Kardinal Walter Kasper: Kommunion für wiederverheiratet Geschiedene? „Ja und Punkt“

Kardinal Walter Kasper als Deuter der Papst-Worte in "Amoris Laetitia". Dürfen wiederverheiratet Geschiedene zur Kommunion? "Ja und Punkt!"

Von Giuseppe Nardi*

(Rom) Das Ergebnis der beiden Bischofssynoden über die Familie ist umstritten. Niemand weiß so recht, was genau das Ergebnis ist. Das nachsynodale Schreiben Amoris Laetitia von Papst Franziskus  im Umfang von 200-300 Seiten, je nach Druck, brachte auch keine Klarheit. Oder doch? Kardinal Kasper versucht als Deuter der Papstworte, etwas nachzuhelfen.

Papst Franziskus: „Ich könnte sagen Ja und Punkt, aber …“

Am 16. April wurde Papst Franziskus auf dem Rückflug von der Insel Lesbos gefragt, ob zivilrechtlich wiederverheiratete Geschiedene nun zur Kommunion gehen dürften oder nicht. Der Papst antwortete: „Ich könnte sagen Ja und Punkt, aber das wäre eine zu knappe Antwort.“ Eine klare Antwort und doch keine klare Antwort. Der Konjunktiv, ein „aber“ und der Verweis auf eine sieben Seiten lange Präsentation von Kardinal Christoph Schönborn als „authentische“ Interpretation.

Kardinal Kasper: „Ja und Punkt“

"Stimmen der Zeit": Kardinal Kasper als Papst-Deuter
„Stimmen der Zeit“: Kardinal Kasper als Papst-Deuter

Kardinal Walter Kasper lieferte in der deutschen Jesuitenzeitschrift Stimmen der Zeit  die Interpretation der Interpretation der Interpretation. Kasper selbst schreibt vom Streit um die Deutungshoheit. Amoris Laetitia, so der Kardinal, erlaube wiederverheiratet Geschiedenen die sakramentale Kommunion „und Punkt“. Ein „neuer realistischer, biblischer und pastoraler Ton“ komme in Amoris Laetitia zum Ausdruck. Die Frage, ob Amoris Laetitia „Bruch oder Aufbruch“ sei, beantwortet der Kardinal auf klare Weise. Es sei natürlich kein Bruch, sondern ein Aufbruch, ja sogar ein Aufbruch zur Wiederentdeckung des heiligen Thomas von Aquin.

Kasper darf in dieser Sache durchaus als authentischer Papst-Interpret gelten. Er war es schließlich, der die ganze Frage ins Rollen gebracht hatte. Die schrittweise Enthüllung der päpstlichen Absichten wie beim Schälen einer Zwiebel ist dabei Teil der Strategie.

Hören und sehen

Wer nämlich hören und sehen wollte, der verstand die Signale spätestens am 20. Februar 2014, als Kardinal Walter Kasper im Auftrag des Papstes vor dem Kardinalskonsistorium die Zulassung der zivilrechtlich wiederverheiratet Geschiedenen zur Kommunion forderte. Von da ließen sich die Spuren bis zum ersten Angelus von Franziskus nach seiner Wahl zurückverfolgen, bei dem er Kardinal Kasper namentlich hervorhob.

Als sich am 20. Februar 2014 eine Reihe von Kardinälen über Kaspers Vorschlag empörten, eilte ihm Franziskus zu Hilfe. Am Morgen darauf trat der Papst selbst vor das Konsistorium und lobte Kasper überschwenglich für dessen Worte: „Danke, danke“, sagte der Papst vor den erstaunten Kardinälen, das sei wahre „Theologie auf den Knien“.

Strategie und viel Taktik

Der Rest seither ist eine klare Strategie mit viel Taktik, um den Widerstand möglichst kleinzuhalten und die Gegner der „neuen Barmherzigkeit“, ebenfalls eine Einflüsterung von Kardinal Kasper, zu spalten in solche, die das Spiel durchschaut haben und offen Widerstand leisten, und solche, die auf den ultimativen Beweis warten, daß der Papst tatsächlich das „Unerhörte“ will, nämlich den Bruch mit der überlieferten Lehre über das Ehesakrament und die Unauflöslichkeit der Ehe. Was aber, wenn dieser normsetzende Beweis nie erbracht wird, während die „Lebenswirklichkeit“ längst ganz andere Bäche bergab schwimmt?

Diesen „ultimativen“ Beweis vermeidet Franziskus offensichtlich und verändert währenddessen durch die Macht des Faktischen das Denken und die Praxis in der katholischen Kirche. Er scheut die direkte Konfrontation, weil er befürchtet, damit zu scheitern. Es gibt auch andere Wege, wie er seither unter Beweis stellt. Den Weg des Sagens und des Nicht-Sagens. Einen Meter vorwärts, einen Meter zurück. Beide großen Flügel der Kirche können sich auf den Papst berufen. Eine „wunderbare“ Form der Neutralisierung. Entscheidend ist jedoch: Wer folgt, der folgt.

Dynamik des Fortschritts

Franziskus setzt auf jene, die ihm folgen. Er geht von einer Dynamik des Fortschritts aus, die zwangsläufig Veränderung bringt. Er will keine Spaltung der Kirche, sondern die ganze Kirche in seinem Sinn umbauen, durch viele größere und kleinere Schritte, durch die Behinderung der Tradition außerhalb des Ecclesia-Dei-Geheges (Absetzung von traditionsverbundenen Bischöfen, kommissarische Verwaltung für die Franziskaner der Immakulata) und die Förderung progressiver, aber nicht zu radikaler Kräfte (Msgr. Galantino, Msgr. Cupich, Kardinal Kasper).

Marktschreierische Modernisten mag er mindestens ebensowenig wie „pelagianische“ Traditionalisten. Daß Letztere weitgehend das Produkt eines Denkfehlers sind, könnte dem Papst inzwischen bewußt geworden sein. Korrigieren läßt sich der Denkfehler dennoch nicht so schnell, weil er mit einer Aversion auf emotionaler Ebene verbunden ist. Die Gründe dafür sind nicht leicht auszumachen. Sie können auf ganz persönliche, schon längere Zeit zurückliegende Erlebnisse oder Beeinflussungen zurückgehen, oder auf die Erwartung des von Papst Johannes XXIII. 1963 versprochenen „neuen Frühlings“ wider die „Unheilspropheten“, die „nichts aus der Geschichte gelernt“ hätten und daher das anbrechende neue Zeitalter nicht erkennen würden. Eine ständige Erwartung, die nicht in Erfüllung gehen will, von der man aber nicht mehr ablassen kann, ohne ein lebensprägendes Denken in Frage zu stellen.

Fatima und Luther

Franziskus will keine äußerliche Revolution, sondern einen systematischen Umbau der Kirche. Eine revolutionierende Evolution dürfte seinem Denken entsprechen. Er will Fatima und Luther. Als Progressiven zieht es ihn deshalb weniger nach Fatima, weil er Fatima bereits hat, dafür um so mehr zu Luther, weil das Neuland ist. An Theologie und Dogmen ziemlich desinteressiert, fühlt er sich mehr durch den Augenblick gefordert und sucht nach der Ad-hoc-Lösung. Das nennt sich „pastoral“ und individuell“. Beide Aspekte fügen sich schmiegsam in das vorherrschende Denken der Welt ein, das jede normative religiöse Lehre unter Generalverdacht stellt.

Fatima, Luther und Papst Franziskus
Fatima, Luther und Papst Franziskus

Daraus ergibt sich der päpstliche Hang zum improvisierten Wort, das größtmöglichen Spielraum läßt.

Damit hat auch die ständige Wiederholung von Anklagen zu tun, wie jene vom vergangenen Montag,  als Franziskus einen eigenwillig betonten Gegensatz in ein Bibelwort hineininterpretierte:

Bei der morgendlichen Predigt in Santa Marta klagte er die „Strenge der Heuchler“ an. Die Menschen dürften „nie Sklaven des Gesetzes“ werden, wobei – wohlgemerkt – das göttliche Gesetz gemeint ist. Die „Strenge“ sei eine „Krankheit“. Dahinter „verberge“ sich „immer“ etwas. „Die Strenge ist nicht von Gott.“ Auch der ältere Bruder, Papst Franziskus nennt ihn den „guten“ Sohn, im Gleichnis vom verlorenen Sohn, den Franziskus den „schlechten Sohn“ nennt, entpuppe sich als „Heuchler“. Der Papst wörtlich: „Er gibt zu erkennen, was hinter seiner Güte steckt“, nämlich „der Hochmut, zu glauben, gerecht zu sein“. Das sei, so Franziskus, die Haltung des „Heuchlers: hinter dem das Gute tun steckt Hochmut“. Der verlorene Sohn wußte, trotz aller Laster und Verstöße „gegen das Gesetz“, im „dunkelsten Moment seines Lebens“ einen Vater zu haben, und er „ging zum Vater“. Der „gute“ Sohn aber, der laut Franziskus von sich selbst behauptet habe, „so gut zu sein“, der habe nur verstanden, einen „Herrn“ zu haben, aber „nie“ einen Vater: „Er war streng, er befolgte das Gesetz mit Strenge“.

Päpstliches Privileg kaum offen kritisiert zu werden

Wenn er es nicht schon vorher wußte, konnte er nach seiner Papst-Wahl schnell feststellen, daß die Welt auf die Macht von Gesten, von Bildern und dem gesprochenen Wort weit mehr reagiert als auf das gedruckte Wort. Wenige lesen es nach und analysieren. Das Privileg, als Papst innerkirchlich kaum der offenen Kritik ausgesetzt zu sein, erlaubt ihm auch widersprüchliche Aussagen ohne ernsthafte Konsequenzen. Das schafft den nötigen Freiraum, situationsspezifisch auf den jeweilig momentanen Adressaten eingehen zu können.

Den Umbau aber betreibt der ehemalige Erzbischof von Buenos Aires über Personalentscheidungen: Absetzungen, Ernennungen, Beförderungen. Zudem bestimmt er das Tempo, das er sich auch nicht durch unduldsame Progressive diktieren läßt. Mehr Eindruck scheint dem Kirchenoberhaupt der Widerstand der „Strengen“ zu machen, die an der Lehre und an den Sakramenten festhalten. Damit hatte er in seiner anfänglichen Euphorie nicht gerechnet. Im Herbst 2014 erklärte er am Vorabend zur ersten Bischofssynode noch allen Ernstes, die Synodalen sollten „den Schrei des Volkes“ hören, der als Schrei für progressive Änderungen zu verstehen war.

Der zweite Hebel zur Umsetzung der päpstlichen Agenda ist die Eröffnung immer neuer Baustellen. Sie sollen Kräfte binden, Unruhe stiften, ihrer Vielzahl wegen zur Resignation verleiten. Franziskus scheint selbst gar nicht ernsthaft daran zu denken, in allen den angestoßenen Punkten Ergebnisse zu erzielen. Es geht ihm auch darum, die Kirche aufzuschrecken und aufzurütteln. Darin ist ihm durchaus zu folgen, wenn damit neuer missionarischer und apostolischer Eifer gemeint ist. Ob er es auf zielführende Weise tut, darf hingegen bezweifelt werden.

Text: Giuseppe Nardi
Bild: Chiesaepostconcilio/SMM (Screenshots)

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23 Comments

  1. Was ich nicht begreife:
    warum gehen diese Leute dann nicht zum evangelischen Abendmahl,wenn die Konfessionen,ja selbst andere Religionen nun so gut wie gleich sind !?
    Ist es kindischer Trotz wie das Erzwingen der Handkommunion oder mehr !?

  2. Feiglinge… dass der Papst den Kasper-Vorschlag haben wollte, war ja anhand der Personalpolitik rund um die zwei Synoden klar. Aber dass er dann nicht den Mumm hat (in ARG würde man vllt cojones sagen), das auch explizit in AL reinzuschreiben, sondern es in eine Fussnote reininterpretierbar macht, an die er sich nicht mehr erinnern können will, das ist feige, unehrlich und auch eine Beleidigung für jeden, der noch gradaus denken kann…

    • Feiglinge? Ist es nicht eher hinterlistige Taktik, die u.a. gezielt-gewollt Verwirrung und Streit unter die Gläubigen zu bringen beabsichtigt?

  3. Kommunion für Wiederverheiratete Geschiedene widerspricht der kirchlichen Lehre, zum gefühlten 100. Mal ist das jetzt zu erwähnen.
    Wenn man sich im Ehebruch, der schweren Sünde fortwährend befindet, ist Kommunionempfang nicht möglich. Punkt.
    Man darf sich nur nicht auf die pseudophilosophischen Gedankengänge eines Theologen Kasper einlassen, denn der versteht es zu gut, mehr zu verwirren als Klarheit zu schaffen.
    Mittlerweile weiß man doch schon, dass der Papst darf sehr wohl kritisiert werden darf. Man weiß auch, warum Kommunion für Ehebrecher nicht kirchenrechtlich möglich ist. Und dennoch wird weiterdiskutiert. Ich verstehe das nicht. Wenn in Rom wirklich intelligente, einsichtige Geistliche am Werk wären, wäre diese ganze Diskussion schon längst abgedreht oder gar nicht erst ermöglicht worden.
    Denn so klug und gescheit(hypothetisch betrachtet) kann kein Geistlicher dieser Erde sein, dass er deswegen ein Recht hätte, die katholische Glaubenslehre zu ändern, und damit der Heiligen Schrift zu widersprechen. Es wäre Häresie, würde jemand das tun.

    • Häresie, das ist doch genau die Antwort, weshalb alles so versteckt geschieht. Die Führung in Rom möchte die Lehre verändern, darf es offiziell jedoch nicht. So stellt man durch eine „pastorale Lösung“ die katholische Welt vor Tatsachen, die nicht mehr rückgängig zu machen sind, wie Volksaltar, Handkommunion etc.
      Der Papst weiss ganz genau, dass die Häresie die einzige Möglichkeit wäre, ihn in seinem Umbau der Kirche zu stoppen. Und diese Häresie umgeht er so geschickt als möglich. Natürlich könnte der Papst Klartext sprechen wenn er wollte, das ist ein abgekartetes Spiel auf jeglicher Ebene das da zur Zeit in Rom läuft.
      Der Papst gibt einen Steilpass, Helfer hat er genügende die dann ausführen.

    • Sie aßen und tranken und heirateten.
      Hm, diese Worte könnten auch auf die Kirche bezogen sein, denn die Katholiken kennen normalerweise nur die Kommunion. In diesen Worten finden sich genau die Themen wieder, die aktuell sind, wie in einem Brennglas.

  4. AL hat nichts Postives im Glauben bewirkt. Entgegen der Proklamationen durch Bischöfe wie Koch, Zollitsch und Lehmann ist die Zahl der Kirchenbesucher nicht gestiegen. Glaube nicht gestiegen, Moral gesunken.

  5. Tja, sie wollen doch immer modern und in der Welt sein. Jedes Führungspersonal wird an seinen Zahlen gemessen. So einfach ist das… Wenn die Zahlen nicht stimmen, geht der Daumen nach unten. Da gibt es keine faulen Ausreden. Die Zahlen steigen dort, wo Leute wie Kardinal Sarah das Sagen haben. Also muss man sich nach denen richten. Eigentlich ganz einfach. Die moderne Kirche will immer mündige Gläubige, also wählen wir die „Erfolglosen“ einfach ab, oder wenden wir uns ganz einfach ab….

  6. Ja, dieses Thema kocht immer wieder neu hoch. Wenn man all diese Berichte und die verschiedenen Personen niederschreiben würde, so glaube ich, erkennt man langsam eine strategische Ausrichtung, die entsprechende Ziele verfolgt. Nach einem solchen längeren „Marketing“ lässt sich das durchaus vermuten, was auch für viele andere Themen gilt. Es scheint der Weg zu der „Einheitskirche“ zu sein. Freimaurer?

    Da fällt mir nur das Zitat vom hl. Pfarrer von Ars ein: „Ihr werdet gedemütigt? Das ist gut so, dann seid ihr auf dem Wege zu Heiligkeit“.

    In einem solchen Hochmut und Stolz hat Kardinal Döpfner damals mit den Handkommunion gehandelt. Wen es interessiert, der suche nach „arme Seele Kardinal Döpfner“.

  7. Nun zeigt sich, dass die Jesuiten noch nie diejenigen waren, für die man sie immer gehalten hat: die Hüter des wahren Glaubens. Das Jesuitische liegt in einer nahezu unbegrenzten Flexibilität, die das Politische einschließt. So wurde aus dem Kampf für den Glauben die bloße Ausgestaltung der innerkirchlichen Macht. Taktik ist das Wesen der verabsolutierten Macht. Die Lehre wird auf ein bloßes Anhängsel reduziert, die dem neuen Menschenbild des jesuitischen Progressismus nicht mehr entspricht. Da man weiß, dass mit einer offenen Relativierung der Lehre die Maske fallen würde, erklärt man die Lehre eben zur Nebensache. Ist erst einmal die Verbindung von Pastoral und Lehre gelöst, ist der „Kreativität“ des jesuitischen Zeitgeistes keine Grenze mehr gesetzt.

  8. Die Antwort von Abbé Claude Barthe zu AL:
    Das alles läßt sich nicht in Einklang bringen mit der natürlichen und der christlichen Moral. Personen, die Kenntnis von der moralischen Norm haben, die sie sub gravi verpflichtet (das göttliche Gebot, das Unzucht und Ehebruch verbietet), deren Sünde kann nicht entschuldigt werden, und deshalb kann von ihnen auch nicht gesagt werden, daß sie sich im Stand der Gnade befinden. Der heilige Thomas von Aquin sagt in einer Quaestio der Summa theologica,…, in der Quaestio 19 von IA und IIÆ: Es ist die Güte eines Objekts, das sich unserem Streben stellt, die eine Willenshandlung gut macht und nicht die Umstände der Handlung (Art. 2), und auch wenn es stimmt, daß die menschliche Vernunft sich irren kann und eine schlechte Handlung für gut halten kann (Art. 5), sind einige Fehler nicht entschuldbar, besonders nicht jener, der mißachtet, daß man sich nicht der Frau eines anderen nähern darf, da dies direkt vom Gesetz Gottes angeordnet ist (Art. 6).
    An anderer Stelle,…, im Quodlibet IX, Quaestio 7, Art. 2 erklärt der heilige Thomas, daß die Umstände nicht den Wert einer Handlung ändern können, aber seine Natur: die Tötung oder die Bestrafung eines Straftäters gehört zur Gerechtigkeit oder der legitimen Verteidigung. Es handelt sich in diesem Fall nicht um ungerechte Gewalt, sondern um eine tugendhafte Handlung. Demgegenüber betont er, daß mit einigen Handlungen die Schlechtigkeit untrennbar verbunden ist, so bei der Unzucht, dem Ehebruch und anderen vergleichbaren Handlungen. Sie können niemals gut werden.
    Ein Kind, das den Katechismus liest, versteht das, sagte Pius XII. in einer Rede vom 18. April 1952, mit der er die Situationsethik verurteilte, die sich nicht auf das universale Moralgesetz stützt, wie die Zehn Gebote, sondern „auf reale und konkrete Bedingtheiten und Umstände, unter denen man handeln muß, und denen gemäß das individuelle Gewissen urteilen und entscheiden muß“.
    Pius XII. erinnerte daran, daß eine gute Absicht nie abzulehnende Mittel recht-fertigen kann, und daß es Situationen gibt, in denen der Mensch, und besonders der Christ, alles opfern muß, sogar sein Leben, um seine Seele zu retten. Dasselbe wiederholte die Enzyklika Veritatis splendor von Johannes Paul II., wenn sie sagt, daß die Umstände oder die Absichten eine in sich unehrliche Handlung wegen ihres Objekts nie in eine subjektiv ehrliche Handlung verwandeln können. Er zitierte dabei den heiligen Augustinus (Contra mendacium): Unzucht, Flüche, usw. bleiben, auch wenn sie aus guten Gründen begangen wurden, immer Sünde.

    Kardinal Kasper ist nicht in der Wahrheit und das gilt für seine Verbündeten ebenso.

  9. Zu all diesem ein wichtiges Zitat von Pater Pio an eine seiner geistigen Töchter:

    „Nicht vergessen, meine Tochter, Standfestigkeit und Beharrlichkeit im Glauben unserer Väter“ und wiederholte noch einmal mit Nachdruck:
    „Im Glauben unserer Väter!“

    Zum Thema der Jesuiten äußert sich auch Kandinal Döpfner als arme Seele. Ich will es hier nicht schreiben, jedoch kann jeder selbst danach suchen. Nach dem wie es Suarez schreibt, verstehe ich nun auch die Aussage von Döpfner. Danke Suarez.

    • „die Aussage“
      Wenn ich mich recht erinnere, wird in der Bibel die Zwei-Zeugen-Regel erwähnt. Einer kann viele finden, die ihm glauben, was er behauptet, vernommen zu haben. Einen zweiten Mithörer wird er wohl nur schwerlich finden. Deswegen befremdet mich, daß hier von Aussage geschrieben wird, obwohl keiner gesprochen hat. Internet und Überzeugung machts möglich.

  10. Kasper ist nicht nur ein Luther-Fan, sondern der Luther unserer Zeit. Durch seine einseitige Barmherzigkeitstheologie schiebt er Sünde und Reue beiseite, wodurch der Mensch automatisch gerettet ist. Diese Theologie ist Luthers Sola-gratia in neuem Gewand. Kirche als Gnadenvermittler ist nicht mehr erforderlich. Die Auflösung der katholischen Kirche erfolgt jetzt systematisch.

  11. Wenn ich andere der Strenge bezichtige, ohne differenziert ihre guten Motive für die vermeintliche Strenge zu wenigstens zu achten und zu respektieren, so bin ich selber streng.
    Im Übrigen wäre ich längst selber progressiver Katholik, wenn ich positive Früchte des Progressismus erkennen könnte. An ihren Früchten werdet Ihr sie erkennen heißt es. Was sind die Früchte des nunmehr 50jährigen Progressismus in Deutschland? Leergefegte diözesane Priesterseminare und religiöser Analphabetismus in weiten Teilen der Bevölkerung mit der logischen Konsequenz, dass sich immer mehr Menschen von der Kirche abwenden. Sonntägliche Kirchbesucherzahlen, die sie kontinuierlich den noch niedrigeren Werten der evangelischen Landeskirchen annähern. Wo sind die Früchte? Es gibt sie schlicht nicht und jetzt wird das Bollwerk Rom auch noch geschleift. Die Kirche wird nicht untergehen, sie wird irgendwann wieder neu erblühen, aber ich werde es nicht mehr miterleben. Übrigens: ich bin 50 Jahre alt.

    • Da bin ich aber viel optimistischer: Wir alle, die wir hier (in diesem Forum) versammelt sind, werden in naher Zukunft den Triumph des Unbefleckten Herzens Mariens erleben und damit in eine Blütezeit der Kirche eintreten wie es sie noch nie vorher gab. „So wie ihr glaubt, so wird euch geschehen!“

      • So denke ich auch @Pia: das Fatimajubiläumsjahr hat am 14.10.2016 bereits begonnen und wird seinen Höhepunkt haben vom 13.5.2017 bis zum 13.10.2017.
        Aber wir müssen beten und aufopfern. Je mehr, desto größer wird auch der Triumpf des Unbefleckten Herzen Mariens sein. Es wird das entscheidende Jahr werden. Man sieht den Verfall und das Unheil ja nicht allein in der Kirche, sondern in Politik, Wirtschaft und allen Lebensbereichen.

      • Vorher müssen wir aber noch die 42 Monate währende Schreckensherrschaft des Antichristen überstehen! Niemand von uns weiß, wer es „überstehen“ wird; es ist eher anzunehmen, daß viele von uns echten und wahren rk Christen mit dem Martyrium bezahlen werden, und das in der engsten Nachfolge JESU CHRISTI. Übrigens ist auf die Bücher von Josef Pieper „Über die Tapferkeit“, „Das christliche Menschenbild“ sowie „Über das Ende der Zeit“ hinzuweisen.

        Ansonsten wird doch immer mehr deutlich, wo der Weg Roms lang geht, inkl. Kardinal Kasper. Ich hoffe aber immer noch auf Kardinäle wie Kard. Sarah, Kard. Burke und (Weih-)Bischöfe wie Bischof Athanasius Schneider.

        Wir sollten dem Wort JESU CHRISTI vertrauen, der sagte, daß die Pforten der Unterwelt/Hölle die rk Kirche nicht zerstören wird bis ans Ende der Welt.

  12. Mit AL hat sich noch etwas geändert, nun gilt: Man soll päpstlicher als der Papst sein. Jedenfalls als dieser.

  13. Die Destruktion von Glauben und Kirche hat nunmehr System – und sie wird systemimmanent. Die 68er Konzilstheologen wie Kaspar et al. sehen sich kurz vor ihrem Ende am Ziel ihres Werkes.
    Die Auflösung beschleunigt sich. Da der Niedergang der letzten Jahrzehnten offenkundig und nicht zu verdrängen und verleugnen ist, kann nicht mehr von Fahrlässigkeit dieser Leute ausgegangen werden.

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