Bischof Athanasius Schneider: „Die vier Kardinäle sind eine prophetische Stimme“

Bischof Athanasius Schneider: "Die Dubia (Zweifel) der vier Kardinäle zu Amoris laetitia sind eine prophetische Stimme der heiligen, katholischen Kirche"
Bischof Athanasius Schneider: "Die Dubia (Zweifel) der vier Kardinäle zu Amoris laetitia sind eine prophetische Stimme der heiligen, katholischen Kirche"

Msgr. Athanasius Schneider, der Weihbischof des Erzbistums Astana, verteidigt mit einer ausführlichen Stellungnahme die Dubia (Zweifel) der vier Kardinäle Brandmüller, Burke, Caffarra und Meisner zu Amoris laetitia, mit denen sie aus „tiefer pastoraler Sorge“ zu zentralen Fragen der katholischen Glaubenslehre und der kirchlichen Praxis Klarheit von Papst Franziskus fordern. Bischof Schneider bezeichnet die Stellungnahme der vier Kardinäle als „prophetische Stimme der Heiligen Kirche“. Die vollständige Stellungnahme von Bischof Schneider in deutscher Übersetzung.

Eine prophetische Stimme von vier Kardinälen der Heiligen Römischen Katholischen Kirche

von Msgr. Athanasius Schneider*

„Denn wir können unsere Kraft nicht gegen die Wahrheit einsetzen, nur für die Wahrheit“ (2 Kor 13,8).

Bewegt von „tiefer pastoraler Sorge“ haben vier Kardinäle der Heiligen Römischen Kirche, Seine Eminenz Joachim Meisner, emeritierter Erzbischof von Köln (Deutschland), Seine Eminenz Carlo Caffarra, emeritierter Erzbischof von Bologna (Italien), Seine Eminenz Raymond Leo Burke, Patron des Souveränen Malteserordens, und Seine Eminenz Walter Brandmüller, emeritierter Vorsitzender der Päpstlichen Kommission für die Geschichtswissenschaften, am 14. November 2016 fünf Fragen, sogenannte Dubia (lateinischer Begriff für „Zweifel“), veröffentlicht, die sie zuvor, am 19. September 2016, dem Heiligen Vater und Kardinal Gerhard Müller, dem Präfekten der Kongregation für die Glaubenslehre, zusammen mit einem Begleitschreiben übermittelt hatten. Die Kardinäle ersuchen Papst Franziskus, „die ernste Verunsicherung und große Verwirrung“ in Bezug auf die Interpretation und die praktische Umsetzung des Apostolischen Schreibens Amoris laetitia, besonders des 8. Kapitels, und dessen Passagen in Sachen Zulassung der wiederverheiratet Geschiedenen zu den Sakramenten und der Morallehre der Kirche zu klären

Kardinal Burke, einer der vier Unterzeichner der Dubia (Zweifel), wurde 2014 von Papst Franziskus aus dem Vatikan verbannt.
Kardinal Burke, einer der vier Unterzeichner der Dubia (Zweifel), wurde 2014 von Papst Franziskus aus dem Vatikan verbannt.

In ihrer Erklärung, mit dem Titel „Die Klarheit suchen: Ein Appell die Knoten in Amoris laetitia zu lösen“, sagen die Kardinäle, daß für „viele – Bischöfe, Pfarrer, Gläubige – diese Abschnitte einen Wandel in der Disziplin der Kirche andeuten im Hinblick auf die Geschiedenen, die in einer neuen Verbindung leben, oder daß sie diesen sogar ausdrücklich lehren“. Indem sie das sagen, haben die Kardinäle nichts anderes getan, als Tatsachen im Leben der Kirche festgestellt. Diese Tatsachen sind belegt durch die pastoralen Richtlinien, die von verschiedenen Diözesen vorgelegt wurden, und durch die öffentlichen Erklärungen einiger Bischöfe und Kardinäle, die erklären, daß in einigen Fällen, wiederverheiratete geschiedene Katholiken zur Heiligen Kommunion zugelassen werden können, auch wenn sie weiterhin jene Rechte ausüben, die das Göttliche Recht den gültig verheirateten Ehepartnern vorbehält.

Indem sie eine Anfrage auf Klärung einer Frage gestellt haben, die zugleich die Wahrheit und die Heiligkeit der drei Sakramente der Ehe, der Buße und der Eucharistie betrifft, haben die vier Kardinäle nur ihre grundlegende Pflicht als Bischöfe und Kardinäle erfüllt, die darin besteht, aktiv daran mitzuwirken, daß die durch die Apostel weitergegebene Offenbarung heilig bewahrt und treu interpretiert wird. Es war vor allem das Zweiten Vatikanische Konzil, das alle Mitglieder des Bischofskollegiums, als rechtmäßige Nachfolger der Apostel, an ihre Pflichten erinnert hat: „Diese wird zwar nicht durch einen hoheitlichen Akt wahrgenommen, trägt aber doch im höchsten Maße zum Wohl der Gesamtkirche bei. Alle Bischöfe müssen nämlich die Glaubenseinheit und die der ganzen Kirche gemeinsame Disziplin fördern und schützen. Alle Bischöfe müssen nämlich die Glaubenseinheit und die der ganzen Kirche gemeinsame Disziplin fördern und schützen“ (Lumen gentium, 23, vgl. auch Christus Dominus, 5-6).

Wenn sie einen öffentlichen Appell an den Papst richten, folgen Bischöfe und Kardinäle, wenn sie von aufrichtiger kollegialer Zuneigung für den Nachfolger des Petrus und Stellvertreter Christi auf Erden bewegt sind, der Lehre des Zweiten Vatikanischen Konzils (vgl. Lumen gentium, 22), denn auf diese Weise leisten sie einen “ Dienst für den primatialen Dienst“ des Papstes (vgl. Direktorium Apostolorum successores, 13).

Die ganze Kirche sollte in unseren Tagen über die Tatsache nachdenken, daß der Heilige Geist nicht umsonst den Heiligen Paulus inspiriert hat, im Brief an die Galater über seine öffentliche Zurechtweisung des Petrus zu schreiben. Man muß Vertrauen haben, daß Papst Franziskus diesen öffentlichen Appell der vier Kardinäle im Geist des Apostels Petrus annimmt, als ihm der Heilige Paulus, für das Wohl der Kirche, eine brüderliche Zurechtweisung anbot. Mögen die Worte des großen Kirchenlehrers, des Heiligen Thomas von Aquin, uns erleuchten und bestärken:

„Wo jedoch der Glaube Gefahr läuft, da muß man auch öffentlich die Oberen zurechtweisen, wie das Paulus tat; und wie Augustinus diesbezüglich schreibt: ‚Petrus selbst hat den Vorgesetzten das Beispiel gegeben, daß sie, wenn sie etwa den rechten Pfad verließen, auch nicht unwillig es aufnehmen sollen, wenn Untergebene sie zurechtweisen‘“ (Summa theol., II-II, q. 33, 4c).

Papst Franziskus wünscht wiederholt einen offenen und furchtlosen Dialog zwischen allen Gliedern der Kirche zu Fragen, die das Heil der Seelen betreffen.
Im Apostolischen Schreiben Amoris laetitia spricht der Papst von der Notwendigkeit, „einige doktrinelle, moralische, spirituelle und pastorale Fragen unbefangen weiter zu vertiefen. Die Reflexion der Hirten und Theologen wird uns, wenn sie kirchentreu, ehrlich, realistisch und kreativ ist, zu größerer Klarheit verhelfen“ (Amoris laetitia, 2). Zudem soll das Verhältnis auf allen Ebenen innerhalb der Kirche frei von einem Klima der Angst und der Einschüchterungen sein, wie Papst Franziskus in zahlreichen Ansprachen gewünscht hat.

Frangiskos Papamanolis, ein emeritierter katholischer Bischof in Griechenland, attackierte die vier Kardinäle heftig wegen ihrer Dubia und beschimpfte sie als "Häretiker".
Frangiskos Papamanolis, ein emeritierter katholischer Bischof in Griechenland, beschimpfte die vier Kardinäle wegen ihrer Dubia als „Häretiker“.

Im Licht dieser Erklärungen von Papst Franziskus, des Grundsatzes des Dialogs und der Akzeptanz einer legitimen Pluralität der Meinungen, die von den Dokumenten des Zweiten Vatikanischen Konzils gefördert wurde, erregen die ungewöhnlich harten und intoleranten Reaktionen einiger Bischöfe und Kardinäle gegen die ruhige und umsichtige Anfrage der vier Kardinäle großes Erstaunen. Unter diesen intoleranten Reaktionen kann man Aussagen von dieser Art lesen: Die vier Kardinäle sind dumm, naiv, schismatisch, häretisch und sogar mit den arianischen Häretikern zu vergleichen.

Solche apodiktischen und unbarmherzigen Urteile beweisen nicht nur eine Intoleranz, eine Ablehnung des Dialogs und einen irrationalen Zorn, sondern auch eine Kapitulation vor der Unmöglichkeit, die Wahrheit zu sagen, eine Kapitulation vor dem Relativismus in der Lehre und in der Praxis, im Glauben und im Leben. Die obengenannte klerikale Reaktion gegen die prophetische Stimme der vier Kardinäle beweist letztlich die Machtlosigkeit im Angesicht der Wahrheit. Eine so heftige Reaktion hat nur einen Zweck: die Stimme der Wahrheit zum Schweigen zu bringen, die die angeblich friedvolle, nebulöse Zweideutigkeit dieser klerikalen Kritiker stört und irritiert.

Die negativen Reaktionen auf die öffentliche Erklärung der vier Kardinäle erinnern an die allgemeine doktrinelle Verwirrung während der arianischen Krise des 4. Jahrhunderts. In der doktrinellen Verwirrung unserer Tage ist es für alle nützlich, einige Feststellungen des Heiligen Hilarius von Poitiers, den „Athanasius des Westens“, zu zitieren.

„Ihr [Bischöfe von Gallien], die ihr noch mit mir in Christus treu seid, seid unerschütterlich geblieben, als ihr durch das Auftreten der Häresie bedroht wurdet, und nun entkräftet ihr durch euren Widerstand alle Unverschämtheit dieser Häresie. Ja, Brüder, ihr habt gesiegt zur größten Freude derer, die mit euch euren Glauben teilen. Eure unverbrüchliche Standhaftigkeit hat einen doppelten Ruhm gewonnen: nämlich ein reines Gewissen zu bewahren und ein ehrwürdiges Beispiel zu geben“ (Hil. De Syn, 3).

„Euer [Bischöfe von Gallien) unüberwindlicher Glaube bewahrt den herrlichen Ruhm seines reinen Gewissens und  harrt, indem es alles Arglistige, Zweideutige, Feige zurückweist, auf sichere Weise in Christus aus durch die Bewahrung des Bekenntnisses seiner Freiheit.
Denn nach vielem und großem Schmerz, welchen wir alle gelitten haben wegen der Taten der Gottlosen gegen die Religion, wird nur unter uns die Gemeinschaft in Christus bewahrt, seitdem man anfing, die Kirche mit diesen Drangsalen zu quälen, daß die Bischöfe verbannt, die Priester abgesetzt, die Völker eingeschüchtert, der Glauben gefährdet und die Definition der Bedeutung der Lehre des Herrn nach dem Gutdünken und der Gewalt der Menschen bestimmt werden. Euer unverletzter Glaube tut nicht, als wenn er das nicht wüßte, und behauptet nicht, daß er das dulden könne, weil er sich bewußt ist, daß ihn eine heuchlerische Zustimmung vor das Gericht des Gewissens bringen würde“ (Hil. De Syn, 4).

„Ich habe gesagt, was ich selbst glaube, in der Überzeugung, daß es meine Pflicht als Soldat im Dienst der Kirche ist, der ich in Christus angehöre, euch diese Briefe als der Lehre des Evangeliums gemäße Stimme des Amtes zu schicken. Eure Pflicht ist es, euch gemeinschaftlich zu besprechen, vorsichtig zu sein und danach zu streben, daß ihr das, was ihr bis jetzt mit unerschütterlichem Glauben seid, mit religiösem Gewissen in euren Herzen bewahrt, und das behalten möget, was ihr heute bewahrt“ (Hil. De Syn, 92).

Folgende Worte des Heiligen Basilius des Großen an die lateinischen Bischöfe können unter gewissen Aspekten auf die Situation jener angewendet werden, die in unseren Tagen Klarheit in der Glaubenslehre fordern, einschließlich unsere vier Kardinäle:

„Das einzige Verbrechen, das jetzt furchtbar geahndet wird, ist die gewissenhafte Beobachtung der Traditionen der Väter.“

„Nicht um Geldes und der Ehre willen, nicht wegen eines weltlichen Gutes werden wir bekriegt. Wegen des gemeinsamen Besitzes, wegen des Schatzes des sicheren Glaubens, der uns von den Vätern weitergeben wurde, stehen wir auf dem Kampfplatz. Klagt mit uns, die Ihr Eure Brüder liebt, daß der Mund der Frommen geschlossen wird, aber jede freche Lästerzunge, die wider Gott Ungerechtigkeit lallen, losgelassen ist! Die Säulen und Fundamente der Wahrheit sind in alle Himmelsrichtungen versprengt. Wir aber, über die man geringschätzig wegsieht, sind unseres Rechts auf ein freimütiges Wort beraubt“ (Ep. 243,2.4).

Neokardinal Blase Cupich (Chicago) kritisierte die vier Kardinäle.
Neokardinal Blase Cupich (Chicago) kritisierte die vier Kardinäle.

Heute werden die Bischöfe und Kardinäle, die Klarheit verlangen, und die ihre Pflicht zu tun versuchen, indem sie heilig und treu die Auslegung der Göttlichen Offenbarung bewahren, die uns in Bezug auf die Sakramente der Ehe und der Eucharistie weitergegeben wurde, nicht mehr verbannt, wie es den Bischöfen von Nizäa während der arianischen Krise ergangen ist. Im Gegensatz zur arianischen Krise, wie Bischof Rudolf Graber von Regensburg 1973 schrieb, ist die Verbannung der Bischöfe heute durch Strategien ersetzt, sie zum Schweigen zu bringen und sie zu verleumden (vgl. Athanasius und die Kirche unserer Zeit, Abensberg 1973, S. 23).

Ein anderer Vorkämpfer des katholischen Glaubens während der arianischen Krise, der Heilige Gregor vor Nazianz, beschrieb auf eindrückliche und charakteristische Weise das Verhalten eines Großteils der Hirten der Kirche zu jener Zeit. Diese Stimme der großen Kirchenlehrer sollte eine gesunde Warnung für die Bischöfe aller Zeiten sein:

„Die Hirten haben sicher irrsinnige Dinge getan, da mit wenigen Ausnahmen – die entweder wegen ihrer geringen Bedeutung übersehen wurden, oder wegen ihrer Tugend widerstanden, und die man unter dem Einfluß des Heiligen Geistes ließ wie ein Samen und eine Wurzel für eine neue Blüte und Wiedergeburt Israels – alle dem Kompromiß nachgaben, mit dem einzigen Unterschied, daß einige sofort nachgaben und andere später; einige waren Meister und Anführer des Frevels und andere schlossen sich ihm an, als der Kampf begonnen hatte, hörig der Angst, des Eigennutzes, der Schmeicheleien oder – was noch am meisten entschuldbar ist – der Ignoranz“ (Orat, 21,24).

Als Papst Liberius 357 die sogenannte Formel von Sirmium unterzeichnete, mit der er absichtlich den dogmatisch definierten Begriff „homo-ousios“ vermied und den Heiligen Athanasius exkommunizierte, um Frieden und Eintracht mit den arianischen und semi-arianischen Bischöfen des Ostens zu haben, waren die katholischen Gläubigen und einige wenige Bischöfe, besonders der Heilige Hilarius von Poitiers, tief erschüttert. Der Heilige Hilarius hat den Brief überliefert, den Papst Liberius den Bischöfen des Ostens schrieb, mit dem er ihnen die Anerkennung der Formel von Sirmium und die Exkommunikation von Athanasius mitteilte. In seinem tiefen Schmerz und seiner Bestürzung fügte der Heilige Hilarius in einer Art von Verzweiflung dem Brief den Satz hinzu: „Anathema tibi a me dictum, praevaricator Liberi“ (Das Anathema auch von mir über dich, Verräter Liberius!) (vgl. Denzinger-Schönmetzer, Nr. 141). Papst Liberius wollte um jeden Preis Frieden und Ruhe haben auch auf Kosten der Göttlichen Wahrheit. In seinem Brief an die heterodoxen lateinischen Bischöfe Ursacius, Valens und Germinius, mit dem er ihnen die obengenannten Entscheidungen mitteilte, schrieb er, den Frieden und die Eintracht dem Martyrium vorzuziehen (vgl. Denzinger-Schönmetzer, Nr. 142).

In welchem dramatischen Kontrast steht das Verhalten von Papst Liberius im Vergleich zur nachfolgenden Überzeugung des Heiligen Hilarius von Poitiers:

„Wir schaffen keinen Frieden auf Kosten der Wahrheit, indem wir Zugeständnisse machen, um den Ruf der Toleranz zu erwerben. Wir schaffen Frieden, indem wir rechtmäßig nach den Regeln des Heiligen Geistes kämpfen. Es besteht die Gefahr, sich verstohlen mit der Untreue zu verbünden, indem man es mit dem schönen Namen Frieden bemäntelt“ (Hil. Ad Cost. 2,6,2).

Der Selige John Henry Newman kommentierte diese traurigen und ungewöhnlichen Tatsachen mit der folgenden weisen und ausgewogenen Feststellung: „Während es historisch richtig ist, ist es in keinem Sinn doktrinell falsch, daß sich ein Papst als privater Lehrer, irren kann, und noch mehr können die Bischöfe irren, wenn sie nicht förmlich lehren, wie wir sehen, daß sie im vierten Jahrhundert irrten. Papst Liberius hätte in Sirmium und die Masse der Bischöfe in Rimini oder anderswo mögen eine eusebianische Formel unterschrieben haben, und dennoch können sie ungeachtet dieses Irrtums in ihren Entscheidungen, wenn sie sie ex cathedra fällen, unfehlbar sein“ (Die Arianer des Vierten Jahrhunderts, 1876).

Die vier Kardinäle haben mit ihrer prophetischen Stimme, die um doktrinelle und pastorale Klarheit bittet, ein großes Verdienst vor ihrem Gewissen, vor der Geschichte und vor den unzähligen einfachen katholischen Gläubigen unserer Tage, die wegen ihrer Treue zur Lehre Christi über die Unauflöslichkeit der Ehe an den kirchlichen Rand gedrängt sind. Vor allem haben die vier Kardinäle ein großes Verdienst in den Augen Christi. Für ihre mutige Stimme werden ihre Namen am Tag des Jüngsten Gerichts strahlend leuchten. Sie haben nämlich der Stimme ihres Gewissens gehorcht und rufen die Worte des Heiligen Paulus in Erinnerung: „Denn wir können unsere Kraft nicht gegen die Wahrheit einsetzen, nur für die Wahrheit“ (2 Kor 13,8). Mit Sicherheit werden die klerikalen Kritiker der genannten vier Kardinäle am Tag des Gerichts nicht leicht eine Antwort finden, um ihre harten Angriffe gegen die so gerechte, edle und verdienstvolle Sache dieser vier Mitglieder des Heiligen Kardinalskollegiums zu rechtfertigen.

Die folgenden vom Heilgen Geist inspirierten Worte behalten ihre prophetische Gültigkeit vor allem angesichts der sich in unseren Tagen ausbreitenden Verwirrung in Lehre und Praxis in Bezug auf das Ehesakrament:

„Denn es wird eine Zeit kommen, in der man die gesunde Lehre nicht erträgt, sondern sich nach eigenen Wünschen immer neue Lehrer sucht, die den Ohren schmeicheln; und man wird der Wahrheit nicht mehr Gehör schenken, sondern sich Fabeleien zuwenden. Du aber sei in allem nüchtern, ertrage das Leiden, verkünde das Evangelium, erfülle treu deinen Dienst!“ (2 Tim 4,3-5).

Mögen alle, die in unseren Tagen noch ihre Taufgelübde und ihre priesterlichen und bischöflichen Versprechen noch ernst nehmen, die Kraft und die Gnade Gottes erhalten, um mit dem Heiligen Hilarius die Worte wiederholen zu können:

„Ich will immer in der Verbannung leben, wenn man nur anfängt, die Wahrheit wieder zu verkündigen“ (Hil. De Syn, 78)

Diese Kraft und Gnade wünschen wir von Herzen unseren vier Kardinälen und jenen, die sie kritisieren.

23. November 2016

+ Athanasius Schneider, Weihbischof des Erzbistums der Allerheiligsten Jungfrau Maria zu Astana

*Übersetzung: Giuseppe Nardi
Bild: MiL/OR/vatican.va (Screenshots)

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12 Comments

  1. Sehr gut. Trotzdem bleibt es mir ein Rätsel, wieso solche Reaktionen ausblieben, als Papst Paul VI. de facto der gesamten Lateinischen Kirche eine neue Liturgie auferlegte, deren Übereinstimmung mit der überlieferten Liturgie von Anfang an zumindest zweifelhaft war.

    Vor allem, weil sie gegen die überlieferte und damals allgemein lebendig in Gebrauch stehende Liturgie gerichtet war, von der Papa Montini jedenfalls offenbar wollte, sie sollte mit den „alten und gebrechlichen Priestern“ aussterben.

    Immerhin war diese „Liturgiereform“ ein wesentlich umfassenderes „Projekt“ als jetzt Amoris lætitia.

    • Die Form des Ritus geht nicht auf Christus zurück (der Ritus selbst natürlich schon), die strikte Monogamie der Ehe vielmehr schon. Sie ist direkt von Christus. Und sie ist auch eine hervorragende und einzigartige kulturelle Errungenschaft der ganzen Menschheitsgeschichte, die in voller Erkenntnis nur die Katholische Kirche vertritt.

    • Sehr geehrter Tridentinus,

      Ich muß Ihnen -um der Wahrheit willen – widersprechen. Nicht das Verhalten von Papst Paul VI. bleibt in vielen Teilen seines Pontifikates rätselhaft, sondern geheim, verborgen oder auch „verdeckt“ agieren – seit den Fatimaerscheinungen 1917 und den Botschaften der Muttergottes – geheime böse Mächte im Vatikan. Es sind die innerkirchliche Wölfe im Schafspelz – die Freimaurer – die alle Päpste – spätestens seit dem heiligen Papst Pius X. bedrängten – einkreisten, angriffen, bedrohten, bekämpften und jedem Papst seitdem das Leben im Vatikan zur Hölle machten. Seit mindestens 50 Jahtren – seit dem Konzil – ist die Übermacht der freimaurerischen Zerstörer unübersehbar und unüberhörbar geworden. Gleichzeitig sind die Bewahrer und Förderer der überlieferten heiligen Tradition von der säkularen Welt und von allen Freimaurerbrüdern zu „gefährlichen Fanatikern“ oder zu „nostalgischen Träumern“ erklärt worden. Die Gegenwart beweist, dass unzählige Hirten von Seelenführern hin zu Gott zu Seelenverführern des Teufels geworden sind. Zahlreiche Skandale und Intrigen der älteren und vor alllem der jüngeren Geschichte des vatikanischen Wolfrudels ( Handkommunion, Liturgieverstümmelung, Geldwäsche, Geheimdokumente, Missbrauch, Homosexualität, Rücktritt von Papst Benedikt, schismatische Kardinäle in höchsten Ämtern usw.) beweisen, dass ich nicht von wilden Spekulationen spreche, sondern von der bitteren Realität. Zahlreiche Freimaurerbischöfe und Freimaurerkardinäle sind aufgrund ihrer Logen-Mitgliedschaft exkommuniziert – tatsächlich arbeiten sie weiterhin solange erfolgreich an der Zerstörung der heiligen katholischen Überlieferung und Tradition, bis Jesus Christus ihnen selbst durch die bevorstehende Warnung (Seelenschau) Einhalt gebieten wird. Nach einer Zeit voller Drangsale, Prüfungen und Bewährungen, wird der Heiland seine verkleinerte Kirche heilen, retten und erheben.

  2. Wichtige Stellungnahme!
    Die Gruppe jener Kardinäle und Bischöfe, welche glaubensstark, mutig und treu zur unveränderlichen und vollen Wahrheit des Glaubens, der Lehre und Tradition stehen, ist größer als jene 4 Personen, welche öffentlich die Dubia kommuniziert haben. Dies ist durch viele Ereignisse und Publikationen (Bücher, Stellungnahmen, Interviews usw.) gut dokumentiert. Es ist überaus beachtenswert, wie klug diese Gruppe auswählt, wer sich wann und wie öffentlich einsetzt! Ein konzertiertes Vorgehen zur Bewahrung des Glaubens in der vollen Wahrheit, somit zum Wohle der Seelen. Vergelte es der Herr ihnen allen reichlichst! Und wir – BETEN wir. Danke.

    Hinweis
    Video-Vortrag von Weihbischof Schneider:
    „Sakramentale Ehe aus katholischer Sicht“
    Der Titel, den KiN dem Video gibt, bezeichnet nur den ersten Schwerpunkt des Vortrages. Die Katechese ist weitaus mehr! Es werden die universalen Kernpunkte des katholischen Glaubens im Kontext mit der sakramentalen Ehe konkret referiert, für jeden verständlich. Was für ein hervorragender Hirte dieser Bischof doch ist !!

    http://www.kirche-in-not.de/app/mediathek/play/sItem/0340002490

  3. Weihbischof Schneider spricht wie immer gut und angemessen in aller Klugheit. Es ist richtig, die 4 Kardinäle und die Dubia zu verteidigen.
    Lang genug, Jahrzehnte, wurde alles ausgesessen, aber diese Zeit ist nunmehr abgelaufen. Diese protestantische und nihilistische Kirche in Deutschland etwa sorgt sich allein noch um Staatsnähe, die finanziellen Pfründe wohl auch und darum vielleicht, wer als letzter bei immer weniger Priestern und Meßteilnehmern (und welche Messen manchmal/oft!) das Licht ausschaltet. Die Kirche in Deutschland wurde tot gemacht, und den Verantwortlichen ist das immer noch nicht genug. Unglaubliche geistige Wüsten, Wildnisse und Verwüstungen aller Art im gesamten Volk sind das Ergebnis von jahrzehntelanger systematischer Abwendung vom Glauben und den Glaubensinhalten.
    Hoffentlich verliert nicht auch Rom noch den Glauben ganz und es kommt dort recht bald zu einer Umkehr.

  4. Die Stunde ist da, vom Schlafe aufzustehen! Die Stunde ist da, für die Wahrheit Zeugnis abzulegen! GOTT ist mit diesen mutigen Kardinälen und GOTT rüttelt unsere Gewissen wach durch deren Zeugnis und durch die Stimme dieses unerschrockenen Bischofs! Die Stunde der Entscheidung ist da. Und NIEMAND unter den Getauften kann sich dieser Entscheidung entziehen. Gebet UND Zeugnis wird nun von jedem gefordert und entscheidet über zeitliches und ewiges Heil!

  5. Es gab in der Vergangenheit immer wieder katholische Stimmen, die aufhorchen ließen, das ließ dann immer wieder Hoffnung aufkommen. Leider geschahen in der Folge immer wieder neue Verwüstungen und man bekam immer mehr den Eindruck, der Wahnsinn nimmt einfach kein Ende. Aber die Dubia der 4 Kardinäle und die Stimmen die sich daraufhin erheben, bedeuten diesmal mehr als nur ein Aufhorchen. Das ist das erste mal, wo ich das starke Gefühl habe, das könnte eine Wende bedeuten. Ich habe den Eindruck, daß nun die Wahrheit ans Licht kommt und daß jetzt etwas greifbares geschehen ist , das sich nicht mehr so einfach von der Hand weisen lässt. Jetzt glaube ich hat man etwas in der Hand, das eine Entscheidung bewirken wird und das eine Wende bewirken kann. Ich werde für die 4 Kardinäle beten.

  6. Großen Dank an Bischof Athanasius Schneider und die Gruppe der 4 Kardinäle !
    wir beten für alle Bischöfe und Priester der Weltkirche , dass sie den Mut und die Kraft haben , trotz Widerstände, für den wahren Glauben einzutreten !

  7. Leider Gottes kann Msgr. Weihbischof Schneider kein Papst werden, wie es vor einigen Tagen hier im Forum vorgeschlagen wurde, solange er kein Kardinal ist. Und dazu wird es wohl unter Papst Franziskus nicht kommen. Dank sei Gott, dass Seine Exzellenz immer wieder in wichtigen Momenten die Stimme erhebt!

  8. @ Teresa Monica. Die Päpste der letzten Jahrhunderte waren zwar alle Kardinäle, aber trotzdem dürfte das Konklave einen Nichtkardinal zum Papst wählen. Aus Ihrer Sicht ( und auch meiner) besteht also Hoffnung für Bischof Athanasius Schneider, aber die Möglichkeit kann aber auch dem Antichristen den Weg eröffnen, den Stuhl Petri zu besteigen. Lesen Sie einmal Walter F. Murphy „Der Statthalter“ oder „The Vicar of Christ“ aus den 70 er Jahren. Dort besteigt ein amerikanischer Trappistenmönch, Declan Walsh, als Papst Franziskus (!!!) den Stuhl Petri und führt die Reformen in der Kirche durch, die der heutige Papst Franziskus angeht. Als eine seiner letzten Handlungen entlässt er übrigens vier Kardinäle, die seinen Reformen kritisch gegenüberstanden.

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