Tabuisierte Abtreibungsdiskussion: „Die armen Frauen, die nicht abtreiben können“

Mario Adinolfi (Family Day, Popolo della Famiglia)
Mario Adinolfi (Family Day, Popolo della Famiglia)


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(Rom) Ein Beispiel für die Tabuisierung der Abtreibungsdiskussion lieferte heute Radio24, der Hörfunksender der italienischen Wirtschafts-Tageszeitung Il Sole 24 Ore. Radio24 interviewte den katholischen Journalisten und ehemaligen Parlamentsabgeordneten Mario Adinolfi.

Adinolfi: Das Gesetz 194 [italienischen Abtreibungsgesetz von 1978] sieht für Ärzte das Recht auf Verweigerung aus Gewissensgründen vor.

Radio24: Es gibt zu viele Gewissensverweigerer unter den Ärzten.

Adinolfi: Nennen Sie mir nur ein Beispiel einer Frau, die nicht abtreiben konnte, weil es keine Ärzte gab, die es gemacht hätten.

Radio24: … (Schweigen)

Dazu schrieb Adinolfi anschließend auf seiner Facebook-Seite:

„Sie machen uns so einen Schädel mit diesen armen Frauen, denen es nicht gelinge, das eigene Kind in ihrem Bauch umzubringen, weil die bösen Ärzte, die aus Gewissensgründen die Abtreibung verweigern, sie daran hindern. In Wirklichkeit gibt es nicht einen Fall einer Frau, nicht einen, die abtreiben wollte, aber nicht konnte. 105.000 Frauen wollten im vergangenen Jahr in Italien ihr Kind töten, und 105.000 Mal ist es ihnen gelungen. Eine perfekte Maschine des Schreckens. Sie lassen uns aber über Abtreibungsverweigerer unter den Ärzten diskutieren. Und dann fragen mich noch manche, warum wir den Popolo della Famiglia gegründet haben: Um sie zu zwingen, sich endlich der Wirklichkeit zu stellen und sich endlich mit einer Alternative zu befassen: der Abschaffung des Abtreibungsgesetzes 194.“

Das eigentliche Thema, die Tötung des ungeborenen Kindes, gehört zu den großen Tabus der europäische Gesellschaft. Über das Kind und sein Lebensrecht darf nicht diskutiert werden. Darum ist davon abzulenken. Im konkreten Beispiel wird die Diskussion auf die Ärzte gelenkt, die aus Gewissensgründe eine Beteiligung an der Abtreibung ablehnen. Als Form der Diskussionsverweigerung versuchte der Radiomoderator den Spieß umzudrehen und die Ärzte anzuklagen, die ein funktionierendes Gewissen haben und sich dem Kindermord verweigern.

Eine Biographie

Der Journalist Mario Adinolfi, Jahrgang 1971, arbeitet unter anderem für die Tageszeitung Avvenire der Italienischen Bischofskonferenz und Radio Vatikan. Er gehört heute in Italien zu den bekanntesten katholischen Stimmen in Politik, Medien und Gesellschaft.
Adinolfi war Mitglied im Organisationskomitee für den Family Day 2015 und 2016 gegen die Anerkennung der „Homo-Ehe“ und gegen die Einführung der Gender-Ideologie an Schulen und Kindergärten. 2016 nahmen zwei Millionen Menschen am Family Day teil, um gegen die von den Linksdemokraten geführte Regierungspolitik zu demonstrieren.
Er selbst gehörte bis 2011 den Linksdemokraten (PD) an und war 2007 Mitglied im 100köpfigen Komitee für die Ausarbeitung des aktuellen Parteiprogramms sowie stellvertretender Chefredakteur des Parteisenders Red TV. Als Parteiloser war 2012/2013 kurzzeitig als Nachrücker Mitglied des Italienischen Parlaments.
2014 gründete Adinolfi die katholische Online-Tageszeitung La Croce (Das Kreuz). Seit 2015 gestaltet er eine eigene Sendung auf Radio Maria Italien.
Im Anschluß an den Family Day 2016 gründete Adinolfi zusammen mit dem Vorsitzenden der Juristen für das Leben, dem Rechtsanwalt Gianfranco Amato, am vergangenen 2. März die neue Partei „Popolo della Famiglia“ (Volk der Familie). Mit dem Popolo della Famiglia kandidiert Adinolfi am kommenden 5. Juni bei den Kommunalwahlen für das Amt des Oberbürgermeisters von Rom. Den Weg in die Parteigründung ging der Großteil des Family-Day-Komitees nicht mit. Die Mehrheit will als Bewegung Einfluß auf die politischen Entscheidungen nehmen.
Der wiederverheiratet Geschiedene Adinolfi erreichte im Mai 2009 als erster Italiener die Finalrunde der World Poker Tour (Season 8 2009/2010 WPT Venice: Patz 6; Season 9 2010/2011 WPT Vienna: Platz 4).

Text: Giuseppe Nardi
Bild: Facebook/Mario Adinolfi (Screenshot)

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