Progressiver Außenseiter künftig für Bischofsernennungen in den USA zuständig?

Papst Franziskus mit Erzbischof Blase Cupich (linke Mitte)
Papst Franziskus mit Erzbischof Blase Cupich (linke Mitte)


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(Washington) Erzbischof Charles Chaput von Philadelphia wird von den Medien als „Feind“ des Papstes angegriffen, weil er das nachsynodale Schreiben Amoris laetitia im Licht der katholischen Morallehre und Sakramentenordnung auslegt. Erzbischof Blase Cupich von Chicago wird zeitgleich von Papst Franziskus zum Mitglied der Bischofskongregation ernannt und wird künftig entscheidenden Einfluß auf die Bischofsernennungen in den USA haben. Die beiden Ereignisse stehen emblematisch für das Pontifikat von Papst Franziskus und sein Verhältnis zur Kirche in den USA. Die Kirche in den USA ist nicht nur die reichste und eine der einflußreichsten Kirchen der Welt. Der US-Episkopat gilt nach den Pontifikaten von Johannes Paul II. und besonders Benedikt XVI. als „Hindernis“ für die progressive Agenda.

Wie berichtet steht der profilierte Erzbischof von Philadelphia, ein direkter Nachkomme des heiligen Königs Ludwig IX. von Frankreich, im Kreuzfeuer der Kritik, weil er am 1. Juli „Pastorale Richtlinien zur Umsetzung von Amoris Laetitia“ im Erzbistum Philadelphia veröffentlichte (siehe Erzbischof Chaput bekräftigt katholische Ehelehre und wird von Medien als „Feind“ des Papstes hingestellt). Darin bekräftigte Erzbischof Chaput die katholische Ehe- und Morallehre in Sachen Scheidung, Zweitehe und Kommunionempfang. Der Erzbischof wird dafür von den Medien als „Feind“ von Papst Franziskus dargestellt, der im Gegensatz zu Msgr. Chaput eine „Öffnung“ wolle.

Papst Franziskus beruft Cupich in Bischofskongregation

Heute wurde im Tagesbulletin des Heiligen Stuhls bekanntgegeben, daß Papst Franziskus den umstrittensten Bischof der USA, Erzbischof Blase Cupich, zum Mitglied der Bischofskongregation ernannt hat. Er wird damit in Zukunft ein entscheidendes Wort bei Bischofsernennungen in den USA mitreden.

Umstritten ist Msgr. Cupich wegen seiner progressiven Haltung. Der ehemalige Bischof der kleinen Diözese Spokane im Staat Illinois galt als „Linksaußen“ unter den Bischöfen der USA, als ihn Papst Franziskus im September 2014 zum Erzbischof einer der bedeutendsten und größten Diözesen des Landes machte. Der Papst stieß damit den damals noch amtierenden Vorgänger, Kardinal George Francis, vor den Kopf, der wenige Monate später an einer Krebserkrankung starb. Wem die Gunst des Papstes zukommt, wurde auch dadurch deutlich, daß Cupich, der von den US-Bischöfen nicht als Synodale zur Bischofssynode über die Familie nach Rom gewählt worden war, von Franziskus persönlich zum Synodalen ernannt wurde. In Rom fiel er dann auch prompt durch seine „offene“ Haltung in den umstrittenen Fragen auf, besonders seine „Deliramenta“ über das subjektive Gewissen.

Papst „sucht nach den progressivsten Kandidaten“

Cupich progressive Außenseiterrolle sei daher kein Mangel, sondern der eigentliche Grund gewesen, weshalb ihn Franziskus zum Erzbischof von Chicago machte, wie sich katholische Beobachter in den USA einig sind.

In einem Aufsatz für Le Journal de Montréal schrieb Alain Pronkin am 19. April 2016: Papst Franziskus suche bei den Bischofsernennungen „nach den progressivsten Kandidaten“. Bereits im November 2015 machte der Vatikanist Sandro Magister darauf aufmerksam, da die „wirkliche Revolution“ von Papst Franziskus „durch Ernennungen“ erfolge.

Mit dem Erzbischofssitzen von Philadelphia und Chicago ist traditionell die Kardinalswürde verbunden. In den USA wird genau beobachtet, wen der beiden Metropoliten Papst Franziskus in den Kardinalsstand erheben wird.

Erzbischof Cupich statt Kardinal Burke

Unter Papst Benedikt XVI. galt der frühere Erzbischof von Saint Louis, Raymond Leo Burke, als „Bischofsmacher“ in den USA. Der deutsche Papst berief den Bauernsohn aus Wisconsin und brillanten Kirchenrechtler 2008 an die Römische Kurie nach Rom und machte ihn zum Präfekten der Apostolischen Signatur, des vatikanischen Hochgerichts.

Der Einfluß des herausragendem und traditionsverbundenen Kardinals, der beim Konklave 2013 sogar als „Papabile“ galt, war Kreisen, die durch die Wahl von Papst Franziskus Gehör an höchster Stelle fanden, offenbar ein Dorn im Auge. Der argentinische Papst demontierte den US-Purpurträger: Im Dezember 2013 entfernte er Kardinal Burke aus der Heiligsprechungskongregation und aus der Bischofskongregation. Letztere Entscheidung wurde als demonstrative Abkehr von den „ausgezeichneten“ Bischofsernennungen (Pater Joseph Fessio SJ, Schüler von Joseph Ratzinger) in den USA durch Benedikt XVI. gesehen, für die Kardinal Burke verantwortlich zeichnete.

Die Ernennung von Blase Cupich zum Erzbischof von Chicago bestätigte die Befürchtungen.

Cupich der neue „Bischofsmacher“ in den USA

Durch seine Ernennung zum Mitglied der Bischofskongregation, so Beobachter, soll Erzbischof Cupich im Pontifikat von Franziskus die Rolle bei den Bischofsernennungen in den USA einnehmen, die Kardinal Burke im Pontifikat von Benedikt XVI. hatte. Die Ausrichtung der Ernennung soll jedoch eine ganz andere sein.

Cupich übernimmt nicht direkt den Sitz von Kardinal Burke. Dieser war bereits im Vorfeld der Bischofssynode 2014 zum Wortführer der Verteidiger der katholischen Morallehre und Sakramentenordnung gegen die progressive Kasper-Agenda geworden. Obwohl ihm bereits ziemlich deutlich mit Absetzung gedroht worden war, sollte er seinen Widerstand nicht aufgeben, setzte der Kardinal seinen Kampf für die überlieferte Lehre unerschrocken fort und scheute es auch nicht, in Papst Franziskus den maßgeblichen Regisseur des Angriffs auf das Ehesakrament zu benennen. Wenige Tage nach Abschluß der Bischofssynode „bedankte“ sich Papst Franziskus mit der Absetzung von Kardinal Burke und seiner Entfernung aus dem Vatikan. Damit köpfte das Kirchenoberhaupt den Widerstand gegen seine „Öffnung“ und begünstigte die Kasper-Fraktion.

An Burkes Stelle in der Bischofskongregation setzte Papst Franziskus im Dezember 2013 den Erzbischof von Washington D.C., Kardinal Donald Wuerl, der im US-Episkopat als „gemäßigter Konservativer“ gilt. Kardinal Wuerl nahm die päpstliche Gnade, die er in Anti-Burke-Funktion erlangt hatte, sehr ernst. So ernst, daß er seinen US-amerikanischen Mitbruder Burke Anfang 2015, als dieser vom Papst abgestraft und ganz aus der Römischen Kurie entfernt worden war, öffentlich angriff und ihm wegen seiner Kritik an päpstlichen Entscheidungen Majestätsbeleidigung vorwarf.

Nun ist der Papst nicht mehr auf Kardinal Wuerl angewiesen. In der Zwischenzeit gibt es mit Erzbischof Cupich einen wirklichen „Mann des Papstes“ im US-Episkopat. Mit der heutigen Berufung von Cupich in die Bischofskongregation setzte Papst Franziskus die Neustellung der Weichen konsequent fort mit dem Ziel: den US-Episkopat umzubauen.

Text: Giuseppe Nardi
Bild: MiL (Screenshot)

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