Brasiliens Freikirchen bestätigen das Scheitern des katholischen Progressismus

Freikirchlicher "Marsch für Jesus" Sao Paulo
Freikirchlicher "Marsch für Jesus" in Sao Paulo

(Rom) Papst Franziskus wird am 31. Oktober am „ökumenischen, lutherisch-katholischen Reformationsgedenken“ in Lund und Malmö teilnehmen. Gestern veröffentlichte der Päpstliche Rat für die Förderung der Einheit der Christen und der Lutherische Weltbund (LWB) eine gemeinsame Erklärung. Darin wird als Ziel des gemeinsamen Reformationsgedenkens genannt, um „die Geschenke der Reformation“ zum Ausdruck zu bringen, und um „Vergebung zu bitten für die Trennung, die durch die Christen beider Traditionen fortdauert“.
Was von beiden Seiten ökumenisch korrekt formuliert wird, erinnert mehr an eine progressiv durchwirkte Kirchenpolitik als an die Wirklichkeit, außer beide Seiten wüßten nicht mehr, worin das grundlegend Trennende liegt.

Der gemeinsamen Erklärung und das gegenseitige Weihrauchstreuen setzt der Vatikanist Marco Tosatti ein ganz konkretes Beispiel aus der Wirklichkeit entgegen.  Die evangelikalen Protestanten Brasiliens bezeugen nämlich das völlige Scheitern des katholischen Progressismus. Hier sein Bericht:

Brasilien, die Muskeln der „Reborn“

von Marco Tosatti

Die katholische Kirche in Brasilien ist dabei, die Herausforderung durch die neuen evangelischen Kirchen zu verlieren, die zu Fronleichnam 340.000 Menschen für den „Marsch für Jesus“ nach Sao Paulo brachten.

Am Tag, an dem in Brasilien Fronleichnam gefeiert wurde, haben die evangelischen Freikirchen des Landes einen Beweis ihrer beeindruckenden Stärke geliefert.

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Das Logo der Marcha por Jesus (Marsch für Jesus)
Das Logo der Marcha por Jesus (Marsch für Jesus)

Mehr als 500 Freikirchen haben mehr als 340.000 Menschen dazu gebracht, beim „Marsch für Jesus“ durch die Straßen der Altstadt von Sao Paulo zu ziehen.

Die Veranstalter sprachen mit verständlicher Begeisterung, wenn auch nicht ganz zutreffend, vom “größten christlichen Ereignis des Planeten”.

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Die Masse marschierte mehrere Kilometer hinter zehn Lastwagen, die mit großen Lautsprecheranlagen ausgestattet waren, bis zum Hauptplatz der überfüllten Stadt, um an Aufführungen religiöser Musik teilzunehmen, die ganze zwölf Stunden dauerten, von 10 Uhr vormittags bis 22 Uhr abends.

Die Abdeckung der sozialen Netzwerke und im Internet erfolgte mit größter Sorgfalt: Live-Tweets, Videos und Snapchat.

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Der Marsch macht vor allem das außergewöhnliche Wachstum der evangelikalen Christen sichtbar. Ein Wachstum auf Kosten der katholischen Kirche Brasiliens, die zu den progressivsten der Welt gehört.

Einer ihrer führenden Vertreter in Rom ist Kardinal João Braz de Aviz, der Präfekt der Kongregation für die Institute geweihten Lebens und für die Gesellschaften apostolischen Lebens, „Großinquisitor“ gegen die Franziskaner der Immakulata und Ideengeber des Reskripts, mit dem Papst Franziskus am vergangenen 11. Mai die Autorität der Bischöfe bei der kirchenrechtlichen Anerkennung von Ordensgemeinschaften diözesanen Rechts einschränkte.

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Ein Dokument, das – so heißt es – vom Wunsch geleitet sei, die neuen, in der Kirche aufbrechenden religiösen Triebe, auf die “alten” Orden umzuleiten, die sich in einer offensichtlichen Berufungskrise befinden.

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Der Marsch durch die Straßen von Sao Paulo
Der Marsch durch die Straßen von Sao Paulo

Es scheint ebenso offensichtlich, daß die katholische Kirche Brasiliens dabei ist, die Herausforderung durch die neuen evangelikalen Freikirchen zu verlieren.

1960 machten die „Reborn“, die „wiedergeborenen“ Christen, keine vier Prozent der brasilianischen Bevölkerung aus und standen einer katholischen Mehrheit gegenüber, die fast den gesamten Rest umfaßte.

Heute gehört zumindest jeder vierte Brasilianer einer dieser neuen protestantischen Gruppierungen an, und die Tendenz scheint weiterhin steigend, so daß sie bald 30 Prozent der Bevölkerung ausmachen könnten.

Übersetzung: Giuseppe Nardi
Bild: MiL/BCN (Screenshot)

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2 Comments

  1. „Es scheint ebenso offensichtlich, daß die katholische Kirche Brasiliens dabei ist, die Herausforderung durch die neuen evangelikalen Freikirchen zu verlieren.“

    Ja das stimmt leider, weil die Kirche unter dem jetzigen Papst sich immer mehr klaren Aussagen in der Moral und Heilslehre verweigert.
    Sie ist in vielen Teilen schal geworden und biedert sich der Welt an.
    Die Menschen aber wollen eine Orientierung, di Christus ihnen gegeben hat, ein Skandal das seine einzige Stifung die er ins Leben rief ihren Herrn und Meister so schaebig verleugnet.

  2. das liegt auch an dem Kult um die Armen, den Teile der kath. Kirche seit Ende der 60er abziehen und der unter dem aktuellen Pontifikat einen neuen Höhepunkt erreicht hat.
    Die aufstrebende Mittelschicht fühlt sich von der kath. Kirche nicht mehr angesprochen, weil ja nur die Armen die Lieblinge Gottes sind. Bei den US-style Freikirchen muss man sich nicht ständig entschuldigen, wenn man beruflichen Erfolg hat – im Gegenteil, das wird als Zeichen gesehen, dass man von Gott auserwählt ist…

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