Philippika 3 – Euer Ja sei ein Ja, euer Nein ein Nein

Philippika 3 - Kardinal Christoph Schönborn: Euer Ja sei ein Ja, euer Nein ein Nein
Philippika 3 - Kardinal Christoph Schönborn: Euer Ja sei ein Ja, euer Nein ein Nein

Von Stephanus Flavius

Seit 2002 findet sich das Fest Mariä Namen wieder im Allgemeinen Römischen Kalender, aus dem es 1970 gestrichen worden war. In Wien freilich wurde es immer in hohen Ehren gehalten, wurde seine Feier doch zum Gedenken an den Sieg über die Türken im Jahre 1683 – eben vor Wien – für die ganze Kirche vorgeschrieben. Damit wird einerseits verständlich, daß der Erzbischof von Wien, es sich nicht nehmen läßt, diesen Tag mit aller Festlichkeit zu begehen. Andererseits ahnt man schon, welche Gefahren ein solches Gedächtnis in Zeiten hohen Migrationsdruckes aus der muslimischen Welt in sich birgt.

Land auf Land ab wird der Kardinal Schönborn wegen seiner diplomatischen Fähigkeiten gelobt. So erwarteten sich die Gläubigen, die sich am 12. September 2016 zur Feier des besagten Festes im Wiener Stephansdom versammelt hatten, nichts Besonderes zu hören. Ob es an den Terroranschlägen lag, die die Welt im vorausgegangenen Sommer in Atem gehalten hatten, oder an der naturgemäß eher traditionellen Einstellung der Gläubigen, die sich zu diesem Anlaß in der Kathedrale versammeln, wissen wir nicht. Jedenfalls fand der Kardinal ungewöhnlich klare Worte.

Mit Blick auf die beiden Belagerungen Wiens durch die Türken 1529 und 1683, fragte er: „Wird es jetzt einen dritten Versuch einer islamischen Eroberung Europas geben? Viele Muslime denken und wünschen sich das und sagen: Dieses Europa ist am Ende“1 Nach medialer Kritik entschuldigte sich der Erzbischof von Wien schon fünf Tage später und versicherte jedermann, er sei mißverstanden worden: Ihn bewege nur die Sorge um die Schwäche des Christentums in Europa.

Das allein wäre noch keinen Bericht wert, haben die Katholiken in Wien solches doch schon öfter erlebt.

New York Times, 7.7.2005
New York Times, 7.7.2005

Evolution des Denkens

Am 7. Juli 2005 erschien in der New York Times ein Artikel über die Evolutionstheorie. Er stammte aus der Feder von Kardinal Schönborn. Er erklärt dort, die Evolutionstheorie im neodarwinistischen Sinne sei „nicht wahr“: „Jedes Denksystem, das die überwältigende Evidenz für einen Plan in der Biologie leugnet oder wegzuerklären versucht, ist Ideologie, nicht Wissenschaft.“2 Der Kardinal hat wohl die Auflagenstärke der New York Times unterschätzt, oder wenigstens gedacht, das Blatt sei in Österreich unbekannt. Jedenfalls wurde hier zu Lande in den Medien Kritik laut, und – der Erzbischof von Wien distanzierte sich von der Idee des „Intelligent Design“, also von der Idee eines höheren Planes in der Natur. Vor der Österreichischen Akademie der Wissenschaften begründetet er im März 2009 diesen, seinen Sinneswandel: Es gäbe „auch im Denken eine Evolution“.

Am 13. Juli 2011 hielt Kardinal Schönborn eine Katechese3 anläßlich eines charismatisch-konservativen Jugendtreffens in der Diözese Graz-Seckau. Dort sprach er, wie so häufig, über sein ganz persönliches Erleben. Die Scheidung seiner Eltern habe ihn sehr verletzt. Der Umgang der Kirche mit Geschiedenen sei nicht unbarmherzig. Eine Scheidung kenne auch Opfer. An erster Stelle nannte der Kardinal die Kinder: „Ist es barmherzig, Kinder auseinanderzureißen, die zu Mutter und Vater gehören und die zum Spielball für die Eltern werden?” Dann verwies er auch auf die Menschen, die nach einer Scheidung allein zurückblieben: „Wie viel Einsamkeit? Wie viel Leid? Und da ist die Kirche unbarmherzig, weil sie sagt: Die Ehe ist unauflöslich?“ Schließlich brachte Kardinal Schönborn die Sache auf den Punkt: „Wo die Wahrheit ist, kann Gottes Barmherzigkeit hinkommen.” Aber nur drei Monate später war in der Mitarbeiterzeitschrift der Erzdiözese Wien „Thema Kirche“ zu lesen, für Geschiedene sei ein kirchlich gefeiertes Gelöbnis einer neuen Beziehung möglich. Der damalige Pressesprecher des Erzbischofs von Wien, Wolfgang Bergmann, sprach von einem „Denkmusterwechsel“ und dem „Coming Out“ des Erzbischofs.

Zu Pfingsten 2015 sprach Kardinal Schönborn vor der charismatisch-konservativen Loreto-Gemeinschaft im Salzburger Dom und kritisierte bei dieser Gelegenheit den „Life Ball“. Auf dieser vom bekennenden Homosexuellen Gery Keszler organisierten Großveranstaltung werden Spenden für die AIDS-Forschung gesammelt. Sie dient aber auch der Selbstdarstellung der LGTB-Community und ist das bedeutendste Event dieser Art in Österreich. Kardinal Schönborn fand deutliche Worte: Der Ball sei „im Grunde auch trostlos“. „Wollen wir das wirklich, dieses heidnische Fest? Ist es wirklich das, was Freude macht. Oder müssen wir nicht eher sagen: Eigentlich habe ich Mitleid mit den Menschen, die diese Art von Festen feiern“.4 Ein Jahr später ließ der schon genannte Gery Keszler mit folgenden Informationen im Österreichischen Staatsradio Ö3 aufhorchen: Er sei schon zum Abendessen beim Erzbischof von Wien geladen gewesen. „Wir schreiben einander. Ich würde mir wünschen, dass das Thema Kirche ein Teil vom Life Ball werden kann“.5 Es wäre sein großer Wunsch, Kardinal Schönborn einmal als Gast am Ball zu sehen. Und tatsächlich nahm der Erzbischof von Wien im Sommer 2016 am „Red Ribbon Concert“ teil, steckte sich eine AIDS-Schleife an und erklärte der Welt, seine Vorurteile gegen die Homosexualität seien geschmolzen.

Es gäbe noch viele Beispiele dieser Art, aber schon jetzt wird klar: Die Mahnung des Papstes an die Römische Kurie, nicht „ohne Koordination zu arbeiten“, sollte auch außerhalb Roms gehört werden. Auch vor einer falschen Verehrung des Vorgesetzten hat Papst Franziskus gewarnt. Tatsächlich scheint Kardinal Schönborn bemüht der Kirche zu dienen, der Erzbischof von Wien hingegen sucht den Redakteuren der österreichischen Leitmedien zu gefallen. Wie leicht man „Opfer des Opportunismus“ werden kann, zeigt eine andere Begebenheit.

Der unbarmherzige Pfarrer

Am 18. März 2012 wählte die beschauliche Pfarre Stützenhofen bei Wien – sie gehört zur Erzdiözese Wien – einen neuen Pfarrgemeinderat. Der Pfarrer Hw. Gerhard Swierzek stellte nach Auszählung der Stimmen fest, daß eines der gewählten Mitglieder des Pfarrgemeinderates, Florian Stangl, in einer staatlich eingetragenen Partnerschaft lebt – und zwar mit einem anderen Mann. Der Pfarrer hätte die Kandidatur verhindern müssen, und versuchte nun die Stimmen so auszuzählen, als hätte der Betroffene nie kandidiert. Mit diesem Vorgehen schienen zunächst alle einverstanden, zumal als Alternative nur eine Wahlwiederholung ohne den betroffenen Kandidaten in Betracht kam. Kardinal Schönborn ließ verlauten, auch Homosexuelle gehörten zur Kirche, aber: „Wir können uns aber auch nicht darüber hinwegsetzen, dass die aus dem Evangelium abgeleiteten Lebensregeln der Kirche gleichgeschlechtliche Partnerschaften nicht gutheißen und sich das Lehramt der Kirche eindeutig auch gegen eingetragene gleichgeschlechtliche Partnerschaften ausgesprochen hat.“

Kardinal Schörnborn im Salzburger Dom
Kardinal Schönborn im Salzburger Dom

Dann aber brach ein medialer Sturm los. Der Erzbischof von Wien bestätigte den homosexuellen Pfarrgemeinderat. Er habe den Betroffenen mit seinem Partner zum Mittagessen eingeladen. Der Betroffene habe ihn: „menschlich, persönlich, auch christlich sehr beeindruckt“: „Er ist ein gläubiger, engagierter, bescheidener und wirklich liebenswürdiger Mann“ (ORF-Pressestunde).6

Mit einem Schlag sah sich der Pfarrer mit dem Vorwurf konfrontiert – ganz im Gegensatz zum Erzbischof von Wien – unbarmherzig an veralteten Moralvorstellungen festzuhalten. Insbesondere sein Verhalten gegenüber dem Betroffenen sei unsensibel und untragbar gewesen. Er hätte wie der Erzbischof nicht nur das Gesetz, sondern auch den Menschen sehen müssen. Die Bombe platzte während des Gottesdienstes am Palmsonntag: Der Stellvertretende Pfarrgemeinderatsobmann, Gerhard Wolfram, verlas eine Erklärung und teilte außerdem mit, er habe selbst eine Tonbandaufnahme eines Telephongespräches gehört, in dem der Erzbischof von Wien dem Pfarrer von Stützenhofen mitteilte, daß „das“ mit Florian Stangl „nicht sein dürfe“, und daß der Pfarrer alles daran setzen müsse, um den Kandidaten vom Stimmzettel „verschwinden“ zu lassen.

Am Ende jedenfalls wurde der homosexuelle Pfarrgemeinderat bestätigt. Der Pfarrer verließ die Diözese, um im benachbarten Bistum St. Pölten zu wirken. Für die Gläubigen aber steht folgende Frage im Raum: Warum nehmen Priester der Erzdiözese Wien ihre Telephongespräche mit ihrem Erzbischof auf Tonband auf? Vielleicht aus schlechter Erfahrung? Das gibt zu denken!

In der Pressestunde des ORF vom 1. April 2012 fragte die Journalistin Brigitte Handlos bezüglich eines homosexuellen Pfarrgemeinderates und der Lehre der Kirche zur Sexualmoral: „Wie geht das zusammen?“ „Das ist eine gute Frage!“, so die vielsagende Antwort von Kardinal Schönborn: „Ich stell‘ mir selber die Frage, und ich verstehe, daß nicht nur Gläubige, sondern auch allgemein Menschen unserer Gesellschaft sich nicht leicht tun damit.“ Dann folgte eine ausführliche Schilderung der Ereignisse aus Sicht des Erzbischofs. Sollte Papst Franziskus wirklich nur an die Kardinäle der Römischen Kurie gedacht haben, als er in einer berühmten Weihnachtsansprache von „existenzieller Schizophrenie“ sprach?

Text: Stephanus Flavius
Bild: Youtube/Gloria.tv/ORF (Screenshots)

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  1. https://www.erzdioezese-wien.at/marianamen2016 [Stand: 02.11.2016] []
  2. Englischer Originaltext: http://www.nytimes.com/2005/07/07/opinion/finding-design-in-nature.html?_r=1 [Stand: 03.11.2016] []
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  4. Videomitschnitt des ganzen Vortrags: https://www.youtube.com/watch?v=_e8CVre20qU [Stand: 21.11.2016] []
  5. Pressemitteilung über die Radiosendung: http://www.ots.at/presseaussendung/OTS_20151213_OTS0035/gery-keszler-spricht-in-oe3fruehstueck- bei-mir-ueber-seine-trennung-und-seine-plaene-den-life-ball-2017-wird-es-definitiv-geben [Stand:03.11.2016] []
  6. Die Videosequenz über Stützenhofen:  https://www.gloria.tv/video/3APWQeLz7xD6Dghw9sZAvkseg [Stand: 03.11.2016] []

1 Comment

  1. Es sieht so aus, als würde Kardinal Schönborn zuerst das Lehramt der katholischen Kirche wiedergeben, um sich danach von den Medien korrigieren zu lassen. Nun, was soll man dazu sagen? Die Medien wissen mittlerweile wohl schon, wie sie ihn „nehmen“ müssen, damit er tut was sie wollen.
    Hat er dann seine Sache in 20 Jahren als Erzbischof von Wien besonders gut gemacht? Bestimmt er selbst als Vorsitzender der Bischofskonferenz die Geschicke der katholischen Kirche in Österreich oder lässt er sich von den Medien leiten? Und wie kommt jemand wie er dazu, im Ratzinger-Schülerkreis Aufnahme zu finden, wenn seine heutigen Ansichten teilweise gar nicht mehr der Lehre der Kirche entsprechen?
    Ein in seiner Haltung standfesterer und glaubenstreuerer Erzbischof von Wien wäre aus meiner Sicht wünschenswert. Eben weil dieses Amt so hohe Verantwortung mit sich bringt.

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