Anderes Land, andere Bischöfe – Polens Bischöfe fordern Abtreibungsverbot

Lebensrecht statt Abtreibung
Lebensrecht statt Abtreibung

(Warschau) Die polnischen Bischöfe fordern zusammen mit der Lebensrechtsbewegung einen umfassenden Schutz des Lebens und ein völliges Abtreibungsverbot.

Derzeit ist die Tötung ungeborener Kinder in Ausnahmefällen erlaubt, so bei Vergewaltigung bis zur 12. Schwangerschaftswoche, bei schwerer Mißbildung des Fötus und bei Lebensgefahr für die Mutter.  Das geltende Gesetz geht auf das Jahr 1993 zurück und beendete die vom kommunistischen Regime eingeführte „Freiheit“ zur Tötung ungeborener Kinder. Selbst während der kommunistischen Diktatur hatte Polen das restriktivste Abtreibungsgesetz unter den sozialistischen Volksrepubliken des Ostblocks. 1956 wurde die Tötung ungeborener Kinder legalisiert. die höchsten Abtreibungsraten gab es laut Statistiken in den 1960er Jahren. Die Sowjetunion war 1920 das erste Land der Welt, das per Gesetz die Tötung ungeborener Kinder erlaubte.

Nach den Präsidentschafts- und Parlamentswahlen des vorigen Jahres, die einen Regierungswechsel brachten, legten Lebensrechtsorganisationen nun einen Gesetzentwurf vor, der die Unterstützung der neuen nationalkonservativen PiS-Regierung besitzt, wie Ministerpräsidentin Beata Szydlo und der PiS-Vorsitzende Jaroslaw Kaczynski bestätigten.

„Man kann nicht beim Kompromiß von 1993 stehenbleiben“

„Wenn es darum geht, das Leben ungeborener Kinder zu schützen, kann man nicht beim Kompromiß von 1993 stehenbleiben”, erklärte die Polnische Bischofskonferenz. Ein gemeinsamer Hirtenbrief der Bischöfe wurde gestern, am Weißen Sonntag (Barmherzigkeitssonntag), in allen Pfarreien des Landes verlesen. Die Bischöfe fordern die Gläubigen auf, den Kampf gegen das Übel der Abtreibung zu unterstützen und für einen umfassenden Schutz des ungeborenen Lebens einzutreten. Der Schutz des Lebens schutzloser, unschuldiger Kinder müsse in Polen Geltung haben. Es sage viel über eine Nation aus, wie sie mit ihren ungeborenen Kindern umgehe.

Der neue Gesetzentwurf sieht vor, daß die Tötung des ungeborenen Kindes nur mehr bei Lebensgefahr der Mutter möglich sein soll. Wer an eine illegale Abtreibung durchführt oder sie unterstützt soll künftig mit fünf Jahren Gefängnis bestraft werden. Derzeit sind zwei Jahre vorgesehen, die somit auf Bewährung ausgesetzt werden können.

Laut Gesundheitsministerium haben sich unter der wirtschaftsliberalen Vorgängerregierung die legalen Abtreibungen fast vervierfacht auf 1.812 Fälle im Jahr 2014. Feministische Organisationen reden hingegen von 200.000 Abtreibungen jährlich, wenn man die Frauen berücksichtigen würden, die zur Abtreibung ins Ausland gehen. Beweise für diese horrenden Zahlen werden allerdings nicht vorgelegt. Seit den frühen 1970er Jahren gehört es zum Standard der Abtreibungslobby nachweislich völlig überhöhte illegale Abtreibungszahlen zu behaupten, um damit die „Notwendigkeit“ einer legalen Regelung, sprich, die Legalisierung der Tötung ungeborener Kinder, zu rechtfertigen. Neutrale Beobachter gehen von derzeit 7.000-10.000 illegalen Abtreibungen aus.

Internationale Institutionen versuchen Polen unter Druck zu setzen

Feministische und abtreibungsbefürwortende Organisationen agitieren für die Freigabe des Kindermordes. Die Feministengruppe Feminoteka demonstrierte mit skrupellosen Parolen für ein „Recht“ auf Tötung ungeborener Kinder: „Mein Körper gehört mir“, „Abtreibung ist heilig“ und „Vade retro Pro Vita“.

Internationale Institutionen wie EU und UNO üben Druck gegen Polen aus, den Kindermord zu legalisieren. Im November 2015 kam es zum perversen Paradox, daß das UNO-Komitee für die Rechte des Kindes, zuständig für die Einhaltung der UNO-Kinderrechtskonvention von 1989, von Polen im Namen der Kinderrechte die Legalisierung der Abtreibung forderte.

Text: Giuseppe Nardi
Bild: ipco (Screenshot)

drucken

Wenn Ihnen dieser Artikel gefallen hat:
Unterstützen Sie bitte Katholisches.info mit einer Spende.
Zuwendungsübersicht