Der gesamte Westen in demographischer Eiszeit, außer ein Land – Israels „Geburtenwunder“: Plus 65 Prozent

Gegentrend: Geburtenrate israelischer Juden erlebte in den vergangenen 20 Jahren ein Wachstum um 65 Prozent
Gegentrend: Geburtenrate israelischer Juden erlebte in den vergangenen 20 Jahren ein Wachstum um 65 Prozent


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(Brüssel/Tel Aviv) Es gibt nur ein einziges westliches und reiches Land, so das Wall Street Journal, in dem noch ausreichend Kinder geboren werden: in Israel. Das Phänomen wird als „Wunder der Demokratie im Krieg“ bezeichnet. Die Entwicklung ist verblüffend und sollte ein Denkanstoß für die europäischen Völker sein.

Laut jüngsten Veröffentlichungen israelischer Regierungsstellen haben die Geburten zwischen 1995 und 2013 um 65  Prozent zugenommen. Mit anderen Worten: 2013 wurden um zwei Drittel mehr junge israelische Juden geboren als 1995.

Israel kann zahlreiche Rekorde vorweisen und geizt auch nicht damit, diese publik zu machen. Das Bruttoinlandsprodukt erlebte in den vergangenen 30 Jahren ein Wachstum um 900 Prozent. Der Steuerdruck, der sich auf dem westeuropäischen Festland wie ein Würgeriff um die arbeitende Bevölkerung und die leistungsbereiten und staatstragenden Teile des Volkes schnürt, ging in Israel von 45 auf 32 Prozent zurück. Der Export nahm im selben Zeitraum um 860 Prozent zu. Vor 30 Jahren verfügte Israel über keine eigenen Energiequellen. Heute gewinnt es 38 Prozent des Eigenbedarfs selbst. Vor 30 Jahren gab es noch keine Entsalzungsanlage. Heute gewinnt Israel mehr als 40 Prozent des Trinkwasserbedarfs aus eigenen Entsalzungsanlagen. Tendenz in beiden Fällen: steigend.

Laut The Economist kommt Israel unter allen Staaten der Welt bereits an 20. Stelle bei der Frage, wo es sich 2030 gut leben lasse – noch vor Großbritannien, Frankreich, Italien und Japan. Laut dem Wall Street Journal ist Israel das zweitkultivierteste Land der Welt.

Manche werden einwenden, daß es sich dabei um „zionistische Propaganda“ handle. Mag sein. Befragungen zeigen jedoch, daß die israelischen Juden im Vergleich zu den Menschen aller westlichen Staaten „zufriedener“ und „glücklicher“ sind.

Gegentrend zum gesamten Westen

Damit kommen wir zum eigentlichen Thema: eine rekordverdächtige Geburtenrate.

Israel ist – immer im Vergleich zu den westlichen Staaten – eine große Militärgarnison. Schlagzeilen macht der Staat vor allem im Zusammenhang mit Terroranschlägen und Gewalt wegen des schwelenden palästinensisch-jüdischen Konfliktes. Eigentlich keine günstigen Voraussetzungen für die Geburtenrate. In Europa fragten sich manche nach dem Krieg, ob man denn „noch Kinder in die Welt setzen“ könne. Eine Frage, die im Zuge der Anti-Atom-Bewegung in den 70er und 80er Jahren wiederholt wurde. Dennoch ist in Israel die Geburtenrate in den vergangenen Jahrzehnten kontinuierlich angestiegen.

Auf propagandistischer Ebene wurde international, von den Unterstützern wie auch von den Gegnern Israels, lange Zeit mit der demographischen Frage argumentiert. Das Argument beider Seiten lautete: „Die Araber haben viel mehr Kinder als die Juden“. Die Schlußfolgerungen waren allerdings unterschiedlich. Die einen warben damit um mehr internationale Unterstützung für den Zionistenstaat und seine Territorialpolitik. Die anderen warben damit für die Errichtung eines unabhängigen Palästinenserstaates, denn je schneller und besser man Araber und Juden trenne, desto eher könne der Fortbestand des Judenstaates gesichert werden. Andernfalls drohe die Gefahr, daß die Juden im eigenen Staat von einer schneller wachsenden arabischen Bevölkerung in die Minderheit gedrückt werde.

Mit Araber sind die Palästinenser gemeint, Muslime und Christen. Vor hundert Jahren war noch jeder dritte Bewohner des Heiligen Landes ein Christ. Seit der Gründung des Staates Israel und dem damit entbrannten Konflikt drohen die Christen zwischen den jüdisch-muslimischen Mühlsteinen aufgerieben zu werden.

1990, als der Oslo-Friedensprozeß begann, lag die Geburtenrate der israelischen Juden bei durchschnittlich 2,6 Kindern je Frau im gebärfähigen Alter. Dieser Wert lag bereits deutlich über der Marke von 2,1 Kindern, die zur Bestandssicherung eines Volkes notwendig ist. Ein Wert, von dem alle westeuropäischen Völker seit Jahrzehnten nur träumen können.

Israelische Musliminnen bekamen damals durchschnittlich 4,7 Kinder. Die Palästinenserinnen im Westjordanland und im Gazastreifen sogar sechs Kinder.

Jassir Arafat erklärte damals, das gebärfreudige Becken der palästinensischen Frauen sei die mächtigste Waffe seines Volkes. Israels Premierminister Ehud Olmert bot noch 2007, unter dem Eindruck einer tickenden demographischen Bombe, Teile Jerusalems und weite Teile des Westjordanlandes im Tausch gegen Frieden an. Das Angebot scheiterte. Nahost-Experten behaupten, alle israelischen Zugeständnisse der jüngeren Vergangenheit seien aus Angst vor der arabischen Geburtenrate erfolgt.

Geburtenrate der Juden steigt, die der Araber sinkt

Das Wall Street Journal berichtete inzwischen aber von einer „demographischen Revolution“, die „in den vergangenen zehn Jahren“ stattfand und „politische Auswirkungen mit Langzeitwirkung“ haben werde. In weniger als 20 Jahren ist die jährliche Zahl der von jüdischen Israelis geborenen Kinder um 65 Prozent gewachsen. Wurden 1995 in Israel 80.400 jüdische Kinder geboren, waren es 2013 132.000. In diesen Tagen schrieb die Tageszeitung Il Foglio:

„Die Geburtenrate der Juden in Israel erlebte einen unglaublichen Sprung nach vorne, während die Geburtenrate unter den Arabern stark zurückgegangen ist“.

Die gegenläufigen Bewegungen verdoppeln den Effekt.

Die Geburtenrate israelischer Jüdinnen lag 2014, jüngere Zahlen liegen noch nicht vor, bei 3,11 Kindern je Frau. Zum Vergleich dazu lag die Geburtenrate arabischer Frauen mit 3,17 Kindern (2014) nur mehr ganz knapp darüber. Schätzungen gehen davon aus, daß 2016 erstmals die Geburtenrate der Juden höher als die der Araber sein könnte.

Bevölkerungswachstum in Israel, "einer Demokratie im Krieg"
Bevölkerungswachstum in Israel, „einer Demokratie im Krieg“

Die Geburtenrate der Palästinenser sank im selben Zeitraum 1997-2014 im Westjordanland von 5,6 auf 3,7 und im Gazastreifen von 6 auf 4,5. Tendenz: schnell fallend. Zwischen 1994 und 2009 blieben die Geburten der israelischen Araber mit jährlich 39.000 Kindern stabil. Im selben Zeitraum nahmen die Geburten der israelischen Juden jedoch von 80.000 auf 120.000 zu. Der jüdische Bevölkerungsanteil an einem israelischen Jahrgang erhöhte sich von 1997-2014 – ohne die jüdische Zuwanderung nach Israel zu berücksichtigen – allein durch die Geburten von nur mehr 67 Prozent auf 79 Prozent.

Wo liegen die Gründe für diese Entwicklungen? Für den rapiden Rückgang der Geburtenrate unter den Palästinensern diesseits und jenseits der israelischen Grenze werden dieselben Gründen genannt wie im Westen: Familienplanung und Verwestlichung. Denselben Phänomenen wären die Juden Israels allerdings auch ausgesetzt. Dennoch zeigt bei ihnen die Entwicklung in die genau entgegengesetzte Richtung.

Demographische Eiszeit im Westen

Im Vergleich dazu liegt die Geburtenrate der europäischen Völker bei dramatischen 50 Prozent der zur Bestandssicherung notwendigen 2,1 Kinder je Frau im gebärfähigen Alter. In der Bundesrepublik Deutschland werden seit mehr als 40 Jahren zu wenige Kinder geboren. Aktuell liegt die Geburtenrate mit 1,38 weit unter dem Bedarf. Rechnet man davon noch die Kinder ab, wo beide Elternteile Migrationshintergrund haben, also zwar einen deutschen Paß besitzen, aber keine Deutschen sind, dann liegt die Fruchtbarkeitsrate noch einmal tiefer. Dasselbe gilt für Österreich (1,44), die Schweiz (1,52), Italien und Spanien (1,32) und Portugal 1,28. Aus dem Rahmen zu fallen scheinen Frankreich (2,0), Großbritannien (1,9), Belgien (1,79) und die Niederlande mit 1,72. Keines der genannten Länder erreicht jedoch die Marke der Bestandssicherung von 2,1. Wenn die Geburtenrate positiver ist, als in den Ländern des deutschen Sprachraums, dann allein  aufgrund der höheren Geburtenrate der islamischen Einwanderer aus Nord- und Westafrika und Südasien. In den USA sieht es nicht anders aus. Die Geburtenrate liegt zwar bei 1,9 Kindern, aber nur, weil die wachsende hispanische Gemeinschaft von Einwanderern aus Lateinamerika den Durchschnitt hebt.

Rückgang der Geburtenrate in den Nachbarstaaten

Dazwischen liegt das kleine Israel, das häufig als „westliche Enklave“ in der islamischen Welt wahrgenommen wird. Das Land am östlichen Mittelmeer erlebt seit Jahren ein demographisches Wachstum, das einen exklusiven Kontrapunkt zum gesamten Westen bildet. Die jüdische Geburtenrate Israels liegt inzwischen höher als jene von Algerien (2,82) Ägypten (2,81), Marokko (2,71) oder  Saudi-Arabien (2,7). Von Tunesien (2,17), dem Iran (1,92) und dem Libanon (1,5) ganz zu schweigen. Es gibt keinen an Israel grenzenden Staat mehr, der eine höhere Geburtenrate vorweisen kann. Mit Jordanien haben Israels Juden bereits 2014 gleichgezogen. Fachleute schätzen, daß die Geburtenrate in Jordanien 2016 unter die Marke von drei Kindern fallen wird.

Wie kommt es also, daß der Westen, besonders Westeuropa, demographischen Selbstmord begeht, während Israel eine phänomenale Gegenbewegung vollzieht?

„Das ist die Einzigartigkeit Israels, die sich in keiner anderen Gesellschaft auf der ganzen Welt findet“,

so Arnon Soffer von der Universität Haifa und einer der bekanntesten Demographen Israels.

Soffer nennt einen Grund: Die nicht religiösen oder gemäßigt religiösen Juden bekommen mehr Kinder, während die religiösen und streng religiösen Juden bereits in der Vergangenheit überdurchschnittliche Geburtenraten hatten. Mit anderen Worten: die nicht oder weniger religiösen Juden ziehen den religiösen Juden nach und schließen demographisch zu diesen auf. Vor 20 Jahren hatten die laizistischen Juden im Großraum von Tel Aviv durchschnittlich ein Kind, maximal zwei. Heute ist es auch dort in jüdischen Familien üblich, drei und vier Kinder zu haben.

Rechenbeispiel 1: 2085 wird Israel mehr Einwohner haben als Polen

Um die Dramatik der Entwicklung aufzuzeigen, die zum Vergleich auf den europäischen Völkern lastet, soll ein kleines Rechenbeispiel herangezogen werden. Polen, wo gerade der Weltjugendtag 2016 stattfand, hatte 2012 nur mehr eine Geburtenrate von 1,3 Kindern. Bis zum Zusammenbruch der kommunistischen Diktatur lag die Fruchtbarkeitsrate zuletzt knapp, aber noch immer über dem Minimum der Bestandssicherung. Danach folgte 1990-2000 ein Jahrzehnt des radikalen Einbruchs. Sollten die Geburtenraten Polens und Israels so bleiben, wie sie heute sind, dann wird Israel 2085 mehr Einwohner haben als Polen.

Rechenbeispiel 2: 2085 wird Israel mehr wehrfähige Männer haben als Deutschland und Österreich zusammen

Jüdische Kinder: Ende des 21. Jahrhunderts werden Israels Juden mehr wehrfährige Männer aufbieten können als die Bundesrepublik Deutschland und Österreich zusammen
Jüdische Kinder: Ende des 21. Jahrhunderts werden Israels Juden mehr wehrfähige Männer aufbieten können als die Bundesrepublik Deutschland und Österreich zusammen

Und noch ein Rechenbeispiel: Der Staat der Juden wird gegen Ende dieses Jahrhunderts mehr Jugend haben als große europäische Völker wie die Italiener und die Spanier  – und gleichviel wie die Bundesrepublik Deutschland. Bei gleichbleibender Entwicklung wird Israel keine 150 Jahre nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges über mehr wehrfähige junge Männer verfügen als die Bundesrepublik Deutschland und Österreich zusammen. 28 Prozent der jüdischen Israeli sind heute jünger als 15 Jahre und nur zehn Prozent älter als 65.

Im Zusammenhang mit dem demographischen Boom der israelischen Juden wird von ihnen selbst der Begriff „Wunder“ gebraucht. Ein Wort, das Staunen zum Ausdruck bringen will, aber auch eine religiöse Anspielung enthält. Die Israelis sehen auch darin die Einzigartigkeit ihres Staates: des einzigen industrialisierten, postindustriellen, modernen, westlichen Staates, der eine Geburtenrate aufweist, die Europa und der gesamte Westen seit bald einem halben Jahrhundert nicht mehr kennen.

Der Westen und sein nächster Verbündeter, Japan, steuern auf eine demographische Apokalypse zu. Durch Masseneinwanderung versuchen die Regierungen das Geburtendefizit auszugleichen. Ein Lösungsansatz, der nicht ohne Kollateralschäden bleibt. Sie beschleunigen damit den Niedergang und die Auflösungstendenzen der eigenen Völker und importieren kaum absehbare kulturelle, soziale, politische und religiöse Probleme. Beobachter rechnen damit, daß diese künstlich und daher willentlich herbeigeführte Konzentration von Problemen in bereits absehbarer Zeit zu einer Explosion oder einer Implosion führen werde. Den überalterten und unzufrieden dahinsiechenden europäischen Völkern steht Israel als demographisch kerngesunder Staat gegenüber, der vor Lebendigkeit, Lebensdrang und Zufriedenheit nur zu strotzt.

Das Verschwinden der amerikanischen und der sowjetischen Juden

Das Geheimnis? Für die außergewöhnliche Geburtenrate der israelischen Juden ist ihre Religion ausschlaggebend. Das wird am Beispiel der amerikanischen Juden deutlich. Es gibt wahrscheinlich keinen extremeren Unterschied in der Geburtenrate als unter amerikanischen Juden. Die Juden der USA haben die geringste Geburtenrate aller ethnischen Gruppen des Landes. Alan Dershowitz, ein jüdischer Rechtswissenschaftler der Universität Harvard, veröffentlichte das Buch „The Vanishing American Jew“ (Das Verschwinden der amerikanischen Juden). Zwei Drittel der amerikanischen Juden gehören keiner Synagoge an. Ein Viertel glaubt nicht an Gott.

Auch der ehemalige Großrabbiner von Großbritannien, Jonathan Sacks, schrieb bereits vor 20 Jahren das Buch: „Will We Have Jewish Grandchildren?“ (Werden wir noch jüdische Enkel haben?). Der Pulitzer-Preisträger Charles Krauthammer, ein einflußreicher jüdischer Kolumnist in den USA, stellte die Frage: „Wie kann sich eine Gemeinschaft unter den günstigen Bedingungen der USA so dezimieren?“ Die Gründe: eine geringe Geburtenrate. Die Zahl der Kinder aber bestimmt in der Regel ein Paar selbst. Es handelt sich also um einen willentlichen Akt. Entweder ist einem das eigene Volk egal, oder man nimmt an, daß schon die Anderen Kinder zeugen werden. Auf diese Weise wird sich die jüdische Bevölkerung der USA in absehbarer Zeit halbiert haben. Die demographische Entwicklung der US-Juden verläuft damit proportional umgekehrt zur Unterstützung für den Zionismus unter den US-Eliten und auch der US-Bevölkerung.

Vergleichbares gab es bereits in der Sowjetunion. Juden waren federführend bei der Aufrichtung der kommunistischen Diktatur. Die höchsten Gremien der frühen Sowjetunion waren weit überdurchschnittlich mit Juden besetzt. Jahrzehnte des Kommunismus ließen die Geburtenrate der sowjetischen Juden jedoch auf 0,8 sinken. Wäre die UdSSR nicht untergegangen, wären die Juden dort innerhalb weniger Generationen völlig verschwunden.  Heute, so israelische Demographen, gehe der Baby-Boom nicht nur auf die erwachsen gewordene Yuppie-Generation von Tel Aviv zurück, sondern vor allem auch auf die nach Israel eingewanderten ehemaligen sowjetischen Juden. Im „Arbeiterparadies“ hatten die Juden die geringste Geburtenrate. Kaum waren sie jedoch nach Israel emigriert, nahmen ihre Kinder das Zeugungsverhalten ihres jüdischen Umfeldes an.

Im Gegensatz zu Israel sind die Geburtenraten seines erklärten Erzfeindes, des Irans, geradezu implodiert. Persien, das Reich des Schahs, galt als westlich geprägt.  Es war aber die 1979 errichtete schiitische Islamische Republik Iran, die die Geburtenrate der iranischen Frauen von 6,42 Kindern auf 1,92 minimierte. Mit anderen Worten: Die schiitische Theokratie reduzierte die Geburtenrate des Schah-Reiches auf weniger als ein Drittel. Die Bevölkerung des Irans schrumpft seit 15 Jahren. Die demographische Entwicklung des verpönten Staates der Ayatollahs erlebte einen Rückgang um 70 Prozent. Von keinem Land ist in Friedenszeiten ein so rapider und radikaler Einbruch der Fruchtbarkeitsrate bekannt. Bis zum Ende des 21. Jahrhunderts wird sich, bei gleichbleibender Geburtenrate, die Bevölkerung des Irans halbiert haben.

Das Geheimnis: Religion, starke Identität, eigenes Territorium

Was ist nun ausschlaggebend für die Lebensfreundlichkeit der israelischen Juden? Die gelegentlich genannte Erinnerung an die Schoah taugt bestenfalls als Untermalung. Die Zeitspanne, die seither vergangen ist, spricht dagegen, weil sich die beiden ersten Nachkriegsgenerationen anders verhielten als die jetzige, dritte Generation. Ist es der permanente Kriegszustand, in dem sich Israel befindet? Das spielt psychologisch sicher eine größere Rolle. Die Israelis sind entschlossen, ihr Land zu verteidigen. Die Kampfbereitschaft ist überdurchschnittlich hoch. Symptomatisch ist, daß in Europa hingegen seit längerem auf die Schwächung der Verteidigungsbereitschaft abgezielt wird: zuerst durch Wehrdienstverweigerung, durch Kürzungen des Verteidigungshaushaltes und schließlich durch die Einführung einer Berufsarmee, für die neuerdings auf Wunsch der Politik vor allem unter Migranten rekrutiert wird.

Hauptfaktoren dieser abgestuften Gründe scheint jedoch die religiöse Tradition eines kleinen Volkes mit ausgeprägtem Identitätsbewußtsein zu sein. In Summe sind die eigenen Wurzeln, religiös, kulturell und historisch, verbunden mit einem klar umrissenen „eigenen Land“ die entscheidenden Faktoren, die Israels demographische Entwicklung von seiner islamischen Umgebung ebenso wie vom relativistisch geprägten Westen abhebt.

Text: Giuseppe Nardi
Bild: Asianews/United with Israel (Screenshots)

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