Papst Franziskus: „Frühchristliche Diakonissen studieren“ – Kleiner Satz mit großer Wirkung?


UISG: Papst Franziskus und die Diakonissen der Urkirche
UISG: Papst Franziskus und die Diakonissen vor 1700 Jahren

(Rom) Papst Fran­zis­kus redet, Vati­kan­spre­cher Lom­bar­di rela­ti­viert. Letzt­lich gilt jedoch: Dort, wo Fran­zis­kus spon­tan spricht, ist er am authen­tisch­sten und kommt das Gesag­te dem am näch­sten, was er wirk­lich denkt. Zur päpst­li­chen Per­sön­lich­keits­struk­tur scheint es zu gehö­ren, täg­lich eine Schlag­zei­le zu lie­fern, und sich damit Auf­merk­sam­keit in den inter­na­tio­na­len Medi­en zu sichern. Die heu­ti­ge Schlag­zei­le lau­te­te: „Frau­en als Dia­ko­ne: Plan von Papst Fran­zis­kus ist eine Sen­sa­ti­on“ (Die Welt, Ber­lin), „Papst Fran­zis­kus will offen­bar Zulas­sung von Frau­en zum Dia­ko­nen­amt prü­fen“ (ORF, Wien), „Papst will Dia­ko­nin­nen“ (Blick, Zürich).

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Am Don­ners­tag fand eine Begeg­nung des Pap­stes mit den 870 Ordens­obe­rin­nen statt, die gera­de zu ihrer alle drei Jah­re statt­fin­den­den Voll­ver­samm­lung der Inter­na­tio­na­len Uni­on der Gene­ral­obe­rin­nen (UISG) katho­li­scher Frau­en­or­den in Rom zusam­men­ge­kom­men sind. Papst Fran­zis­kus habe dabei eine Bereit­schaft zur Öff­nun­gen für Dia­ko­nis­sen signa­li­siert. So jeden­falls die Medienberichte.

So ganz genau hat er es nicht gesagt. Die Inter­pre­ta­ti­on sei­ner Wor­te und die even­tu­ell damit ver­bun­de­nen Absich­ten garan­tie­ren wie­der aus­rei­chend Zünd­stoff für lan­ge Kon­tro­ver­sen. Der Papst warf jeden­falls einen Stein in den Teich und läßt ihn sei­ne Krei­se zie­hen. Zu mehr läßt er sich, wie bereits zu ande­ren The­men in den ver­gan­ge­nen drei Jah­ren, durch sei­ne Aus­sa­gen nicht festnageln.

Die „Präzisierung“ von Vatikansprecher Lombardi

Die Schlag­zei­len sei­en „ver­früht“, ver­such­te Vati­kan­spre­cher Pater Feder­i­co Lom­bar­di SJ die kurz dar­auf fol­gen­den Medi­en­be­rich­te zu rela­ti­vie­ren. Der Papst habe „spon­tan“ gespro­chen. Die genau­en Absich­ten von Fran­zis­kus sei­en daher noch gar nicht klar.

Lom­bar­di gehört aller­dings nicht zum enge­ren Ver­trau­ten­kreis des Pap­stes, ganz anders hin­ge­gen der Jour­na­list Andrea Tor­ni­el­li, der als Haus- und Hof­va­ti­ka­nist des Pap­stes und des­sen per­sön­li­cher Medi­en­be­ra­ter gilt. Fast zeit­gleich ver­öf­fent­lich­te die wich­tig­ste pro­gres­si­ve Zeit­schrift der USA, der Natio­nal Catho­lic Repor­ter (NCR) die Nach­richt. Der NCR gehört zur pro­gres­si­ven Speer­spit­ze des Angriffs gegen das Wei­he­prie­ster­tum. In zahl­rei­chen Arti­keln for­der­te er bereits die Auf­he­bung des Prie­ster­zö­li­bats, das Frau­en­prie­ster­tum und in jüng­ster Zeit vor allem des Frauendiakonats.

Tor­ni­el­li ist es auch, der als erster Hand Hin­ter­grund­in­for­ma­tio­nen und Begrün­dun­gen lie­fer­te, die über die heu­ti­ge Begeg­nung mit den Ordens­obe­rin­nen hin­aus­ge­hen. Tor­ni­el­lis Arti­kel sind mit beson­de­rer Auf­merk­sam­keit zu lesen, da er eine offi­ziö­se Stim­me des amtie­ren­den Pap­stes ist.

Verbot des Frauenpriestertum durch Johannes Paul II.

UISG-Vorstand
UISG-Vor­stand

Papst Johan­nes Paul II. habe nach der Zulas­sung der Frau­en­or­di­na­ti­on bei den Angli­ka­nern mit dem Apo­sto­li­schen Schrei­ben Ordi­na­tio sacer­do­ta­lis, 1994 ein kate­go­ri­sches Nein zum Frau­en­prie­ster­tum gespro­chen.  Die Bekräf­ti­gung der zwei­tau­send­jäh­ri­gen Leh­re und Pra­xis der Kir­che durch den  pol­ni­schen Papst ist in Form und Anspruch defi­ni­tiv. Theo­lo­gen und Kir­chen­recht­ler spre­chen daher von einer dog­ma­ti­schen Ent­schei­dung, für die Johan­nes Paul II. die Unfehl­bar­keit in Anspruch genom­men habe. Das sagt Tor­ni­el­li zwar nicht so deut­lich, läßt aber durch­klin­gen, daß an dem Ver­bot kein Weg vorbeiführe.

Da die Tür ver­schlos­sen ist, öff­net der Vati­ka­nist jedoch gleich­zei­tig ein Fen­ster, durch das der Ein­stieg den­noch irgend­wie gelin­gen soll. Johan­nes Paul II. habe zwar das Frau­en­prie­ster­tum defi­ni­tiv aus­ge­schlos­sen, nicht aber das Dia­ko­nat. Tor­ni­el­li lie­fert damit eine Haar­spal­te­rei, denn das Dia­ko­nat ist die erste Stu­fe des Wei­he­sa­kra­ments und fällt damit sehr wohl unter das in Ordi­na­tio sacer­do­ta­lis aus­ge­spro­che­ne Ver­bot, weil das Wei­he­sa­kra­ment eine Ein­heit bil­det und nicht auf­teil­bar ist.Der Vati­ka­nist beruft sich auf Kar­di­nal Car­lo Maria Mar­ti­ni, den frü­he­ren Erz­bi­schof von Mai­land. Die­ser sei es gewe­sen, so Tor­ni­el­li, der als erster davon sprach, die Fra­ge des Frau­en­dia­ko­nats zu stu­die­ren, weil die­ses im päpst­li­chen Doku­ment von 1994 nicht erwähnt sei.

Diakonissen oder Diakoninnen?

Die Mate­rie erfor­dert es, an die­ser Stel­le eine klä­ren­de Klam­mer zu öff­nen. Bei die­ser femi­ni­sti­schen For­de­rung bleibt die Wort­wahl näm­lich meist unprä­zi­se, ist jedoch von beson­de­rer Bedeu­tung. Das gilt auch für Tor­ni­el­li, obwohl er aus­drück­lich auf den histo­ri­schen Unter­schied ein­geht. So titel­te er einer­seits von den „anti­ken Dia­ko­nis­sen“, gebrauch­te dann aber erstaun­li­cher­wei­se den Begriff Dia­ko­nin­nen, als hand­le es sich um Synonyme.

Dia­ko­nis­sen und Dia­ko­nin­nen sind jedoch, trotz der Namens­ähn­lich­keit, zwei Paar Schuhe.

Dia­ko­nis­sen gab es in der frü­hen Kir­che. Sie hat­ten kei­nen Anteil am Wei­he­sa­kra­ment, son­dern erfüll­ten bestimm­te Auf­ga­ben gegen­über Frau­en, weil es zur dama­li­gen Zeit, als das Chri­sten­tum noch der Ver­fol­gung aus­ge­setzt war, und es noch kei­ne öffent­li­chen Kir­chen gab, undenk­bar gewe­sen wäre, daß ein Mann, auch nicht ein Prie­ster, eine Frau allei­ne zu Hau­se auf­sucht. Dia­ko­nis­sen wären daher in der heu­ti­gen Zeit ein Ana­chro­nis­mus, da der Umgang zwi­schen den Geschlech­tern ganz anders gewor­den ist. Das war auch der Grund, wes­halb ihr Amt bereits in der Anti­ke wie­der verschwand.

Dia­ko­nin­nen sind hin­ge­gen eine For­de­rung der jüng­sten Zeit, um Frau­en Anteil am Wei­he­sa­kra­ment zu ver­schaf­fen: wenn nicht am Prie­ster­tum, dann zumin­dest an des­sen Vor­stu­fe dem Dia­ko­nat. Die Dia­ko­nin­nen sol­len gemäß die­ser Alt-68er-For­de­rung das weib­li­che Pen­dant zum männ­li­chen Dia­kon sein. Das Wei­he­sa­kra­ment kennt zwar die drei Stu­fen Dia­kon-Prie­ster-Bischof, bil­det aber eine Ein­heit, wes­halb mit dem Frau­en­dia­ko­nat ein Para­dox gefor­dert wird.

Des­sen sind sich die Befür­wor­ter des Frau­en­dia­ko­nats durch­aus bewußt. Ihre For­de­rung ist im wört­li­chen Sinn nur als Vor­stu­fe zur For­de­rung nach dem Frau­en­prie­ster­tum zu sehen, und letzt­lich – wie nun bei den Angli­ka­nern – nach Bischö­fin­nen. Dem der For­de­rung zugrund­lie­gen­den posi­ti­vi­sti­schen Den­ken sind Dog­men grund­sätz­lich fremd. Alles gilt jeder­zeit als veränderbar.

Eine „spontane“ Antwort des Papstes?

Wäh­rend Tor­ni­el­li berich­te­te, fin­den sich auf der Face­book-Sei­te der UISG zwar Hin­wei­se auf die heu­ti­ge Audi­enz beim Papst, die „lan­ge gedau­ert und inten­siv“ gewe­sen sei,  nicht aber zu des­sen Aus­sa­ge zum Frauendiakonat.

Das besagt zwei­er­lei: Tor­ni­el­lis Infor­ma­tio­nen stam­men nicht von den Ordens­obe­rin­nen, son­dern aus erster Hand. Dafür bürgt sein Name. Das bedeu­tet auch, daß Papst Fran­zis­kus woll­te, daß sei­ne Aus­sa­ge bekannt wird.

Die ent­spre­chen­de Aus­sa­ge fiel im Rah­men einer Fra­ge­run­de. Die Ordens­obe­rin­nen durf­ten dem Papst sechs Fra­gen stel­len, die die­ser spon­tan beant­wor­te­te. Die Fra­ge zum genann­ten The­ma lau­te­te, war­um die Kir­che Frau­en davon aus­schlie­ße, als Dia­ko­nin­nen zu dienen.

„War­um nicht eine offi­zi­el­le Kom­mis­si­on bil­den, damit die­se die Fra­ge der früh­kirch­li­chen Dia­ko­nin­nen stu­diert?“, habe die Fra­ge an den Papst gelau­tet. Die Deckungs­gleich­heit mit der Anre­gung von Kar­di­nal Mar­ti­ni, die die­ser nach dem  Ver­bot des Frau­en­prie­ster­tums durch Johan­nes Paul II. for­mu­lier­te, ist offen­sicht­lich. Sie und der Tor­ni­el­li-Arti­kel deu­ten an, daß der Papst zwar in frei­er Rede dar­auf ant­wor­te­te, aber mög­li­cher­wei­se nicht so spon­tan, wie man es zu ver­mit­teln ver­sucht. Die Fra­ge scheint viel­mehr eine län­ge­re und wohl­über­leg­te Vor­ge­schich­te zu haben.

Die Sache „war mir ein bißchen obskur“?

Fran­zis­kus ant­wor­te­te näm­lich wie folgt: Er habe vor eini­gen Jah­ren mit einem „guten, wei­sen Pro­fes­sor“ über die­ses The­ma gespro­chen, der die „Dia­ko­nin­nen“, der ersten Jahr­hun­der­te stu­diert hat­te. Er habe mit die­sem Pro­fes­sor gespro­chen, weil ihm ein­fach nicht klar gewe­sen sei, was die­se „weib­li­chen Dia­ko­ne“ nun wirk­lich waren. „Hat­ten sie eine Wei­he oder nicht?“ habe der Papst den Pro­fes­sor gefragt. Die Sache sei ihm „ein biß­chen obskur“ gewesen.

„Wel­che Rol­le hat­ten die Dia­ko­nis­sen in jener Zeit?“, frag­te Fran­zis­kus nun vor den Ordensoberinnen.

„Eine offi­zi­el­le Kom­mis­si­on bil­den, die die­se Fra­ge stu­diert? Ich glau­be ja. Es wäre gut für die Kir­che die­sen Punkt zu klä­ren. Ich bin ein­ver­stan­den. Ich wer­de reden, um etwas in der Art zu machen. Ich akzep­tie­re. Es scheint mir nütz­lich, eine Kom­mis­si­on zu haben, die das ordent­lich klärt“.

„Ständige Diakonissen“ als „Möglichkeit für heute“

Laut Tor­ni­el­li hät­ten in der Anti­ke weder der männ­li­che noch der weib­li­che Dia­kon Anteil am Prie­ster­tum gehabt. Sie sei­en nicht geweiht, son­dern mit einem Amt beauf­tragt wor­den. Es gebe aber auch Hin­wei­se auf lit­ur­gi­sche Riten der Beauf­tra­gung. Es sei daher zu unter­su­chen, wel­che Rol­le sie genau inner­halb der christ­li­chen Gemein­schaft hatten.

Es gehe aber nicht nur um eine Stu­di­en­kom­mis­si­on, die eine histo­ri­sche Fra­ge klä­ren soll. Der Papst habe zu ver­ste­hen gege­ben, daß „stän­di­ge Dia­ko­nis­sen“ eine „Mög­lich­keit für heu­te“ sei­en. Über eine weib­li­che Dia­ko­nie spre­che bereits der hei­li­ge Pau­lus. Aus dem 3. Jahr­hun­dert gebe es Bele­ge für Dia­ko­nis­sen in Syri­en, die den Prie­ster dabei hal­fen, Frau­en zu tau­fen. Für das 4. Jahr­hun­dert sei­en lit­ur­gi­sche Sen­dungs­ri­ten belegt, die sich jedoch von jenen der männ­li­chen Dia­ko­ne unterscheiden.

Erzbischof Durocher und die Diözese Padua

Papst Franzikus grüßt Erzbischof Durocher dahinter Kardinal Baldisseri
Papst Fran­zi­kus grüßt Erz­bi­schof Duro­cher dahin­ter Kar­di­nal Baldisseri

Bereits wäh­rend der Bischofs­syn­ode über die Fami­lie hat­te der kana­di­sche Erz­bi­schof Paul-André Duro­cher von Gati­neau im ver­gan­ge­nen Okto­ber den ande­ren Syn­oda­len vor­ge­schla­gen, zu prü­fen, wie Frau­en zu Dia­ko­nin­nen geweiht wer­den könn­ten. Im Gegen­satz zu jenen Syn­oda­len, die das Ehe­sa­kra­ment ver­tei­dig­ten, wur­de Duro­cher zu einer jener täg­li­chen Syn­oden-Pres­se­kon­fe­ren­zen ein­ge­la­den, die vom Gene­ral­se­kre­ta­ri­at der Syn­ode in Zusam­men­ar­beit mit dem vati­ka­ni­schen Pres­se­amt abge­hal­ten wur­den. Ein Gun­st­er­weis wohl­wis­send, daß er dort sei­ne For­de­rung wie­der­ho­len würde.

Tor­ni­el­li berich­tet bei­läu­fig und mit selbst­ver­ständ­li­chem Unter­ton, als gäbe es bereits Dia­ko­nin­nen in der Kir­che. Ein „weib­li­cher Dia­ko­nats­dienst“ sei „schon seit län­ge­rem insti­tu­tio­na­li­siert“, so „bei­spiels­wei­se in den ver­gan­ge­nen Jah­ren auf Initia­ti­ve des dama­li­gen Bischofs Anto­nio Mat­tiaz­zo in der Diö­ze­se Padua. Es han­delt sich um Frau­en, die – wenn sie auch kein Ordens­kleid tra­gen – das Gelüb­de des Gehor­sams, der Armut und der Keusch­heit abge­legt haben. Sie haben sich auf die­se Wei­se als ‚apo­sto­li­sche diö­ze­sa­ne Mit­ar­bei­te­rin­nen‘ in den Dienst der Kir­che gestellt.“

Aller­dings wer­den die­se Frau­en weder von Tor­ni­el­li noch von der Diö­ze­se Padua Dia­ko­nin­nen noch Dia­ko­nis­sen genannt. Es han­delt sich um eine Lebens­über­ga­be, ver­gleich­bar der Jung­frau­en­wei­he, mit der sich Frau­en in den Dienst der Kir­che stel­len. Tor­ni­el­li führt die genau­en Auf­ga­ben in der Diö­ze­se Padua nicht näher aus, die aller­dings, wenn auch auf unprä­zi­se Wei­se, bezug nimmt auf die von Pau­lus erwähn­te Dia­ko­nie und irgend­wie auch auf die früh­christ­li­chen „Dia­ko­nis­sen“.

Päpstliches Nein zur „Klerikalisierung“ der Frau

Papst Fran­zis­kus, so der Vati­ka­nist, habe bereits mehr­fach die Not­wen­dig­keit betont, die Rol­le der Frau in der Kir­che auf­zu­wer­ten. Er habe es aber immer ver­mie­den, die­se Auf­wer­tung mit einer „Kle­ri­ka­li­sie­rung“ der Frau in Zusam­men­hang zu brin­gen. So ant­wor­te­te er Im Herbst 2013 in Anspie­lung auf einen Appell deut­scher Theo­lo­gin­nen, die Kar­di­nä­lin­nen for­der­ten: Frau­en sei­en auf­zu­wer­ten, nicht zu „kle­ri­ka­li­sie­ren“. Wer an Kar­di­nä­lin­nen den­ke, „lei­de ein biß­chen unter Klerikalismus“.

Im Sep­tem­ber 2001 ver­faß­ten der dama­li­ge Prä­fekt der Glau­bens­kon­gre­ga­ti­on, Kar­di­nal Joseph Ratz­in­ger, zusam­men mit dem Prä­fek­ten der Got­tes­dienst­kon­gre­ga­ti­on, Kar­di­nal Medi­an Este­vez, und dem Prä­fek­ten der Kle­rus­kon­gre­ga­ti­on, Cas­tril­lon Hoyos, einen von Papst Johan­nes Paul II. appro­bier­ten Brief. In die­ser Noti­fi­ka­ti­on vom 17. Sep­tem­ber 2001 heißt es (Her­vor­he­bung durch die Redaktion):

  1. Aus eini­gen Län­dern gin­gen in unse­ren Dik­aste­ri­en Hin­wei­se ein, daß Kur­se geplant und durch­ge­führt wer­den, die direkt oder indi­rekt die Dia­ko­nen­wei­he für Frau­en zum Ziel haben. Hier­durch wer­den Erwar­tun­gen geweckt, die jeg­li­cher lehr­amt­li­cher Grund­la­ge ent­beh­ren und daher zu Ver­wir­rung im Bereich der Seel­sor­ge füh­ren können.

  2. Da die kirch­li­che Ord­nung die Mög­lich­keit einer der­ar­ti­gen Wei­he nicht vor­sieht, ist es nicht erlaubt, Initia­ti­ven zu ergrei­fen, die in irgend­ei­ner Wei­se dar­auf abzie­len, Frau­en auf die Dia­ko­nen­wei­he vorzubereiten.

  3. Die wah­re För­de­rung der Frau in der Kir­che, die in Über­ein­stim­mung steht mit dem kirch­li­chen Lehr­amt und ins­be­son­de­re den Wei­sun­gen Sei­ner Hei­lig­keit Papst Johan­nes Paul II., eröff­net ande­re weit­rei­chen­de Per­spek­ti­ven für den Dienst und die Mitarbeit.

  4. Die unter­zeich­nen­den Kon­gre­ga­tio­nen wen­den sich daher – in ihren jewei­li­gen Zustän­dig­keits­be­rei­chen – an die ein­zel­nen Orts­bi­schö­fe, damit sie ihren Gläu­bi­gen die­sen Sach­ver­halt erklä­ren und die­se Richt­li­ni­en sorg­fäl­tig anwen­den mögen.

Die­se Not­fi­ka­ti­on wur­de am 14. Sep­tem­ber 2001 vom Hei­li­gen Vater approbiert.

Aus dem Vati­kan, 17. Sep­tem­ber 2001

+ Joseph Kar­di­nal Ratzinger
Prä­fekt der Kon­gre­ga­ti­on für die Glaubenslehre

+ Jor­ge Arturo Kar­di­nal Medi­na Estévez
Prä­fekt der Kon­gre­ga­ti­on für den Got­tes­dienst und die Sakramentenordnung

+ Dario Kar­di­nal Cas­tril­lón Hoyos
Prä­fekt der Kon­gre­ga­ti­on für den Klerus

Den­noch schreibt Tor­ni­el­li: „Neue Stu­di­en über das weib­li­che Dia­ko­nat in der Kir­che der ersten Jahr­hun­der­te, sei­ne Auf­ga­ben und Rol­len im Ver­gleich zum männ­li­chen, könn­ten neue Mög­lich­kei­ten und neue For­men des geweih­ten Dien­stes außer­halb der bereits exi­stie­ren­den Frau­en­or­den eröffnen.“

Papst Fran­zis­kus habe zudem den 870 Ordens­obe­rin­nen gesagt: Die Kir­che brau­che es, „daß die Frau­en an den Ent­schei­dungs­pro­zes­sen teil­neh­men. Auch daß die ein Amt im Vati­kan lei­ten kön­nen.“ Und wei­ter: „Die Kir­che muß geweih­te Frau­en und Lai­en in die Bera­tun­gen ein­bin­den und auch in die Ent­schei­dun­gen, weil sie ihren Gesichts­punkt braucht. Und die­se wach­sen­de Rol­le der Frau­en in der Kir­che ist nicht Femi­nis­mus, denn die Mit­ver­ant­wor­tung ist ein Recht aller Getauf­ten, männ­li­chen und weiblichen.“

Was bleibt? Letzt­lich „nur“, daß Papst Fran­zis­kus eine Stu­di­en­kom­mis­si­on befür­wor­tet, die Auf­ga­be und Rol­le der früh­kirch­li­chen Dia­ko­nis­sen stu­die­ren könn­te. Vor­erst nicht mehr und nicht weni­ger. Den­noch bleibt das ungu­te Gefühl, die Kir­che könn­te sich am Beginn einer neu­en Kon­tro­ver­se befin­den, die vom amtie­ren­den Papst ange­sto­ßen wird, so wie er im Som­mer 2013 jene der Kom­mu­ni­on für wie­der­ver­hei­ra­te­te Geschie­de­ne anstieß.

Text: Giu­sep­pe Nardi
Bild: NCR/​UISG (Screen­shots)

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