Rußlands Staatspräsident besuchte mit dem Moskauer Patriarchen den Berg Athos

Putin auf dem heiligen Berg Athos
Putin auf dem heiligen Berg Athos


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(Athen) Rußlands Staatspräsident Wladimir Putin besuchte am vergangenen Samstag den Berg Athos.

Putin, der sich zu einem Staatsbesuch in Griechenland aufhielt, reiste dabei auch in die Autonome Mönchsrepublik Athos. Der Besuch auf dem „heiligen Berg“ bildete den Abschluß seines Griechenland-Aufenthaltes.

Der Berg Athos umfaßt den Großteil des östlichsten Fingers der Halbinsel Chalkidiki in der Region Makedonien. Das Gebiet der Mönchsrepublik genießt innerhalb Griechenlands einen autonomen Status. Staatsoberhäupter des einzigen Männerstaates der Welt sind zu gleichen Teilen der griechische Premierminister und der Ökumenische Patriarch von Konstantinopel.

Der einzige Männerstaat der Welt

Fahne der Mönchsrepublik Athos
Fahne der Mönchsrepublik Athos

Bewohnt wird die Republik von der Größe Liechtensteins von rund 2.400 orthodoxen Mönchen. Frauen dürfen den Heiligen Berg nicht betreten. Als Flagge der Mönchsrepublik dient die Fahne der griechisch-orthodoxen Kirche, die ihrerseits die Fahne des 1453 untergegangenen byzantinischen Kaiserreichs mit dem schwarzen Doppeladler auf goldenem Grund weiterführt.

Begleitet wurde Putin vom Hafen Daphne vom griechischen Außenminister Nikos Kotzias per Schiff. Die Mönchsrepublik kann nur auf dem Seeweg erreicht werden. Eine Straßenverbindung auf dem Festland gibt es nicht.

Der Berg untersteht der Jurisdiktion Griechenlands, verwaltet sich aber weitgehend durch eigene Gesetz. Aus diesem Grund gelten auch nicht alle Bestimmungen der EU.

Mönchsrepublik mit eigenem Parlament und eigener Regierung

In Karyes, dem Hauptort der Republik, wurde Putin vom griechischen Staatspräsidenten Prokopis Pavlopulos erwartet und von der Mönchsgemeinschaft begrüßt. Karyes ist Sitz des Athos-Parlaments und des ständigen griechischen Repräsentanten auf dem Heiligen Berg. Jedes der 20 Großklöster entsendet zwei Abgeordnete in die Versammlung des Mönchsstaates.

Die Regierung bilden vier Mönche, die verschiedenen Klöstern angehören müssen. Alle Beschlüsse müssen einstimmig gefaßt werden. Das Staatssiegel, mit dem die Beschlüsse besiegelt werden müssen, ist viergeteilt. Jedes Regierungsmitglied ist Träger eines Viertels. Nur wenn ein Dokument durch alle vier Teile besiegelt ist, erhält es Gültigkeit.

Das russische Kloster Sankt Pantaleon

Russisches Kloster St. Pantaleon
Russisches Kloster St. Pantaleon

Rußlands Staatspräsident nahm in Karyes an einer feierlichen Messe teil und reiste dann in das Kloster  des heiligen Pantaleon weiter, dem Kloster der russischen Mönche auf dem Athos, das auf eine tausendjährige Tradition zurückblicken kann. Die 1000-Jahrfeiern waren auch der Hauptgrund für Putins Besuch, der nicht zum ersten Mal auf den Heiligen Berg pilgerte. Zuletzt hatte er 2005 die Mönchsrepublik aufgesucht. Der Besuch gilt offiziell als Wallfahrt.

Im Kloster wohnte er zusammen mit dem Moskauer Patriarchen Kyrill I. einer heiligen Liturgie bei. Das Kloster stand unter der Schirmherrschaft der russischen Zaren. Einer Verpflichtung, an die Putin als russisches Staatsoberhaupt anknüpft. Am Beginn des 19. Jahrhunderts lebten fast zweitausend russische Mönche auf dem Athos. Nach einem innerorthodoxen Streit und der bolschewistischen Machtübernahme in Rußland setzte ein Niedergang des Klosters ein. Unter Putin wurde es umfassend renoviert und konnte neuen Glanz erlangen. Nach dem Tiefststand Anfang der 70er Jahre, als nur mehr 25 Mönche im Kloster lebten, sind es inzwischen wieder an die 60 Mönche.

Text: Giuseppe Nardi
Bild: MiL/Wikicommons

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