Amoris laetitia: Der Dekan der Rota Romana irrt zu Synode und Heiligem Geist

Trotz gegenteiliger Behauptung von Msgr. Pio Vito Pinto, Dekan der Rota Romana (Bild), haben Bischofssynoden nur beratende Funktion. Weder sie noch nachsynodale Schreiben können den Anspruch erheben vom Heiligen Geist geleitet zu sein.
Trotz gegenteiliger Behauptung von Msgr. Pio Vito Pinto, Dekan der Rota Romana (Bild), haben Bischofssynoden nur beratende Funktion. Weder sie noch nachsynodale Schreiben können den Anspruch erheben vom Heiligen Geist geleitet zu sein.

(Rom) Msgr. Pio Vito Pinto, der Dekan der Rota Romana, sprach auf einer Tagung in Madrid davon, daß Papst Franziskus den vier Kardinälen, die fünf Dubia (Zweifel) zum päpstlichen Schreiben Amoris laetitia geäußert haben, die Kardinalswürde aberkennen könnte, weil sie durch ihre Fragen ein „schwerwiegendes Ärgernis“ gegeben hätten. Sie hätten das „Ergebnis“ von zwei Bischofssynoden in Frage gestellt, die das Werk des Heiligen Geistes seien.

Die Aberkennung der Kardinalswürde kann nur wegen eines schwerwiegenden Vergehens erfolgen. Entsprechend selten kommt es dazu. Die letzte direkte Aberkennung liegt bereits 150 Jahre zurück. Grund war damals keine dogmatische, sondern eine politische Frage.

2015 nahm Papst Franziskus das Gesuch von Kardinal Keith Patrick O’Brien an, auf die Kardinalswürde zu verzichten. Der Schotte O‘Brien hatte zugegeben, daß es „Zeiten gegeben“ habe, „in denen mein sexuelles Verhalten unter den Standard gefallen ist, der von mir als Priester, Erzbischof und Kardinal erwartet wurde“. Der Verzicht auf die Kardinalswürde war vom Vatikan verlangt worden, erfolgte jedoch auf Antrag des Betroffenen. Welches Vergehen aber haben die vier Kardinäle Brandmüller, Burke, Caffarra und Meisner begangen?

Synode hat nur beratenden Charakter

Die im Zuge des Zweiten Vatikanischen Konzils 1965 kirchenrechtlich eingeführte Bischofssynode hat „universalen“ Charakter. Es handelt sich aber nicht um ein ökumenisches Konzil, für das in Anspruch genommen wird, daß dort der Heilige Geist wirkt.

Die Bischofssynode hat nur beratenden, aber nicht beschließenden Charakter. Allein deshalb trifft der Anspruch, den Pinto ihr zuschreibt, auf die Synode nicht zu. Auch nicht auf „zwei Synode“, wie der Dekan der Rota Romana betonte, um ein größeres Gewicht der beiden Synoden über die Familie zu suggerieren. Der Canon 342 des Codex Iuris Canonici und das Motu proprio Apostolica sollicitudo von Paul VI. sind diesbezüglich eindeutig.

Papst Franziskus hatte im Herbst 2013 die Doppelsynode einberufen, ihr aber keine beschließende Zuständigkeit zuerkannt. Beide Synoden, und damit auch der Synodenschlußbericht, haben lediglich beratenden Charakter.

Unter Kirchenrechtlern herrscht einhellige Überzeugung, wie entsprechende Studien belegen, daß die nachsynodalen Schreiben, soweit nicht anders bestimmt, nicht zu den vom Heiligen Geist inspirierten päpstlichen Dokumente zählen. Sie haben in der Regel die Funktion, die Synodenarbeiten bekannt zu machen. Sie haben daher weder exekutiven noch legislativen Charakter, erst recht gelten sie nicht als Werk des Trösters. „Um so mehr gilt das für nachsynodale Schreiben oder Teile davon, die zweideutig sind oder in offenem Widerspruch zur Lehre der Kirche stehen“, so die traditionsverbundene Seite Messa in latino.

„Msgr. Pinto kann unbesorgt sein, daß Amoris laetitia nur die Funktion hat, die Propositionen (von denen einige frevelhaft sind) der Synode zusammenfassend dem Papst zur Kenntnis zu bringen, aber nicht das Werk des Heiligen Geistes ist“, so Messa in latino.

Soll Papst-Kritik unter Strafe gestellt werden?

Die Drohung von Msgr. Pinto gegen die vier Kardinäle hat in der Kirche entsetzen ausgelöst. Vom Dekan der Rota Romana wurde die Forderung postuliert, daß Papst-Kritik Bestrafung verlange.

Muß auch Kardinal Zen, der emeritierte Bischof von Hong Kong, seinen Kardinalshut zurückgeben, weil er vor wenigen Tagen sagte, daß die „Neue Ostpokitik“ von Papst Franziskus „ein Fehler ist, weil Franziskus den chinesischen Kommunismus nicht kennt und nicht über den nötigen Background verfügt, um zu wissen, wie er der Regierung in Peking begegnen soll. Die Unterzeichnung des vorliegenden Entwurfes für ein Abkommen zwischen dem Heiligem Stuhl und Peking hieße, Jesus Christus verraten.“

„Msgr. Pinto soll wissen, daß nicht die vier Kardinäle, die eine Klärung zur Orthodoxie verlangen ein Ärgernis sind, sondern ein Papst, der Zweifel an der Unerschütterlichkeit des Felsens aufkommen läßt, auf dem Christus Seine Kirche baut“, so Messa in Latino.

In der Bulle Sunt Quidam von Papst Urban II. aus dem Jahr 1090 heißt es:

„Es muß vor allem bekannt sein, daß der Römische Papst neue Gesetze erlassen kann, wo die Evangelisten geschwiegen haben. Wo aber der Herr oder seine Apostel und die Heiligen Väter, die ihnen gefolgt sind, offen etwas in Form eines Urteils festgelegt haben, dann kann der Römische Papst kein neues Gesetz erlassen, sondern hat vielmehr das zu bekräftigen, was um den Preis des Blutes und des Lebens verkündigt wurde. Wenn er nämlich versuchen würde zu zerstören – Gott behüte –, was die Apostel und die Propheten gelehrt haben, wäre das der Beweis, daß er nicht ein Urteil fällt, sondern irrt.“

Text: Giuseppe Nardi
Bild: PerugiaToday (Screenshot)

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4 Comments

  1. Wenn ich nicht irre, heisst es: „Die Pforten der Hölle werden SIE (die Kirche) nicht überwinden“. Den Felsen können sie sehr wohl überwinden. Die einzige Grenze ist das ganz eng gefasste Dogma der Unfehlbarkeit. Aber ansonsten ist jeder Verrat, jeder Judas, ja jede Niedertracht möglich.

  2. Der Felsen ist 1. Gott, 2. Jesus Christus, 3. der Glaube an Jesus Christus, 4. Petrus, insofern ihm der wahre Glaube an Christus vom Vater übernatürlich geoffenbart wurde und er selbst in diesem Glauben steht und ihn bewahrt, schützt und weitergibt. Dieser Fels ist unüberwindbar.

  3. @Herrn Michel: Genau! Das ist der Grund! auch wenn Petrus ein Feind wäre, letztlich ist es der Herr, der sie, die Kirche, hält. Auch wenn es so aussehen wird, als wäre sie (auf Erden) verschwunden…

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