Franziskaner lassen Kloster auf, Gläubige der Tradition wollen Kirche übernehmen – Modell für die Zukunft?

Kirche San Francesco di Assisi von Forlí: Gläubige des überlieferten Ritus wollen Erhalt der Kirche sichern
Kirche San Francesco di Assisi von Forlí: Gläubige des überlieferten Ritus wollen Erhalt der Kirche sichern

(Rom) In der Stadt Forlí in der Romagna wird mangels Berufungen das Kloster des Franziskanerordens aufgelassen. Ein Ereignis, das auf schmerzliche Weise zahlreiche Orte in weiten Teilen Europas trifft. Der Orden und die Diözese suchen nach einer „geeigneten und angemessenen“ Nutzung für die Kirche und das Kloster. Die örtliche Gemeinschaft von Gläubigen des überlieferten Ritus unterbreitete dem Bischof einen Vorschlag, mit dem der Fortbestand der Kirche gesichert werden könnte.

Die „Freunde der katholischen Tradition“ haben den Bischof gebeten, ihnen die dem heiligen Franz von Assisi geweihte Kirche für die Liturgie im überlieferten Ritus zu übertragen. Im Gegenzug würden die „Freunde“ für den Erhalt der Kirche aufkommen. Die Kirche solle, so der Wunsch, der ständige Meßort in der überlieferten Form des Römischen Ritus in der Bischofsstadt werden, ebenso für Andachten, Eucharistische Anbetung und das Rosenkranzgebet. Die „Freunde der katholischen Tradition“, so heißt es im Schreiben an den Bischof, können einen Chor für die polyphone Kirchenmusik und eine Choralschola stellen.

Forlí wurde durch die Pippinische Schenkung im 8. Jahrhundert Teil des Kirchenstaates. Die Franziskanerkirche wurde 1430 von einer frommen Bruderschaft der Stadt errichtet und dem Heiligen Antonius von Padua geweiht. Ab dem 16. Jahrhundert wurde die Kirche für zwei Jahrhunderte vom Jesuitenorden betreut. Nach der Aufhebung des Ordens 1773 wurde sie vom Bischof von Forlí den Augustiner-Chorherren von Fornò übertragen, die sie nur kurze Zeit bis zur Besetzung der Stadt 1797 durch französische Revolutionstruppen betreuen konnten. Die Kirchenfeind machten aus der Kirche ein Magazin. Nach dem Ende der Napoleonischen Ära wurde ein Theater daraus, bis sie 1879 abgebrochen wurde. Erst jetzt konnte das Gelände für die Kirche zurückgewonnen werden, indem der Franziskanerorden das Grundstück kaufte und die Kirche im neoklassizistischen Stil wieder aufbaute. 1885 geweiht, konnte  1895 der Glockenturm wiedererrichtet und der Hochaltar des aufgehobenen Dominikanerklosters gerettet und in der Franziskanerkirche neu aufgerichtet werden.

Die Franziskaner lassen den Konvent auf.
Die Franziskaner lassen den Konvent auf.

„Die Gemeinschaft der Gläubigen des überlieferten Ritus von Forlí ist beispielgebend“, schreibt die traditionsverbundene Seite Messa in Latino. „Für die Angehörigen der Gemeinschaft stellt die Bereitschaft, den Erhalt der Kirche zu übernehmen, eine Belastung dar, zu der sie nicht bereit wären ohne die Liebe für Christus“. Die Familien der Freunde der katholischen Tradition schreiben gerade eine Seite, die beispielgebend für die Zukunft zahlreicher Kirchen und Klöster sein könnte, die von Orden aus Mangel an Berufungen oder von den Diözesen durch Pfarrzusammenlegungen aufgegeben werden.

Text: Giuseppe Nardi
Bild: MiL

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1 Kommentar

  1. Eine Kirche erhalten – das wird auch viele finanzielle Opfer mit sich bringen. Dass dazu „die Gemeinschaft der Gläubigen des überlieferten Ritus von Forlí“ bereit ist, zeugt von ihrer Glaubensstärke und nötigt große Bewunderung ab. Nun bleibt nur noch abzuwarten, ob der Bischof von Forli dies auch so sieht und auf das großzügige Angebot dieser Gläubigen eingeht.
    Ich würde es ihnen gönnen.

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