Erste Heilige Messe in Karakosch (Ninive-Ebene) seit der Befreiung vom Islamischen Staat (IS)

Vorbereitungen für die erste Heilige Messe in der vom Islamischen Staat (IS) verwüsteten Kathedrale von Karakosch
Vorbereitungen für die erste Heilige Messe in der vom Islamischen Staat (IS) verwüsteten Kathedrale von Karakosch

(Bagdad)  Der syrisch-katholische Erzbischof Petros Mouche besuchte Baghdeda, auch Karakosch genannt, die größte christliche Stadt in der Ninive-Ebene im Norden des Iraks. In der Bischofskirche zelebrierte er die erste Heilige Messe. Am 18. Oktober hatten irakische Verbände die Stadt vom Islamischen Staat (IS) zurückerobert.

Die islamische Dschihadmiliz hatte Karakosch Anfang August 2014 eingenommen und die Christen vertrieben.

Erstmals erklangen wieder die Heiligen Hymnen in aramäischer Sprache

Die Stadt ist von Kriegswunden übersät. Das Gelände ist zu entminen, bevor die Bevölkerung in die Stadt zurückkehren kann. Auf der Kirchenmauer prangt noch die Aufschrift „Islamischer Staat“.

Die Kathedrale der Unbefleckten Empfängnis weist zahlreiche Schäden auf, die von der zweijährigen Besetzung durch die Dschihadisten künden. Zum ersten Mal seit 27 Monaten erklangen in ihr wieder die Heiligen Hymnen in aramäischer Sprache.

Erzbischof Yoanna Petros Mouche
Erzbischof Yoanna Petros Mouche

Msgr. Yoanna Petros Mouche ist syrisch-katholischer Erzbischof von Mossul, Kirkuk und ganz Kurdistan. „Diese Kirche ist für uns ein Symbol“, sagt der 1943 in Karakosch geborene Metropolit. „Ich sage es mit aller Deutlichkeit: Wenn wir die Kirche nicht so vorgefunden hätten, wenn sie zerstört wäre, dann würden die Leute gar nicht mehr zurückkehren wollen.“

Begleitet von vier Priestern besuchte der Erzbischof die Stadt eine Wochen nach ihrer Befreiung vom Islamischen Staat (IS). In der verwüsteten Kirche zelebrierte er die erste Heilige Messe seit der Flucht der Christen. In seiner Predigt wandte er sich direkt an die Dschihadisten, die in dieser Stadt, seiner Geburtsstadt, gebrandschatzt und eine Spur der Zerstörung hinterlassen haben.

„Wir haben uns heute hier versammelt, um den Auftakt zu setzen, diese Stadt von allen Spuren des Islamischen Staates zu reinigen, vom Haß zu reinigen, dessen Opfer wir alle geworden sind.“ Und weiter: „Es gibt nicht große und kleine Menschen, nicht Könige und Sklaven. Diese Mentalität muß verschwinden.“

„Der Weihrauch beginnt die Kirche wieder in Besitz zu nehmen“

„Die blauen Augen des Bischofs betrachten lange Zeit jeden Teil der Kirche, jede heilige Darstellung, jede Zerstörung und jeden Einzelnen der kleinen Schar, die der Heiligen Messe beiwohnen: es sind Soldaten der christlichen Milizen und Vertreter der Stadt. Der Weihrauch begann die Kirche wieder zu erfüllen und ‚in Besitz zunehmen‘. Jeder Blick zeigt ein Bild der Zerstörung und jeder Schritt in der Kirche erinnert an den Krieg: Unter den Füßen knirschen Asche, Staub und verkohltes Holz“, schrieb Asianews.

In der Stadt sieht man Soldaten, aber noch keine Bevölkerung. Überall sind die Spuren des Krieges sichtbar: ausgebrannte Fahrzeuge, Schuttberge, zerschossene und vom Ruß geschwärzte Hausfassaden. Noch immer sind ab und zu Schüsse zu hören. Der Lärm der Kampfflugzeuge ist nicht weit.

Für Pater Mjeed Hazem, einem der Priester, die den Erzbischof nach Karakosch begleiteten, steht fest: „Das ist ein Neubeginn. Er zeigt der Welt, daß wir Christen ausharren, trotz aller erlittenen Ungerechtigkeiten.“

Im Vorhof der Kathedrale sieht man eine künstliche geschaffene Hecke und gegenüber einige Puppen. Hier hat der Islamische Staat (IS) Schießübungen durchgeführt. „Sie haben vor nichts Respekt“, sagt Imad Michael. Der 71 Jahre alte Christ gehört zur Kommandoebene einer christlichen Miliz zum Schutz der Ninive-Ebene. Sie hat die Aufgaben einer Hilfspolizei übernommen, da es in der Stadt noch keine reguläre Polizei gibt. „Das sind keine Muslime, sondern Ungläubige“, unterstreicht Imad Michael seine Aussage, während er seine Kalaschnikow fest umklammert.

„Dann beginne ich mit dem Wiederaufbau“

Neben ihm steht der 40 Jahre jüngere Michael Jelal. Er hat sein Sturmgewehr geschultert. „Früher hatte ich viele Freunde“, sagt der 21 Jahre alte Christ. Es legt sich Traurigkeit über sein Gesicht: „Nun sind viele tot oder ins Ausland geflüchtet“. Er hoffe, so Michael Jelal, daß bald wieder Leben in die Stadt zurückkehrt und sie wiederaufgebaut wird.

„Viele humanitäre Organisationen sind gekommen“, sekundiert ihm Imad Michael, „und haben uns angeboten, in den Libanon, nach Australien oder Kanada auszuwandern. Wir haben aber abgelehnt. Wir wollen, daß unsere Familien zurückkehren. Wir wollen auch, daß jene zurückkehren, die ins Ausland gegangen sind.“

Vorerst ist einiges zu tun. Das Stadtgebiet wurde von den Dschihadisten zum Teil vermint. Die Aufräumarbeiten werden viel Zeit in Anspruch nehmen. Eine nahe Kirche wurde von den Islamisten als Werkstatt zur Herstellung von Bomben mißbraucht. „Wir werden sie reinigen“, sagt Imad Michael.

„In ihrem Herzen wünschen die Menschen, zurückzukehren“, so Erzbischof Petros Mouche. Zuerst aber müsse Sicherheit garantiert werden. Der Metropolit selbst lebt derzeit noch in der kurdischen Erbil im Exil.

Für die Zivilbevölkerung ist der Zutritt zur Stadt vorerst untersagt. Vor einer Woche wurde in er Umgebung noch gekämpft. Bald werden die ersten Christen zurückkehren. „Mein Haus wurde niedergebrannt. Ich will es einfach sehen“, sagt ein Familienvater, der im August 2014 mit seiner ganzen Familie vertrieben wurde. „Ich weiß nicht, was mich erwartet, aber ich will es sehen. Dann beginne ich mit dem Wiederaufbau.“

Text: Asianews/Giuseppe Nardi
Bild: Asianews/MiL

drucken

Wenn Ihnen dieser Artikel gefallen hat:
Unterstützen Sie bitte Katholisches.info mit einer Spende.
Zuwendungsübersicht