Geschlechtervielfalt als Wunsch-Konstrukt – Lehrplanmängel (2)

"Vielfalt" im Sinne der Gender-Ideologie: Ein Menschenrechts-fake: Recht auf sexuelle Selbstbestimmung
"Vielfalt" im Sinne der Gender-Ideologie: ein Menschenrechts-fake: Recht auf sexuelle Selbstbestimmung

Das komplette Wertesystem von bipolarer Ehe, Elternschaft und Familie soll durch das genderorientierte Konzept von Sexualität der Vielfalt ersetzt werden. Die Ansätze für diesen Paradigmenwechsel sind im neuen hessischen Sexualerziehungserlass zu erkennen.

Ein Gastbeitrag von Hubert Hecker.

Der hessische Kultusminister R. Alexander Lorz beteuert in seinem Schreiben an die Kritiker vom 26. 10. 2016: „Es ist mir (…) wichtig zu betonen, dass der neue Lehrplan zur Sexualerziehung an keiner einzigen Stelle einer wie auch immer gearteten ‚Gender-Ideologie‘ das Wort redet.“

Tatsächlich kommt das Wort Gender nicht vor, aber dessen Inhalt. In der Lehrplan-Formel zu der „Vielfalt von Geschlechtsidentitäten“ ist die Gender-Ideologie enthalten.

Die Hauptvertreterin der Gendertheorie, Judith Butler, propagiert die These, dass Individuen ihre geschlechtliche Zuordnung frei wählen und wandeln können sollten. Von Natur aus gebe es keine Festlegung oder Prägung für die Geschlechter als männlich oder weiblich. Die würden allein durch sprachlich-kulturelle Gewohnheiten erzeugt. Die biologisch vorgegebene Zweigeschlechtlichkeit nennt sie eine gesellschaftliche Zwangsvorstellung. Es bestünden dagegen eine ‚Vielzahl’ von Geschlechtern oder geschlechtlichen Identitäten im Zwischenraum von männlich und weiblich. Die Geschlechter seien fluide, also veränderliche und wandelbare Zuschreibungen an Personen. Ein Mensch könne in seinem Leben verschiedene Geschlechteridentitäten übernehmen.

In ihrem neusten  Buch: „Gegen den Hass“ schreibt die Autorin Carolin Emcke: „Aus der Argumentation der sozialen Konstruiertheit des Geschlechts ergeben sich wünschenswerte politische und normative Freiräume“ – insbesondere für trans- und  intersexuelle Menschen. Daraus wird deutlich: Der Wunsch nach Freiräumen ist der Vater der Gender-These – nicht der Realismus der Tatsachen. Daher darf man mit Recht von einer Ideologie sprechen oder einer Anthropologie ohne Faktenbasis. Papst Benedikt nannte die Gender-Ideologie eine Philosophie von tiefer Unwahrheit, weil sie eine Rebellion gegen die Natur des Menschen sei.

Auch der Lehrplan gaukelt eine Vielfalt von Geschlechtern vor

Die Gender-Ideologie kommt durch viele Einfallstore in Gesellschaft, Staat und öffentliche Meinung. Dem gender mainstreaming etwa geht es vordergründig nur um die rechtliche Gleichstellung von Männern und Frauen. Inzwischen verfolgen die Sozialpolitiker eine weitergehende „effektive soziale Gleichstellungspolitik“ – sprich: Gleichmachung der Geschlechter. Für Feministinnen ist die Gender-Theorie ein Instrument, um Frauenrechte in den Vordergrund zu rücken. Homosexuellengruppen benutzen die Gender-Begriffe, um ihre sexuelle Orientierung in eine angebliche Vielfalt des Sexuellen einzubinden und dafür gesellschaftliche Akzeptanz zu fordern. Auf dieser Schiene ist die Gender-Ideologie auch in den Lehrplan eingeflossen.

Demonstration am 30. 10. vor Wiesbadens Bonifatiuskirche
Demonstration am 30. 10. vor Wiesbadens Bonifatiuskirche

Zu Ziel und Gegenstand der schulischen Sexualerziehung gehört es laut Einleitungskapitel, die „Vielfalt der geschlechtlichen Identitäten zu vermitteln“. Acht Mal kommt diese Begrifflichkeit im Lehrplan vor, teilweise in der Variation „Vielfalt der Geschlechtsidentitäten“. Offenbar ist damit eine Schwerpunktsetzung gesetzt.

Mit dieser Wortverbindung  wird schon sprachlich Lehrern und Kindern suggeriert, dass es neben der geschlechtlichen Dualität von männlich/weiblich eine Vielzahl von weiteren Geschlechtern gäbe. Das ist offensichtlich aus der Gender-Theorie übernommen.

Doch diese These von der Geschlechter-Pluralität wird jeder Biologie-Lehrer als evidente Falschaussage bezeichnen müssen. Denn die Naturwissenschaften wie Biologie, Genetik und Neurologie widerlegen die Gender-Theorie. Die unterschiedliche Chromosomen-Anlage von Männern und Frauen ist ein Fakt, die geschlechtliche Differenzierung ein Plus der Evolution. Der Kasseler Biologe Ulrich Kutschera kritisiert in seinem neuen Buch: Das Geschlechter-Paradox aus wissenschaftlich-biologischer Sicht die Gender-These vom fluiden Charakter der Geschlechtskategorie.

Aber warum steht ein solcher Widersinn von Geschlechtervielfalt im Lehrplan? Warum haben die Prüfer des Lehrplanentwurfs diese absurde Einfügung durchgewunken?

Geschlechts-Identitäten als nicht-identitäre Geschlechtsabweichungen?

Der Unsinn von den vielfältigen Geschlechtern wird gesteigert durch die Begriffsverwirrung in Form von „geschlechtlichen Identitäten“.

Der Begriff Identität bezeichnet als personale Kategorie das normale ‚Einssein’ einer Person mit sich selbst. Mit der neuen Wortverbindung „geschlechtliche Identität“ will die Gender-Ideologie das biologisch basierte Einssein von Person und Geschlecht grundsätzlich als fragil oder veränderbar hinstellen. Die an sich selbstverständliche Geschlechtsidentität als Mann oder Frau soll dabei als Ergebnis subjektiver Machbarkeit sowie als Wahlmöglichkeit unter vielen Geschlechtern phantasiert werden.

Genderideologie stoppen
Genderideologie stoppen

Als Muster für eine angebliche prekäre Geschlechtsidentität dient das marginale Vorkommen von Transsexualität und Intersexualität im Promillebereich. Unter der Bezeichnung Intersexuelle werden Menschen verstanden, die biologisch bei der Geburt nicht eindeutig einem der beiden Geschlechter zugeordnet werden können. Transsexuelle dagegen sind physisch eindeutig als männlich oder weiblich geboren, vom späteren Gefühl her sind sie aber auf das jeweils andere Geschlecht orientiert. Von diesen nicht-identitären Geschlechtsvarianten wird der Begriff ‚geschlechtliche Identität’ abgeleitet – eine ziemlich schizophrene Begriffsbildung. Bei Transsexualität handelt es sich nach WHO-Definition ausdrücklich um eine „Störungen der Geschlechtsidentität“.

Gleichwohl werden die seltenen Anomalien von der natürlichen Zweigeschlechtlichkeit als das zentrale Grundmuster der Geschlechtlichkeit instrumentalisiert. Die Gender-Ideologie will diese Ausnahme verallgemeinern, indem sie die geschlechtliche Uneindeutigkeit bei Trans- und Intersexuellen zur Regel für alle erklärt. Damit soll die natürliche Zweigeschlechtlichkeit in einem Lebensstrom von intersexuellen Geschlechtsformen aufgelöst werden.

Regenbogenfarbene Übertünchung der Gender-Widersprüche

Die angebliche „Vielfalt von Geschlechtsidentitäten“ ist leicht als fake zu erkennen. Neben der sachlichen Falschheit und logischen Widersprüchlichkeit der Begriffsbildung ist auch der quantitative Aspekt des Ausdrucks widersinnig. Das zeigt der folgende Beispiels-Vergleich: Ein Wald besteht aus 996 Fichten- und Tannenbäumen sowie je zwei Kiefern und Lärchen. Eine Behauptung, diese Wald enthalte eine ‚Vielzahl von Baumarten’, wäre eine extreme Wirklichkeitsverzerrung. Noch verrückter wäre die Forderung, die These vermeintlicher Bio-Diversifizierung für diesen Wald müsse jeder Bürger ‚akzeptieren’.

Die Regenbogenfahne – hier am 30.10. 2015 am Wiesbadener Staatstheater – bildet die Kulissenillusion für vermeintliche Geschlechtervielfalt
Die Regenbogenfahne – hier am 30.10. 2015 am Wiesbadener Staatstheater – bildet die Kulissenillusion für vermeintliche Geschlechtervielfalt

Die Genderideologen versuchten, alle Unsinnigkeiten der behaupteten Geschlechtervielfalt mit einem regenbogenfarbenen Anstrich zu übertünchen. Doch diese aufgeblasene Halluzination zerplatzt bei dem ersten Realitätscheck wie eine buntige Seifenblase. Die Regenbogenfahne ist daher eine Kulissenabschirmung im genderideologischen Illusionstheater.

Laut hessischem Lehrplan soll das Thema von den vielfältigen Geschlechtsidentitäten in jeder Altersstufe ab dem fünften Schuljahr breiten Raum einnehmen. Dazu brauchen die Lehrer noch mehr Raum bei der Vorbereitung, um aus der  falschen Vorstellungen von ‚Vielfalt’ und den fehlerhaften Begrifflichkeit von ‚Identitäten’ ein sachlogisches Unterrichtskonzept zu entwickeln. Auch aus diesem schulpraktischen Grund ist das genderideologisch formulierte Thema eine Zumutung für Lehrende.

Zweigeschlechtlichkeit als Regel mit seltenen Ausnahmen

Sachlich-sexualkundlich können den Schüler/innen diese Tatbestände leicht erklärt werden: Die Menschen werden zu über 99 Prozent als männlich oder weiblich geboren, Junge oder Mädchen. In einem Bereich von jeweils zwei Promille ist das Geburts-Geschlecht nicht eindeutig biologisch oder psychologisch festgelegt. Diese trans- oder intersexuellen Menschen leiden als Jugendliche und Erwachsene unter ihrer geschlechtlichen Identitätsstörung. Sie brauchen zwischenmenschlichen Respekt sowie professionelle Begleitung und Hilfe.

Das Thema normale Zweigeschlechtlichkeit und deren Anomalien könnte auf diese Weise – also nicht genderorientiert – in einer Stunde sachlich und klar ab der 9. oder 10. Klasse behandelt werden. In der Oberstufe mag dann auf die Identitätsschwierigkeiten von Trans- und Intersexuellen genauer eingegangen werden.

Als Resümee dieser Überlegungen ergibt sich: Der Lehrplan-Begriff „Vielfalt der geschlechtlichen Identitäten“ bzw. „Geschlechtsidentitäten“ ist falsch und verwirrend. Als ideologisches Konstrukt ist diese Wortverbindung ein Ausdruck der Gender-Verwirrung. Dabei hätten die Lehrplan-Macher und -Macherinnen wissen können und müssen, dass diese Kampfbegriffe von der Gender-Lobby eingeführt und gebraucht werden.

Von Seiten der Gender-Bewegung hat die Verwirrung mit ideologischen Propaganda-Worten das Ziel, die Erkenntnisse der Wissenschaft und des gesunden Menschenverstandes zu unterdrücken, die da lautet: Die Zweigeschlechtlichkeit der Menschen von Geburt aus ist die Regel der Natur, seltene Ausnahmen von trans- und intersexuellen Variationen eingeschlossen.

Die Gender-Ideologie bekämpft die heterosexuelle Ehe, Elternschaft und Familie

Genau das wollen die Anhänger der Gender-Ideologie nicht wahrhaben. Sie bekämpfen die heterosexuelle Ehe, Elternschaft und Familie als „gesellschaftliche Zwangsnorm“. Die müsse  überwunden werden. Der deutsche Protagonist für die Gender-Vielfalt, Prof. Uwe Sielert, hatte schon 2001 gefordert, Heterosexualität sowie die Kernfamilie von Mutter, Vater, Kind/er zu „entnaturalisieren“. Damit soll die von Natur aus bestehende und begründete Familie zum Spielball von gesellschaftspolitischen Ideologien gemacht werden. In dem Gender-Lehrbuch „Sexualpädagogik der Vielfalt“ von Elisabeth Tuider u. a. heißt das Lernziel für die heterosexuellen Schüler/innen der 7. Klasse: „Heterosexualität als Norm in Frage stellen“.

Motto der "Demo für alle" in Wiesbaden
Motto der „Demo für alle“ in Wiesbaden

Indem die Gender-Ideologen den Begriff „Vielfalt der Geschlechtsidentitäten“ in Opposition zur polaren Zweigeschlechtlichkeit positionieren,  zählen sie die männliche und weibliche Geschlechtsidentität nicht zu der regenbogenfarbenen Vielfalt. Dazu sollen nur Menschen mit sogenannten LSBTI-Identitäten gehören, also Homosexuelle sowie Trans- und Intersexuelle. Entsprechend gelten Recht und Anspruch auf wertschätzende Akzeptanz auch nicht für die Ehe und Familie, sondern ausschließlich für die nicht-heterosexuellen Orientierungen und Identitäten. Schließlich sollen Ehe und Familie gänzlich aufgehoben werden in einem fluiden Spektrum von Geschlechtlichkeit.

Diese Logik ist auch im Lehrplan angelegt. Unter der Kapitelüberschrift „Aufgaben und Ziele schulischer Sexualerziehung“ heißt es: „Akzeptanz von Lesben, Schwulen, Bisexuellen, trans- und intersexuellen Menschen“. Heterosexuelle, ihre Ehepartnerschaften sowie die ehebasierte Familie gelten als graue Einfalt. Deshalb haben sie in der bunten Vielfalt der sonstigen Geschlechtsidentitäten keinen Platz, von Akzeptanz ganz zu schweigen. An die Stelle der früheren Themen um Ehe und Familie ist im Inhaltskatalog des neuen Lehrplans die Ausmalung der regenbogenfarbenen Community mit vielen selbsterklärten Sexualitäts- und Geschlechtsvarianten getreten.

Vielfalt der sexuellen Orientierungen?

Unter die Kategorie Diversität wird neben den vermeintlichen Geschlechtsidentitäten auch eine angebliche „Vielfalt der sexuellen Orientierungen“ gefasst. Auch zu diesem Punkt schreibt der Lehrplan eine verzerrte Sicht auf die Wirklichkeit vor. Im Fokus steht dabei die Homosexualität. Nach einer repräsentativen Emnid-Befragung im Jahre 2000 gaben 1,9 Prozent der deutschen Erwachsenen an, homosexuell zu empfinden. Eine gelegentliche bisexuelle Ausrichtung gehört nicht zu den unterscheidbaren sexuellen Orientierungen. Demnach ist die überwältigende Mehrheit der Erwachsenen heterosexuell ausgerichtet. Ein Größenverhältnis von 98 zu 2 aber als „Vielfalt“ auszugeben ist unsinnig. Ebenso falsch ist es, von Vielfältigkeit bei zwei Varianten zu sprechen, in diesem Fall von hetero- und homosexueller Orientierung. Oder steckt eine ideologische Absicht dahinter?

„Gender? Wir ÄRZTE sagen NEIN!“ – in Wiesbaden am 30.10.2016
„Gender? Wir ÄRZTE sagen NEIN!“ – in Wiesbaden am 30.10.2016

Von einer „Vielfalt“ der sexuellen Orientierungen zu sprechen könnte man erst, wenn die pädosexuelle Ausrichtung sowie gegenstandsorientierte Sexualität (Fetischismus) hinzugerechnet wird. Doch von dieser Nachbarschaft der sexuellen Anomalien möchten weder die homosexuell Orientierten etwas wissen noch ist diese anrüchige Vielfalt in den Lehrplan aufgenommen. Studienmäßig können diese sexuellen Richtungen jedoch Aufschluss geben über die Entstehung von Sexualorientierungen. Die Berliner Forschungsstelle der Charité fand heraus, dass frühpubertäre Lusterfahrungen etwa als Masturbation mit kind-orientierten Phantasien zu pädosexuellen Fixierungen führen.

Dieser Hinweis ist sexualerzieherisch relevant. Die Pubertät ist für Kinder eine Zeit der Festigung der Identifizierung mit dem angeborenen Geschlecht. In dieser Phase wäre der Hinweis von Lehrpersonen, es gebe neben der heterosexuellen eine Vielzahl von weiteren sexuellen Orientierungen, extrem verunsichernd. Diese Vielfalt soll aber laut Lehrplan schon ab dem 10. Lebensjahr vermittelt werden – eine ausdrückliche Neuerung der vorliegenden Richtlinie. Eine solche Vorgabe ist jedenfalls nicht altersgemäß. Auf die beiläufigen Gefahren und „Störungen für der psychosexuellen Entwicklung“ der Kinder weist die Deutsche Gesellschaft für Sozialwissenschaftliche Sexualforschung hin. Danach erzeugt das Thema: Vielfalt der sexuellen Orientierungen in der Pubertät  eher „Verunsicherung statt Selbstakzeptanz“ (vgl. Stellungnahme der Deutschen Gesellschaft für Sozialwissenschaftliche Sexualforschung vom 19. 8. 2016).

Vielfalt an Partnerschaftsformen?

Auch bei den Partnerschaftsformen behauptet der Lehrplan eine regenbogenfarbene Vielfalt. Es geht dabei vor allem um die neuen „Realitäten“ von homosexuellen Partnerschaften. Besonders erschreckend ist in diesem Fall, dass die Ehe als Partnerschaftsform der Mehrheitsgesellschaft nicht in den verbindlichen Inhaltsplan aufgenommen ist. Dabei leben in Deutschland knapp 18 Millionen Paare in der ehelichen Lebensform. Dazu stehen die 43.000 eingetragenen gleichgeschlechtlichen Partnerschaften im Promillebereich von 0,2 Prozent. Die Vermittlung dieser statistischen Verhältnisse als „Vielfalt der Partnerschaftsformen“ ist eine absurd verzerrte Abbildung der Realität. Damit bzw. mit „gleichgeschlechtlichen Partnerschaften“ sollen die Kinder schon ab der Grundschule konfrontiert werden.

Gender trouble um Mädchen auf dem Jungenklo

Die Gender-These, dass das biologische Geschlecht ziemlich beliebig geformt, gestaltet und gewechselt werden könnte, wirkt auf Pubertierende und Adoleszenten eher verunsichernd bei der Festigung ihrer Geschlechtszugehörigkeit. Sie kann aber auch zu Gender-Fantasien instrumentalisiert werden.

In den USA erklärte ein 15jähriges Mädchen, dass sie sich als Junge fühlen würde. Mit dieser Behauptung einer transsexuellen Geschlechtlichkeit forderte sie die Akzeptanz ihrer „eigentlich männlichen Geschlechtsidentität“. Das selbsterklärte Trans-Mädchen verlangte mit Berufung auf das „Recht auf sexuelle Selbstbestimmung, von Lehrern und Schulleitung, als Junge behandelt zu werden. Unter anderem forderte sie das Recht ein, an der Schule die Jungentoilette zu benutzen. Dagegen protestierten die Jungen und die Eltern. Die Schulleitung bot daraufhin an, für das physische Mädchen, aber Gefühls-Jungen,  eine eigene Toilette einzurichten. Dieses Angebot lehnte das Trans-Mädchen bzw. ihr Anwalt ab als Verletzung ihrer Menschenwürde. Der Fall ging dann durch die Gazetten und Gerichte, bis Präsident Obama das sexuelle Selbstbestimmungsrecht auf freie Klo-Wahl erklärte.

Wie oben dargelegt, leiden transsexuelle Menschen unter ihrer geschlechtlichen Identitätsstörung. Aber diese Probleme können nicht einfach schulorganisatorisch gelöst werden. Es ist nicht einmal wissenschaftlich geklärt, ob diese Entwicklungsstörungen durch Erziehungs- und Sozialisationsfehler bewirkt werden – und deshalb psychologisch behoben werden können. Wissenschaftler warnen jedenfalls vor medizinischen Eingriffen, erst recht bei Jugendlichen.

An deutschen Schulen sind solche Vorkommnisse noch nicht bekannt geworden. Aber der genderorientierte Lehrplan könnte ein Einfallstor für solche Genderturbulenzen werden. Auf der Demo für den Lehrplan am 30. 10. in Wiesbaden zeigten sich einige Regenbogen-Aktivisten bereit, den ‚gender trouble’ an die Schulen zu tragen. Nach dem Lehrplan sollen sich die Schulen für solche Lobby-Gruppen öffnen können.

Mehrere Demonstranten in Wiesbaden trugen dieses Schild (Bild). Der Spruch bezieht sich auf das Buch von Judith Butler mit dem Titel: ‚Gender Trouble’.

Ein Menschenrechts-fake: Recht auf sexuelle Selbstbestimmung

Zweimal wird im Lehrplan vom „Recht auf“ bzw. „Respekt der sexuellen Selbstbestimmung“ gesprochen, die in die Nähe der „universalen Menschenrechte“ gerückt werden. Es gibt aber keine entsprechenden Formulierungen in verbindlichen UN-Konventionen, nicht einmal bei Empfehlungen von UN-Konferenzen. Das angebliche Recht auf sexuelle Selbstbestimmung ist ein Menschenrechts-fake. Den hat die International Planned Parenthood Federation – das ist der Mutterkonzern von pro familia – mit der „Charta der sexuellen und reproduktiven Rechte“ 1995 erfunden. Die Organisationen verstehen darunter auch ein angebliches „Recht“ auf Abtreibung. In dieser Interpretation steht „sexuelle Selbstbestimmung“ im frontalen Gegensatz zum grundgesetzlichen Recht auf Leben von Anfang an (Art. 2,2), weshalb Abtreibung nach deutschem Recht als „Verbrechen gegen das Leben“ grundsätzlich strafbar ist (§ 218).

Es ist eine unverantwortliche Zumutung von Seiten des Kultusministers, den Schulen einen solchen unklaren und widersprüchlichen Rechte-Begriff als verbindliches Lehrthema vorzusetzen. Die Lehrer sollten gegen diese kultusbürokratische Vorgabe Protest einlegen – mit der Begründung, dass sie ähnlich verwirrende Aussagen in den Aufsätzen ihrer Schüler rot anstreichen würden.

Revision des hessischen Sexualkundelehrplans

Neben solchen unklaren Themen müsste aus dem Lehrplan das verwirrende genderideologische Lernziel: Akzeptanz der Vielfalt von geschlechtlichen Identitäten gestrichen werden. Die Begründungen dafür sind oben entwickelt. Eine Revision der Sexualerziehungsrichtlinie ist in diesen Punkten dringend geboten.

Text: Hubert Hecker
Bilder: privat

Katholisches wird immer für den Leser kostenlos bleiben. Damit das Magazin Tag für Tag mit neuen Artikel weiterhin erscheinen kann sind Zuwendungen notwendig: Unterstützen Sie bitte Katholisches mit einer Spende.
Zuwendungsübersicht

Unterstützen Sie Katholisches auch, indem Sie ihre Bücher über FalkMedien beziehen. FalkMedien hilft uns regelmäßig bei technischen Aufgaben und beteiligt sich bei der Finanzierung von Servertechnik und Administration.

Der WebShop von FalkMedien umfaßt neue und antiquarische Bücher. Bei jedem Kauf, der über Katholisches.info zustande kommt, werden 10 Prozent Provision an Katholisches ausgeschüttet.

FalkMedien liefert jeden erhältlichen Titel: Die Recherche in einem umfassenden Katalog, der auf dem Verzeichnis Lieferbarer Bücher (VLB) basiert, ermöglicht es, nahezu alle verfügbaren deutschsprachigen Titel zu beziehen.  -  vlb.falkmedien.de


FalkMedien liefert jedes neue Buch versandkostenfrei ohne Mindestbestellwert.

Print Friendly, PDF & Email

1 Kommentar

  1. Die beabsichtigte und bisher gut verborgene gesellschaftszerstörende Wirkung von Gender Mainstreaming wird sicher nicht gleich von allen bemerkt werden. Aber bald deutlich werden sollte, dass Gender Mainstreaming auch ein wenig ungesund für Frauen, Mütter und Kinder ist.
    Zum Beispiel das durch die Gleichmacherei begünstigte Negieren bedeutsamer und dem Mann überlegener weiblicher Eigenschaften mit der Folge, dass häufig der Body nur noch wichtig und die an sich höhere weibliche Depressionsneigung noch gesteigert werden. Vergessen der -bei der gleich nach der Geburt geforderten beruflichen Selbstverwirklichung – für Sprach- und Kognitiventwicklung wichtigen frühkindlichen Mutterbindung (infolge des frühen flüssigkeitsgekoppelten Hörens des Foeten nur der Mutterstimme im Mutterleib) mit der Folge von Sprach-, Lese- und Rechtschreibstörungen durch Fremdbetreuung.
    Probleme durch Cortisolausschüttung (gefährliches Stresshormon) und Schlafmangel mit entsprechendem Wachstumshormonmangel von Krippenkindern mit Hippocampusminderung (Lernmaschine des Gehirns).
    Erschreckende Zunahme von Depressionen auch bei Kindern und Jugendlichen.
    [siehe „Kinder – Die Gefährdung ihrer normalen (Gehirn-) Entwicklung durch Gender Mainstreaming“ in: „Vergewaltigung der menschlichen Identität. Über die Irrtümer der Gender-Ideologie, 6. Auflage, Verlag Logos Editions, Ansbach, 2015: ISBN 978-3-9814303-9-4 und „Es trifft Frauen und Kinder zuerst – Wie der Genderismus krank machen kann“, Verlag Logos Editions, Ansbach, 2015: ISBN 978-3-945818-01-5

Kommentar hinterlassen

E-Mail Adresse wird nicht veröffentlicht.


*