„Der Blinde ‚erkennt‘ im Glauben Jesus als den Messias an, der den Blinden die Augen öffnet“

Liebe Brüder und Schwestern,

in den Evangelien hören wir immer wieder, wie Jesus seine Barmherzigkeit allen schenkt, denen er begegnet: Er ruft die Menschen, er sammelt, heilt und erleuchtet sie und schafft so ein neues Volk, das die Wunder seiner barmherzigen Liebe feiert. Das wird unter anderem bei der Heilung des Blinden von Jericho deutlich.

Der Blinde gehört zu den Bedürftigen und an den Rand Gedrängten, denen die Gläubigen schon nach dem Gesetz des Mose zu helfen verpflichtet sind (vgl. Dtn 15, 7.11). Der Evangelist Lukas bringt zu der Episode ein interessantes Detail: Jemand erklärt dem Blinden den Grund für den Volksauflauf. Er sagt: „Jesus von Nazareth geht vorüber“ (Lk 18,37). Es klingt hier der „Vorübergang“ des Herrn im Buch Exodus, das Pascha des Alten Bundes an, das für Israel den Beginn der Befreiung bedeutete (vgl. 12,23). Der Blinde „erkennt“ im Glauben Jesus als den Sohn Davids, den Messias, der nach Jesaja den Blinden die Augen öffnet (vgl. 35,5). Jesus holt den Blinden vom Rand weg und stellt ihn in die Mitte der Aufmerksamkeit der Menschen. Der geheilte Blinde wird zu einer Botschaft der Barmherzigkeit, die den Menschen die Augen dafür öffnet, dass sie in der Zuwendung zum Bedürftigen Jesus finden und echte Gemeinschaft haben können. Sie lernen zu sehen, was es für ein Geschenk ist, von Jesus geliebt zu sein.

Herzlich grüße ich die Brüder und Schwestern deutscher Sprache, insbesondere die Pilger aus dem Bistum Trier mit ihrem Bischof Ackermann und mit Weihbischof Brahm. Ich wünsche euch, dass euer Aufenthalt in Rom euren Glauben stärke und die Erfahrung brüderlicher Liebe vertiefe. Der Herr segne euch und eure Familien.

Artikel drucken