Der Sieg des Islams? – Neues PEW-Dossier: 2100 weltweit mehr Muslime als Christen

Bis 2010 wird der Islam die größter Religion der Welt sein und das Christentum überholt haben.
Bis 2010 wird der Islam die größter Religion der Welt sein und das Christentum überholt haben. So die neue Prognose des Pew Research Center.

(Washington) Die jüngsten vom Pew Research Center vorgelegten Zahlen haben explosive Kraft. Das renommierteste religionswissenschaftliche Meinungsforschungsinstitut mit Sitz in Washington ließ eine Bombe platzen. Ende des 21. Jahrhunderts wird es weltweit mehr Muslime als Christen geben. Geburtenrate und Massenmigration werden das Antlitz der Erde verändern, wenn die aktuellen Trends anhalten.

Wenn die Detonation der Bombe nicht zu hören war, dann nur wegen der Medienkontrolle, mit der unangenehme, ungünstige und „derzeit“ unpassende Meldungen unterschlagen oder nur abgemildert dosiert dem Publikum verabreicht werden.

Die Botschaft des Pew Research Center lautet: Wenn die derzeitige demographische Entwicklung andauert („und nichts läßt derzeit das Gegenteil annehmen“, so Matteo Matzuzzi, Vatikanist von Il Foglio), „wird die Zahl der Muslime vor Ende dieses Jahrhunderts weltweit jene der Christen überrunden“. Matzuzzi schreibt vom „Sieg des Islams“ ohne Fragezeichen.

Das Meinungsforschungsinstitut legte vor kurzem ein neues Dossier mit aktuellen Schätzungen und Prognosen vor, die auf den jüngsten demographischen Daten beruhen. Das Institut bestätigt damit, was es bereits vor einigen Jahren angedeutet hatte.

Zahl der Muslime wächst deutlich schneller als die der Christen

2010 gab es 1,6 Milliarden Muslime. Das entsprach einem Anteil von 23 Prozent an der Weltbevölkerung. Damit lagen sie deutlich hinter den Christen mit damals fast 2,5 Milliarden.

2100 wird sich fast jeder dritte Erdenbewohner Richtung Mekka verneigen.
2100 wird sich fast jeder dritte Erdenbewohner Richtung Mekka verneigen.

Die islamische Bevölkerung wächst jedoch deutlich schneller als die christliche. Bei anhaltender Tendenz werden die Muslime bis 2070 mit den Christen gleichgezogen haben. Beide Religionsgemeinschaften werden dann einen Anteil von 32,3 Prozent an der Weltbevölkerung haben.

Wie es in Washington heißt, erlauben die zur Verfügung stehenden aktuellen Zahlen über Todes- und Geburtenraten kaum einen Zweifel. Die Christen werden im kommenden halben Jahrhundert um ganze 35 Prozent zunehmen. Die Dynamik des Christentums scheint daher ungebrochen, das Wachstum enorm. Allerdings werden die Muslime im selben Zeitraum um 73 Prozent wachsen, also doppelt so schnell als die Christen.

Dieses enorme Wachstum erklärt sich „ganz einfach“, wie es beim Pew Research Center heißt. Die Muslime zeugen mehr Kinder als die Angehörigen der anderen Religionen. Die Fertilitätsrate muslimischer Frauen liegt bei 3,1 Kindern. Die der anderen Frauen bei 2,3 Kindern, was gerade zur Erhaltung des Ist-Bestandes reicht. Die Altersstruktur der Muslime ist heute unter allen Religionen die jüngste: die islamische Religionsgemeinschaft ist um sieben Jahre jünger als die Nicht-Muslime, also die Restbevölkerung.

Massenmigration und Europa

Der zweite Faktor ist die Massenmigration, die aus den islamischen Teilen Afrikas und Asiens im Gange ist. Wenn dieses Phänomen „nicht insgesamt die Weltbevölkerung verändert, trägt sie zumindest dazu bei, die muslimische Bevölkerung in anderen Weltgegenden zu erhöhen“, das gelte vor allem für die westliche Welt (Nordamerika und Europa). Die muslimische Massenmigration betreffe nicht nur Nordafrika und den Nahen Osten, wo nur 20 Prozent der Muslime leben, sondern auch den Mittleren und Fernen Osten, wo heute der Großteil der Muslime ansässig ist. Indonesien ist das bevölkerungsreichste islamische Land der Welt. Laut Pew Research Center wird Indonesien bis 2050 darin aber von Indien abgelöst werden. Dann, so das Institut, wird Indien 311 Millionen Muslime zählen. Das entspräche dann 11 Prozent aller Muslime.

Ein Hauptaugenmerk des Dossiers liegt jedoch auf Europa. Das hat seinen Grund. In Europa, so das Pew Research Center, werden die Umbrüche und Verschiebungen massiv ausfallen.

2010 betrug das Durchschnittsalter der Muslime in Europa 32 Jahre. Die Muslime waren damit ganze acht Jahre jünger als die Europäer. Das Durchschnittsalter der Religions- oder Konfessionslosen unter den Europäern (Atheisten und Agnostiker eingeschlossen) lag bei 37 Jahren. Das der Christen bei 42 Jahren. Zwischen Christen und Muslimen liegen zehn Jahre. Das sind „Welten“, wie es im Pew Research Center heißt.

Europa wird bis 2050 um 50 Millionen schrumpfen

Daraus ergeben sich zwangsläufig Konsequenzen. „Der muslimische Anteil an der Gesamtbevölkerung Europas ist in jedem Jahrzehnt um etwa 1 Prozent gewachsen (von 4 Prozent 1990 auf 6 Prozent 2010).“ Anders ausgedrückt: Die Muslime haben innerhalb von 20 Jahren um 50 Prozent zugenommen. „Dieses Wachstum wird anhalten, dann werden 2030 8 Prozent und 2050 mehr als 10 Prozent der europäischen Bevölkerung islamisch sein.“ In bestimmten Regionen, Ballungsräumen und Städten, besonders im westlichen Europa, wird der islamische Bevölkerungsanteil weit darüber liegen, während einige Teile Europas kaum von der Islamisierung betroffen sein werden.

PEW-Prognose für Europa (2050)
PEW-Prognose für Europa (2050)

Rein statistisch werden sich also auch in Europa keine radikalen Veränderungen ergeben, de facto aber durchaus. Die geringe Geburtenrate macht aus Europa den einzigen Kontinent, dessen Bevölkerung laut aktuellen Prognosen bis 2050 um 50 Millionen Menschen schrumpfen wird. Dieser Schrumpfungsprozeß und die damit verbundene Überalterung der Europäer beschleunigt das Wachstum des Islams durch geringeres Durchschnittsalter, höhere Geburtenrate und Masseneinwanderung. Die Gesamtbevölkerung Europas wird bis 2050 von 553 Millionen (2015) auf 454 Millionen sinken.

Die europäischen Völker haben seit Anfang der 70er Jahre ein Geburtendefizit. Die Deutschen (deutscher Sprachraum: D, A, CH, L) sind seither um mehr als ein Fünftel geschrumpft. Bei anderen Völkern Europas sieht es nicht anders aus. Dieser Negativtrend wird in der veröffentlichten Meinung vertuscht und durch Massenzuwanderung überdeckt.

2050 71 Millionen Muslime in Europa

PEW-Prognose für die Welt (2050)
PEW-Prognose für die Welt (2050)

Trotz der skizzierten Entwicklung „werden sich 2050 noch zwei Drittel oder 65 Prozent der Europäer als Christen bekennen“, was nicht bedeutet, daß sie regelmäßig die Kirche besuchen. 2010 bezeichneten sich noch 75 Prozent als Christen. Insgesamt bedeutet die Veränderung, daß die Zahl der Christen (Katholiken, Protestanten, Orthodoxe) bis 2050 um 100 Millionen zurückgehen wird. Die Veränderung wird die einzelnen Konfessionen unterschiedlich treffen. Grund für diesen Rückgang ist auch die hohe Zahl der Europäer, die sich keiner Religion zugehörig erklären (2050: 23 Prozent). Während deren Anteil in Europa wächst, schrumpft er weltweit. Ein Rückgang der Religionszugehörigkeit ist nur unter den westlichen Völkern festzustellen, die schrumpfen.

1950 gab es in Europa knapp 10 Millionen Muslime (der Großteil davon in Rußland), 2010 gab es in Europa 43 Millionen Muslime. Deren Zahl wird, so das Pew Research Center, bis 2050 auf 71 Millionen anwachsen. Das entspricht einem Wachstum von 63 Prozent. Der Grund auch dafür, den das Pew Research Center im Dossier zu Papier gebracht hat, klingt banal: „Die Christen sind älter als die anderen.“ Umgekehrt gelesen: Die Muslime sind jünger.

Zusammen mit den Christen schrumpfen in Europa auch die Juden, und das fast im selben Ausmaß. Wird das geschätzte Minus bei den Christen mit 17,9 Prozent angegeben, soll es bei den Juden bei 15,2 Prozent liegen. Auch in den USA schrumpft der Anteil der Juden, die von den Muslimen als größte Religionsgemeinschaft nach den Christen abgelöst werden.

Text: Giuseppe Nardi
Bild: PEW Research Center/Wikicommons (Screenshots)

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Bayernmichel

Und an der Förderung des islamischen Nachwuchses bei uns im Land beteiligen sich leider auch christliche Religionsvertreter. Dumm, kurzsichtig und schädlich. Aber unter dem Applaus der Medien.

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