Nach NYTimes, Washington Post nun die BBC: Was steckt hinter der Anti-Burke-Kampagne?

Medienkampagne gegen Kardinal Burke als Probelauf für eine linke Allianz politischer Kräfte mit Papst Franziskus. (Im Bild: Protestplakate in Rom gegen die Amtsführung von Papst Franziskus).

(London) Nach New York Times, Washington Post, La Nacion und Publico greift nun auch die BBC Kardinal Burke an. „Seit wann sind diese großen weltlichen Medien papstfreundlich?“ fragte die katholische Nachrichtenseite SMM. Es geht um einen Richtungsstreit in der Kirche, bei dem die liberalen Medien nie auf der Seite derer stehen, die Glaubens- und Morallehre der Kirche verteidigen. Es geht auch um einen Probelauf für eine internationale Anti-Trump-Allianz.

Gemeinsames Feindbild Burke

Kardinal Burke, der Gegenspieler von Papst Franziskus in der Frage der Ausrichtung der Kirche, zieht sich die ablehnende Haltung der Medien zu, die sich unter Johannes Paul II., Benedikt XVI. und den letzten Jahren von Paul VI. noch direkt gegen den regierenden Papst richtete. Sympathie und Antipathie der kirchenfernen Medien sind kein launisches Zufallsprodukt, sondern haben mit der inhaltlichen Linie zu tun.

BBC
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Kardinal Raymond Burke befindet sich derzeit im Auftrag von Papst Franziskus auf der Südseeinsel Guam. Eine größere Entfernung zu Rom gibt es kaum mehr, weshalb bereits von einer Art „Verbannung“ gesprochen wird. Offiziell ist der renommierte Kirchenrechtler noch Kardinalpatron des Souveränen Malteserordens, also päpstlicher Botschafter bei diesem in Kirche und Welt einzigartigen Orden, der den Status eines souveränen Völkerrechtssubjekts genießt.

De facto hat der Kardinal dieses Amt aber bereits verloren. Papst Franziskus ernannte am 4. Februar den Stellvertreter von Kardinalstaatssekretär Pietro Parolin, Kurienerzbischof Giovanni Angelo Becciu, zum Päpstlichen Legaten beim Orden. Damit wurde das Amt des Kardinalpatrons vorerst überflüssig gemacht. Zugleich erklärte der neue Machthaber im Orden, der von Franziskus wieder ins Amt eingesetzte Großkanzler Boeselager am 2. Februar, daß er jedenfalls keinen Bedarf mehr für Kardinal Burke im Orden habe.

Medien an Papst Franziskus: „Hart“ gegen Kardinal Burke vorgehen

Die New York Times eröffnete am 7. Februar den Angriffsreigen gegen den US-amerikanischen Purpurträger. In kurzen Abständen folgen seither andere Mainstream-Medien. Den schärfsten Angriff formulierte dabei die Washington Post mit einer offenen Aufforderung an Franziskus, „hart“ gegen Kardinal Burke vorzugehen. Autorin war eine feministische Journalistin und Abtreibungsbefürworterin. Ihre Diktion ist aus linkem Mund bekannt: abweichende Meinungen werden nicht geduldet und genießen auch keinen Schutz durch die Menschenrechte.

Die BBC legte gestern einen Artikel nach, der sich dem Titel nach der Frage widmet, wer hinter der Kampagne gegen Papst Franziskus stecke. Gemeint ist die Aktion mit Protestplakaten und einer Satire-Ausgabe des Osservatore Romano, die Unbekannte in Rom in Umlauf brachten. Darin wurde Franziskus für seine Härte kritisiert, mit der er gegen Orden in der Kirche wie die Franziskaner der Immakulata und den Malteserorden vorgeht, und für seinen Umgang mit den Sakramenten, besonders sein Versuch, mit Amoris laetitia verstohlen durch die Hintertür die Sakramente der Ehe, der Buße und der Eucharistie zu ändern. Auf den Protestplakaten wurde an Franziskus die Frage gestellt: „Wo ist Deine Barmherzigkeit?“

Die beiden Aktionen sorgten für größtes Aufsehen im Vatikan, wo man sich eines wachsenden Widerstandes bewußt wurde.

Die „Strippenzieher“ hinter der Medienkampagne?

Die BBC bezichtigte nun Kardinal Burke, der geheime Strippenzieher im Hintergrund zu sein, der das Prestige des Papstes untergraben wolle, um ihn zu stürzen. Der Vorwurf ist weder neu noch originell. Bereits wenige Monate nach der Wahl von Franziskus hatte ein offensichtlich verwirrter Paul Zulehner, seines Zeichens der Lieblingstheologe des Österreichischen Rundfunks, davor gewarnt, Papst Franziskus könnte ermordet werden. Den Verdacht lenkte Zulehner, wie nun auch die BBC, auf „rechte“, „ultrakonservative“, „traditionalistische“ Kirchenkreise.

New York Times
New York Times

Wie der BBC-Beitrag zeigt, werden immer härtere Geschütze aufgefahren. Es geht um einen Richtungskampf in der Kirche, bei dem progressive Kirchenkreise und kirchenferne weltliche Medien gemeinsame Sache machen, und das nicht zum ersten Mal.

Was BBC berichtete, stammt nicht aus eigener Recherche. Alle „Informationen“, in Wirklichkeit Behauptungen, stammen vom antiklerikalen britischen Blatt The Tablet. Es wird nicht, wie im Titel angekündigt, recherchiert, von wem etwa die Protestplakate in Rom stammen könnten. Einziger Inhalt des Beitrags ist ein harter Angriff gegen Kardinal Burke. Damit stellt sich die Frage, wer die Strippenzieher hinter der auffällig koordinierten Medienkampagne gegen den Kardinal sind.

Degradiert, gedemütigt – kein Kardinal wurde in den vergangenen 150 Jahren so behandelt

Die Angst vor dem ehemals höchsten Richter des Heiligen Stuhls, seinem messerscharfen Denken und seiner entschlossenen Treue zur überlieferten Glaubenslehre und Sakramentenordnung muß sehr groß sein. Das gilt vor allem für das unmittelbare Umfeld von Papst Franziskus, der ihn nun bereits zum zweiten Mal innerhalb von 27 Monaten degradierte und noch häufiger demütigte. Obwohl linke Kirchenkreise reflexartige Aversionen gegen die Römische Kurie zeigen und die Pontifikate von Johannes Paul II. und Benedikt XVI. als „restaurative Phase“ betrachten, ist keiner dieser Päpste so mit einem Kardinal umgegangen, der sich nichts anderes zuschulden kommen hat lassen, als die Glaubenslehre zu verteidigen.

Diese Angst bestimmter kirchlicher Kreise hat sich mit dem unerbittlichen Kampf linker politischer Kreise gegen den neuen US-Präsidenten Donald Trump verknüpft. Nach einem ersten Schock wurde eine internationale Kampagne gegen Trump gestartet mit dem Ziel, ihn einem ständigen Trommelfeuer der Kritik auszusetzen und lächerlich zu machen. Das Ziel: seinen Handlungsspielraum einzuschränken, seine Amtsführung zu lähmen und ihn möglichst vor Ablauf der Amtszeit zu stürzen. Was gemeint ist, kann man jeden Tag bis in die hinterste Provinz hinein in den Mainstream-Medien beobachten.

Signale und Gemeinsamkeiten

Wer mit Trump kann, der wird selbst zur Zielscheibe der Anti-Trump-Kampagne. Die Trump-Gegner sind dabei ständig auf der Suche nach neuen Verbündeten. Einen haben sie in Papst Franziskus ausfindig gemacht. Das eigentliche Ziel der Kampagne gegen Kardinal Burke, nach dem Motto „Der Feind meines Freundes, ist auch mein Feind“, ist eine Allianz zwischen Papst Franziskus und den Trump-Gegnern.

The Washington Post
The Washington Post

Die katholische Kirche ist die größte Religionsgemeinschaft in den USA, sie hat Einfluß auf fast jeden vierten Wähler. Vor allem hat sie internationales, weltweites Gewicht. Und: Papst Franziskus betont nicht bioethische Fragen, er redet so gut wie gar nicht über den Massenmord an ungeborenen Kindern (der dem linken Establishment „sakrosankt“ ist), er zeigt offen Sympathie für linke Gruppen, unterstützt aktiv die Klimawandel-Agenda und solidarisierte sich uneingeschränkt mit den UNO-Zielen für eine nachhaltige Entwicklung. Das Wallstreet Journal bezeichnete am 24. Dezember 2016 Papst Franziskus als neuen Anführer der „globalen Linken“.

Der Weg zueinander ist also nicht weit. Franziskus war es, der im Vorwahlkampf gezielt einen Konflikt mit Trump provozierte. Das katholische Kirchenoberhaupt mischte sich frühzeitig und deutlich in den US-Wahlkampf ein. Er lud auf der einen Seite den linken Senator Bernie Sanders in den Vatikan ein, und signalisierte, wen der Papst am liebsten im Weißen Haus sehen würde, den Linksaußen unter den Kandidaten. Gleichzeitig griff er Donald Trump an, der damals bereits der aussichtsreichste Anwärter war, von der Republikanischen Partei zum Präsidentschaftskandidaten nominiert zu werden. Franziskus gab damit zu verstehen, wen er auf keinen Fall im Weißen Haus sehen möchte. Dabei sprach er, der „wer bin ich, um zu urteilen“, Trump sogar ab, ein Christ zu sein.

Die Annäherung an die tonangebenden Eliten führt über das Gewissen

Wer die derzeitigen innerkirchlichen und außerkirchlichen Angriffe gegen Kardinal Raymond Burke verstehen will, muß die unterschiedlichen Interessen und die Interessenkongruenzen verstehen. Und nur wenig davon hat direkt mit Burke zu tun. Papst Franziskus steht innerkirchlich mit seinem Kurs hart unter Druck. Ihm wird vorgeworfen, an einer anderen Kirche zu basteln, und dabei Hand an das Ehesakrament, das Bußsakrament und das Altarsakrament zu legen.

Der Hauptvorwurf gilt jedoch seiner Anbiederung an die ebenso kirchen- wie gottfernen Eliten, die maßgeblich das Weltgeschehen bestimmen. Das Instrument dieser Annäherung ist eine Uminterpretation des Gewissens, das von Franziskus zur Letztinstanz erhoben wird, die über den kirchlichen Normen und den Göttlichen Geboten stehen. Damit können sich die vorherrschenden Kreise mit ihrem interessengeleiteten, relativistischen Denken anfreunden.

Kardinal Burke formulierte zusammen mit drei weiteren Kardinälen die bisher schärfste Kritik, obwohl er nur Fragen stellte. Durch die gewählte Form stellte er Franziskus mit dem Rücken zur Wand. Das erklärt den Zorn und warum die engsten Papst-Vertrauten seither so ungehalten reagieren. Ein Papst, der zu zentralen Glaubensthemen die Antwort verweigert, untergräbt seine eigene Autorität. Vor allem muß er sich ständig die Frage gefallen lassen, warum es ihm denn so schwer fällt auf Fragen zu antworten in einer Sache, die laut Aussagen seiner engsten Mitarbeiter „absolut klar“ sei. Franziskus hat sich selbst in eine Sackgasse manövriert. Wie immer auch die Angelegenheit enden wird, sie bleibt ein Makel auf seinem Pontifikat.

Die angebliche Kampagne gegen den Papst, die eine Kampagne gegen Kardinal Burke ist

Was aber will die politische Linke von Burke? Der Kardinal ist das unerläßliche Feindbild zur Bildung der angestrebten Allianz aus (politischen) Linken und (kirchlichen) Progressiven, an dem man sich gemeinsam reiben kann. Der Purpurträger aus Wisconsin galt bereits im Konklave 2013 als Papabile. Durch einen seltsamen Beschluß der US-Kardinäle, sich en bloc selbst aus dem Rennen zu nehmen, weil sich ein Papst aus den USA, der „einzigen verbliebenen Weltmacht“, international vielleicht nicht so gut mache, war auch er aus dem Rennen.

Fest steht, daß – unabhängig von den Trump-Gegnern – auch im Vatikan jemand an einer Strategie bastelt. Papst Franziskus wird, dieser Strategie folgend, als quasi schutzloses Opfer von Angriffen radikaler Fundamentalisten dargestellt. Unredliche Parallelen zu islamischen Dschihad-Milizen wie dem Islamischen Staat (IS) werden dabei billigend in Kauf genommen. Und Kardinal Burke sei der Anstifter und Aufwiegler im Hintergrund. Wenn man ihn nicht sehe, dann nur deshalb, weil er im Dunkeln agiere und zu intelligent sei, sich sehen zu lassen. Aus dieser Logik entsteht dann ein „Warnruf“ vor einer angeblichen Kampagne gegen Papst Franziskus, die in Wirklichkeit eine Kampagne ist, um dessen Herausforderer wider Willen, Kardinal Burke, anzugreifen.

Genau das passiert nämlich durch die Berichte führender liberaler „Leitmedien“ wie der New York Times, der Washington Post und der BBC.

Text: Giuseppe Nardi
Bild: MiL/Wikicommons

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2 Kommentare

  1. Zu diesem guten, informativen Artikel von Herrn Nardi würde ich sagen: wenn Papst Franziskus ein Ehrenmann ist, dann müßte er nunmehr mit seinem ganzen Gewicht als Pontifex Maximus den Herrn Kardinal Burke vor diesen genannten Medienattacken in Schutz nehmen, ihn verteidigen- und für einen Moment seine eigene (ungerechtfertigte und ungerechte) Behandlung des Herrn Kardinals Burke hintanstellen.
    Papst Franziskus sollte eigentlich so „gewieft“ sein zu erkennen, daß die Angriffe gegen Kardinal Burke auch ihm persönlich großen Schaden zufügen. Jedenfalls so von Gott und der Welt verlassen halte ich Papst Franziskus (noch) nicht, daß er meinen könnte, diese Medien und ihre dunklen Hintermänner wären für ihn Alliierte. Er ist für sie lediglich wie der sprichwörtliche Neger, und wenn er seine Schuldigkeit getan hätte, dann lassen sie ihn fallen.

    Außerdem wäre Papst Franziskus, würde ich sagen, im ureigensten Interesse gut beraten, den Einfluß von Herrn Kardinal Reinhard Marx drastisch zu beschneiden, da dieser m.Er. zwar den Papst unterstützt und auch vorgibt auf seiner Seite zu stehen, aber hintenherum sein eigenes Süpppchen kocht, und tatsächlich,- Pardon wenn ich das sage und gut wäre es, daß ich mich irrte,- imstande wäre, die Kirche für ein paar Silberstücke an den Feind zu verkaufen. Die engen Kontake von Herrn Kardinal Marx zu bestimmten Politikern bspw. sind sehr beunruhigend.

  2. „Der Kardinal ist das unerläßliche Feindbild zur Bildung der angestrebten Allianz aus (politischen) Linken und (kirchlichen) Progressiven, an dem man sich gemeinsam reiben kann.“

    Ein Schlüsselsatz dieser sehr guten und trefflichen Analyse von Herrn Nardi. Allerdings würde ich es noch schärfer formulieren. Diese unheilige Allianz ist erst nicht im Entstehen begriffen, sie besteht bereits schon lange (zunächst als regionale Testphase: Groer, Dyba, Krenn, Haas, Mixa, später international: Missbrauchsskandal [von Jesuiten losgetreten!], Ratzingerhatz bis zu dessen Rücktritt] und man „reibt“ sich nicht an Burke wie Pubertierende an der ungeliebten Vaterfigur, sondern hier geht es knallhart um Macht und um Deutungshoheit, um die Vernichtung der Rechtgläubigkeit, die man zum Schweigen zu bringen hofft, indem man ihren vermeintlichen Kopf zertritt.

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