Einseitige Anerkennung der Piusbruderschaft durch Papst Franziskus?

Bischof Alfonso de Galarreta
Bischof Alfonso de Galarreta

(Rom) „Der Papst geht in Richtung einer einseitigen Anerkennung der Bruderschaft“. Diese Worte stammen von Bischof Alfonso de Galarreta, einem der drei Bischöfe der Priesterbruderschaft St. Pius X. (FSSPX). „Eine klare Willensbekundung des Heiligen Vaters, den Weg zur vollen und dauerhaften kanonischen Anerkennung [der Piusbruderschaft] zu fördern.“ Diese Worte stammen hingegen von Kurienerzbischof Guido Pozzo, dem Sekretär der Päpstlichen Kommission Ecclesia Dei.

Bischof de Galarreta sprach im vergangenen Januar auf einem Einkehrtag in Bailly nahe bei Versailles. Der Text wurde jedoch erst gestern veröffentlicht. Msgr. Pozzo gab am Donnerstag der Presseagentur Zenit ein Interview. Die endgültige Fassung wurde gestern publiziert. Beide Aussagen erschienen damit bemerkenswerterweise am selben Tag.

Direkte Anerkennung ohne Doktrinelle Präambel?

Laut Bischof de Galaretta könnte Papst Franziskus einen anderen Weg gehen als sein Vorgänger Benedikt XVI. Anstatt von der Piusbruderschaft als Voraussetzung für die kanonische Anerkennung die Unterzeichnung einer Doktrinellen Präambel zu verlangen, könnte der Papst die Bruderschaft einseitig und ohne weitere Vorleistung anerkennen.

De Galaretta betonte die Richtigkeit des entschiedenen Handelns des Generaloberen der Bruderschaft, Bischof Bernard Fellay, der auf die Präambel der Glaubenskongregation umfassend geantwortet habe, was die Bruderschaft sei, was sie lehrt, was sie tut, was sie nicht tut und auch was sie nicht zu tun bereit sei.

„Eine echte Information oder ein Strohfeuer, das läßt sich schwer sagen“, schrieb dazu das Presseportal der Schweizer Bischofskonferenz cath.ch . Will sagen: Ob es sich dabei um ein Wunschdenken in den Reihen der Piusbruderschaft handelt, oder ob konkrete Signale in diese Richtung aus Rom vorliegen, sei durch eine erste Nachfrage bei verschiedenen Stellen nicht zu klären gewesen.

Die Piusbruderschaft sei anzuerkennen, wie sie ist. Die Dinge lägen alle auf dem Tisch, so de Galarreta. Eine solche kanonische Anerkennung sieht der Bischof durchaus positiv für die Piusbruderschaft. Von ihr erwartet er sich eine günstige Wirkung für das apostolische Wirken der Bruderschaft. Allerdings berge sie auch „Risiken“. Eine davon sei die Gefahr einer internen Spaltung, eine andere seien mögliche Einschränkungen im Apostolat. „Ich persönlich mache mir keine Sorgen um die Zukunft der Bruderschaft oder der Tradition“, so de Galarreta.

Text: Giuseppe Nardi
Bild: fsspx

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58 Comments

  1. und bei der nächsten Bischofsweihe in den nächsten Jahren wieder Exkommunikation?
    das ganze wird lächerlich

      • Unter Benedikt vielleicht. Und trotzdem hinge auch dann alles vom Wohlwollen des Papstes ab! Und noch eins: Wenn Bergoglio die FSSPX voraussetzungslos aufnähme, dann hätte die FSSPX auch kein Recht, irgendwelche Sonderbehandlungen zu verlangen. Sie wären als Bruderschaft wie jeder andere Orden dem Papst und womöglich auch der Ordenskongregation unterstellt. Wohin das führen kann, sieht man ja bei den Franziskanern der Immakulata.

  2. Die Anerkennung der Piusbruderschaft wird eine Bereicherung für die Kirche sein. Die Priester der Piusbruderschaft haben eine fundierte theologische Ausbildung und geben den Gläubigen ein stabiles Fundament im katholischen Glauben. Es wäre ein Zeichen in diesem Jahr der Barmherzigkeit, wenn die Katholische Kirche sich in ihrer Ganzheit zeigt. Der Piusbruderschaft wird es endlich erlauben, ihre missionarische Tätigkeit zu erweitern und zu festigen. Was sie bis zum heutigen Tag mithilfe der göttlichen Vorsehung erreicht hat, ist bemerkenswert.

  3. Die PIUS-Bruderschaft wird hoffentlich klug genug sein, eine SOLCHE „Anerkennung“ im Geiste des postmodernen RELATIVISMUS KLAR zurückzuweisen! Und die Häresien Bergoglios ebenso klar zu benennen. Deshalb kann er ja trotzdem als bis zum Beweis des Gegenteils GÜLTIG gewählter Papst anerkannt und für ihn gebetet werden durch die Piusbrüder.

    • Warum sollte sie es zurückweisen? Sie sagen ja immer, mE zu Recht, dass die Aufhebung der Bruderschaft und die irregulärw Situation (Suspendierung) unrechtmäßig und unwirksam seien. Erstens wäre eine solche Zurückweisung also inkonsequent und zweitens wirklich eine Anmaßung gegen den Jurisdiktionsprimat und das Vaticanum von 1869/70.

      • Da haben Sie recht @Tridentinus! Wenn Bergoglio der FSSPX voraussetzungslos die Arme öffnete, um sie der Kirche zu incorporieren, dann hat die FSSPX kein Argument, diese für sie gewiss tödlichen Umarmung abzulehnen, ohne sich als notorische Schismatiker selbst ins Abseits zu stellen. Das nennt man in Spielerkreisen „Zwickmühle“ oder „Schach matt“..

  4. „Eine solche kanonische Anerkennung sieht der Bischof durchaus positiv für die Piusbruderschaft. (…) „Ich persönlich mache mir keine Sorgen um die Zukunft der Bruderschaft oder der Tradition.““

    Ach, jetzt auf einmal, Exzellenz!? Als Ihrer Bruderschaft unter Benedikt XVI. ein ehrliche(re)s Angebot gemacht wurde, da hat man sich geziert und gewunden und allen möglichen bösen Willen unterstellt. Jetzt, wo Bergoglio die FSSPX quasi als Feigenblatt für seine Mission gebrauchen möchte, nach dem Motto: „Wer die FSSPX bedingungslos aufnimmt, kann kein Zerstörer der Kirche sein!“, da ist man gewillt, sich bedenkenlos als Esel vor den Karren spannen zu lassen!?

    Wenn die FSSPX dem Angebot Benedikts damals ohne doktrinelle Ziererei sofort zugestimmt, den vatikanischen Gegenern der Einigung und Williamson also keine Zeit zur Hintertreibung geboten hätte, wäre uns aller Voraussicht nach Bergoglio ersprat geblieben und die Tradition heute nicht in diesem Dornröschenschlaf! Das muss auch einmal gesagt werden!

  5. Diese Nachrichten sind natürlich positiv für die Piusbruderschaft. Aber nicht für jeden Gläubigen.
    Bisher war die Bruderschaft ein Rettungsboot für alle Gläubigen, die katholisch bleiben aber den ÖR-Saftladen nicht mehr mit Kirchensteuer unterstützen wollten. Das dürfte dann vorbei sein. Auch werden die Bischöfe mindestens Einfluß auf Messzeiten- und Orte erhalten und es dieselben Behinderungen wie bei der Petrusbruderschaft geben.
    Alles zusammen würde ich sagen: Jetzt nicht, nicht in unserer derzeitigen Lage.

  6. Nun ja, man könnte auch sagen: „Unter Franziskus ist eh alles egal.“

    Eine Leserin Namens cuppa erwähnte die Möglichkeit dieser Entwicklung ganz am Anfang des jetzigen Pontifikats, dass FSSPX eine weiterer Bestandteil in dem Multi-Kulti-Zoo sein wird und es scheint darauf hinzulaufen.

    Aber einen unkatholischeren Papst hat es schon lange nicht mehr gegeben. Es spricht leider nicht für die Katholizität der FSSPX, dass sie sich so vornehm mit der Kritik zurückhält, wo wirklich mehr unkatholische Entscheidungen zusammentreffen als wahrscheinlich in der gesamten Nachkonziliszeit zusammengenommen.

    Die FSSPX ist leider nicht so heilig, gelehrt und fromm, wie sie von vielen wahrgenommen wird, denn durch die kanonische Irregularität hat sich auch dort sehr viel, nun sagen wir „Dunkelheit“ angesammelt, wie bei Franziskus ja auch. Und gleich und gleich gesellt sich gern.

    Sollte aber die Wahl von Papst Franziskus sich als ungültig herausstellen oder abrogiert werden, wie sind dann seine Entscheidungen nicht nur rechtlich, sondern geistlich einzuschätzen.

    Schwierig, schwierig ..

  7. http://www.holylove.org/messages_by_year.php

    February 24, 2016
    Public

    Mary, Refuge of Holy Love says: „Praise be to Jesus.“

    „Corruption of the heart is the compromise of Truth. Whatever the heart embraces as Truth, determines his course of action. Within the spiritual realm, this compromise is the basis for sin.“

    „I come to you to call for unity in Truth, not unity in error. Do not presume that breaching Doctrine and Tradition to achieve unity is pleasing and justified in God’s Eyes.“

    „I am the Refuge of the Holy Remnant Faithful. Cling fast to My Immaculate Heart during these troubling times and you will not be tricked into abandoning the Truth. It is not important how people perceive you. It is important to embrace the Truth in God’s Eyes.“

    February 26, 2016
    Public
    St. Michael comes holding his Shield of Truth. He says: „Praise be to Jesus. I tell you solemnly, not all unity is good. People can be united in the Truth and that is of God, but they also can be united in evil to please self and man. If you ignore God’s Laws – the Commandments, Doctrine, Religious Tradition, you do not unite in the Truth of God’s Will. Such unity is not of God and does not achieve His purpose.“

    ————-

    Meine persönliche Meinung ist, dass die von Benedikt XVI. angestrebte Vorgangsweise betreffend die Piusbruderschaft im Willen Gottes lag und liegt.
    Ein Streben bzw. Herbeiführen von „Einheit“ bei gleichzeitiger Aufgabe von Teilen der Wahrheit („… jeder kann seinen Standpunkt und was er als Glaube annimmt selbst bestimmen bzw. behalten….“) ist verwerflicher Relativismus, der nicht dem Heil der Seelen dient.
    Im Kompromiss ist die Wahrheit nicht!

    • Lieber Mitforist,
      natürlich kann und muß jeder Gläubige seinen Standpunkt selbst bestimmen. Alles Andere wäre unredlich. Individuell können Glaubensinhalte nicht vorgeschrieben werden. Das wäre ein Widerspruch. Das Lehramt kann dem Kirchenvolk lediglich Anregungen zur weiteren Gewissenserforschung geben. Mehr nicht, weil niemand die Wahrheit kennt. Wir auf Erden können lediglich Theorien bilden deren Verifikation oder Falifikation sich nach unserem hoffentlich friedlichen Ableben herausstellen wird.
      Insofern ist die Anerkennung der Pius-Bruderschaft der richtige Weg. In einer allumfassenden – also katholischen – Kirche müssen wir solche Diskrepanzen aushalten.

  8. Dass GERÜCHTE soviel zu schreiben geben! Wehe wenn Kardinal X. hustet oder Seelsorgerin Z. rülpst: was wird dann erst geschrieben werden!!

  9. Meine Befürchtung ist, dass Franziskus die Arme öffnen wird, alle laufen besoffen vor Seligkeit in die Arme und er wird sie erdrücken. Damit wäre der letzte organisierte doktrinäre Hort der katholischen Kirche tot. Dieses ist das Ziel, das sich hinter solchen Meldungen verbirgt. Die Piusse werden derzeit doch nur wie lästige Läuse im Pelz der Organisation empfunden, die sich anschickt das Zentrum der einen Weltreligion zu werden. Ich bedaure, dass die Piusse nicht aktiv das durch Franziskus und seine Plaudereien entstandene dogmatische Vakuum in der katholischen Kirch besetzt haben

    • „Damit wäre der letzte organisierte doktrinäre Hort der katholischen Kirche tot. Dieses ist das Ziel, das sich hinter solchen Meldungen verbirgt.“

      Sehr richtig. Die Piusbruderschaft repräsentiert trotz aller Mängel
      (die Frau zeitschnur hier immer benennt) doch immer noch die alte katholische Kirche.
      Eine Schleifung dieser Bastion durch einseitige Anerkennung
      (= Vereinnahmung ) würde die authentische katholische Kirche vom Erdboden verschwinden lassen.
      Ein absolut apokalyptisches Zeichen.

  10. Kann mir gut Vorstellen, daß Franziskus I. sich auch in dieser Frage nicht an Formalitäten orientiert, sondern am Wesentlichen. Und dann,
    hätte er in diesem Fall jedenfalls Recht.

  11. Wenn ich machtbewusster Papst im Sinne des Vat. I. wäre, würde ich es auch so machen und dem ganzen Spuk ein Ende bereiten. Das Katz-undMaus-Spiel zwischen Rom und FSSPX ist auch eine Folge des ganzen Chaos und an sich unnormal – gerade auch von Rom her.
    Das sieht jedenfalls das Vat. I vor. Pius X. hätte mit so einer Gruppe, die sich all das unter seinem Patronat erlaubt, nicht lange gefackelt und sie nach paar Monaten rausgeworfen.
    Solange man den Papst voll und ganz anerkennt, darf man sich auch nicht so einrichten, wie diese Bruderschaft es tut.

    Das kleine Problemchen ist hier halt, dass man 1870 nicht einmal um die nächste Ecke dachte und sich klarmachte, dass diese Überzeichnung des Jurisdiktionsprimates ein echter Schuss in den Ofen werden könnte.

    Wer klug ist, macht sich da weder mit der einen Seite noch mit der anderen gemein, denn recht ist es so oder so nicht.

    • Naja, Sie beziehen Ihre Vorstellungen vom Papstamt und seiner Ausübung offenbar aus einen Dan Brown Roman. Unter Pius X. hätte es überhaupt keine Voraussetzung für die Gründung der FSSPX gegeben, was soll dieses Konstrukt? Vielmehr wäre unter seiner Regentschaft ein Vat. II unmöglich gewesen und jemand wie Bergoglio wäre niemals in höchste Kirchenämter gelangt! Wenn etwas ein echter Schuss in den Ofen ist, dann Ihre melodramatische Seifenoper: „Vat I., die Überzeichnung des Jurisdiktionsprimats und seine Folgen“.

      • Letzteres wohlkaum. Nur reichen diese Überzeichnungen eher noch weiter zurück. Begannen neuzeitlich mE bereits kurz nach Trient.

      • Dan Brown ist demnach Ihre Lektüre?
        Meine nicht, keien Ahnung, was der so schreibt, ich hab eher mit der Logik… ich gebe aber zu, dass der von mir dargelegte Gedanke ein klein wenig zu anspruchsvoll sein könnte für ein Niveau der Soap-Opera-Spezialistinnen…

        Wer das Papstamt absolut setzt, muss damit rechnen, dass eines Tages einer Papst wid, der ihm vielleicht nicht mehr in den Kram passt. und dann hat er ein gewaltiges Problem, ein handgestricktes…

        Schwierige Überlegung, aber lassen Sie sich Zeit mit dem Verstehen. Manches braucht etwas Zeit.

      • „Nur reichen diese Überzeichnungen eher noch weiter zurück“

        Stimmt @Tridentinus! Ich denke, sie begannen im Grunde mit Mt. 16.18f.

        @zeitschnur: Süffisanz umflort Sie wie schlechter Atem. Das macht einsam und wirkt schlichtweg unsympathisch.

      • @ hicesthodie

        Sie haben mich mal wieder mit hässlichen Worten angegriffen, also halten Sie bitte auch das Conter aus!

        Und Ihre weiteren persönlichen Anwürfe sparen Sie sich bitte endlich mal – Einsamkeit dürfte wohl vor allem anderen Ihr eigenes Problem sein, bei der Verbissenheit und Humorlosigkeit, mit der Sie hier gegen meine Privat-Person herumballern.

    • Mit wem soll man sich denn gemein machen? Irgendwann wird die Auswahl immer kleiner.
      Die Stellung der Piusbruderschaft zum Papstamt ist vielleicht manchmal etwas erklärungsbedürftig, aber sie ist ggf. der einzige Hafen, den man hat. Auch der beste Hafen kann Riffe haben, aber er bleibt immer noch der beste Hafen.
      Die Überschätzung des Papstes darf man sich halt nicht zu eigen machen. VAT I. hat ja nur von Unfehlbarkeit „ex cathedra“ gesprochen. Ist der Papst „extra cathedra“ ein Häretiker, greift VAT I. nicht. Und Franziskus weiß ja gar nicht, wo eine Cathedra steht. Der hält das für eine Pizzasorte.
      Nicht die Äußerungen eines Papstes lassen mich die Piusbruderschaft als ein Rettungsboot sehen, sondern die Entwicklung der Kirche an sich, speziell in Deutschland. Denn an die Diözese Eichstätt geht meine Kirchensteuer, und da muß ich entscheiden, ob ich das noch kann. Lebte ich Durban, wäre das gar kein Problem.

      Franziskus ist nicht die erste Null auf dem Papstthron und auch nicht der erste Häretiker. Insofern haben Sie Recht, daß dieser Papst eine heilsame Kur von aller Papolatrie ist.

      • Das glaube ich nicht, dass F. nicht wüsste, wo die Cathedra steht. Zumal sowohl Pius X., als auch später JP II ausdrücklich behauptet haben, ihr Gefolgschaftsanspruch an die Gläubigen beträfe ALLE ihre Äußerungen.
        Das wissen sie seltamerweise ganz genau, ob schwarz ob blond ob braun, wie man sich die totale Macht sichert. Natürlich stellen da weite Kreise in der Kirche auf Widerstand oder „Hier-rein-hier-raus“. das war schon bei Pius X. so und ist nocht heute so. genauso zynisch wie man den Antomderisteneid schwor und sofort brach, macht man es auch heute. Selber schuld, kann man da nur sagen, denn mit dem Evangelium und dem NT hat das ja nicht smher zu tun.
        Das petrinische „Ihr Hirten, seid nicht Beherrscher der Kirche…“ ist bei dieser Sorte Päpste offenbar völlig hinten runter gefallen. Diese Männer hatten schon im 19. Jh keine Machtfülle, hätten sie aber gerne erpresst. Der Mensch wird dadurch korrumpiert, und, wie Newman sagte: Der Glaube wird dadurch geschwächt.
        Und: Er WURDE geschwächt!

        Ich weiß keinen Rat, es ist eine einmalige und flächendeckende Katastrophe. Ja, die Auswahl wird immer kleiner.

        Aber es ist keinem Katholiken erlaubt, zweifelhafte Sakramente anzunehmen.
        Auch das sollte man ab und zu ins Bewusstsein rufen.

        Andererseits: Jesus bleibt, der er war und ist und sein wird, in Ewigkeit. Er bleibt jedem von uns, wenn er es nur will. Er ist doch unsere Hoffnung und nicht irgendwelche schwachen, machtbesessenen und irrenden Männer, die seit 2000 Jahren schon soviel Unheil angerichtet haben – und doch gibt es die Kirche noch! Weil der Herr wirklich der Herr IST.

  12. Hört sich natürlich im ersten Moment gut an. Allerdings frage ich mich, welche Bedingungen damit verbunden sind.
    Würde nicht eine volle Anerkennung auch gleichzeitig eine völlige Unterwerfung und absoluten Gehorsam gegenüber dem „Papst“ bedeuten?
    Ob das gut wäre? Ich trau der Sache nicht! Bei Papst Benedikt XVI hätte ich diese Bedenken jedenfalls nicht gehabt.

  13. @ TRIDENTINUS: Es gibt auch Grenzen des Kirchenrechts, besonders in dieser ENDZEIT! Und auch MEIN abgeklärter Pragmatismus endet irgendwo!

    Die PIUS-Bruderschaft muss unbedingt als HEILIGER REST und als Zufluchtsort AUSSERHALB der Institution erhalten bleiben.

    Ich besuche deshalb BEWUSST morgen die HEILIGE MESSE in Innsbruck-Hötting und nicht, wie sonst meist aus finanziellen Gründen, in Partenkirchen die FSSP. Die eh unter Bergoglio noch unter die Räder kommen wird wie alle altrituellen Gemeinschaften INNERHALB der Konzilssekte!

  14. Bischof Williamson geht ausgerechnet heute auf die Frage der Gültigkeit des Weiheritus der Bischofskonsekration von 1968 ein. Auch das spricht dafür, dass diese Meldung Substanz besitzt.

    • Sie erwähnen den Sedisvakantismus. Ist Ihnen denn verborgen geblieben, dass der Sedisvakantismus seit 2015 endgültig widerlegt, sozusagen mausetot ist? John Salza und Robert Siscoe haben ihm gründlich und systematisch den Garaus gemacht mit ihrem 700 Seiten starken Werk „True or False Pope? Refuting Sedevacantism and Other Modern Errors“. S. Exz. Bernard Fellay hat dazu ein Vorwort beigesteuert. (http://www.amazon.com/s/ref=nb_sb_noss?url=search-alias%3Daps&field-keywords=Salza+Siscoe+true+or+false+pope ). Alexis Bugnolo hat das Werk rezensiert: https://fromrome.wordpress.com/2016/02/01/true-or-false-pope-book-review/ . Jetzt ist traditionellen Katholiken dieser Ausweg abgeschnitten und sie müssen wohl oder übel glauben, dass es in der katholischen Kirche halt eben auch häretische Päpste geben kann, denen sie sich unterwerfen müssen. Oder nicht?

      • Ich muß mich niemandem unterwerfen. Das machen nur Moslems. Ich muß dem Papst gehorchen, wenn er ex cathedra spricht und ihn ansonsten respektieren auf Grund seines Amtes.
        Ansonsten besten Dank für die Verweise.

      • @ Wolfgang Franz

        Sicher, das sehe ich auch so, aber leider hat gerade Pius X. das Gegenteil gelehrt und den Modernisten gerade diese Haltung vorgeworfen (Pascendi): Sie würden nach außen hin Loyalität zeigen, in den Herzen aber sich vorbehalten, was sie annehmen oder nicht.

        Er hat damit jeden – ich sage: JEDEN – Ausweg abgeschnitten und dem Gläubigen eine Art Totalgehirnwäsche verordnet, die ihn immer ins Unrecht setzt, wenn er Zweifel am Papst hat. Und genau doiese Linie setzen Ratzinger und Woityla fort – ausdrücklich.

  15. Offensichtlich scheint es Franziskus in Rom im Augenblich etwas langweilig zu sein.
    Nach der verunglückten Wortmeldung über vergewaltigten Schwestern in Belgisch Congo und mysteriösen Aussagen von P. Paul VI jetzt ein neuer Versuch, den Knüppel in den Hühnerstall zu werfen.
    Gerade las ich noch den hier auf katholisches.info erschienene Artikel im Sommer 2015 „Keine Abstriche an der Lehre“: Kard. Müller zu …der Piusbruderschaft.
    Ich muß doch schmunzeln wenn Kard. Müller dort sagt: „Es gibt keine substanzielle Neuigkeiten“.
    Nun ja, viel Substanz war bei Bergoglio nie vorhanden- das ist in der Tat ein alter Hut.
    Mir scheint, in Rom werden noch Viele magensäurewehrende Pillen nehmen müssen 🙂 .

  16. Vielleicht gibt es da noch die orthodoxen Christen und Patriach Kyrill, der sagt der Westen ist nicht mehr christlich. Der Westen ist katholisch aber nicht mehr christlich. Das ist wahr. Die katholische Kirche seit dem Konzil ist Säkularismus mit dem Decknamen katholisch. Der nachkonziliare Geist des Konzils ist nicht der heilige Geist, sondern der Geist Belials. Das weiss die Piusbruderschaft genau. Der christliche Glaube und die wahre katholische Kirche sind nun mal nicht Menschenwerk und dadurch auch nicht in einer Weltreligion integrierbar und können auch nicht von Menschen gerettet werden, ausser es sei eine falsche Religion und eine falsche Kirche. Der christliche Glaube ist eine Offenbarungsrelion und auch der Teufel mischt sich in die Offenbarung, wenn das heute von den wenigsten mehr wahrgenommen wird, dann verkennt man den wahren Glauben. An der Allmacht Gottes wird heute am meisten gezweifelt. Davon zeugen die vielen Kommentare.

  17. Ich gehe nicht davon aus, dass es zu einer einseitigen Anerkennung der Pius-Bruderschaft kommt. Wieso denn auch? Die Pius-Brüder haben die ausgestreckte Hand von Benedikt ausgeschlagen. Sie haben offensichtlich somit wenig Interesse, in die volle Einheit zurückzukehren.

    Im Übrigen kann man aus der oben angegebenen Äußerung von Kurienerzbischof Pozzo nicht mal mit viel Phantasie rauslesen, dass Rom eine einseitige Anerkennung anstrebt. Sie stellt lediglich klar, das Franziskus den von Benedikt eingeschlagenen Weg weiter zu gehen bereit ist. Dass die Forderungen von Benedikt an die FSSPX, nämlich Anerkennung des 2. Vaticanums usw. plötzlich nicht mehr aktuell seien und keine Rolle mehr spielen, dafür gibt es nicht den geringsten Anhaltspunkt.

    Ich hoffe, dass Franziskus in dieser Sache der Linie Benedikts treu bleibt und keine Geschenke an eine Gemeinschaft macht, welche diese nicht verdient hat. Finden sie zur Einheit mit Rom, ist das gut – aber nicht um jeden Preis!

  18. Mir bereitet dieser Gedanke, daß die FSSPX sich dem Primat dieses durch und durch ultramodernistischen Papstes, auch durch eine kanonische Anerkennung ohne Vorbedingungen unterwirft, in höchsten Maße Kopfschmerzen.
    Es ist zu befürchten, daß Herr Bergoglio, oder „Franz der Barmherzige“ die Piusbruderschaft mit seiner Barmherzigkeit zerquetscht wie die armen Franziskaner der Immakulata. Mir schwant nichts Gutes. Dies kann ein Coup de Jarnac von Bergoglio sein. Vorsicht ist geboten!

  19. Was gibt es am II. Vaticanum anzuerkennen? Es war nur ein pastoraler Weg,
    der in weiten Teilen nicht das gebracht hat, was man sich erhofft hatte..
    Jedes Unternehmen muss umdenken, wenn Entscheidungen nicht die gewünschten Ergebnisse und Früchte bringt.

    • Die Kirche sieht sich aber nicht als „natürliches Unternehmen“, sondern als übernatürliche Institution.
      Daher kann sie im Prinzip nie hinter das zurück, was ein Papst verbockt hat. In der frühen Kirche hat man das noch ab und zu gemacht – etwa einen Papst posthum als Häretiker exkommunizieren. Das hat man zunehmend aufgegeben und sogar rückwirkend diese Fälle als Kavaliersdelikte hingestellt.

      Und alle Päpste, die versucht hatten, einen echten und bußfertigen Reformkurs einzuschlagen, wurden niedergetrampelt, u.a. Hadrian VI., der vor Ausbruch der Reformation ein Schuldbekenntnis forumuliert hatte und die dringend notwendigen Reformen angehen wollte. Er starb und sein Nachfolger pfiff darauf. Das Ansehen dieses Hadrian hat man durch Ignorieren und Das-Gegenteil-tun missachtet. Die Reformation brach also aus, und schuld waren natürlich immer nur die anderen…

      Diese Selbsterhebung des weltlichen Papsttums zu einer Totalübernatürlichkeit, die es sich doch selbst gar nicht zusprechen kann, ist der Grund dafür, dass der Karren so tief in den Kies geritten wurde, dass man am Ende nicht mehr handlungsfähig war. Es hat etwas Gespenstisches, wenn ausgerechnet die Institution, die Göttlichkeit beansprucht, am wenigsten in der Lage ist, sich läutern zu lassen und mit ihren jedermann leicht erkennnbaren, massenhaft angehäuften Sünden umgeht, als sei das alles ein Witz oder gar noch ihr gutes Recht, während sie einzelnen Menschen teilweise das Leben zur Hölle gemacht hat wegen kleiner Irrtümer – daran wurden viele Menschen irre und der Glaubensabfall vieler geht auch genau darauf zurück.

  20. Wolfgang Franz
    Jede Menschenkreatur muss u n t e r dem Römischen Pontifex sein, ob sie nun unter ihm steht, kniet oder liegt – auf das Darunter kommt es an: „Porro s u b e s s e Romano Pontifici omni humanae creaturae decaramus, dicimus, diffinimus omnino esse de necessitate salutis.“ Unam sanctam 1302

    • Schlechtes Argument. Mit „Unam sanctam“ hat Bonifaz VIII. schlimmste Hybris walten lassen und das Tor zur Reformation aufgestoßen. Hochmut kommt vor dem Fall, ein Jahr später wurde er vom französischen König gedemütigt. Hätte das Papsttum nur das Kaisertum unangetastet gelassen, wäre das nicht passiert. Auch nicht Avignon und das Schisma.
      Wahre Führung geschieht durch Charisma und nicht durch Machtsprüche.

      • Hätten Sie Deutschunterricht genossen, wäre Ihnen deutlich, daß „das Tor zur Reformation aufgestoßen“ negativ gemeint war.

      • Hätten Sie es gelesen, hätten Sie erkannt, dass ich jede Ihrer Aussagen als historisch falsch angeprangert habe.

  21. Dante Alighieri, Zeitgenosse von Papst Bonifatius VIII., hat diesen dichterisch ins Simonisten-Loch im achten Kreis der Hölle lokalisiert, wie auch Clemens V. und andere Päpste. Den frommen Papst Coelestin V., der sein Papstamt niederlegte, wie 500 Jahre später Papst Benedikt XVI., sah er nur in der Vorhölle. Dabei war Dante durchaus kein Gegner des Papstamtes als solchen. Die Ursache für die großen Übelstände der Kirche und der christlichen Welt erkannte er in der Konstantinischen Schenkung, durch die der Papst ein weltlicher Herrscher wurde. Dante wusste noch nicht, dass diese Schenkung eine Fälschung war. Die Bulle Unam sanctam ist heute zwar kein Gesprächsthema. Doch dürfte der in ihr erhobene Anspruch der verschwiegene Hintergrund der One-World-Sympathien des Vatikans sein. Mithilfe der globalen Elite, von der man ein Teil ist, will man doch noch zum Endziel gelangen: die ganze Menschheit im Schoß der Mutter Kirche sammeln unter der Suprematie des Obersten Pontifex.

    • @Leo Laemmlein
      Nicht zu Bonifatius VIII., aber zu Dante Alighieri: Dante war im großen Konflikt zwischen Kaiser und Papst, ein Parteigänger des Kaisers. Ich teile grundsätzlich Ihre Einschätzung, was die weltliche Macht der Päpste angeht. Das fällt uns heute nicht schwer. Die Frage aber ist: wo wäre das Papsttum und die Kirche geendet, hätte sich die kaiserliche Gewalt nach unseren heutigen Vorstellung damals durchgesetzt? Bedenken wir: Die katholische Kirche ist die einzige, die sich weitgehend (und mit großen Konflikten und vielen Opfern) von der weltlichen Macht freihalten konnte (im Gegensatz zum Nationalkirchentum des Ostens und dem Staatskirchentum des Protestantismus. In jeder Generation ist das ein immer neuer Kampf der gekämpft werden muß (siehe derzeit die erbärmliche Regierungshörigkeit der deutschen Bischöfe in Sachen Einwanderung und nicht nur).
      Dante war Parteigänger, sein Werk sollte auch unter diesem Blickwinkel gelesen werden. Dabei ist es mangels Dokumenten müssig darüber zu spekulieren, ob bei ihm unterschwellig eine germanophile Familientradition mitschwingt (Dante fühlte sich als reichsfreundlicher Italiener, dessen ältere langobardische oder jüngere deutsche Abstammung aber erkennbar ist, s. die Übernahme des Namens Alighieri der offenbar rangmässig höherstehenden Familie der Mutter).
      Die Konstantinische Schenkung ist eine Fälschung. Sie ist aber ein „vero falso“, denn nach dem Zusammenbruch Westroms ging die Autorität auf den Papst über, da spielte Machtgier oder dergleichen keine Rolle, es geschah einfach, weil er die einzige noch funktionierende Autorität des alten Reiches war. Mit der Pippinischen Schenkung, und die ist echt, wurde nur bestätigt, was schon seit mehr als 200 Jahren Tatsache war.
      Nicht folgen kann ich Ihnen, wenn sie One-World-Spekulationen ins Spiel bringen. Das klingt auf den ersten Blick pausibel, aber doch nur auf den ersten, denn wer könnte heute auch nur entfernt die Hoffnung hegen, diese Eine Welt könnte katholisch sein oder geführt werden.

      • „Bedenken wir: Die katholische Kirche ist die einzige, die sich weitgehend (und mit großen Konflikten und vielen Opfern) von der weltlichen Macht freihalten konnte (im Gegensatz zum Nationalkirchentum des Ostens und dem Staatskirchentum des Protestantismus. In jeder Generation ist das ein immer neuer Kampf der gekämpft werden muß (siehe derzeit die erbärmliche Regierungshörigkeit der deutschen Bischöfe in Sachen Einwanderung und nicht nur).“

        Freihalten!
        Darunter versteht man aber gemeinhin etwas anderes.
        Etwa ein zurückgezogenes Leben fernab der Machtzentren, ohne Diplomaten und Botschafter, ohne blendenden Reichtum, dessen Anhäufung niemals ohne weltliche Macht zu bewerkstelligen ist…

        Das verkürzt die historischen Sachverhalte ganz erheblich…

        Und man fragt sich, worum Kaiser und Papst eigentlich so erbittert gerangelt haben – war das wohl nur geistliche Macht?
        Und der Kirchenstaat – eine abgehobene, rein geistliche Einrichtung? Seine Protzinsignien rein weltlicher Macht, Samt, Seide, rauschendes Gold, Carara-Marmor und die StaRkünstler der Zeit unter dem rein geistlichen (versteht sich) Mäzenatentum weltlich lebender Päpste mit Mätressen, Gelagen und einer endlosen Strippenzieherei im Kampf um die wieder nur ein geistliche Vorherrschaft in gewissen italienischen Städten, für die man auch egren aus spirituellen gründen mal Morde in Auftrag gab? – Der Prunk, die endlosen Kunstsammlungen – alles Fantasien, die uns das Gehirn vorspielt, die aber nicht existieren?

        Der Anspruch des Papsttums, über jeder Regierung zu stehen und ihr einseitig Vorschriften machen zu dürfen, wohingegen es selbst von niemandem Befehle zu empfangen müssen glaubt, eine Haltung, mit der die Kirche bis heute auftritt – s. F. in Amerika – ist das ein „Freihalten von weltlicher Macht“?
        Mit einer Portion Zynismus kann man das so ausdrücken.

        Warum dann in den Schriften Leos XIII. immer wieder die fast verzweifelte Beteuerung an die weltlichen Regierungen, die Kirche greife nicht nach der weltlichen Macht, denn genau das warf man ihr massiv vor, und das nicht erst seit 1870? Warum die Angst der meisten Staaten, mit dem Dogma vom universellen Jurisdiktionsprimat würden die Bürger oder Untertanen in Gewissenkonflikte gestürzt, was den gehorsam gegen die staatliche Potestas beträfe? Alles Paranoia der Politiker und Könige?

        Was war mit den Fürstbischöfen und irgendwelchen Kardinälen, die die Staatsgeschäfte am franzöischen Hof zu führen trachteten? Alles nur Missverständnisse?

        Nee – das klingt alles zu sehr nach „Was nicht sein kann, das nicht sein darf.“

        Man müsste wenigstens so ehrlich sein und zugeben, dass es in der Kirche zwei unversöhnliche Linien gibt, die Päpste aber sehr oft, öfter als uns lieb ist, der der weltlichen Macht folgten.

      • @ Werte Lioba, über das Verhältnis des Papsttums zur weltlichen Herrschaft referierte ich Dante, nicht meine eigene Meinung. Doch sah er es wohl richtig, Sie denken das ja in etwa auch. Was das Kaisertum angeht, so war er wohl der Auffassung, dass dessen Autorität direkt von Gott kommt, nicht vom Papst, wenngleich der Kaiser in geistlicher Hinsicht dem Papst unterstellt ist und er in seinem Bereich mit seinen Mitteln auf dasselbe Ziel hinarbeiten soll: das ewige Heil der Seelen. Was Dante missfiel, war die Einmischung und Verwicklung des Papstes in weltliche Angelegenheiten. Noch immer ein aktuelles Thema. Es ist richtig: Wir Nachgeborenen haben leicht (ver)urteilen, nicht nur im Hinblick auf weit zurückliegende Geschichte. Können wir aus Fehlern der Vergangenheit lernen? Wir sollten uns bemühen. Deshalb wurden auch in der Bibel Fehltritte und Fehlentwicklungen aufgezeichnet, wie in den Geschichtsbüchern des Alten Testaments, und wir versuchen das ja auch im persönlichen Leben. Wenn Dante Päpste und andere Prominente dichterisch in die Hölle verewigte, ist das eine gewagte Sache, über deren tatsächlichen Aufenthaltsort sagt das wenig. — Zum letzten: Ja, es ist Spekulation, aber sie hat Gründe.

      • Die Zielrichtung der Bulle „Unam sanctam“ ist die des Papsttums nach weltlicher Macht in sofern, als sie behauptet, das weltliche Schwert stünde unter der Gewalt des geistlichen Schwertes.

        Und was sagt die Schlussformel?

        „Wenn also die irdische Gewalt abirrt, dann wird sie von der geistlichen Gewalt gerichtet werden; wenn aber eine niedrigere geistliche abirrt, dann von ihrer höheren; wenn aber die höchste, dann wird sie allein von Gott, nicht vom Menschen gerichtet werden können, wie der Apostel bezeugt: „Der geistliche Mensch richtet alles, selbst aber wird er von niemandem gerichtet“ [1 Kor 2,15].

        Diese Autorität ist aber, auch wenn sie einem Menschen verliehen wurde und durch einen Menschen ausgeübt wird, keine menschliche, sondern vielmehr eine göttliche Gewalt, die Petrus aus göttlichem Munde verliehen und ihm und seinen Nachfolgern in Christus selbst, den er als Fels bekannt hat, bestätigt wurde, als der Herr zu Petrus selbst sagte: „Alles, was du gebunden hast“ usw. [Mt 16,19]. Wer immer sich also dieser von Gott so angeordneten Gewalt „widersetzt, widersetzt sich der Anordnung Gottes“ [Röm 13,2]. (…)

        Wir erklären, sagen und definieren nun aber, dass es für jedes menschliche Geschöpf unbedingt notwendig zum Heil ist, dem Römischen Bischof unterworfen zu sein.“

        http://www.kathpedia.com/index.php?title=Unam_sanctam_%28Wortlaut%29

        Hier ist einiges fragwürdig:

        Dass der Papst sich hier das Recht zuspricht, zu „richten“. Regelrecht zu richten, und dies in einem endgültigen existenziellen Sinn. Zugleich aber gibt er ja zu, dass auch der Papst irren kann.
        Bemerkenswert ist auch seine eigenmächtige Einengung des „geistlichen Menschen“, von der Paulus spricht, auf sich selbst – nur der Papst ist also dieser „geistliche Mensch“. Bei Paulus ist die Rede von jedem echten Gläubigen! Und ist dort nicht von „alles“ (also Sachverhalte) die Rede und nicht von „allen“ (also Personen)?

        Kann ein Papst samt seinen Vollstreckern, den Bischöfen und Priestern, wirklich „richten“? Geht das aus der Binde- und Lösegewalt hervor? Wozu dann noch ein jüngstes Gericht?

        In welcher Beziehung steht das Verbot zu richten (Mt. 7) gegenüber den Jüngern zu der Binde- und Lösegewalt, die sowohl dem Petrus als allen Jüngern (Mt. 18, 18) zugesprochen wird?

        Krass finde ich an der Schlussformel, dass Bonifaz VIII. das, was Paulus der staatlichen potestas zuspricht, sich selbst anmaßt. Im Römerbrief, den er zitiert, aber verzerrt weben, steht nämlich folgendes:

        „1 Jeder leiste den Trägern der staatlichen Gewalt den schuldigen Gehorsam. Denn es gibt keine staatliche Gewalt, die nicht von Gott stammt; jede ist von Gott eingesetzt.
        2 Wer sich daher der staatlichen Gewalt widersetzt, stellt sich gegen die Ordnung Gottes, und wer sich ihm entgegenstellt, wird dem Gericht verfallen.“ (Röm 13)

        Es ist atemberaubend, wie Bonifaz sich selbst über diese von Gott eingesetzte macht setzt – trifft ihn dann selbst das, was diese Stelle androht? Denn Paulus schrieb das ja als „Hierarch“!

        Diese Anmaßung, der Papst dürfe von keinem Menschen „gerichtet“ werden, also auch nicht beurteilt – wo findet sich das im NT?
        Das widerspricht doch glatt der Schrift! Ist es doch gerade der NT-Kanon, der uns vorführt, wie Paulus sehr wohl das Verhalten des Petrus verabscheut und dies öffentlich kundtut.

        So viel Ungereimtes, soviel Verfehltes, und soviel Chaos, verursacht durch das Papsttum – wer soll das alles noch einmal je ordnen auf Erden?

      • Tja, Frau zeitschnur, da stoßen Sie auf Sachen, auf die ich auch im Laufe meines Nachfragens stieß. Jedes dieser Wörtlein, wie „binden“, „lösen“, „Schlüssel“ u.a., die mit einem so ungeheuren Anspruch befrachtet wurden (nebenbei gefragt: seit wann?), „ist ein weites Feld“, exegetisch, dogmengeschichtlich, sogar politisch. Der Apostel Petrus wusste nichts davon, dass er der Papst sei, das sagen heute auch katholische Kirchengeschichtler. Wo ist die Kirche? Die Antwort ist unsicher geworden. Weniger weil sie so schwierig zu herauszufinden ist, mehr weil sie so schwer anzunehmen ist. Bis dahin: Ultra posse nemo obligatur. Ein Rat: Nicht reagieren wie eine enttäuschte Geliebte. Frauenzimmer können da besonders rachsüchtig sein. Hilft aber niemand weiter.

      • @ Leo Lämmlein

        „Enttäuschte Geliebte“ – wieso enttäuscht? Der Geliebte ist doch Jesus. Gerade für „Frauenzimmer“ das große Vorrecht, auch in natürlicher Gestalt Braut Christi sein zu können…

        Ich hatte dagegen eine Frage:

        In welcher Beziehung steht die tatsächlich neustestamentliche Löse- und Bindegewalt Petri, die allerdings auch den Jüngern insgesamt zugesprochen wurde, zum Verbot an dieselben Herren, zu „richten“ oder gar das Unkraut auszureißen – nein: ausdrücklich sollen sie es stehenlassen!

        Was heißt denn „Binden und Lösen“. Heißt das, dass der Papst Gott spielen darf, oder heißt es einfach nur, dass die Apostel als Zeugen Christi durch seinen sakramentalen Auftrag Menschen aus der Sünde lösen können und sie an Christus binden dürfen?

  22. Schöne interessante Diskussionen hier.
    Heute ist es doch so, daß Päpste von Parlamenten und Regierungen eingeladen werden. Und wenn man sich die Rede von Papst Benedikt vor dem Bundestag durchliest, muß man seine weisen Worte doch sehr anerkennen. Er hatte sich nicht in politische Fragen eingemischt, aber er hatte den Politikern die eigentlichen, unverzichtbaren geistigen Grundlagen für ihr Handeln offengelegt. Und die Politiker applaudierten minutenlang- das war echt, da er ihnen offenbar ins Herz geredet hatte.
    Es scheint jedenfalls so zu sein, daß ein Papst auch für Politiker eine geistige Autorität darstellt, und sie suchen und brauchen auch frisches, ungetrübtes Wasser (des Lebens).

    Schlechte Bischöfe sind jedoch nicht nur schlecht für die Kirche, sondern auch für den Staat. Es sind solche Bischöfe, die ihr Amt mißbrauchen, wenn sie meinen, Staat spielen zu müssen. Solche Quislinge gibts ja genug, die den Menschen vorschreiben bei fast angedrohter Exkommunikation, etwa nicht die AfD zu wählen, gleichwohl aber etlichen anderen Parteien mit großer Schuld den Hof machen.

  23. Sehr geehrte Frau Zeitschnur´, mit Überraschung habe ich Ihre Fragen vernommen und werde versuchen Antwort zu geben:
    1. Zur Frage mit dem Unkraut im Weizen. Die Übersetzung „Unkraut“ ist schlichtweg falsch. Das sogenannte Unkraut ist in der wörtliche Übersetzung Taumellolch.Der Taumel-Lolch ist oft vom endoparasitischen Pilz Neotyphodium coenophialum[3] (ein Verwandter des Mutterkornpilzes) befallen, der u. a. neurotoxische Indolalkaloide bildet, wodurch die gesamte Pflanze giftig wird. Da der Taumel-Lolch früher häufig in Getreideäckern wuchs, gelangten oft Samen in das Mahlgut und in das Mehl. Durch den Genuss des so verunreinigten Mehles kam es zu Vergiftungserscheinungen wie Schwindel (Taumeln) und Sehstörungen, in seltenen Fällen sogar zum Tod.(Wickipedia) Er durfte als Jungpflanze nicht ausgerissen werden, weil er erst bei der Reife vom Weizen zu unterscheiden war. Die Wirkung des Giftes auf die Physis ist vergleichbar der Wirkung der Sünde auf die Seele. (von Erkrankung bis zum Tod)
    2. Sie fragen nach der Beauftragung des Petrus. Wir müssen die Beauftragung im sachlichen Zusanmmenhang mit dem Ort sehen. Es heißt : „Als sie in der Nähe von Casaraia Philippi waren“. In Caesaraia Philippi, der alten Heidentempelanlage hatte der Vierfürst Philippus einen Tempel zur Verehrung der divinifizierten römischen Kaiser erbauen lassen. Dort wurden auch dem „Filius divi Augusti“ Tiberius Opfer dargebracht. Antithetisch zu diesem Titel sprach Petrus prophetisch „Du bist der Christus, der Sohn des lebendigen Gottes“ (und nicht des toten Gottes, der oben in Caesaraia verehrt wird). Dieses Bekenntnis Petri ist der Ideologische Fels oder sind die ideologischen Steine aus denen Jesus seine Kirche Bauen wird. Hier offenbart sich die nächste Verwechslung: Baumeister der Kirche ist und bleibt Jesus, Petrus und seine Nachfolger sind die Steine aufgrund ihres oben genannten Bekenntnisses zu Christus. Auch hier erkennen wir wieder eine für das richtige biblische Verständnis fatale Fehlübersetzung. Das männliche Petros heisst Stein und das weibliche Petra ist mit Fels zu übersetzen. Beide Worte kommen in der Perikope vor, aber alle Übersetzer glätten diesen Unterschied.

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