Auf Wunsch des Papstes: Argentinischer „Osservatore Romano“ – Protestant wird Redaktionsleiter

Ab September erscheint eine argentinische Ausgabe des Osservatore Romano - Im Bild die spanische Internetseite der Vatikanzeitung
Ab September erscheint eine argentinische Ausgabe des Osservatore Romano - Im Bild die spanische Internetseite der Vatikanzeitung

(Rom) Auf Anweisung von Papst Franziskus wird es künftig eine eigene argentinische Ausgabe des Osservatore Romano geben. Der Start ist für kommenden September geplant.

In Rom weiß derzeit niemand so genau, wie es mit der offiziösen Tageszeitung des Vatikans, dem Osservatore Romano, weitergehen wird. Das von Papst Franziskus im Juni 2015 errichtete Kommunikationssekretariat an der Römischen Kurie plant drastische Einsparungen.

Der Präfekt des neuen Dikasteriums, der italienische Priester und Kommunikationswissenschaftler Don Dario Edoardo Viganò, arbeitet an einer Zusammenfassung und Neustrukturierung aller vatikanischen Medien. Der ehemalige Direktor und Chefredakteur des Centro Televisivo Vaticano (CTV) sieht im Osservatore Romano vor allem einen Kostenfaktor. Die Italienische Ausgabe soll zur Kostenreduzierung von einer Tageszeitung zu einer Wochenzeitung werden. Verschiedene anderssprachige, wöchentlich erscheinende Ausgaben, so auch die Deutsche Ausgabe, sollen ganz ins Internet verlagert werden.

Anders sieht das Papst Franziskus, zumindest was Argentinien betrifft. Der Papst gab Anweisung, eine eigene Ausgabe des Osservatore Romano für Argentinien zu starten. Grund dafür waren die jüngsten Polemiken in seiner Heimat über sein Verhältnis zum seit Dezember 2015 amtierenden Staatspräsidenten Mauricio Macri und über die Päpstliche Stiftung Scholas Occurrentes.

Eine argentinische Ausgabe des Osservatore Romano soll „die Worte des Papstes vollständig und unverkürzt“ wiedergeben, wie die argentinische Presseagentur Télam berichtete. Die päpstliche Absicht sei bereits in die konkrete Umsetzung übergegangen, wie „vatikanische Quellen bestätigten“, so die Presseagentur.

Die argentinische Ausgabe soll ab kommenden September erscheinen. Sie wird aus der von Silvana Perez geleiteten spanischen Wochenausgabe handeln, die jeweils um eine 4-8 Seiten umfassende argentinische Sonderbeilage erweitert wird.

Aufsicht übernimmt der „häretische“ Ghostwriter des Papstes

Die Autoren dieser Sonderbeilage werden persönlich „vom Papst ausgewählt und autorisiert sein“ so Télam. Die Aufsicht über die Beilage wird offiziell die Argentinische Bischofskonferenz übernehmen, tatsächlich jedoch eine „Herausgeberkommission“ unter der Leitung des päpstlichen Vertrauten Msgr. Victor Manuel Fernández.

Aufsicht übernimmt Victor Manuel Fernandez
Aufsicht übernimmt Victor Manuel Fernandez

Fernández gilt als geistiges Faktotum von Papst Franziskus. Jorge Mario Bergoglio setzte ihn 2009 gegen starke vatikanische Widerstände als Rektor der Päpstlichen Katholischen Universität von Argentinien durch. Genau zwei Monate nach seiner Wahl zum Papst ernannte ihn Franziskus zum Titularerzbischof.

Offiziell Rektor in Buenos Aires hält sich Msgr. Fernández jedoch mehr in Rom als in Argentinien auf. Er gilt nicht nur als einer der engsten Vertrauten des Papstes, sondern auch als dessen Ghostwriter. Sowohl Evangelii gaudium und Laudato si als auch Amoris laetitia werden in entscheidendem Maße der Feder des argentinischen Prälaten zugeschrieben. Das gilt auch für die umstrittensten Formulierungen des erwähnten nachsynodalen Schreibens Amoris laetitia.

Kein Geringerer als der Präfekt der Glaubenskongregation, Kardinal Gerhard Müller, bezeichnete den päpstlichen Texteschreiber als „häretisch“.

Redaktionsleiter wird protestantischer Theologe, technischer Direktor ein Peronist

Während die Aufsicht über den argentinischen Osservatore Romano der „häretische“ Titularerzbischof Fernández ausüben wird, wird die redaktionelle Leitung der protestantische Theologe Marcelo Figueroa übernehmen.

Santiago Pont Lezica und Marcelo Figueroa
Santiago Pont Lezica und Marcelo Figueroa

Die Ernennung Figueroas soll „den ökumenischen Charakter“ unterstreichen, den Papst Franziskus seinem Pontifikat gegeben habe, so Télam.

Die technische Leitung übernimmt Santiago Pont Lezica, der Direktor von FM Milenium, einem privaten Stadtradio von Buenos Aires. Gegründet wurde FM Milenium 1998 vom inzwischen verstorbenen Bernardo Neustadt, dem ehemaligen Pressesprecher von Juan Perón. Der Peronist Neustadt war 1925 in Jassenmarkt (rumänisch Iași), der alten rumänischen Hauptstadt, geboren worden. Als er sechs Monate alt war, wanderte seine Familie nach Argentinien aus, wo er seit den späten 50er Jahren zu den einflußreichsten politischen Publizisten gehörte.

Figueroa und Pont Lezica trafen sich im vergangenen Juni mit Papst Franziskus in Santa Marta, um über die argentinische Osservatore-Ausgabe zu sprechen. Bei dieser Gelegenheit führten sie auch ein Interview mit dem inzwischen abgelösten Vatikansprecher Pater Federico Lombardi SJ. Lombardi sagte dabei zu umstrittenen päpstlichen Aussagen, es sei notwendig, „zu den Quellen zu gehen, zu den direkten Worten des Papstes, und es wird keine Polemiken geben“.

Argentinien wird damit das erste Land außerhalb Italiens sein, das eine eigene Landesausgabe des seit 1861 erscheinenden Osservatore Romano erhält, der seit 2007 als Generaldirektor vom italienischen Journalisten Giovanni Maria Vian geleitet wird.

Text: Giuseppe Nardi
Bild: Osservatore Romano/Wikicommons/BAet/Youtube (Screenshots)

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Pia

P.F. traut anscheinend nur Häretikern und Protestanten zu, seine Worte authentisch wiederzugeben!

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