Der Vorwurf „Lügenpresse“ ist so nicht richtig – medienethisches Versagen SWR (5)

"Lügenpresse"
"Lügenpresse"

Was die Sendeanstalt SWR in einer Reportage produzierte, war alles andere als platte Lüge. Mit subtilen journalistischen Techniken und in der Form einer objektiven Nachrichtensendung wurde die Darstellung der Wirklichkeit so verdreht, dass die Manipulationen für einen normalen Zuschauer nicht erkennbar waren.

Eine Filmberichtsanalyse von Hubert Hecker.

Seit einiger Zeit sehen sich engagierte katholische und protestantische Christen einer neuen Welle von Angriffen ausgesetzt, die sie in die rechte Ecke abdrängen wollen. Die Stigmatisierung als „Rechte“ dient dazu, die Argumentationen und Positionen der Betreffenden vom gesellschaftlich anerkannten Diskurs ausschließen zu können. Ein SWR-Bericht über die Demo für alle vom Juni 2015 lieferte zu dieser Tendenz die Blaupause.

"Demo für alle" in Stuttgart: Ehe bleibt Ehe
„Demo für alle“ in Stuttgart: Ehe bleibt Ehe

Bisheriger Höhepunkt der medialen Ausgrenzungsstrategie war der am  Februar 2016 erschienene FAS-Artikel von Liane Bednarz. Darin sah sich eine große Zahl von konservativen Christen als Die Radikalen angeschwärzt. Als Mittelpunkt einer gut vernetzten katholischen Bloggerszene wollte Bednarz die Publizistin Gabriele Kuby festmachen. Kuby gehört zu den prominenten Unterstützern und Rednern der Demo für alle. Deren Organisatorin, Hedwig von Beverfoerde, wurde dann auch als der zweite Kristallisationspunkt der sogenannten Rechtschristen ausgeguckt: „Bei der ‚Demo für alle’ laufen die Fäden der radikalen Christen zusammen.“

Attacken gegen die Demo für alle von Linksradikalen und ARD-Anstalten

Die Demo für alle ist ein erfolgreiches Demonstrationskonzept nach dem Vorbild der französischen Manif pour tous. Sie wird getragen von einem Aktionsbündnis von 24 Gruppen aus der Mitte der Gesellschaft, darunter drei CDU-Arbeitskreise, Familienschutzverbände, Schülergruppen sowie Frauen- und Müttervereinigungen. Die Zielsetzung der Demonstrationen sind gut in den Hauptparolen zusammengefasst: „Ehe und Familie vor! Stoppt Gender-Ideologie und Sexualisierung unserer Kinder“. Die Demo für alle wurde bisher acht Mal in Stuttgart abgehalten. Die Demo-Forderungen richteten sich gegen das „Programm der sexuellen Vielfalt“ an den Schulen. Das abgeschwächte Konzept hat die rot-grüne Landesregierung kurz vor ihrer Ablösung vor einigen Monaten in Kraft gesetzt.

Von Anfang an attackierten Linksextremisten von der VVN und Antifa-Gruppen die Demo für alle. Regelmäßig musste die Stuttgarter Landesregierung mehrere Hundertschaften Polizei aufbieten, um die aggressiven Antifa-Aktivisten von den Demo-Teilnehmern fernzuhalten, so dass das Grundrecht auf Demonstration gewährleistet würde.

Seit dem Frühjahr 2015 erfolgten Angriffe auf die Demo für alle von einer anderen Seite, von der man es nicht erwartet hätte: öffentlich-rechtliche Rundfunkanstalten. Am 23. April 2015 setzte der NDR einen boulevardesken Filmbericht zu der Stuttgarter März-Demo ins Programm. Die journalistische Analyse der einseitig-parteiischen Sendung wird im neunten Teil dieser Artikel-Serie vorgestellt.

Eine Flut von Unmut und Beschwerden gegen den SWR-Report

Am 21. Juni 2015 strahlte der SWR in der baden-württembergischen Landesschau um 18 und 19.45 Uhr zwei Versionen eines Filmbeitrags über die Demo für alle vom gleichen Tag aus. Im Gegensatz zu Privatmedien sind die öffentlich-rechtlichen Sender − gerade bei politischen Streitfragen − zu ausgewogener, neutraler und objektiver Berichterstattung verpflichtet.

Nach der Sendung gab es eine regelrechte Flut von Beschwerden sowohl von den betroffenen Demonstranten wie auch von anderen TV-Zuschauern. Die meisten Beschwerdeführer stießen sich daran, dass die 4.600 Demonstranten aus der Mitte der Gesellschaft in die rechte Ecke gestellt wurden. Der SWR-Reporter hatte die gesamte Demonstration plakativ als „rechtes Sammelbecken“ denunziert.

Parteiischer Bericht unter dem Schein der Ausgewogenheit

Die folgende Untersuchung hat sich zum Ziel gesetzt, den gefühlten Unmut mit einer Analyse und sachlich-rationaler Argumentation zu untermauern. Dabei sollen insbesondere die journalistische Regie und Technik herausgearbeitet werden, mit denen unter dem Schein von Ausgewogenheit ein parteiischer und einseitiger Bericht zu Lasten der vorwiegend christlichen Demonstranten präsentiert wurde. Diese Arbeit hat exemplarischen Charakter und kann vielleicht auf ähnliche Konstellationen angewandt werden.

Im Ergebnis stellt sich heraus, dass der Reporter die Demo für alle vollständig vom Standpunkt und aus der Perspektive der extremistischen Gegendemonstranten vorführte.

1. Verharmlosung der linksextremen Antifa-Demonstrationsstörer       

Bezüglich der Zusammensetzung der Gegendemonstration vermittelte der SWR-Kommentator  den Eindruck, als wenn es sich dabei um ein harmloses links-bürgerliches Bündnis handelte. Zu den Aktionspartnern  „Linke und Grüne Jugend“ schmuggelte er den Zusatz: „Und auch die FDP ist dabei“. Die Behauptung, dass die FDP als Partei an diesem aggressiven Linksbündnis dabei gewesen wäre, ist natürlich grober Unfug. Aber haben’s die Zuschauer gemerkt?

▪ Auch die Bezeichnung Linke ist schon eine Vertuschung. Denn in Wirklichkeit war das Gros der Gegendemonstranten dem  linksradikalen Spektrum zuzuordnen. Das ergibt sich aus dem Bericht der Polizei, die für die Demonstrationen bis Ende 2014 mehr als 300  diverse Rechtsverstöße von Seiten der aggressiven Gegendemonstranten zur Anzeige brachte. In der Antwort der Landesregierung auf eine parlamentarische Anfrage hieß es: „In den Reihen der Gegendemonstranten haben nach vorliegenden Erkenntnissen dem linksextremistischen Spektrum zuzuordnende, gewaltgeneigte Gruppierungen dominiert.“

▪ Diese Informationen aus Polizei- und Parlamentsberichten waren natürlich auch der sorgfältig recherchierenden SRW-Redaktion bekannt. Mit Sicherheit wusste sie, dass zu dem Gegen-Aktionsbündnis neben der Grünen Jugend die beiden linksextremistischen Verbände VVN und Antifaschistisches Aktionsbündnis Stuttgart & Region gehörten. Die beiden letzteren Gruppierungen traten erkenntlich bei der Gegenkundgebung um 12.30 Uhr auf. Insofern ist die Nicht-Erwähnung dieser beiden relevanten Gegendemo-Gruppen als Nachrichtenmanipulation zu werten.

▪ Unterschlagen wurde vor allem die substantielle Information, dass die Stuttgarter Antifa-Gruppe mit ihren 300 Antifaschistinnen und Antifaschisten  die Gegendemonstration in absoluter Dominanz beherrschte. Das galt bzgl. der vorbereitenden Agitation (Aufruf zur Blockade der Demo sowie gegen die rechten Hetzer), der Aktionsformen (antifaschistische Schilder, Fahnen, Trillerpfeifen, Stinkbomben und andere wirksame Störmethoden) sowie der ideologischen Ausrichtung der Gegendemo (reaktionäres Gedankengut der Demonstranten, die Demo für alle als rechte Allianz und rechtes Sammelbecken von christliche Fundamentalisten, Rechtspopulisten sowie Faschisten). Alle Zitate stammen aus dem Antifa-Bericht vom 21. Juni.

Affirmative Bestätigungen der linksradikalen Propagandarede

▪ Aus diesem linksradikalen Agitationsprogramm stammte dann auch der Wortbeitrag des Antifa-Sprechers, dem der SWR vor dem Fernsehpublikum Gelegenheit gab, seine extrem verzerrte Einschätzung zu der Demo für alle zu propagieren: „Das ist der Versuch von Rechten, Konservative bis hin zu neo-nazistischen Kreisen, unter dem Deckmantel der Bildungsplanproteste eine rechte Demo in Stuttgart durchzuführen“. Aus dieser linksextremistischen Quelle stammte also die Absicht,  die Demonstranten in die rechte bis neo-nazistische Ecke zu rücken. Die Bildungsplanproteste (gegen Genderideologie und Frühsexualisierung an den Schulen) wären dabei nur Vorwand, also irrelevant, so dass nur die Rechtsorientierung der Demo bestehen blieb.

▪  Von Seiten des SWR-Reporters gab es keinerlei Relativierungen oder kritische Anfragen zu diesen linksextremistischen Agitationsparolen. Im Gegenteil. Er machte sich deren Sichtweise zu Eigen, indem er in seinem Kommentar aus dem Propagandamaterial der Antifa-Gruppe zitierte. Danach wäre die Demo für alle ein „rechtes Sammelbecken“. Diese linksverzerrte Meinung, die frei von jedem Realitätsgehalt war, wiederholte der Journalist am Ende seines Filmberichts. Die beiden Kommentare des SWR-Reporters wirkten jedenfalls als affirmative Bestätigungen der linksextremen Propagandarede. Die Redaktion ihrerseits doppelte diese ideologische Rechts-Verschiebung der Demonstranten noch einmal, indem sie zu dem Bild des Antifa-Sprechers die Unterschrift einfügt: „Aktionsbündnis gegen rechte Bildungsdemos“.

Diese vielfachen Informationsmanipulationen, verzerrte Darstellungen, einseitige Hervorhebungen und parteiische Kommentare sind kaum als spontane Einfälle am Drehort zu erklären, sondern setzen ein ausgefeiltes Regiekonzept der Redaktion voraus: Die linksextremistischen Gegendemonstranten sollten offensichtlich als seriöse, glaubwürdige und engagierte Bürger verharmlost werden, die vor einem angeblich aufziehenden Rechtsdrall warnten.

 2. Lächerliche SWR-These: Demo für alle als „rechtes Sammelbecken“

Beim Vergleich dieses Berichtsteils mit den Aussagen über die wirkliche Demo für alle stellt man eine asymmetrisch gespiegelte Darstellung fest:

▪ Bei der Demo für alle wurde in beiden Sende-Versionen die Zusammensetzung aus 24 bürgerlichen Aktionsgruppen nicht erwähnt. Die Anmoderation sprach zwar von „konservativen Gruppen“. Es wurden aber nicht – wie bei der Gegendemonstration – einzelne Teilnehmergruppen benannt, in diesem Fall von CDU-Arbeitskreisen, Familienverbänden sowie Frauen- und Kinderschutzvereinen. Das Wort Aktionsbündnis war nicht eingeblendet.

▪ Stattdessen wurden den Zuschauern etwa ein Dutzend rechts- oder randständige Demonstranten als Mitte der Demo-Bewegung suggeriert. Während der Bericht die Gruppenzugehörigkeit von 4.600 Demonstranten nicht benannte, gab er bei einigen wenigen Personen von der Demo-Peripherie genaue Schubladen für ihre Orientierung an: zwei „wertkonservative Piusbrüder“, drei „rechtsnationale AfD-Politiker“ und ein „Leser der rechtskonservativen Jungen Freiheit“.

▪ Diese Zuordnungen des Reporters wirkten wie die Umsetzung der Antifa-Meinung zu den Demonstranten: Danach war den Piusbrüdern die Rolle der „christlichen Fundamentalisten“ zugedacht und die beiden anderen Gruppen mussten als „Rechtspopulisten“ herhalten. Schließlich hatte der Reporter noch fünf junge Männer von der Identitären Jugend entdeckt. Die wurden von ihm als Mitglieder der „Neuen Rechten“ gekennzeichnet. Damit waren anscheinend die „neo-nazistischen Kreise“ identifiziert, von denen der Antifa-Sprecher geredet hatte.

▪ Insgesamt sollte mit der Demo-Beteiligung von diesem Dutzend politisch randständiger Personen wohl die lächerliche These des Reporters veranschaulicht werden, dass die gesamte Demo von 4.600 Teilnehmern ein „rechtes Sammelbecken“ wäre. Das dieser Ansatz wohl auch die Regie-Idee der Redaktion war, zeigte sich am Tag nach der Ausstrahlung der Sendung: Die Reportage wurde unter der Überschrift: „Rechtsradikale auf der Stuttgarter Demo“ online gestellt. Aus der Bemerkung der Landessenderdirektorin zu diesem Titel, „sehr stark zugespitzt“,  kann man ebenfalls die intendierte Regieabsicht des Senders erschließen. Nach einigen Tagen wurde der Titel dann doch geändert, weil er anscheinend allzu deutlich die tendenziöse Ausrichtung der Redaktion offen legte. Aber auch der neue Titel: „Rechte und Konservative demonstrieren gegen Bildungsplan“ ist eine Nachrichten-Manipulation, insofern die beiden genannten Gruppen als gleichanteilig suggeriert wurden. Der SWR-Bericht selbst hatte auf der Demo von 4.600 Teilnehmern nur fünf Personen – also gut ein Promille – ausdrücklich als „Neue Rechte“ identifizieren können.

Konzept der asymmetrischen Spiegelung

Zu diesem Kapitel lässt sich das Konzept der asymmetrischen Spiegelung zu Lasten der Demonstranten gut deutlich machen:

  • Während bei den Gegendemonstranten die Dominanz der Linksradikalen unterschlagen wurde, bauschte der SWR bei der Demonstration die irrelevante Promille-Beteiligung von fünf angeblichen Rechtspopulisten und weiteren fünf Personen der „Neuen Rechten“ zu einem „rechten bis neo-nazistischen“ Popanz auf. Und:
  • Die gewalttätigen Linksextremen von der Gegendemonstration wurden im SWR-Bericht als besorgte und kritische Bürger der Mitte hingestellt, während man bei den friedlichen Demonstranten eine gefährliche Tendenz der rechtsradikalen Unterwanderung suggerierte. Der Reporter beschwor die angeblich drohende Gefahr im letzten Satz noch einmal: „Hier in Stuttgart ist ein regionales oder vielleicht deutschlandweites Sammelbecken (der Rechten) entstanden“ – und keiner lachte.

Die SWR-Redaktion setzte sich die ideologisch gefärbte Brille der Linksextremen auf

Sollte man aus dieser Beobachtung die oft gehörte Folgerung ziehen, dass der SWR auf dem linken Auge blind wäre? Falsch! Die Redaktion kannte sich bei dem Antifa-Aktionsbündnis sehr gut aus. Um im Bild zu bleiben: Sie setzte selbst die ideologisch gefärbte Brille der Linksextremen auf. Mit dieser Tönung erschienen alle konservativen Gruppen als rechte Reaktionäre. Vom Anspruch der Wahrheit her ist damit der Bericht tendenziös, da die objektiven Erkenntnisse verdreht und verzerrt wurden. Nachrichtentechnisch verpackte man Kommentare und Bewertungen als Informationen. Somit verwandelte sich die Filmreportage in eine journalistische Meinungsmache, die die Fernseh-Zuschauer manipulieren sollte.

3. SWR-Rechtfertigung „Ausgewogenheit“ erweist sich als Schein

Nach dieser Zwischenbilanz soll die These untersucht werden, mit der die SWR-Direktion die Ausgewogenheit der Sendung rechtfertigte: In dem Filmbericht seien beide Seiten, also die Sprecher der Demo sowie der Gegendemonstranten, zu ihren Beweggründen zu Wort gekommen. Ausgehend vom Kontext, erweist sich auch diese formale Ausgewogenheit als Schein:

Kein fairer Journalismus gegenüber der Demo für alle      

▪ Die Ziele der Demonstration in Form der Hauptparolen wurden den Zuschauern vorenthalten. Es dürfte beschämend sein für einen öffentlich-rechtlichen Sender, dass die Bürger nur aus dem Polizeibericht die offiziellen Demo-Forderungen erfahren konnten.

▪ Die Sprecherin der 4.600 Demonstranten kam in der 18 Uhr-Sendung weder zu den Demonstrationszielen noch den Beweggründen zu Wort. Ebenfalls konnte sie nichts zu der fehlerhaften Einschätzung des Reporters sagen. Der hatte die positive Hauptforderung „Ehe und Familie voran!“ als Kampf „gegen Gleichstellung von Homo- und Transsexuellen“ verdreht.

▪ Dagegen wirkte die Reporterfrage an die Demo-Sprecherin ablenkend auf einen irrelevanten Nebenaspekt, wie man die Embleme und Logos der Rechten begrenzen könne. Im Kommentar dazu fügte der Journalist die Unterstellung ein, als wenn das Aktionsbündnis sich nicht von rechten Gruppen und Ansichten distanziert hätte, was sie aber auf ihrer Internetseite getan hatte.

▪  In der leicht veränderten Version von 19.45 Uhr kam zwar Frau von Beverfoerde zu einem Teilaspekt der Demonstrationsziele zu Wort, indem sie sagen konnte: Der vorrangige „Stellenwert der sexuellen Vielfalt“ im Aktionsplan der Landesregierung entspreche „nicht dem Geist der Verfassung“. Aber die Reporterfrage wurde immer noch nicht so gestellt, dass die Demonstrationsleiterin die Hauptziele der Demo darlegen konnte, wie das bei dem Antifa-Sprecher der Fall war. Angesichts der linksextremistischen Verzerrung der Demo-Ziele war es jedenfalls ein Skandal, dass den hunderttausenden Zuschauern der 18 Uhr-Sendung das Aufzeigen der Demonstrationsziele von Seiten der Sprecherin vorenthalten wurde. Auch bei diesem Aspekt ist eine asymmetrische, inhaltlich unausgewogene Darlegung festzustellen.

4. Keine Gegendemonstranten, sondern Demonstrations-Störer und -Verhinderer

In einem vierten Untersuchungskomplex geht es um den Frage, wie der Demonstrationsverlauf, die Gegenaktionen und der Einsatz der Polizei dargestellt wurden.

▪  Nur die Veranstalter der Demo für alle hatten eine Demonstration angemeldet, die vom Ort der Anfangskundgebung zum Platz der Abschlussreden verlief. Das Antifa-Aktionsbündnis dagegen hatte nur eine öffentliche Kundgebung eine Stunde vor dem Demo-Auftakt gemeldet. Auf dieser Versammlung wurden die AntifaschistInnen heiß geredet, dass und wie sie die Demonstration stören, behindern und blockieren könnten. Das taten die gewaltbereiten AktivistInnen dann auch nach Beginn der einzigen Demonstration an diesem Tag. Insofern war die Aufwertung der vielfältigen Störaktionen der Antifa-Gruppen als „Gegendemonstration“ völlig falsch. Auch die Gleichstellung der friedlichen Demo für alle mit den gewalttätigen Gegenaktionen durch die Formulierung „die beiden Demonstrationen“ war eine Irreführung gegenüber den Zuschauern.

▪ Die Falschbezeichnung „Gegendemonstration“ muss auch als sprachliche Vertuschung der „antifaschistischen Aktionen“ – so die Selbstbezeichnung – gewertet werden. Im Polizeibericht war von Blockieren der Aufzugsstrecke zu lesen, von Sachbeschädigung, Körperverletzung, Verwendung von Pyrotechnik, akustische Störaktionen und Beleidigungen der Demonstranten sowie von Widerstand gegen Vollstreckungsbeamte.

▪  Von diesen grundrechtswidrigen Blockadeversuchen sowie den Rechtsverstößen gegen das Versammlungsgesetz wurden den Zuschauern nicht einmal Andeutungen gemacht. In der Anmoderation hieß es einmal, dass es zu „Rangeleien zwischen den Gegendemonstranten und der Polizei“ gekommen sei. Selbst diese Aussage war fehlerhaft.

▪ Der Einsatz von mehreren Hundertschaften der Polizei war nur deshalb notwendig, weil das Antifa-Aktionsbündnis gewalttätige Störaktionen gegen die Demo für alle angekündigt hatte. Das Ziel des Polizeieinsatzes bestand darin, das grundgesetzliche Demonstrationsrecht der Demo für alle zu gewährleisten. Als polizeiliche Methode, die friedlichen Demonstranten zu schützen, hielten die Beamten die gewalttätigen Linksradikalen von der Demo auf Abstand, drängten sie gelegentlich ab und waren mit der Abwehr von Attacken beschäftigt. Der SWR-Report unterschlug die Tatsache, dass die „massive Präsenz“ der Polizei ausschließlich gegen die linken Chaoten gerichtet war. Er vermittelte dagegen den falschen Eindruck,  als wenn von beiden Seiten Aggressionen ausgegangen wären, wenn er behauptete, die Polizei hätte die „beiden Demonstrationen voneinander trennen“ müssen.

Journalistische Manipulationskunst      

Der plakative Vorwurf von Lügenpresse an die Adresse der Medien ist so nicht richtig. Die vorliegende Analyse des SWR-Filmberichts von der Demo für alle am 21. 6. 2015 zeigt auf, wie eine Redaktion mit subtilen journalistischen Techniken und in der Form einer objektiven Nachrichtensendung die Darstellung der Wirklichkeit so verdrehte, dass die Manipulationen für einen normalen Zuschauer nicht erkennbar waren. Ein solches Konzept stellt eine hohe journalistische Manipulationskunst dar. Die ist mit dem Vorwurf der platten Lüge nicht richtig auf den Begriff gebracht.

Text: Hubert Hecker
Bild: Wikicommons/Demo für alle (Screenshot)

drucken
Wenn Ihnen dieser Artikel gefallen hat:
Unterstützen Sie bitte Katholisches.info mit einer Spende.
Zuwendungsübersicht