Müller nach Mainz, Schönborn und Maradiaga nach Rom? Wer spielt welches Spiel mit Gerüchten?

Kardinal Gerhard Müller als Bischof von Mainz? Wer versucht derzeit ein gefährliches Spiel in der Kirche zu spielen?
Kardinal Gerhard Müller als Bischof von Mainz? Wer versucht derzeit ein gefährliches Spiel in der Kirche zu spielen?


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(Rom) In bestimmten Abständen brodelt die Gerüchteküche rund um die Römische Kurie. Derzeit gibt es gleich mehrere Spekulationen, von denen die bedeutendste besonders besorgniserregend wäre. Derzeit ist jedoch unklar, wer mit den Gerüchten welches Spiel spielt, und welcher Teil der Gerüchte einen Wahrheitsgehalt hat.

Müller statt Lehmann, Schönborn statt Müller?

Der bisherige Glaubenspräfekt, Kardinal Gerhard Müller, sollte den Gerüchten zufolge neuer Bischof von Mainz werden und dort die Nachfolge von Kardinal Karl Lehmann antreten, der am vergangenen 16. Mai mit Vollendung seines 80. Lebensjahres emeritiert wurde. Neuer Kardinalpräfekt der römischen Glaubenskongregation sollte Wiens Erzbischof Christoph Graf Schönborn werden.

Tatsache ist, daß das Verhältnis von Papst Franziskus zu Kardinal Müller schwer gestört ist, während der Vorsitzende der Österreichischen Bischofskonferenz derzeit in der päpstlichen Gunst einen Höhenflug erlebt. Beide so gegensätzlichen Bewegungen haben nicht zuletzt mit dem nachsynodalen Schreiben Amoris laetitia zu tun. Es geht dabei nicht um Fragen der Sympathie, sondern um einen handfesten und grundsätzlichen Richtungsstreit. Hinter diesem steht die Frage, wohin Papst Franziskus die Kirche führen will. Kardinal Müller, den Papst Franziskus zusammen mit der ganzen Glaubenskongregation ignoriert, griff jüngst zwar nur indirekt, daher unangreifbar, aber mit einer atemraubenden Aussage Papst Franziskus an, indem er dem Ghostwriter des Papstes, Titularerzbischof Victor Manuel Fernandez, wegen dessen Papst-Texte vorwarf, „häretisch“ zu sein. Aus der Feder von Fernandez stammen alle drei lehramtlichen Dokumente des Papstes: Evangelii gaudium (2013), Laudato si (2015) und Amoris laetitia (2016).

Kardinal Schönborn
Kardinal Schönborn

Kardinal Schönborn wiederum war bereits 2005 mit ähnlichen Gerüchten als Nachfolger des zum Papst gewählten Glaubenspräfekten Joseph Kardinal Ratzinger ins Gespräch gebracht worden. Der deutsche Papst entschied jedoch anders. 2012 bezeichnete der Wiener Erzbischof die Entscheidung, den damaligen Regensburger Bischof Gerhard Ludwig Müller zum neuen Glaubenspräfekten zu ernennen, als „hervorragende Wahl“. Seither hat sich allerdings viel geändert, vor allem der Papst in Rom.

Undurchsichtige Hintermänner und Absichten

Das Gerücht ist mit Vorsicht zu genießen: Erstens wurde die explosive Umbesetzung von progressiven Medien verbreitet. Im deutschen Sprachraum war KNA, die Presseagentur der Deutschen Bischofskonferenz dafür zuständig. Zweitens: KNA berief sich dabei auf die im fernen Malaysia erscheinende katholische Zeitung Herald des Erzbistums Kuala Lumpur. Eine Verifizierung war selbst auf Nachfrage nicht möglich. Die Wahrscheinlichkeit, daß ein Diaspora-Organ als erstes Medium so weitreichende Umbesetzungen meldet, ist zwar nicht unmöglich, aber ausgesprochen gering.

Der Sache schon näher kommt man mit der progressiven spanischen Nachrichtenseite Religion Digital, die seit dem jüngsten Konklave für ihre notorische Papolatrie bekannt ist. Sie übernahm in der Sache die Rolle von KNA im spanischsprachigen Raum und unterhält gute Kontakte zum honduranischen Kardinal Oscar Rodriguez Maradiaga. Das progressive Organ titelte in den vergangenen Monaten mehrfach mit Schlagzeilen in der Art: „Franziskus baut auf, Müller zerstört“.

Rylko zurück nach Polen, Maradiaga im zweiten Anlauf doch noch nach Rom?

Die Gerüchte um Personalrochaden betreffen nämlich nicht nur die Kardinäle Müller und Schönborn. Laut derselben Quelle soll der 77 Jahre alte Kardinal Stanislaw Dziwisz, der langjährige Erste Sekretär von Papst Johannes Paul II., als Erzbischof von Krakau von Kardinal Stanislaw Rylko, dem derzeitigen Vorsitzenden des Päpstlichen Laienrates ersetzt werden. Grund dafür sei die Auflösung des Laienrates, dessen Zuständigkeiten in der zum kommenden  1. September errichteten Kongregation für Familie, Laien und Gesundheitspastoral aufgehen werden. Erster Präfekt der neuen Kongregation soll der Papstvertraute Kardinal Oscar Rodriguez Maradiaga aus Honduras werden.

Kardinal Maradiaga
Kardinal Maradiaga

Maradiaga, der aufgrund seines euphorischen Auftretens in den ersten Monaten des aktuellen Pontifikats sich den Spitznamen „Vizepapst“ erhielt, ist Koordinator des C9-Kardinalsrates zur Unterstützung von Papst Franziskus bei der Kurienreform und der Leitung der Weltkirche. In jüngster Zeit war es allerdings ziemlich ruhig um den honduranischen Kardinal geworden.

2010 war er schon einmal als Präfekt einer römischen Kongregation im Gespräch. Er sollte die Leitung der Ordenskongregation übernehmen. Ernannt wurde jedoch der Brasilianer Joao Braz de Aviz, der seit 2013 Jagd auf Franziskaner der Immakulata macht. Hartnäckige Stimmen wollten damals wissen, Kardinal Maradiaga habe sich selbst für den römischen Posten empfohlen.

Kardinal Angelo Amato, der derzeitige Präfekt der Heiligsprechungskongregation soll wegen seines Alters von 78 Jahren durch den derzeitigen Substituten des Kardinalstaatssekretariats, Kurienerzbischof Angelo Becciu ersetzt werden. Neuer Substitut und damit rechte Hand von Kardinalstaatssekretär Pietro Parolin soll der derzeitige Apostolische Nuntius im Libanon, Titularerzbischof Gabriele Caccia werden.

Die nächsten Tage und Wochen werden Klarheit bringen. Bis dahin sollte der Gerüchteküche wenig Glauben geschenkt werden, da vorerst undurchsichtig bleibt, welches Spiel damit getrieben werden soll und welcher Teil wahr sein könnte. Tatsache ist, daß die gerüchteweise behauptete Personalrochade rund um die Glaubenskongregation den durch Papst Franziskus und seine Entourage am Leib der Kirche angesetzten Keil noch tiefer treiben würde. Erst in diesen Tagen mahnte ein anderer deutscher Purpurträger, Kardinal Walter Brandmüller, vor den „sehr großen Gefahren“ eines Schismas.

Text: Giuseppe Nardi
Bild: Religion Digital (Screenshots)

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2 Comments on Müller nach Mainz, Schönborn und Maradiaga nach Rom? Wer spielt welches Spiel mit Gerüchten?

  1. Sollte Bergoglio wirklich eine solche Degradierung Müllers veranlassen und Schönborn als neuen Präfekten der Glaubenskongregation einsetzen, würde er eine Mega-Austrittswelle aus der Kirche provozieren: Kein einziger Rechtgläubiger könnte ihn noch ernst nehmen!

  2. Das waere schlimm fuer Kardinal Dziwisz. Der ist so verbunden mit Krakow.Er gehoert noch zur alten Gruppe rundherum Papst Benedikt.Die ich immer treu bleiben werde.

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