Veröffentlichung des nachsynodalen Schreibens zur Familiensynode verschiebt sich

Kardinal Kasper mit Papst Franziskus während der Familiensynode
Kardinal Kasper mit Papst Franziskus während der Familiensynode


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(Rom) Das nachsynodale Schreiben zur Doppel-Familiensynode soll nun doch erst im April veröffentlicht werden. Laut einem Agence France-Presse (AFP) Bericht werde das Schreiben zwar am 19. März, dem dritten Jahrestag der Amtsübernahme durch Papst Franziskus, von diesem unterzeichnet, aber erst im April veröffentlicht werden.

„Aufregung zum Osterfest vermeiden“

Als Grund wird die „nötige Zeit“ genannt, um die Übersetzungen des, laut AFP, „umfangreichen Dokuments“ in die verschiedenen Sprachen anfertigen zu lassen. In den vergangenen Monaten war der 19. März als Tag der Veröffentlichung genannt worden. Kurienerzbischof Vincenzo Paglia, der Vorsitzende des Päpstlichen Familienrates hatte es im Januar so angekündigt. Der tatsächliche Grund für die Verschiebung sei aber „der Willen, Aufregung zum Osterfest zu vermeiden“. AFP beruft sich dabei auf nicht näher genannte „Quellen des Vatikans“.

Im nachsynodalen Schreiben, das Ausfluß der beiden Bischofssynoden über die Ehe und die Familie vom Oktober 2014 und Oktober 2015 wird, werden die Schlußfolgerungen und Entscheidungen von Papst Franziskus zu umstrittenen Fragen erwartet, die in den Synoden hart umkämpft und eine Spaltung der Kirche erkennen ließen. Dazu gehören die Zulassung kirchlich verheirateter, zivilrechtlich aber wiederverheirateter Geschiedener zu den Sakramenten, andere Formen des irregulären Zusammenlebens von Mann und Frau und homosexuelle Beziehungen.

Kardinal Kasper: Papst Franziskus „wird neues Kapitel“ der Kirchengeschichte aufschlagen

Kardinal Walter Kasper kündigte eine „Revolution“ an, die durch das nachsynodale Schreiben eingeläutet werde. Laut Kasper, gegenüber der Tageszeitung „Il Tirreno“, werde Papst Franziskus ein „neues Kapitel“ in der Kirchengeschichte aufschlagen und sich „endgültig“, also in definitiver Form zur Frage der wiederverheiratet Geschiedenen äußern.

Beobachter erwarten sich hingegen weniger explizite Aussagen des katholischen Kirchenoberhauptes. Der Papst werde auf eine verstärkte „Integration“ der „verletzten Familien und von Gläubigen in einer Zweitehe“ in die Kirche drängen, aber auch auf eine bessere Ehevorbereitung, um die Zahl nichtiger Ehen zu reduzieren, so AFP.

Kasper selbst reduzierte gegenüber Il Tirreno seine plakative Ankündigung inhaltlich. Was die Zulassung zur Kommunion anbelange, „stehen alle Türen offen, aber man könne nicht entscheiden: ab jetzt können sie die Kommunion empfangen“, so Kasper. Soweit AFP.

Beobachter gehen davon aus, daß Papst Franziskus bereits seit dem heftigen Widerstand durch Teile der Kirche gegen die Kasper-Linie bei der ersten Bischofssynode im Oktober 2014 seine Erwartungen stark zurückgeschraubt habe.

Dokument zwischen „Revolution“ und „Farce“?

Bereits im Vorfeld der Familiensynode 2014, als fünf namhafte Kardinäle ihre Position zur Verteidigung der katholischen Ehe- und Morallehre im Buch „In der Wahrheit Christi bleiben“ vorgelegt hatten, reagierte Kardinal Kasper verärgert. Irritiert über die Gefährdung seiner progressiven Strategie schimpft in Richtung dieser Kardinäle: „Machen wir die Synode nicht zur Farce.“ Als „Farce“ meinte der deutsche Kardinal die Bekräftigung der überlieferten Lehre.

Eine Zulassung wiederverheiratet Geschiedener zu den Sakramenten erwartet sich in Rom kaum noch jemand. Das Interesse konzentrierte sich auf die Art der Formulierung, die Papst Franziskus zur Frage Stellung nehmen wird und welche pastoralen Folgerungen progressive Kirchenkreise daraus ziehen werden.

Die Signale rund um die schon seit Herbst 2013 angekündigte „Revolution“ bleiben widersprüchlich.

Text: Giuseppe Nardi
Bild: MiL

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5 Comments on Veröffentlichung des nachsynodalen Schreibens zur Familiensynode verschiebt sich

  1. Es wird wahrscheinlich keine direkte Zulassung von sog. wvh. Geschiedenen zur hl. Kommunion geben. Aber der Weg dorthin wird sicherlich unter viel Gerede auch nicht verbaut werden. Ansonsten hätte der Papst sich die beiden Synoden ersparen können.

  2. Der Termin sagt alles ! Das Schreiben dass sehr wahrscheinlich wie Kardinal Kasper andeutet, ein Paukenschlag sein wird und nichts gutes verheißt, kommt Gott sei Dank erst nach Ostern. So ist der Friede wenigsten über Ostern gesichert. Darüber hinaus, sollte Franziskus tatsächlich die Lehre und was damit zusammen hängt ändern, kann das auch als Befreiungsschlag gedeutet werden, nämlich, dann wären die Fronten geklärt und jeder wüsste woran er ist.

  3. Ich habe das Interview Benedikts in den vergangenen Tagen so verstanden um einem möglichen drohenden Schisma vorzubeugen. Benedikt ist seinem Dienst der Einheit insofern nachgekommen in dem er die Linie von Franziskus gestärkt hat.
    Interessant dass Kasper den Synodenbeschluss als Öffnung auffasst.
    Die wichtigen Paragraphen bekamen trotz schwammiger Formulierung nur eine Mehrheit von einer Stimme. Ein klare progressive Position zur Öffnung hätte nie und nimmer eine Mehrheit bekommen. Nimmt der Papst und Kasper den Synodalen Weg ernst, müssen sie sich an der Synode orientieren.
    Ist die Synode nur valide wenn sie in progressivem Sinne entscheidet, dann ist diese wirklich eine Fars

  4. Alle Türen stehen offen. Ich hoffe, dass auch die Tür offen steht, durch welche Kardinal Kasper zum Segen für die Kirche hinausgeworfen wird.

  5. Heutzutage ist es immer ein gutes Zeichen, wenn sich etwas nach hinten verschiebt! Es wurde wohl viel gebetet, um dies zu erreichen!

    (Warum ist es ein gutes Zeichen? Weil das Datum bereits feststeht für das Neue Zeitalter, siehe Geheime Offenbarung, das allerdings niemand kennt und kennen kann, außer Gott Vater. Jede Verschiebung nach hinten lässt dem Feind weniger Zeit…)

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