Die Militia Immaculatae

Maximilian Kolbe
Maximilian Kolbe

Von P. Karl Stehlin

Am 14. August dieses Jahres begingen wir den 75. Jahrestag des heroischen Todes des hl. Maximilian Kolbe im KZ Auschwitz. Es war in meinem ersten Seminarjahr 1981, als die Leitung der katholischen Jugendbewegung (KJB) in Deutschland ein Heft herausgab, welches dem Leben und apostolischen Wirken des hl. Maximilian Kolbe gewidmet war. Wir Seminaristen waren begeistert, diesen Heiligen unserer Zeit kennen zu lernen, der dem traditionellen Glauben so absolut treu und so eifrig im Apostolat war, und gleichzeitig mit den damals modernen technischen Mitteln arbeitete. Ein Heiliger, der auch in der heutigen Zeit junge Leute fasziniert.

Aber erst als ich 1994 überraschenderweise nach Polen berufen wurde, um dort das Werk der katholischen Tradition zu beginnen, entdeckte ich wirklich, wer der hl. Maximilian Kolbe und seine Militia eigentlich waren. Das Studium seiner Briefe und Vorträge in seiner Muttersprache ließen mich sein universales Genie entdecken: kontemplativ und aktiv zugleich, ein Theologe der tiefsten Mysterien Mariens und ein Meister der Organisation, der die modernen technischen Mittel und Erfindungen benutzte, um unsere Königin unter Millionen von Leuten bekannt und beliebt zu machen.

Dieser ständig totkranke kleine Mönch gründete eine der wichtigsten marianischen Bewegungen der Welt, eröffnete ohne jegliche materiellen Güter ein Kloster namens „Stadt der Unbefleckten“, welches innerhalb von 15 Jahren mit beinahe 1000 Bewohnern zum größten Kloster der Welt seit dem Mittelalter heranwuchs. Nicht zufrieden damit, die Herzen der Menschen im Vaterland in Liebe zu Maria entflammt zu haben, ließ er sich in die Mission ins ferne Asien entsenden, mit dem Wunsch ihr „eine Milliarde Seelen“ zu Füssen zu legen. Am Ende folgte auf sein heroisches Leben sein heroischer Tod im Hungerbunker von Auschwitz: Er starb für einen Mitgefangenen, einen Familienvater.

Als wir uns 1998 in Warschau niederließen, um das erste Priorat zu eröffnen, war es klar, daß wir dem nahegelegenen Niepokalanow, der Stadt der Unbefleckten, einige Besuche abstatteten. Es war, als ob wir dem Heiligen selbst begegneten, als wir die Überreste dieses gigantischen Apostolats betrachteten. Es war eine einmalige Erfahrung mit den älteren Brüdern, die ihn persönlich kannten, lange Unterhaltungen zu führen. Indes mußten wir auch die andere Seite der MI kennen lernen: Die Stätte war voller charismatischer Bewegungen, der Buchladen gefüllt mit sehr liberalen und modernistischen Büchern; wir waren oft Zeuge von liturgischen Zeremonien und Treffen, bei welchen sich ganze Menschenmassen erregten Gefühlsausbrüchen hingaben, wie man sie in jedem Open-Air Rock-Konzert findet.

1997 wurden auch die neuen Statuten der MI veröffentlicht, die von den ursprünglichen sehr verschieden waren. Eines der bestverkauften Bücher war ein Buch des General-Moderators der MI, Pater Simbula, der den heiligen Gründer wegen seiner „Engstirnigkeit“ und seines „Festklammern an der Meinung seiner Zeit“ hart kritisierte. Als wir die älteren Brüder, die den Heiligen noch kannten, über diese Veränderungen befragten, hörten wir sie oft traurig sagen: „Jetzt ist alles anders.“

Zur selben Zeit traten einige junge Gläubige an uns heran und fragten, ob wir nicht die Militia Immaculatae wieder neu beginnen könnten, so wie sie der hl. Maximilian gegründet hatte. Da das katholische Polen seit den 20er Jahren von der MI stark beeinflußt war, sollte die Wiedergründung in demselben Geist sein, in welchem der heilige Gründer sie errichtete.

In dieser Zeit entdeckte ich noch tiefere Aspekt der Militia und ihres heiligen Gründers und erkannte, daß diese Bewegung einzigartig ist und perfekt angepasst für unsere Zeiten; aus den folgenden Gründen:

  1. Wie der Name bereits zu erkennen gibt, erinnert die Militia Immaculatae an die Streitende Kirche, an die wahre katholische Kirche auf Erden, an ihren permanenten Kampf gegen das Böse, die Sünde und den Irrtum. Seit 50 Jahren sind diese wesentlichen katholischen Motive aus den Köpfen der Gläubigen verbannt, stattdessen werden sie angehalten, nach einem universellen Frieden und gegenseitigem Respekt aller Religionen zu streben. Was das Schlimmste ist: Seitdem sind die ewigen und wichtigsten Wirklichkeiten bezüglich Himmel, Hölle, Fegfeuer, Tod, Gericht, Kampf gegen den Teufel und Bekehrung vom Irrtum zur einzig wahren katholischen Kirche weitgehend aufgegeben und ersetzt worden durch den Wunsch nach Vereinigung der ganzen Welt in gegenseitigem Verständnis und Frieden. Die freimaurerische neue Weltordnung wurde zum Ideal vieler Katholiken.Gegen diese modernistische Seuche, gegen den Pazifismus unserer Zeit, erscheint die MI wie ein Heilmittel und eine strenge Mahnung zum einzig wahren Blickwinkel: Wir sind auf Erden, um für die Rettung der Seelen zu kämpfen. Sie betont den ewigen Wert und die richtige Nutzung unserer kurzen Zeit auf Erden. Sie ist in ihrer Definition anti-ökumenisch, da sie die Bekehrung aller Andersdenkenden, aller falschen Religionen zur einzig wahren Kirche anstrebt.
  2. Dieser in unserer Zeit so notwendige Gedanke an den geistlichen Kampf weckt den Enthusiasmus von großherzigen Seelen, vor allem der Jugend, um sich für ein großartiges und faszinierendes Ideal hinzugeben. In unserer individualistischen Zeit sind wir in großer Gefahr, uns in unsere eigene spirituelle Behaglichkeit zu verschanzen, selbstsüchtig zu werden und das religiöse Leben als bloß private Angelegenheit zu betrachten. Nach so einer langen Periode der schrecklichen Kirchenkrise sind wir in Gefahr zu vergessen, daß wir der heiligen Mutter Kirche angehören und für alle Mitglieder des mystischen Leibes Christi verantwortlich sind. Die MI hilft uns, das neue Gesetz unseres Herrn tiefer zu verstehen: „unseren Nächsten zu lieben, wie er ihn geliebt hat“; das bedeutet alles zu tun, was in unserer Macht steht, um die Seelen, die der ewigen Verdammnis entgegen rennen, zu retten.Wir werden jedes Mal dankbar und glücklich sein, wenn jemand in der Kirche zu den wahren Werten zurückkehrt und uns danach sehnen, der Immaculata und mit ihr die katholische Tradition an jeden Ort zurückzubringen, angefangen von der kleinsten Pfarrgemeinde bis zum Vatikan. Wir werden nicht auf die armen geistig kranken Seelen zeigen und mit Verachtung sagen: „Mit so einem Häretiker will ich nichts zu tun haben!“, sondern wir werden alles unternehmen, um sie durch die Immaculata zur unveränderlichen Wahrheit unseres Herrn Jesus Christus zu führen!Die MI gibt uns die wahre Identität als Katholiken zurück und hilft uns, unsere Rolle hier auf Erden besser zu verstehen, wahre Soldaten Christi zu werden und für die Ausbreitung seines Königreiches auf Erden zu kämpfen. Um diese Lebensaufgabe erfüllen zu können, haben wir das Sakrament der Firmung empfangen. Die Militia Immaculatae ist nicht so sehr eine weitere Bewegung und Vereinigung unter Vielen mit ihren Gebeten und Praktiken, sondern sie ist wesentlich ein neues Lebensgesetz, welches festlegt: Alles was du tust, tust du als Instrument in den Händen Unserer Lieben Frau, als Ritter in ihrer Armee, um den Feind anzugreifen, indem du ihn bekehrst und so das Reich des heiligsten Herzen Jesu ausbreitest. Wenn dieses Gesetz unser ganzes Leben durchdringt, werden wir unsere Zeit nicht mehr mit unwichtigen Dingen vergeuden, sondern unsere kurze Erdenzeit mit einem Maximum an großmütigen Taten – an ewigen Taten durch die Rettung der Seelen – zubringen.Ein weiterer faszinierender Aspekt: Diese Bewegung brennt darauf, die modernsten Mittel in den Dienst der Immaculata zu stellen. Sie führt den zeitgenössischen Menschen dazu, eine neue, eine katholische Einstellung den Massenmedien gegenüber einzunehmen, die größtenteils von den Kräften der Finsternis als machtvolle Mittel für die schlimmsten Versuchungen mißbraucht werden. Gleichzeitig jedoch gründet sie tief im Geist des Gebets und Opfers als den wichtigsten Waffen des Ritters, um Seelen zu retten. Sie erfüllt die Forderungen Unserer Lieben Frau von Fatima nach Gebet und Opfer: „Viele Seelen kommen in die Hölle, weil es niemanden gibt, der für sie betet und opfert.“ Zudem sind die Methoden des apostolischen Gebets nach dem hl. Maximilian perfekt für die heutige Zeit angepaßt, um ein gutes Gebetsleben zu führen.Der wichtigste Punkt jedoch besteht darin, welchen Platz Unsere Liebe Frau, die Immaculata, in unserem Leben einnimmt. Die MI erfüllt im konkreten täglichen Leben die Forderungen des hl. Bernhard und aller marianischen Heiligen, vor allem der vollkommenen Andacht nach dem hl. Ludwig Maria Grignion, die lehren, daß man alle Dinge durch, mit, in und für Maria tun soll. Sie setzt die großen Wahrheiten ihrer Unbefleckten Empfängnis und vor allem ihre Rolle als Vermittlerin aller Gnaden der Rettung und Heiligung aller Menschen in die Praxis um. Sie hilft dem Ritter, die Wichtigkeit der Immaculata in seinem persönlichen Leben zu verstehen und vor allem ihrer Bitte nachzukommen, ihr zu helfen, ihre geliebten Kinder, die in Irrtum und Sünde verstrickt sind, vor der ewigen Verdammnis zu retten. Auf diese Weise lernt der Katholik täglich, was für eine Rolle er in der Welt spielt und wie wichtig er in der bedeutendsten Aufgabe ist, die ein Mensch auf Erden haben kann: dem Nächsten „alles Gute“ zu schenken – die ewige Glückseligkeit. Gleichzeitig lehrt sie ihn die notwendige Demut: Alleine vermag er nichts, aber als ihr Instrument, als ihr treuer Ritter, vermag er alles!

Noch nie wurde eine solche Bewegung gegründet. Sie birgt die Universalität ihres heiligen Gründers: gleichzeitig völlig kontemplativ und aktiv, das individuelle Bemühen respektierend und große Massen gewinnend; sie verbindet die Idee der höchsten intellektuellen Tätigkeit (Akademie der Immaculata) mit der ganz konkreten Verwirklichung, den ewigen unveränderlichen katholischen Glauben in seiner 2000-jährigen Tradition mit den modernsten Fähigkeiten und Erfindungen unserer Zeit.

Der Generalobere der Priesterbruderschaft St. Pius X. stimmte mit den vorgebrachten Argumenten überein und erlaubte die Gründung der MI in ihrer traditionellen Observanz in Polen. Am 6. Mai 2000 wurden ca. 50 katholische Gläubige zu den ersten Rittern der Immaculata. Die Früchte dieser Gründungen folgten unmittelbar: ein Wachstum an Großherzigkeit unter den Rittern, ein regelmäßiges Gebetsleben, ein apostolischer Geist, der sich vor allem in einer intensiven Verbreitung des schriftlichen Apostolats (Hefte, Bücher, Broschüren, Flyer) zeigte, welches die katholische Tradition in Polen bekannt machte.

Dank der Veröffentlichung der Texte des hl. Maximilian Kolbe, erkannten viele Katholiken den immensen Unterschied, ja sogar Widerspruch, zwischen der Erneuerungen im Geiste des 2. Vatikanums und der Spiritualität der ersten 50 Jahre der MI.

2002 wünschten die traditionellen Kapuzinermönche von Morgon der MI beizutreten und gründeten diese in Frankreich. 2004 gründete der erste amerikanische Priester die MI in den USA, gefolgt von der Schweiz im Jahre 2006. 2014 wurde die MI auch in Deutschland gegründet und erfreut sich einer großen Nachfrage, die weit über die Reihen der katholischen Tradition hinausgeht – ganz besonders durch das Apostolat der Verbreitung der Wundertätigen Medaille. In den letzten Jahren interessierten sich immer mehr Gläubige für die MI und so hat sich die Zahl der Ritter innerhalb von 3 Jahren von 5.000 (2013) auf 15.000 (2016) verdreifacht. Sie hat bereits auf allen Kontinenten Fuß gefaßt.

Als 1917 gigantische antichristliche Heere in der Welt aufkamen (Freimaurerei in Rom, Kommunismus in Moskau), antwortete Unsere Liebe Frau mit Fatima und der Gründung der MI. 2017 feiern die antichristlichen Armeen ihren Geburtstag als Symbol des Triumphes ihrer Macht über die ganze Welt. Denken Sie nicht, daß Unsere Liebe Frau wiederum wünscht, darauf mit ihrer kleinen Armee, „ihrer Apostel der letzten Zeiten“ (hl. Grignion von Montfort), ihrer ihrem unbefleckten Herzen geweihten Kinder (Fatima), ihrer getreuen Ritter (hl. Maximilian Kolbe) zu antworten?

Jedem Katholiken steht es offen, Ritter der Immaculata zu werden. Weitere Informationen finden Sie unter www.militia-immaculatae.info.
Pater Karl Stehlin (FSSPX) ist Direktor der Militia Immaculatae.

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1 Comment

  1. Ich bin seit diesem Frühjahr auch Ritter der Immaculata, da ich ein Gebetsbündnis suchte, welches wenige Treffen erfordert und hauptsächlich auf dem Gebet zur Rettung der Seelen basiert – ganz unter dem Schutzmantel der Muttergottes und für sie. (Seit September sind auch mein Mann und mein ältester Sohn dabei.)
    Ich hatte mich als Kind sehr über den Opfertod Maximilian Kolbes gewundert, über dieses so spontane Einspringen für den Familienvater in den Hungertod. Erst seit ich die Zeitschrift der MI lese, habe ich gelernt, dass dieser sicher von ganzem Herzen vollbrachte spontane Akt der völligen Lebenshingabe gar nicht so spontan war wie es scheint, wenn man wenig über Pater Kolbe weiß.
    Er hat sich bereits ab dem Alter von 10 Jahren auf das Martyrium vorbereitet – wie unbekanntere Quellen aufzeigen.
    So berührt mich das Gebet Pater Kolbes immer wieder neu:
    „Erlaube mir, dass ich dich preise, heiligste Jungfrau. Erlaube mir, dass ich dich mit ganzen Kräften preise. Erlaube mir, dass ich für dich und allein für dich lebe, arbeite und leide, für dich mich selbst verzehre und sterbe. Erlaube mir, zu deiner größeren und vermehrten Verherrlichung beizutragen. Erlaube mir, dir eine soche Ehre darzubringen, wie sie dir noch niemand dargebracht hat. Erlaube mir, dass mich andere im Eifer um deiner Verherrlichung übertreffen und dass ich dann – wie in einem edlen Wettstreit – immer tiefer und rascher deine Ehre ausbreite, immer prächtiger, so wie es der ersehnt, der dich so unaussprechlich über alle anderen Wesen erhoben hat. Amen“
    Pater Pio sagte einmal: „Den Glauben erwirbt man durch gute Werke.“ Das ganze Leben Pater Kolbes war ein Opferleben guter Werke und er war ein großes Vorbild für den polnischen Papst Johannes Paul Il. – im Vertrauen auf die Gottersmutter Maria wie auch in der Verwendung aller zur Verfügung stehenden gegenwärtigen Kommunikationsmittel.

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