Botschaft: Palästinenserfahne soll nicht von islamistischen Gruppen mißbraucht werden

Paastinensiche Christen auf dem Petersplatz in Rom. Auf dem T-Shirt ist eine Abbildung der heiligen Mirjam von Abellin zu sehen, einer palästinensichen Christin (1846-1878).
Paastinensiche Christen auf dem Petersplatz in Rom. Auf dem T-Shirt ist eine Abbildung der heiligen Mirjam von Abellin zu sehen, einer palästinensischen Christin (1846-1878).

(Jakarta) Die palästinensische Botschaft in Indonesien verwarnte islamische Bewegungen des südostasiatischen Landes, nicht die Palästinenserfahne bei ihren Kundgebungen zu zeigen. Mit einer offiziellen Note, die am Mittwoch der indonesischen Regierung und den Medien des Landes übermittelt wurde, protestierte die diplomatische Vertretung Palästinas gegen den „Mißbrauch“ der Fahne durch islamische Bewegungen wie jüngst bei den Kundgebungen in Jakarta gegen den Gouverneur der Hauptstadt, Basuki Thahaja Purnama. Die Kundgebungen waren von islamistischen Gruppen initiiert worden. Der Gouverneur wird der Beleidigung des Islams beschuldigt.

„Eine solche mißbräuchliche Verwendung ist nicht tolerierbar und kann nicht akzeptiert werden“, so die Botschaft.

In Indonesien, wie anderen islamischen, aber auch westlichen Staaten, wird Palästina mit dem Islam gleichgesetzt. Palästina war in den vergangenen bald 1400 Jahren, seit dem Auftreten des Islams, jedoch Heimat von Muslimen, Juden und Christen. Bis über die Kreuzzüge hinaus, also zumindest bis 1300 stellten die Christen sogar die Bevölkerungsmehrheit. Die Fahne Palästinas symbolisiert daher nicht nur die muslimischen Araber, sondern auch die christlichen. Die 1964 gegründete Palästinensische Befreiungsorganisation (PLO) wurde maßgeblich von arabischen Christen gegründet. Der langjähriger Anführer, Jassir Arafat, war mit einer palästinensischen Christin verheiratet.

In islamischen Staaten wird der Kampf für einen Staat Palästina als Kampf für den Islam verstanden. Aus diesem Grund wird bei zahlreichen islamistischen Kundgebungen in verschiedenen Staaten gerne die Fahne Palästinas gezeigt. Islamistische Organisationen organisieren Geldsammlungen für Palästina im Namen der „Solidarität mit den islamischen Brüdern“. Dabei werden die Palästinenser, die in der Regel mit Muslimen gleichgesetzt werden, als „Opfer“ der Israelis dargestellt.

Palästinenserfahnen tauchten jüngst bei den Kundgebungen zur Unterstützung von Rizieq Shihab, den Vorsitzender der Islamischen Verteidigungsfront (FPI) auf, gegen den wegen der Angriffe auf die Indonesische Zentralbank (BI) ermittelt wird.

Die Botschaft Palästinas nennt in der Note keine bestimmten Gruppen. In der indonesischen Öffentlichkeit besteht jedoch kein Zweifel, daß damit islamistische Organisationen gemeint sind. Dafür sorgte die indonesische Regierung. Lukman Hakim Saifuddin, Minister für Religionsangelegenheiten, begrüßte die Note der Botschaft, die „von allen Indonesiern, einschließlich der muslimischen Gruppen, zu respektieren ist“.

Unter dem Eindruck des jüdisch-muslimischen Kampfes um das Heilige Land ist auch in christlichen und westlichen Staaten kaum bekannt, daß es neben diesen beiden Gruppen auch eine einheimische christliche Gemeinschaft gibt, die ununterbrochen seit bald 2000 Jahren im Land lebt, und deren Kern konvertierte Judenchristen und Heidenchristen bildeten. Am Ende des Zweiten Weltkrieges, vor dem UN-Teilungsplan für Palästina 1947, der zur Ausrufung des Staates Israel führte (1948), waren rund 30 Prozent der Einwohner zwischen Jordan und Mittelmeer einheimische, palästinensische Christen. Nach 70 Jahren Nahostkonflikt sind es nur mehr weniger als drei Prozent, aufgerieben zwischen Juden und Muslimen und meist sogar von den anderen Christen vergessen, die Israel mit den Juden und Palästina mit den Muslimen gleichsetzen. Die Lage im Heiligen Land ist jedoch um einiges komplexer.

1948 waren 85 Prozent der Einwohner Bethlehem, der Stadt in der Jesus geboren wurde, Christen. Heute sind es nur mehr 12 Prozent. Während Israel den Palästinensern den Boden streitig macht, machen die Muslime innerhalb der Palästinenser den Christen den Boden streitig.

Im Staat Israel sind nur mehr 1,4 Prozent der Einwohner Christen. In den Palästinensergebieten sind es noch fünf Prozent. Im Gazastreifen hat die dort regierende radikalislamische Hamas das Christentum fast völlig ausgelöscht. Nur mehr 0,7 Prozent sind dort Christen. Am stärksten ist der Anteil der Christen mit acht Prozent noch im Westjordanland, das unter der Kontrolle der PLO geführten Palästinenserbehörde steht, der auch die Botschaft in Indonesien untersteht. Die Mehrheit der palästinensischen Christen lebt inzwischen, nach einem durch den Nahostkonflikt erzwungenen Exodus, außerhalb Palästinas.

Text: Andreas Becker
Bild: MiL

 

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Jean
Die Bezeichnung »arabische Christen« ist eine Vereinnahmung dieser Volksgruppe für die islamische Agenda. Bis zur Expansion des Islams gab es keine Araber in Palästina. Es werden auch kaum Christen aus Arabien nach Palästina gezogen sein, da diese unter den mohammedanischen Feldzügen nahezu vollständig zwangsislamisiert wurden. Auch wenn Christen in Israel meist arabisch sprechen, sind sie der Abstammung nach aramäische Christen wie üblicherweise im Norden und Osten der Region. Byzantinische Zuflüsse und die aus Kreuzfahrerzeit muß man vereinfachend dem syroaramäischen Kontext zuschlagen, wenn man schon am Ende von einer christlichen Volksgruppe sprechen will. Es wird zudem kaum in Palästina zuwanderte muslimische… weiter lesen »
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