„Neue Ostpolitik“ des Vatikans: Zerfällt Chinas Untergrundkirche? – Unrechtmäßige Weihe eines Untergrundbischofs

Papst Franziskus mit chinesischen Katholiken (5. Oktober 2016), die vom 2006 geweihten und von Rom und Peking anerkannten Bischof Xu Honggeng nach Rom begleitet wurden.
Papst Franziskus mit chinesischen Katholiken (5. Oktober 2016), die vom 2006 geweihten und von Rom und Peking anerkannten Bischof Xu Honggeng nach Rom begleitet wurden.

(Hong Kong) „Verzweiflung“, das ist der häufigste Begriff, mit dem derzeit Kenner die Stimmung unter den Katholiken der chinesischen Untergrundkirche beschreiben. „Verzweiflung“ herrscht wegen der „Neuen Ostpolitik“ des Vatikans gegenüber dem kommunistischen Regime in Peking. Sie führt zu neuen Brüchen: Ein Untergrundpriester ließ sich aus Protest gegen die vatikanische Haltung unrechtmäßig zum Untergrundbischof weihen, und er ist selbst zu weiteren Bischofsweihen ohne die Zustimmung Roms bereit.

„Verzweiflung, Enttäuschung, Verbitterung“ über Rom

„Es herrscht eine verbreitete ‚Verzweiflung‘, ‚Enttäuschung‘, ‚Verbitterung‘, ja sogar ‚Zorn‘ unter den Gläubigen der katholischen Untergrundkirche in der Volksrepublik China“, so Asianews, die Nachrichtenseite des Päpstlichen Instituts der Auslandsmissionen.

Am chinesischen Festland herrscht seit 1949 eine kommunistische Diktatur. Die Kommunistische Partei Chinas (KPCh) beansprucht die völlige Hörigkeit der Kirche gegenüber dem Staat und das Recht, alle inneren Angelegenheiten der Kirche (Ernennung der Bischöfe und andere Personalentscheidungen, Verkündigung der Lehre im Einklang mit der sozialistischen Staatsideologie, usw.) zu regeln. In den ersten Jahren herrschte eine grausame Verfolgung der Kirche. Alle ausländischen Missionare wurden ausgewiesen oder verhaftet. Alle chinesischen Bischöfe und Priester mußten flüchten oder wurden interniert. Viele Bischöfe und Priester verbrachten Jahrzehnte ihres Lebens im Gefängnis oder in Konzentrationslagern. Zahlreiche sind dort ums Leben gekommen. Alle Priesterseminare wurden geschlossen.

Der lange Leidensweg der chinesischen Katholiken

1957 wurde von den Kommunisten nach Ostblockmanier die Chinesische Katholisch-Patriotische Vereinigung (CPCA) geschaffen, kurz Patriotische Vereinigung genannt, eine regimehörige Gruppe, deren Aufgabe es ist, eine von Rom getrennte und von der KP abhängige chinesische Nationalkirche zu schaffen. Dagegen wehrt sich die romtreue Untergrundkirche.

Untergrundkirche: Untergrundpriester segnet Untergrundkatholiken
Untergrundkirche: Untergrundpriester segnet Untergrundkatholiken

Noch 1957 exkommunizierte Papst Pius XII. alle Bischöfe, die sich der Patriotischen Vereinigung anschlossen bzw. von dieser eingesetzt wurden. Diese Exkommunikation wurde zuletzt von Papst Benedikt XVI. bekräftigt. Sie gilt auch für alle Bischöfe, die an einer unerlaubten Bischofsweihe teilnehmen.

1966 folgte mit der „Kulturevolution“ eine neue „unbeschreibliche“ Welle der Verfolgung für die chinesischen Katholiken, so Asianews. Zahlreiche Kirchen wurden zerstört, die katholische Kirche wurde als „konterrevolutionäre Organisation“ verboten. Jeder Kontakt zum Vatikan galt als „subversive Verbindung zu einer ausländischen Macht“ unter Strafe. Ein sichtbares kirchliches Leben gab es nicht mehr. Die Gefängnisse und Konzentrationslager waren der letzte Ort, wo noch ein katholischer Klerus existierte und wirken und missionieren konnte.

Die „Ostpolitik“

1978 begann das Regime eine Reformpolitik der „offenen Türen“. Einige Bischöfe wurden aus der Haft entlassen. Die „Ostpolitik“ von Kardinal Agostino Casaroli wurde auch auf die Volksrepublik China übertragen. Der Vatikan verfolgte eine Linie „der privilegierten Aufmerksamkeit“ für die romtreue Untergrundkirche, der das Recht eingeräumt wurde, aufgrund der Notsituation und der erschwerten Kommunikationsmöglichkeiten eigenständig Bischöfe zu weihen. Gleichzeitig bemühte sich Rom um eine versöhnliche Haltung gegenüber der „offiziellen“, staatlich anerkannten Kirche. Die Folge dieser vatikanischen Politik war ein „Vielzahl“ von Bischöfen. In manchen Diözesen gab es zwei oder drei Bischöfe. Den von Rom anerkannten, aber für das Regime „illegalen“ Untergrundbischof und den von Peking ernannten, „offiziellen“ Bischof. Die Übergänge waren fließend, weshalb es auch drei Bischöfe geben konnte, weil ein von Rom anerkannter Bischof sich zu einem bestimmten Moment dem kommunistischen Regime unterwarf, und ein neuer Untergrundbischof geweiht wurde, oder weil ein „offizieller“ Bischof sich mit Rom versöhnte, und die Kommunisten einen neuen „legalen“ Bischof einsetzten.

Chinesische Katholiken
Chinesische Katholiken

Unter diesen Bedingungen gestaltete es sich alles andere als leicht, die Zuständigkeiten der Bischöfe auseinanderzuhalten und die notwendige Seelsorge für die Gläubigen sicherzustellen. Vor allem erfüllten keineswegs alle von der einen oder der anderen Seite ernannten Bischöfe die für dieses Amt erforderlichen Voraussetzungen. Das gilt vor allem für die von Peking ernannten Bischöfe, deren theologische und menschliche Qualitäten zu wünschen übrig lassen. Auch in der Untergrundkirche gab es manchen Fehlgriff.

Mit den erhöhten Kommunikationsmöglichkeiten und kurzen Phasen stärkerer „Öffnung“ durch das Regime revidierte Papst Benedikt XVI. 2007 das Privileg für die Untergrundkirche, ohne Zustimmung Roms Bischöfe weihen zu dürfen. Man hoffte auf ein Entgegenkommen Pekings, das Recht Roms zur freien Bischofsernennung  anzuerkennen. Dazu kam es aber nicht. Nach einem ein kurzen „Tauwetter“ drehte das Regime wieder an der Daumenschraube. Peking ernannte eigenmächtig neue Bischöfe. Ein Schlag ins Gesicht für Rom. Benedikt XVI. reagierte mit der Exkommunikation der neuernannten Bischöfe und aller Bischöfe, die an den illegalen Weihen mitwirkten.

Die „Neue Ostpolitik“

Unter Papst Franziskus begann der Vatikan eine Neuauflage der umstrittenen „Ostpolitik“: ein Dialog mit dem kommunistischen Regime auf Kosten der verfolgten Christen, denn als Preis fordert Peking, daß der Vatikan die Untergrundkirche opfert.

Seit Monaten geht die Rede von einem „Abkommen“ zwischen dem Heiligen Stuhl und der Regierung. Am vergangenen 2. Februar streute  Papst Franziskus den kommunistischen Machthabern Blumen in einem Interview mit einer regimenahen Zeitung. Er lobte die Regierung und erwähnte mit keinem Wort die Frage der Menschenrechte. Er ging auch nicht auf die Unterdrückung der romtreuen Untergrundkirche ein.

Während Papst Franziskus dem Regime schmeichelte, schrieb der China-Missionar Pater Gianni Criveller PIME über dieselben Machthaber:

„Sie haben eine Wüste geschaffen, die sie Ordnung nennen.“

Er kritisierte die „falsche Nachgiebigkeit gegenüber dem Pekinger Regime zum Schaden der chinesischen Katholiken“.

Rom wünscht diplomatische Beziehungen mit Peking und eine „Normalisierung“ der Verhältnisse. Kurz vor seinem Tod 2006 sagte der romtreue Untergrundbischof Anton Li Duan von Xian: „Es besteht keine Notwendigkeit um jeden Preis diplomatische Beziehungen zwischen Regierung und Heiligem Stuhl anzustreben. Erst wenn Peking die volle Religionsfreiheit garantiert, werden wir diplomatische Beziehungen herstellen. Bis dahin sollten wir uns darum sorgen, die Kirche aufzubauen und die chinesische Gesellschaft zu evangelisieren.“

Bischof Li Duan bezahlte seine Treue zu Rom mit 19 Jahren Konzentrationslager. Als er Ende der 80er Jahre rehabilitiert wurde, herrschte gerade ein der Tauwetter-Phasen. Peking war mit seiner Ernennung zum Bischof einverstanden. Zuerst aber holte er sich die Zustimmung Roms. Bischofsweihen ohne Zustimmung Roms lehnte er kategorisch ab.

Kardinal Zens Warnung: Rückkehr „in die Katakomben“

Kardinal Joseph Zen, der emeritierte Bischof von Hong Kong und „graue Eminenz“ der chinesischen Untergrundkirche, schlug im vergangenen Juni Alarm. In einem Appell an die Katholiken der Volksrepublik China warnte er vor einem solche Abkommen. Für den Fall, daß Rom das Abkommen unterzeichnen sollte, prophezeite Kardinal Zen eine neue Verfolgungswelle und die Rückkehr „in die Katakomben“. Die Worte des angesehensten Vertreters der chinesischen Katholiken wurden im Vatikan jedoch ignoriert.

Kardinal Zen demonstriert für die Religionsfreiheit in China
Kardinal Zen demonstriert für die Religionsfreiheit in China

Die Verhandlungen zwischen Rom und Peking finden unter Ausschluß der Öffentlichkeit statt. Die chinesischen Katholiken werden von Rom nicht eingebunden. Kardinal Zen sprach im vergangenen Sommer von einem „falschen Weg“. Er tadelte jene, die „auf der Seite der Regierung stehen“ und „die Opportunisten in der Kirche“. Er forderte die besorgten Untergrundkatholiken auf, „Ruhe zu bewahren“ und sich „nicht verwirren zu lassen“. Zugleich sagte er aber auch, daß sie einem „falschen Abkommen keinen Gehorsam schulden“.

Wie dramatisch Kardinal Zen die Lage einschätzt, geht aus deinen Worten an die romtreuen Katholiken Chinas hervor:

„In Zukunft ist zu befürchten, daß Ihr keinen öffentlichen Platz mehr für das Gebet haben werdet, aber Ihr werdet zu Hause beten können. Und selbst wenn es keine Möglichkeit mehr geben sollte, die Sakramente zu empfangen, wird der Herr Jesus dennoch in Eure Herzen kommen; und wenn es nicht mehr möglich sein sollte, das Priestertum auszuüben, bedenkt: Der Priester bleibt Priester für immer.“

Im August wiederholte der Kardinal seine Warnungen vor der angestrebten Annäherung zwischen Rom und Peking.

Rom überläßt Bischofsernennungen der Kommunistischen Partei

Am 2. September schrieb der bekannte Vatikanist Sandro Magister über die „Neue Ostpolitik“: „Papst Franziskus vergibt auch Maos China“. Das neue vatikanische Motto laute: „Akzeptieren, lächeln, vorwärtsgehen“, so Magister.

In der Tat machte Papst Franziskus dem Regime so weitgehende Zugeständnisse, daß er die Ernennung von Bischöfen de facto der Kommunistischen Partei Chinas übertragen hat. Rom erkannte das Ernennungsrecht durch die Patriotische Vereinigung und die ebenfalls regimehörige Konferenz der katholischen chinesischen Bischöfe an. Diese sind aber keine eigenständigen, schismatischen Organisationen, sondern lediglich Vorfeldorganisationen der KPCh. Wer also Bischof wird, bestimmen damit kommunistische Parteigremien.

Da sich der Vatikan selbst aus dem Rennen genommen hat, haben die Untergrundbischöfe keine Möglichkeit mehr, auf Bischofsernennungen einzuwirken. Vorschläge nach Rom zu schicken, das auf Ernennungen verzichtet, ist zwecklos. Eine Mitwirkung im Rahmen der regimehörigen Organisationen ist undenkbar. Selbst wenn die Untergrundbischöfe in die Konferenz der katholischen chinesischen Bischöfe eintreten würden, könnten sie ihre Befugnisse nicht ausüben, da diese Organisationen nur Fassaden sind, während die Entscheidungen im zuständigen Parteibüro fallen.

„Vergewaltigung unserer Gewissen“

Da Rom ein Abkommen mit Peking will, ist ein Preis dafür die Anerkennung der regimehörigen Vereinigungen durch die Untergrundkirche. Diese hat jahrzehntelang gegen diese Vereinigungen ausgeharrt und dem staatlichen Druck getrotzt. Eine nunmehrige Anerkennung und Unterwerfung unter die Patriotische Vereinigung wird vom größten Teil der Untergrundkirche entschieden abgelehnt. Wenn Rom eine solche Anerkennung verlange, sei das „eine Vergewaltigung unserer Gewissen“, zitierte Asianews Untergrundvertreter.

Das Leiden der Untergrundchristen in China interessiert jedoch im Westen kaum jemand. Wenn Rotchina eine Rolle spielt, dann in wirtschaftlicher Hinsicht. Daher ist im Westen nur wenig bekannt über das Schicksal der verfolgten Christen im kommunistischen Großreich.

Durch die neue Vatikanlinie verbreitet sich unter den Untergrundkatholiken das Gefühl im Stich gelassen zu werden. In Teilen der Untergrundkirche ist die Verzweiflung so groß geworden, daß zur „Nothilfe“ gegriffen wird. Diese „Nothilfe“ droht die Lage noch verworrener zu machen, als sie es ohnehin bereits ist.

Verworrene Lage: drei unterschiedliche Ebenen

Um die Lage der Katholiken in der Volksrepublik China zu verstehen, gilt es sich vor Augen zu halten, daß es drei verschiedene Akteure und Ebenen gibt, die teilweise ineinander fließen.

Christenverfolgung in der Provinz Zhejiang: Zerstörung christlicher Symbole und von Kirchen
Christenverfolgung in der Provinz Zhejiang: Zerstörung christlicher Symbole und von Kirchen

Es gibt auf der einen Seite die eigentliche romtreue, römisch-katholische Kirche, die sich seit bald 70 Jahren im Untergrund befindet und der ständigen Verfolgung ausgesetzt ist. Mehrere ihrer Bischöfe befinden sich im Gefängnis oder in Konzentrationslagern (Arbeits- oder Umerziehungslager genannt). Gleiches gilt für Untergrundpriester. Die Bischöfe und Priester der Untergrundkirche wurden daher, aufgrund des erwähnten Privilegs, mit nachträglicher Zustimmung des Vatikans im Untergrund geweiht.

Ihr Gegenspieler ist die Patriotische Vereinigung, eine vom Regime eingesetzte regimehörige Organisation, der laut kommunistischer Forderung zwangsweise alle chinesischen Katholiken angehören sollten. Das Regime ernennt Bischöfe ohne Zustimmung Roms und läßt sie durch andere regimehörige Bischöfe weihen, die ihrerseits Priester weihen. Der Vatikan erkannte diese Weihen bisher nicht an. Für den Staat ist diese von Rom abgelehnte Organisation die offizielle katholische Kirche in China.

Dazwischen gibt es eine dritte Ebene, die auf ein erhofftes Tauwetter, zuletzt unter Papst Benedikt XVI., zurückgeht. Es handelt sich um von Peking und von Rom anerkannte Bischöfe, die also nicht im Untergrund wirken müssen.

Über allen lastet natürlich die ständige Beobachtung durch das Regime.

Spaltung der Untergrundkirche

Im vergangenen September kam noch eine vierte Ebene dazu. Am 11. September ließ sich der Untergrundpriester Dong Guanhua aus Protest gegen die „Neue Ostpolitik“ des Vatikans, ohne Zustimmung des Heiligen Stuhls, zum Untergrundbischof weihen. Damit zerfällt auch die Untergrundkirche in rechtlicher Hinsicht in zwei Teile: in von Rom anerkannte und von Rom nicht anerkannte Untergrundbischöfe. Die Bischofsweihe von Dong Guanhua ist unrechtmäßig erfolgt, aber gültig.

Er beruft sich auf einen „Notstand“, weil der Vatikan im Zuge der Annäherung an Peking auf eigenständige Bischofsernennungen verzichtet und die Ernennungen dem Regime überläßt.

Viele Untergrundbischöfe verurteilten die Entscheidung Dong Guanhuas und sprechen von einem „isolierten“ Fall. Seine Bischofsweihe ist zugleich ein Symptom für die Unruhe, die durch die „Neue Ostpolitik“ des Vatikans unter Chinas Katholiken entstanden ist.

Bischof Guanhua ist entschlossen, seinen Weg „zum Schutz der chinesischen Katholiken“ fortzusetzen. Er gab seine Bereitschaft bekannt, weitere Untergrundpriester zu Bischöfen zu weihen, um das „Austrocknen der Kirche Christi in China und ihre Auslieferung“ an das kommunistische Regime zu verhindern.

Exkommunikation

Der romtreue Bischof Jia Zhiguo von Zhengding gab zwei Tage nach der Bischofsweihe von Dong Guanhua bekannt, daß Bischof Guanhua und der ihn weihende Bischof gegen Canon 1382 des Kodex des Kirchenrechtes verstoßen haben und daher latae sententiae exkommuniziert sind.

Schreiben von Bischof Zhiguo: "Bischof Dong Guanhua ist exkommuniziert"
Schreiben von Bischof Zhiguo: „Bischof Dong Guanhua ist latae sententiae exkommuniziert“

Bischof Zhiguo versicherte zugleich Rom seiner Treue. „Selbst wenn Papst Franziskus seine Strategie gegenüber der chinesischen Regierung ändert, und selbst wenn diese Änderung nicht zum Nutzen der Untergrundgemeinschaft ist, werden die meisten Untergrundbischöfe nicht solche absurden und anmaßenden Handlungen setzen“ wie Bischof Guanhua, schrieb ein Untergrundpriester am 12. September, dem Tag nach der unrechtmäßigen Bischofsweihe in einem Brief, der von Asianews veröffentlicht wurde.

Die Lage der katholischen Kirche in der Volksrepublik China wird, wie die jüngsten Entwicklungen zeigen, nicht leichter. Der seit den 80er Jahren erhoffte Lichtblick läßt weiterhin auf sich warten. Währenddessen geht die Christenverfolgung in manchen Provinzen, besonders in der Provinz Zhejiang, wo die Christen zahlenmäßig besonders stark sind, mit unverminderter Härte weiter.

Im vergangenen April fand seit 15 Jahren das ranghöchste Treffen kommunistischer Staatsvertreter zum Thema Religion statt. „Kein gutes Zeichen“, wie es seither von katholischen Vertretern in Hong Kong heißt. Dort geht man vielmehr davon aus, daß Peking eine „zweite Kulturrevolution“ zur Dezimierung der Religion vorbereitet.

Staats- und Parteichef Xi Jinping forderte in seiner Rede die „Sinisierung der Religionen“ und ihre kategorische Unterordnung unter die Kommunistische Partei, „um die Position der Partei zu stärken“. Er warnte zugleich alle Parteimitglieder:

„Sie haben ihre Werte und ihren Glauben nicht in Religionen zu suchen, sondern haben mit Standhaftigkeit marxistische Atheisten zu bleiben“.

Bereits zur Amtseinführung von Xi Jinping im Jahr 2014 hatte der Vorsitzende des Ausschusses für ethnische und religiöse Angelegenheiten des Nationalen Volkskongresses, Zhu Weiqun in der parteikontrollierten Tageszeitung Huánqiú shíbào geschrieben: Wenn die Mitglieder der Kommunistischen Partei Christen werden, „könnten wir uns nicht mehr Kommunistische Partei Chinas nennen. Alles würde zusammenbrechen“. Weiqun wiederholte seine Warnung und rief in Erinnerung, daß es Parteimitglieder kategorisch verboten ist, einer Religion anzugehören. Namentlich nannte er in seiner Warnung nur das Christentum. Könnten Parteimitglieder das Christentum annehmen, „würden alle Ideologien, Theorien und Organisationen zusammenbrechen“.

Im Vatikan hoffen Papst und Staatssekretariat auf einen „Frühling“. In Hong Kong spricht Kardinal Zen von einem bevorstehenden „Winter“.

Text: Giuseppe Nardi
Bild: Asianews

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1 Comment

  1. Für Franziskus gilt in China dasselbe wie anderswo: Die Kirche unterwirft sich dem Staat. Und die Gläubigen sind diesem Ungeheuer ausgeliefert.

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