Kirchensteuergemeinschaft sollte unbedingt verhindert werden. Der Rubel muß weiter rollen.

Und so geht der Weg in den Untergang munter weiter. Die Kirche wird ja kaum noch ernstgenommen. Sie wird als Vorfeldorganisation der Politik und als Inkassobüro empfunden.

Das Problem ist allerdings grundsätzlicher:

Sogar wenn die österreichischen Bischöfe und ihre Apparate, inklusive Verbände und Caritas, eine ordentliche, katholische Arbeit machen würden, dürften Seelsorge und Sakramentenempfang niemals mit rechtlich einklagbaren finanziellen Ansprüchen gekoppelt sein! Der Kirchenbeitrag ist also de facto, wenn auch nicht de iure, eine staatliche Steuer. Sicher: Man könnte „austreten“ und sich so der finanziellen Forderung entziehen. Das ist aber für gläubige Katholiken immer noch schwierig und zieht Scherereien, Mißverständnisse und Ärgernis nach sich.

Zweifelhafte Projekte: "Interreligiöser Stadtplan" (Innsbruck) um "Willkommen" zu heißen.
Zweifelhafte Projekte: „Interreligiöser Stadtplan“ (Innsbruck) um „Willkommen“ zu heißen.

Oder man wird Beitragsboykotte durchführen oder Treuhandkontos einrichten müssen. So, wie es jetzt läuft, kann es jedenfalls nicht weitergehen.

Ein erheblicher Teil des Kirchenbeitrags fließt ja ohnehin in einen sich gegenseitig verwaltenden und somit selbstzweckhaften Apparat, der so gut wie keine Außenwirkung hat, zumindest nicht im Positiven. Diesen Apparat könnte man auf einen Bruchteil des Umfangs reduzieren. Für alles andere wird immer Geld dasein. Viele Gläubige wären bereit, mehr zu geben als den Betrag der Kirchensteuer. Das sieht man in den traditionsverbundenen Gemeinden und in den gläubigen Pfarren. Dort wird aber auch etwas Ordentliches geboten.

Unter gegenwärtigen Umständen ist es eine unzumutbare Dreistigkeit, den Gläubigen von der Kanzel herab den interreligiösem Mischmasch, den Klimawahn und die sogenannten „Flüchtlinge“ zu predigen und dann deren Geld mit rechtlichen Mitteln  einzuklagen. Alleine in der Diözese Feldkirch (die das Bundesland Vorarlberg umfaßt) werden nach eigenen Angaben etwa 300 Pfändungen pro Jahr durchgeführt! Und das bei nur etwa 247.000 Katholiken!

Solange immer noch historisch wertvolle Kirchen grauenhaft verschandelt werden (angeblich wegen der „Liturgiereform“ des Konzils), haben die kirchlichen Strukturen eindeutig zu viel Geld. Solange sich etwa die Diözese Linz drei Mitarbeiter für „Altarraumgestaltung und zeitgenössische Kunst“ (!), insgesamt übrigens sieben Mitarbeiter im Kunstreferat, leistet, würde man sich finanziell ärmere Diözesen durchaus wünschen, bzw. Diözesen ohne aufgeblähte Apparate.

Resümee: schlechtes Beispiel der österreichischen Kirchenführung

Immer noch schauen viele Menschen hierzulande auf das Verhalten der Kirchenführer, weil sie es für auf irgendeine Weise relevant halten. Das bedeutet, daß das schlechte Beispiel der Kirchenführer auch von politischen Verantwortungsträgern nachgeahmt wird: Die legitimen Interessen der Untergebenen sind unwichtig, es wird gnadenlos darübergefahren. Im politischen Bereich betrifft das das Interesse der Bürger an Sicherheit, Rechtssicherheit und Wohlfahrt. Alles das wird von den politischen Eliten der Illusion eines „neuen, besseren, gerechteren, bunteren und offeneren Europas“ (o. ä.) geopfert. Dazu wird die Steuerschraube ordentlich angezogen.

Man muß längst von Konfiskation sprechen.

Die Kirchenverantwortlichen machen es ja auch so ähnlich. Auch hier kosten die Illusionen viel Geld.

Die ersatzlose Streichung der Kirchensteuer wäre daher wünschenswert. Im Gewissen ist der Katholik ohnehin verpflichtet, seinen Beitrag zum Leben der Kirche zu leisten (KKK 1351, CIC/1983 can. 222). Die Kirchensteuer sollte daher durch ein freiwilliges Beitragssystem ersetzt werden. Das ginge aber nur, wenn man die Einführung der Seelsorgskolchosen („Pfarre neu“) stoppen würde. Eine Pfarre und eine Pfarrkirche, die den Pfarrangehörigen „gehört“, wird immer über genug Mittel verfügen. Wenn die Mittel zentral kassiert, verwendet und vergeudet werden und wenn Kirchen gegen den Willen der Gläubigen verschenkt werden (in Wien etwa gegen massiven Widerstand durch den Provisor und die Laien in Neulerchenfeld, 16. Bezirk – auch gegen die Verschenkung von Maria vom Siege und St. Antonius, beide 15. Bezirk, gab es dem Vernehmen nach Widerstand), ist die Spendenbereitschaft natürlich gering.

Sicher wird man sich bei einem Wegfall der Kirchensteuer über die Besoldung der Priester und der hauptberuflichen Helfer in den Pfarren (für Buchhaltung und Verwaltung werden häufig qualifizierte Mitarbeiter benötigt) Gedanken machen müssen. Dabei sind auch historische Modelle in Erwägung zu ziehen.

Das wäre analog ein gutes Vorbild für den weltlichen Bereich. Dieser sollte bedenken, daß die Steuerlast nicht in Raub und Konfiskation ausarten darf und daß die Bürger legitime Interessen und Rechte haben.

Im übrigen kann es nicht angehen, daß ausgerechnet die Kirche von einem Gesetz aus der Zeit des Nationalsozialismus profitiert. Das ist eine Verhöhnung aller katholischen NS-Opfer. Aber Geld stinkt bekanntlich nicht.

*MMag. Wolfram Schrems, Theologe, Philosoph, Katechist

Bild: Wikicommons/Diözese Innsbruck (Screenshots)

 

 

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2 Kommentare

  1. War neulich für ein Wochenende in Wien. Für den Besuch des Stephansdoms wird außerhalb der Gottesdienstzeiten (wo man ja nicht besichtigt, sondern teilnimmt) gnadenlos Eintritt genommen. Noch extremer war dies bei der barocken Karlskirche. Im Stephansdom konnte man immerhin noch das Seitenschiff betreten, ohne zu bezahlen. In der Karlskirche ging gar nichts. Arme österreichische Kirche!

  2. Die Kirchensteuer hat nichts mit der NS-Zeit zu tun. Sie gleicht die Enteignung -man könnte auch sagen, den Raub- des kirchlichen Vermögens durch die -verharmlosend gesagt – Säkularisation aus.

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