Papst Franziskus zelebriert in Sixtinischer Kapelle versus Deum

Zelebrationsrichtung: In der Sixtinischen Kapelle zelebriert Papst Franziskus mit Blick auf das Jüngste Gericht versus Deum. Den Volksaltar ließ Benedikt XVI. entfernen.
Zelebrationsrichtung: In der Sixtinischen Kapelle zelebriert Papst Franziskus mit Blick auf das Jüngste Gericht versus Deum. Den Volksaltar ließ Benedikt XVI. entfernen.

(Rom) Papst Franziskus zelebrierte auch am diesjährigen Fest der Taufe des Herrn versus Deum. Das Fest wird traditionell in der Sixtinischen Kapelle gefeiert, wo der Papst jedes Jahr einigen neugeborenen Kindern das Sakrament der Taufe spendet.

Papst Benedikt XVI. ließ den mobilen „Volksaltar“ entfernen und zelebrierte am Hochaltar unterhalb der Darstellung des Jüngsten Gerichts versus Deum. Für seine erste Heilige Messe als Papst, die Franziskus mit dem Kardinalskollegium am Tag nach seiner Wahl zum Dank in der Sixtinischen Kapelle zelebrierte, wurde der Sperrholzaltar wieder aufgestellt, was einen entsprechenden Rückschritt befürchten ließ. Es sollte jedoch bei dieser Ausnahme bleiben.

Seither zelebriert Papst Franziskus an diesem Fest in Vertretung für das gläubige Volk zu Gott. Damit wird das seit der ersten Liturgiereform von 1965 vielfach behauptete Argument, man müsse am „Volksaltar“ zum Volk hin zelebrieren, weil man diesem ansonsten unhöflich „den Rücken zukehren“ würde, relativiert. Um genau zu sein war das Argument zu jedem Zeitpunkt dümmlich. Die Änderung der Zelebrationsrichtung weg von Gott hin zum Volk war ein Ergebnis von Martin Luthers Reformations-Revolution und wurde erstmals 1536 im damals protestantisch umfunktionierten Straßburger Dom vorexerziert.

2016 forderte Kardinal Robert Sarah, der Präfekt der römischen Kongregation für den Gottesdienst und die Sakramentenordnung mehrfach alle Priester weltweit dazu auf, wieder zur eigentlichen Zelebrationsrichtung der Kirche ad orientem oder versus Deum zurückzukehren. Er legte ihnen nahe, um die Aufforderung konkret zu machen, dies ab dem Ersten Adventssonntag zu tun.

Dafür wurde der Kardinalpräfekt von papstnahen Kreisen öffentlich kritisiert und durch das vatikanische Presseamt „richtiggestellt“, daß „keine“ liturgischen Änderungen vorgesehen seien. Kardinal Sarah, der von Papst Franziskus selbst ernannt worden war, wird seither „kaltgestellt“. Er wurde in seiner eigenen Kongregation stark isoliert und damit sein Handlungsspielraum eingeschränkt.

Text: Giuseppe Nardi
Bild: Vatican.va (Screenshot)

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Marienzweig

Es ist in der Tat sehr auffallend, wie sehr Kardinal Sarah in den Hintergrund getreten ist – getreten wurde.
Ist es seine eigene Entscheidung, sich mit Äusserungen zurückzuhalten oder wird er diszipliniert?
Wir wissen es nicht!

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