Papst Franziskus über „offene“ und „verschlossene“ Kirchen

Papst Franziskus und das Jubiläum der Diakone
Papst Franziskus und das Jubiläum der Diakone

(Rom) Am gestrigen Sonntag begingen die Diakone der katholischen Kirche das Heilige Jahr der Barmherzigkeit. Auf dem Petersplatz zelebrierte Papst Franziskus aus diesem Anlaß eine Heilige Messe. In seiner Predigt zum „Jubiläum der Diakone“ sprach das Kirchenoberhaupt von „offenen“ und „verschlossenen“ Kirchen. Was sagte der Papst genau?

Wo soll man anfangen, um „tüchtige und treue Diener“ (vgl. Mt 25,21) zu werden? Als ersten Schritt sind wir aufgefordert, die Verfügbarkeit zu leben. Der Knecht lernt jeden Tag, sich davon zu lösen, alles für sich selbst zu verfügen und über sich selbst zu verfügen, wie er will. Er trainiert sich jeden Morgen darin, das Leben hinzugeben, zu denken, dass jeder Tag nicht ihm gehört, sondern als Selbsthingabe zu leben ist. Denn wer dient, wacht nicht eifersüchtig über seine eigene Zeit, er verzichtet sogar darauf, der Herr seines Tagesablaufs zu sein. Er weiß, dass die Zeit, die er lebt, nicht ihm gehört, sondern ein Geschenk ist, das er von Gott erhält, um es seinerseits zu schenken: nur so wird sie wirklich fruchtbar werden. Wer dient, ist nicht Sklave des Terminkalenders, den er festlegt, sondern willig stellt er sich dem nicht Geplanten zur Verfügung: bereit für den Bruder oder die Schwester und offen für das Unvorhergesehene, an dem es nie fehlt und das oft die tägliche Überraschung Gottes ist. Der Knecht ist offen für die Überraschung, für die täglichen Überraschungen Gottes. Der Knecht versteht, die Fenster seiner Zeit und seiner Räume für den neben ihm zu öffnen und auch für den, der zur Unzeit anklopft – auf die Gefahr hin, die verdiente Ruhe zu unterbrechen oder etwas liegen zu lassen, das ihm gefällt. Der Knecht lässt die Zeitpläne außer Acht. Es tut mir im Herzen weh, wenn ich in den Pfarreien Öffnungszeiten sehe: „von dann bis dann“. Und dann? Da ist keine Tür offen, es ist kein Priester da, kein Diakon, kein Laie, der die Leute empfängt … Es tut weh. Die Zeitpläne außer Acht lassen – Mut haben, die Zeitpläne außer Acht zu lassen. Wenn ihr, liebe Diakone, die Verfügbarkeit auf diese Weise lebt, dann wird euer Dienst von jedem Vorteilsdenken frei sein und fruchtbar sein im Sinne des Evangeliums.

Text: Giuseppe Nardi
Bild: vatican.va/OR (Screenshot)

Artikel drucken

1 Comment on Papst Franziskus über „offene“ und „verschlossene“ Kirchen

  1. Für die meisten kath. Priester ist es selbstverständlich, dass sie rund um die Uhr verfügbar sind und auch jederzeit „belästigt“ werden dürfen. Das muss hier wirklich mal (auch dem Papst) in aller Deutlichkeit gesagt werden! In der evangelischen Kirche sieht das nämlich ganz anders aus, wie ich schon hautnah erlebt habe. Zweifellos hängt das mit der zölibataeren Lebensweise unserer Geistlicher zusammen.
    Von einem Diakon, der ja meist verheiratet ist und „nebenbei‘ auch noch anderen Verpflichtungen nachkommen muss, wäre eine totale Verfügbarkeit eine schlichte Überforderung, die der Sache nicht sehr förderlich wäre! Im Gegenteil: In der kath. Kirche gilt nach wie vor der Grundsatz, dass die Standespflichten vor alle religiösen Pflichten zu stellen sind! Schon aus diesem Grund wäre es unbedingt angebracht, die Ehelosigkeit auch wieder für die ständigen Diakone einzuführen!

Comments are closed.