Synode der melkitisch-katholischen Kirche geplatzt – Patriarch Gregor III. Laham: „Ich trete nicht zurück“

Streit in der Melkitischen Griechisch-katholischen Kirche: Rücktritt des Patriarchen gefordert
Streit in der Melkitischen Griechisch-katholischen Kirche: Rücktritt des Patriarchen gefordert


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(Beirut) In der mit Rom unierten Melkitischen Griechisch-katholischen Kirche hängt derzeit der Segen schief. Vor zwei Tagen sollte eine Synode dieser griechisch-katholischen Kirche des arabischen Raumes beginnen. Das nötige Quorum an anwesenden Bischöfen wurde jedoch nicht erreicht, weil zehn Bischöfe aus Protest gegen den Hierarchen der Kirche, Patriarch Gregor III. Laham von Antiochien, Jerusalem und dem ganzen Osten und Alexandria, fernblieben.

Der Patriarch gab gestern abend bekannt, daß er nicht unter dem Druck einiger „rebellischer“ Bischöfe zurücktreten werde.

Die Melkitische Griechisch-katholische Kirche, die seit 1724 mit Rom uniert ist, zählt weltweit 1,7 Millionen Gläubige in 23 Jurisdiktionen (Erzbistümer, Bistümer und Exarchate), von denen derzeit aber nur 22 besetzt sind.

„Rebellenbischöfe“ fordern Rücktritt des Patriarchen

Zu der für den 20. Juni im libanesischen Ain Trez einberufenen Synode waren nur zehn der 22 Diözesanbischöfe erschienen. Um entscheidungsfähig zu sein, wäre ein Mindestquorum von zwölf anwesenden Bischöfen erforderlich gewesen. Zehn der abwesenden Bischöfe haben sich miteinander gegen den Patriarchen verbündet. Dieser betrachtet sie in „offener Rebellion“ gegen den rechtmäßigen Hierarchen.

Die bekannteste Gestalt unter den „Rebellen“ ist der Erzbischof von Beirut, Cyrille Salim Bustros. Er und die anderen Bischöfe dieser Gruppe fordern den Rücktritt von Patriarch Gregor III. Laham, den sie beschuldigen, das Vermögen der melkitischen Kirche zu verschleudern. Eine Anschuldigung, die der Patriarch als „irreführend“ zurückwies.

Vor einigen Monaten wandten sich die „Rebellenbischöfe“ an die römische Kongregation für die Ostkirchen und forderten den Rücktritt des Patriarchen. Kardinalpräfekt Leonardo Sandri lehnte eine Unterstützung dieser Forderung jedoch mit der Begründung ab, daß er nicht der Schiedsrichter dieses internen Konfliktes sein könne. Er forderte stattdessen die Bischöfe auf, an der geplanten Synode teilzunehmen und dort eine Klärung und Einigung zu suchen. Gleichzeitig erinnerte er die Bischöfe daran, daß niemand einen Patriarchen zum Rücktritt zwingen könne.

Ärgernis für die Gläubigen

Die Bischöfe gingen einen anderen Weg. Sie blieben der Synode fern und wiederholten öffentlich ihre Anschuldigen. Der Streit gibt den Gläubigen ein Ärgernis.

Wegen der dadurch entstandenen Unruhe im gläubigen Volk veröffentlichte Patriarch Gregor III. gestern seine Erklärung. Das Kirchenrecht, bestätigt durch Kardinal Sandri, besage, daß ein Patriarchensitz nur durch Tod oder Amtsverzicht des Patriarchen vakant werde, er aber nicht an einen Amtsverzicht denke.

Der Patriarch ließ zudem erkennen, daß die nun vertagte Synode im kommenden Oktober stattfinden könnte. Gleichzeitig ermutigte er Vermittlungsbemühungen, um die Einheit der Kirche wieder herzustellen.

Byzantinische Christen in Einheit mit Rom

Im Gegensatz zu den anderen christlichen Gemeinschaften des Nahen Ostens und Ägyptens hielt ein Teil der Christen nach dem Konzil von Chalcedon im Jahr 451 am orthodoxen Glauben der damals noch in Einheit lebenden Ost- und Westkirche fest. Diese griechischsprachigen Christen orientierten sich an Konstantinopel, weshalb die Kirche auch byzantinisch-katholische Kirche im Nahen Osten oder Rum-katholische Kirche genannt wird. „Rum“ steht dabei für römisch, womit Ostrom, also Konstantinopel, das heutige Istanbul gemeint war.

1054 war es zur Spaltung zwischen der West- und der Ostkirche gekommen. Bereits seit dem 14. Jahrhundert fand wieder eine langsame Annäherung eines Teils des griechisch-orthodoxen Klerus des Nahen Ostens an die katholische Kirche statt. In der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts kam schließlich zur offiziellen Union mit Rom. Seither werden die mit Rom unierten Gläubigen Melkiten genannt. Eine ursprünglich abwertende Bezeichnung, die ihnen von den nicht orthodoxen Christen des Nahen Ostens gegeben wurde. Das aramäische Wort bedeutet im konkreten Fall „kaiserlich“, um zum Ausdruck zu bringen, daß es sich um Christen der alten römischen Reichskirche handelt.

Die Kirche zelebriert im Byzantinischen Ritus und gebraucht den Gregorianischen Kalender. Die Liturgiesprache wechselte im Lauf der Geschichte von Griechisch zu heute Arabisch.

Exodus seit dem „Massaker von Damaskus“

Der Konflikt fällt in einen kritischen Moment, in dem die melkitischen Gläubigen in ihrem historischen Verbreitungsraum vom islamischen Terrorismus bedroht sind. Rund die Hälfte der Gläubigen lebt heute in der Diaspora, vor allem in Lateinamerika (Brasilien und Argentinien). Der erzwungene Exodus setzte mit dem drusischen „Massaker von Damaskus“ 1860 ein. Die blutigen Angriffe der Drusen, einer islamischen Sekte, gegen die Christen wurden vom türkischen, sunnitischen Statthalter von Beirut tatkräftig unterstützt. Die Gewalt der Drusen richtete sich zwar konkret gegen die Maroniten, doch fielen ihr die Christen wahllos zum Opfer. Damals wurden Tausende Christen getötet und mehr als 100.000 vertrieben.

Durch den türkischen Völkermord Anfang des 20. Jahrhunderts und die Nahost-Konflikte seit dem Zweiten Weltkrieg wurde der Exodus immer neu entfacht und beschleunigt und hält bis heute an.

Text: Giuseppe Nardi
Bild: Asianews

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