Kardinal Parolin: „Mein Nachfolger könnte eine Frau sein“

Kardinalstaatssekretär Parolin bei der Pressekonferenz für Frauenbeilage des "Osservatore Romano" (links OR-Chefredakteur Vian, rechts die Leiterin der Frauenbeilage Lucetta Scaraffia)
Kardinalstaatssekretär Parolin bei der Pressekonferenz für Frauenbeilage des "Osservatore Romano" (links OR-Chefredakteur Vian, rechts die Leiterin der Frauenbeilage Lucetta Scaraffia)

(Rom) Bei der Vorstellung der erneuerten Frauenbeilage des Ossservatore Romano „Donne Chiesa Mondo“ (Frauen Kirche Welt) beriefen sich alle Sprecher auf Papst Franziskus, darunter auch Kardinalstaatssekretär Pietro Parolin.

„Entscheidend war die Anweisung von Papst Franziskus, den Anteil der Frauen in der Redaktion zu erhöhen“, so Giovanni Maria Vian, Chefredakteur der „Tageszeitung des Papstes“.

„Wenn wir heute soweit sind, dann ist das ganz das Verdienst von Papst Franziskus. Er hat gesagt:‘Das ist die Stunde der Laien‘, und die Frauen sind alle Laien“, so die Feministin Luisa Muraro, Autorin in der aktuellen Ausgabe der Frauenbeilage des Osservatore Romano, was sie selbst noch vor kurzem für unmöglich gehalten hätte.

Kardinalstaatssekretär Parolin meinte zum Verhältnis zwischen Kirche und Frauen mit Blick auf Papst Franziskus: „Ich denke, daß noch mehr zu erwarten ist.“

Papstwählerinnen und Staatssekretärin?

Papst Franziskus sagte, die Frauen müßten in der Kirche aufgewertet werden. Kardinal Walter Kasper konnte sich daraufhin Frauen als Papstwähler vorstellen, ob als Kardinälinnen oder nicht, um seine Aussage allerdings am nächsten Tag wieder zu dementieren.

Nun sagte Kardinalstaatssekretär Pietro Parolin, er könne sich auch eine Frau als Nachfolgerin in seinem Amt vorstellen, die als Staatssekretärin an der Spitze der Römischen Kurie stehe.

Die Aussage tätigte der Purpurträger und Vatikandiplomat am Rande der Werbeaktion für die Frauenbeilage des Osservatore Romano „Donne Chiesa Mondo“ (Frauen Kirche Welt) am vergangenen Dienstag, siehe den Bericht Exklusiv und gewalttätig? Der Monotheismus im Kreuzfeuer des „Osservatore Romano“).

Wörtlich sagte der Kardinalstaatssekretär: „Eine Frau könnte Staatssekretärin sein, was die Rolle und Funktion des Staatssekretärs anbelangt; natürlich ohne Verbindung mit den Sakramenten oder dem Priestertum.“

Parolin weiter: „In jedem Fall, ich wiederhole, werden wir den bisher beschrittenen Weg weitergehen, und der Herr wird uns sagen, wie weit wir gehen können.“

Die Frauenbeilage ändert nicht nur ihr Äußeres, sondern auch die Ausrichtung, so die Koordinatorin Lucetta Scaraffia. Es gehe darum, verstärkt die Sichtweise der Frauen wiederzugeben. Die Frauenbeilage erscheint in einer Auflage von fast 20.000 Exemplaren und in verschiedenen Sprachen. „Vielleicht erscheinen wir bald auch auf deutsch“, so Scaraffia.

Mehrfach wurde lobend der „Einsatz“ des neuen Präfekten des vatikanischen Kommunikationssekretariats, Msgr. Dario Edoardo Viganò, betont. Dieser war zwar anwesend, saß aber nicht auf dem Podium, sondern stand schweigend ganz hinten im Saal. Er soll andere Pläne mit dem gesamten Osservatore Romano haben, als die derzeitige Redaktion.

Text: Giuseppe Nardi
Bild: RV/OR (Screenshot)

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5 Comments

  1. Parolin weiter: „In jedem Fall, ich wiederhole, werden wir den bisher beschrittenen Weg weitergehen, und der Herr wird uns sagen, wie weit wir gehen können.“

    Wenn erst einmal die kirchliche Lehre beiseite geschoben ist, gibt es kein Halten mehr, dann wird der ganze Glaube von der Furie des Verschwindens erfasst und konsequent in eine weltliche Ideologie transponiert. Dann ist es in der Tat völlig egal, ob Frauen „Priester“ werden können oder nicht oder wer den „Papst“ wählt, weil nichts mehr Wahrheit hat. Im radikal sich ausbreitenden Relativismus – und es liegt im Wesen des Relativismus sich zu verabsolutieren – hat nichts eine tiefere Bedeutung, alles hängt vom Betrachter und seinem subjektiven Befinden ab. Was da noch Glaube soll, worin seine Autorität läge, die er in die Waagschale zu werfen hätte, muss man schon fragen. Parolin scheint nicht wirklich wahrzunehmen, dass der Herr klare Grenzen immer schon gesetzt hat und dies bislang von der Kirche auch so gehört und gelehrt wurde. Aber die Versuchung, sich vom Wort Gottes zu emanzipieren, ist eben auch in Kirche eine immerwährende Versuchung. Die Ideologie der Aufklärung mit ihrem Primat des Säkularen schafft Totalität. Wo die Irrationalität der Aufklärung nicht mehr reflektiert wird, kann sie sich wie Mehltau über alles legen und selbst den Glauben in bloßen Schein verzerren. Schon heute scheint in der Kirche kaum noch jemand zu verstehen, was mit Schöpfungsordnung gemeint sein soll. Hört man den relativistischen Stimmen in der Kirche mal aufmerksam zu, so ergibt sich da ein Gottesbild, dass eher zu einem bösartigen Demiurgen passt, der Verwirrung und Chaos zum Glaubensgrund erhebt. Wo keine Ordnung, da gibt es auch keinen Verstoß, der sich gegen sie richtet und so wird das Gerede von der Sünde im Munde des Relativismus zu leerem Gerede.

  2. Die Kirchliche Regel und Gebote sind doch da zum Schutz der Glaubigen. Es geht einem viel besser wenn man sich daran haltet.Aber heute lehrt niemand uns mehr was gut oder nicht gut ist. Ich freue mich dass ich so alt bin dass ich die fruehere Kirche noch habe kennengelernt.

  3. Wenn es so weitergeht, glaube ich langsam wirklich auch, dass (geweihte) Frauen in kirchlichen Spitzen Ämtern den besseren Job machen würden!

    • Hochgeehrte @Pia,
      Da können Sie sehr gut recht haben.
      Mit nur eine Buchstabe zu verschieben, lautet der Satz nämlich:
      „Ein (möglicher) Nachfolger könnte meine Frau sein“ (wenn der Staatssekretär verheiratet wäre- bei Abschaffung des Pflichtzölibats eine ganz normale und natürliche Konsequenz).
      „Le ridicule ne tue pas“ (Altes französisches Sprichwort)- „Das Lächerliche tötet nicht“ (Schade, hätte ich fast daranzugefügt).

      • Lieber Adrien Antoine, Pia sagt aber: Geweihte Frauen! Also Braeute Christi!

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