[Update] Homo faber – ein Albtraum sozialtechnischer Vernunft

Max Frischs Roman "Homo Faber" und der leichfertige Umgang mit Abtreibung an staatlichen Schulen
Max Frischs Roman "Homo faber" und der leichfertige Umgang mit Abtreibung an staatlichen Schulen

Das Bundesverfassungsgericht verpflichtet seit 1993 Staat und Regierung, Rechts- und Schutzanspruch des ungeborenen Lebens im allgemeinen Bewusstsein zu erhalten und zu beleben. In Wirklichkeit geschieht das Gegenteil: In den staatlichen Schulen werden die Jugendlichen mit Lektürestücken wie Homo faber von Max Frisch für den leichtfertigen Umgang mit Abtreibung auf subtile Weise zugerichtet.

Ein Gastbeitrag von Hubert Hecker.

Ungeborene Kinder sind Parasiten, geborene ein Klotz am Bein der Frau

Schon bald nach dem 2. Weltkrieg begannen gottlose Schriftsteller damit, Abtreibung moralisch zu relativieren und zu rechtfertigen. Die atheistische Autorin Simone de Beauvoir gilt als die Mutter der Abtreibung. Mit dieser perversen Begriffskombination wird zugleich angedeutet, dass der Wert „Mütterlichkeit“ als liebende Sorge für das Kind in eine tödliche Distanzierung verkehrt wird. In ihrem Buch Das andere Geschlecht (1949) bezeichnete de Beauvoir Schwangerschaft als Verstümmlung der Frau und ein ungeborenes Kind als Parasit, der nichts als ein Stück Fleisch sei – problemlos zu entfernen wie einen Blinddarm. De Beauvoir selbst ließ zwei Mal ihr Kind durch Ärzte abtöten.

Mitte der 50er Jahre wurden in dem Roman Homo faber des Schweizer Schriftstellers Max Frisch vom bürgerlichen Standpunkt Argumente für eine ‚Kultur des Todes’ zusammengetragen. Während de Beauvoir Abtreibung aus feministischen und sozialistischen Gründen propagierte, stellte Frisch in seinem Werk aus technisch-rationalistischer Weltsicht alle Vorurteile zusammen, die die Tötung von ungeborenen Kindern rechtfertigen sollten.

Vorab sei erklärt, dass die vorgestellte Abtreibungsideologie mit dem Scheitern des Protagonisten nicht erledigt ist, sondern (bis heute) virulent bleibt. Dazu am Schluss der Ausarbeitung mehr.

Ein Leben mit Ehebruch und Verlassen von Frau und Kindern

Biographischer Hintergrund für die leichtfertige Propagierung von Kindstötungen in Frischs Roman waren die Wechsel der Liebschaften des Autors:

Max Frisch ließ seine Frau mit drei kleinen Kindern sitzen und begann eine Buhlschaft mit der Dichterin Ingeborg Bachmann. Im fortgeschrittenen Alter verbrauchte er weitere zwei junge Gespielinnen, die damals im Alter von Frischs Töchtern standen.

Frauen und Mütter sind irrationale Instinktmenschen

"Homo faber" von Max Frisch
„Homo faber“ von Max Frisch

Im Roman heißt es über die Folgen einer solchen Liebschaft: Mit Rücksicht auf unsere persönlichen Umstände hatten wir das Kind nicht haben wollen. Aber die Kindsmutter Hanna hielt sich nicht an die mörderische Vereinbarung, ihre Tochter im Mutterleib töten zu lassen. Sie schenkte dem Kind das Leben, als der Mann sie längst wieder verlassen hatte.

Der Roman-Protagonist Walter Faber erklärt aus der zynischen Perspektive eines technischen Macher-Menschen, dass Frauen und Mütter irrationale Instinktmenschen seien. Er macht die männlich-technische Rationalität zum Maßstab der Menschheit, an dem gemessen die fraulich-mütterliche Liebe zum heranwachsenden Kind eher eine untermenschliche Instinktgetriebenheit darstelle:
Es gelte die Schwäche der Frau für ihr Kind als auch den Automatismus der Instinkte zu überwinden. Wenn das Kind erst im Leib der Frau heranwachse, vergisst sie, dass sie es hat vermeiden wollen.

Darüber hinaus bedient die Romanfigur das Klischee, Frauen seien intrigante und raffinierte Erpresserinnen, die Schwangerschaft als Gefühl der Macht gegenüber dem Mann aufspielten. Auch würden sie Mutterschaft als wirtschaftliches Kampfmittel einsetzen. Damit verdreht der Autor die traurige Bilanz von Abtreibungsentscheidungen in ihr Gegenteil: Bei mehr als 50 Prozent der Abtreibungen geht die tödliche Entscheidung auf soziale Erpressung aus dem sozialen Umfeld der Schwangeren zurück.

Argumentative Bauernfängerei

Über die medizinischen Details der grausamen Abtreibung legt der Homo faber den Nebel des dumm-dreisten Begriffs Schwangerschaftsunterbrechung. Dieses Lügenwort unterstellt, dass frau eine begonnene Schwangerschaft nach Abbruch fortsetzen könnte. Darüber hinaus blendet die Bezeichnung – wie auch das Wort Schwangerschaftsabbruch – eine substantielle Tatsache aus: Die sprachlich gelenkte Perspektive allein auf die schwangere Frau unterschlägt, dass bei jeder Abtreibung ein ungeborenes Kind getötet wird. Erst recht wird mit dieser linguistischen Verschleierung über die Technik der Abtreibung als mörderische Zerstückelung von ungeborenen Kleinkindern der Nebel des Verschweigens gelegt.

Schließlich versucht Faber, den fundamentalen Unterschied zwischen Verhütung einer Befruchtung und Tötung eines heranwachsenden Kindes zu leugnen: In beiden Fällen sei es ein menschlicher Wille, kein Kind zu haben! Wie kann ein angeblich rationaler Mensch so dumm sein, den Willen zur Vermeidung einer Zeugung mit einer ausgeführten Kindstötung gleichzusetzen?

Bevölkerungspolitik mit Abtreibung

Für den Homo faber spielen diese intentionalen Überlegungen für Abtreibung aber eine zentrale Rolle, insofern sie als „Triumph des Willens“ über Gott und die Natur einzuordnen sind: Der liebe Gott hätte die menschliche Überbevölkerung mit Seuchen reguliert. Seit der Mensch die Seuchen besiegt habe, müsse er auch die Fortpflanzung mittels Verhütung und Abtreibung regulieren. Max Frisch fährt fort: Nur der Dschungel gebärt und verwest, wie die Natur es will. Der Mensch plant. Abtreibung sei deshalb eine Konsequenz der menschlichen Kultur. Im Kampf gegen Kindbettfieber und Kindersterblichkeit nähmen wir das Leben ernster als früher. Schließlich: Nicht zu vergessen die Automation: wir brauchen gar nicht mehr soviel Leute!

Zu dieser Passage sind ein halbes Dutzend Fehler und Fehldeutungen anzukreiden:
♦ Der Begriff „Überbevölkerung“ enthält die Ideologie des Malthusianismus. Die besagt, dass die menschliche Reproduktionsrate immer schon überproportional wäre gegenüber den Kapazitäten von Nahrung und Raum. Diese „naturgesetzmäßige“ Tendenz zur Überbevölkerung wird nach Malthus periodisch durch ebenso natürliche Kriege, Hungersnöte und Seuchen reduziert. Die Falschheit dieser Ideologie ist ersichtlich, da die Erde seit Malthus’ Lebenszeit im 18. Jahrhundert ein Zigfaches der Menschen ernähren kann – u. a. durch die Steigerung der Produktivität bei allen Ressourcen.

Das Böse schiebt Faber dem lieben Gott in die Schuhe

♦ Besonders perfide ist, wie im Roman der Schöpfer- und Weltengott eingeführt wird, nämlich als lieber Gott, nämlich als lieben Gott, um ihm dann hinterrücks die Verbreitung der bösen Seuchen in die Schuhe zu schieben. Dabei hat nach biblischer Lehre Gott die Schöpfung als guten und geordneten Kosmos geschaffen. Krankheiten, Seuchen und Tod sowie alle weiteren Übel der Welt sind nach Genesis Kap. 2ff die Folgen der Erbsünde und als solche sind sie Elemente der Natur des Menschen und der Welt.

♦ Die Romanfigur unterstellt, dass die Reproduktion der Menschen früher wie im Dschungel geschehen sei, gebären und verwesen wie die Tiere, rein instinkt- und naturbestimmt. Dabei gehörten zu den frühesten Bestandteilen der menschlichen Kultur die komplexen Heirats-, Familien- und Verwandtschaftsregeln der Völker, mit denen immer schon Bevölkerungsregulierung betrieben wurde – etwa durch die Bindung der Heiratsfähigkeit an eine Hausstelle.

Eine Abtreibungsgesellschaft betreibt eine „Kultur des Todes“

♦ Erst nach dem Zurückdrängen von Seuchen sei der Mensch als planendes Kulturwesen aufgetreten. Verhütung und die Tötung von ungeborenen Kindern sind nach Fabers Ansicht besondere Kulturleistungen. Eine Wohlstandsgesellschaft wie die deutsche mit jährlich hunderttausenden Abtreibungen betreibt aber eine Kultur des Todes, wie Papst Johannes Paul II. diese Unkultur charakterisierte.

♦ Der Abtreibungspropagandist Faber entlarvt sich selbst, wenn er behauptet, dass wir das Leben ernster nehmen als früher. Was ist das für eine Kultur, in der die Sterberate der geborenen Kinder gesenkt wird, aber gleichzeitig die Tötungsrate der ungeborenen Kinder jährlich ins Zigfache steigt?

♦ Schließlich liegt der Homo faber mit dem Argument falsch, dass die Automation immer mehr Menschen überflüssig machen würde. Das Gegenteil ist richtig: In den letzten 50 Jahren ist in Deutschland bei steigendem Automationsgrad ebenfalls die Zahl der Beschäftigten deutlich angestiegen.

Massenabtreibung als Empfehlung postkolonialer Überheblichkeit

Der Homo faber hält es für ein Gebot der aufgeklärten Vernunft, die Überbevölkerung mit massenhafter Abtreibung zu stoppen. Die Verdreifachung der Menschheit in einem Jahrhundert, die natürliche Überproduktion der Menschen wird zur Katastrophe – so die Skandalisierung des Autors. Besonders die drohende Verdoppelung der arabischen Bevölkerung in zwanzig Jahren wie überhaupt in den unterentwickelten Gebieten ist dem Autor ein Dorn im Auge.

In postkolonialer Überheblichkeit will Faber der Welt – und insbesondere den ehemaligen Kolonialvölkern – die westliche Ideologie mit den Formeln der technischen Vernunft aufzwingen: Angesichts der begrenzten Nahrungsmittel und Rohstoffressourcen wäre die staatliche Abtreibungsfreigabe die einzig vernünftige und verantwortliche Alternative der Menschheit.

Zurück zur Abtreibungspraxis der heidnischen Sklavenhaltergesellschaft

Ungeborenes: Kinder als sozialtechnische Plan-Produkte
Ungeborenes: Kinder als sozialtechnische Plan-Produkte

Der Homo faber als Prototyp der technischen Zivilisation des Westens will die Menschenwelt allein mit der Sozialtechnologie eines Ingenieursbüros gestalten. Dazu müsste die Lebensorientierung an Gottes Geboten, Religion, Moral und der Heiligkeit des Lebens aus den Köpfen radiert werden. Die wahren Schlüsselbegriffe der europäischen Kultur wie Würde des Menschen, Recht auf Leben, Ethik und Gewissen müssten dabei der Diktatur der technisch-instrumentellen Vernunft weichen.

Was Faber hier als letzten Schrei der neuzeitlichen Aufklärungsvernunft präsentiert, ist ein alter heidnischer Hut: Bevölkerungsregulierung durch Abtreibungen hatte schon vor 2500 Jahren die altgriechische Sklavenhaltergesellschaft praktiziert. Aristoteles rechtfertigt in seiner Schrift „politeia“ diese Praxis. Erst mit dem Christentum und seiner Lehre, dass alle Menschen gleichermaßen Geschöpfe Gottes sind, wurde Abtreibung verboten – ebenso wie das Aussetzen von behinderten Kindern, was ebenfalls ein Kennzeichen der heidnischen Gesellschaften war – von den Griechen und Römern bis zu Germanen und Wikingern. Die neu-heidnischen Nazis verfeinerten erst die Methoden zur Verhütung erbkranken Nachwuchses und dann ließen sie die immer noch geborenen behinderten Kinder euthanasieren.

Kinder als sozialtechnische Plan-Produkte

Der unmenschliche Zynismus der sozialtechnologischen Vernunft zeigt sich auch in folgende Roman-Ausführung: Es sei eines modernen Menschen nicht würdig, ein Kind aus mechanisch-physiologischen Zufällen zu akzeptieren. Kinder sind etwas, was wir wollen, beziehungsweise nicht wollen – als Produkte willentlicher Planung und Bestellung gewissermaßen.

Nach christlicher Lehre ist ein Kind die Frucht der Liebe zwischen Mann und Frau, die sich im freiwilligen Akt der Eheschließung ihre lebenslange liebende Treue geloben. Im Schutzraum der familiären Liebe kann ein Kind dann optimal aufwachsen. Bei Faber reduziert sich der Liebesakt zwischen Mann und Frau auf einen mechanisch-physiologischen Vorgang, dem wahlweise Gefühle und der Wille oder Nicht-Wille zum Kind beigemischt werde.

Bedingungslose Diktatur der Technik

Wo kämen wir hin ohne Schwangerschaftsunterbrechung? Fortschritt in Medizin und Technik nötigen gerade den verantwortungsbewußten Menschen zu neuen Maßnahmen. Der technikfanatische neue Mensch lehnt Natur als Götze ab, weil er als Weltbauingenieur selbst an die Stelle Gottes tritt: Wir leben technisch, der Mensch als Beherrscher der Natur, der Mensch als Ingenieur.

Wer für den technischen Fortschritt in Form von Narkose-Operationen und DDT (hochgiftiges, inzwischen verbotenes Insektizid) sei, für Glühbirnen und strahlende Atom-Energie, der müsse auch Abtreibungen gut und richtig finden. Es gebe nur die Alternative: bedingungsloser technischer Fortschritt mit allen Konsequenzen – oder ab in den Dschungel!

Abtreibungspropaganda in den Schulen

50 Jahre nach Niederschrift der neuen Technik-Heilslehre werden die Folgen dieser zerstörerischen Weltanschauung sichtbar: Umweltgifte und Raubbau an der Natur bedrohen die Zukunft unserer physischen Lebensgrundlage, Massenabtreibungen machen auf längere Sicht die demographische Implosion der westlichen Gesellschaften wahrscheinlich.

Max Frisch hat später als Parteitagsredner der SPD zur ideologischen und politischen Durchsetzung von staatlicher Abtreibungspolitik in Deutschland seit den 70er Jahren beigetragen. Das mag auch der Grund dafür sein, dass insbesondere Kultusminister von rot-grünen Regierungen den Roman der Werteverwirrung seit 40 Jahren für die Schule wärmstens empfehlen oder sogar vorschreiben.

Der Homo faber ist ein Reaktionär

In Baden-Württemberg ist das Werk Homo faber seit Jahren Pflichtlektüre für die Oberstufe, 2016 wieder verbindlich für das Abitur. Über diese literarisch-ideologische Schiene soll wohl auch in den Köpfen der Schüler die Abtreibungspolitik der rot-grünen Landesregierung abgesichert werden. Auf dem Hintergrund ist es angebracht, die verschiedenen Passagen zur ideologischen Rechtfertigung von Abtreibung besonders gründlich abzuklopfen.

Bei der Interpretation muss natürlich auch die Darstellungsform des Schriftstellers berücksichtigt werden. Walter Faber wird als ein Vertreter der Aufklärung und Weltzugewandtheit vorgestellt. Durch Sprache, Form und Stil wird seinen Ansichten die Aura von Rationalität und Fortschrittlichkeit verliehen. Eine kritische Lesung – gegen den Strich gebürstet – offenbart dagegen die Erkenntnis, dass sich unter der Form der Modernität reaktionäre Argumentationsmuster und Ideologien verbergen:

  • Faber verneint das grundlegende Menschenrecht auf Leben (Art. 2 GG) für ungeborene Kinder.
  • Er zeigt chauvinistische Verachtung für die emotionale Intelligenz von Frauen und Müttern.
  • Der Machbarkeitswahn auch zu sozialen Beziehungen läuft auf eine totalitäre Beherrschungstechnik über die Gemeinwesen hinaus.
  • Mit der Vorrangstellung von Wollen und Planung im gesellschaftlichen Miteinander werden die moralischen und rechtlichen Begründungssysteme ausgehebelt.
  • Faber zeigt postkoloniale Hybris, wenn in den ehemaligen Kolonialländern durch Massenabtreibung Bevölkerungspolitik betrieben werden soll.

Der Homo faber lernt nichts aus seinem Scheitern…

Nun wird eingewandt: Max Frisch habe mit der technik-fixierten Romanfigur des Homo faber und dessen Argumentationen nur das Zerrbild eines uneigentlichen Lebens darstellen wollen. Der Roman selbst entlarve den Traum von der vollständig plan- und machbaren Welt als Alptraum. Entscheidend sei, dass Frisch den Technik-Menschen Faber scheitern ließe, wodurch ihm die spätere lebenszugewandte Einstellung eröffnet würde.

Doch darin sind sich die meisten Interpreten einig: Der Homo faber ist gerade nicht nach dem Muster des klassischen Bildungsromans aufgebaut, bei dem sich der Protagonist durch Anerkennung seiner Schuldverstrickung und Abwendung von falschen Lebensorientierungen zu einer reiferen Persönlichkeit entwickelt. Der homo faber scheitert, aber er lernt kaum etwas dazu – konstatiert der Literaturkritiker Joachim Kaiser. Faber wandelt sich nicht, notiert Walter Schmitz, ein Kenner des Werks von Frisch. Er bleibt an die Vergangenheit fixiert. Seine Änderungsentschlüsse und neuen Einstellungen sind so klischeehaft wie seine Äußerungen dazu – etwa: Ich preise das Leben! Fabers Persönlichkeit bleibt ambivalent, in sich widersprüchlich – wie der ganze Roman:

Max Frisch zeigt zwar die Brüchigkeit der Weltanschauung des Homo faber, aber er hebt dessen reaktionäre Thesen nicht auf.

Die rationalistischen Prinzipien der sozialtechnischen Vernunft erweisen sich als nicht tragfähig, aber neue Werte-Perspektiven werden auch nicht aufgezeigt.
Frisch lässt seinen Roman-Protagonisten vor dem Scherbenhaufen seiner sozialingenieurhaften Weltveränderung stehen, aber die vernünftelnde Aufklärungsargumentation zu seinem Machbarkeitswahn lässt er in der Schwebe weiterschwingen. Was bei Lesern nach der Lektüre dieses Romans bleibt, ist eine postmoderne Ratlosigkeit.

… doch auch aus schlechten Büchern kann man noch etwas lernen

Aber selbst aus einem schlechten Buch kann man in kritischer Auseinandersetzung noch etwas lernen. Für die Schule setzt das voraus, dass die Lehrpersonen die Schüler dazu anleiten, die zahlreichen reaktionären Ideologien in Gestalt aufklärerischer Rationalität im Einzelnen zu kritisieren. Dabei kann man sich an den oben ausgearbeiteten Passagen zur Abtreibung orientieren. Die zugeordneten Texteile können als Schlüssel-Argumentationen des Homo fabers betrachtet werden, da in ihnen seine Ansichten zu Frauen, Leben, Natur und Planungsrationalität verdichtet zum Ausdruck kommen.

Text: Hubert Hecker
Bild: Wikicommons/LifeSiteNews

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Paschachasius
Dazu sollte man sich die Vorstellung des Buches der schönen neuen Welt vor Auge führen. Darin hat Huxley doch beischrieben wie eine Neue Weltordnung funktioniert. Da werden Babys nicht geboren sondern entkorkt. Eigentlich funktioniert diese Erziehung genau wie es sich die Frankfurter Schule formulierte. Nur das Thema Gender war nicht präsent. Das kommt nach Nico Rockefeller aus der Idee der späteren Bilderberger. Nicholas Rockefeller Der Feminismus ist unsere Erfindung. Früher zahlte nur die Hälfte der Bevölkerung Steuern, jetzt alle. Außerdem wurde damit die Familie zerstört und wir haben nebenbei die Macht über die Kinder erhalten. Sie sind durch Medien und… weiter lesen »
zeitschnur

Sie bringen schon wieder diese Fehlinf, obwohl Haaretz das längst berichttigt hat.
Hier wurde niemand unfruchtbar geimpft, sondern erhielt Verhütungsmittel über Spritzen, die drei Monaten wirksam waren.

Die Skepsis gegenüber äthiopischen Junden liegt weniger an ihrer Hautfarbe als daran, dass das Jundentum, das sie tradiert haben, den Rabbinern als kein echtes Judentum erscheint. Die Gründe sind theologischer Natur.

Leo Laemmlein

Die Äthiopier sind Hamiten, das dürfte das theologische Problem sein.
Gen-Theologie.
Hamitische Gene sind nicht göttlich.

zeitschnur

Sind Sie nicht im falschen Film? Diese Gen-Theologie ist protestantisch und rein christlich…

https://de.wikipedia.org/wiki/Hamitentheorie

zeitschnur

Zur Problematik der Einordnung der Herkunft der äthiopischen Juden und ihrer Überlieferungen in den Augen des Oberrabinats hier noch ein paar Anfänger-Infos: https://de.wikipedia.org/wiki/Beta_Israel

Leo Laemmlein

Von der Frage nach dem „falschen Film“ abgesehen, waren das zwei erstaunlich sachliche Antworten. Danke, und weiter so. Wenn meine Vermutung über die theologischen Probleme mit den äthiopischen Juden auch daneben war, so habe ich mir die göttlichen Gene doch nicht ausgedacht und sie auch nicht von Protestanten entlehnt. Dazu dieser kritische Artikel von Henry Makov (gebürtiger Jude): http://www.henrymakow.com/chabad.html

zeitschnur

Zum Link: Das ist eine jüdisch-häretische Sekte. Damit kann man nicht für das ganze Judentum argumentieren, sondern es konterkariert das Judentum.

Infantile Seitenhiebe allerdings sollten Sie unterlassen – ist ja nicht mein Fehler, wenn Sie sich auf der Sachebene irren.

zeitschnur
Auch hier wieder ein sehr guter Text, danke. Er weist die Differenziertheit und Nachdenklichkeit auf, die notwendig ist, um diesen riesigen Problemkomplex zu verstehen und zu überwinden. Es ist sehr wichtig, dass hier gezeigt wird, dass die Abtreibungsideologie samt und sonders einer maskulinen Überheblichkeit und Ideologie und Vereinseitigung entspringt und die frauliche Intelligenz, deren Verhältnis zur Welt nach dem Sündenfall NICHT so gravierend gestört wurde wie die des Mannes, endgültig zusammengetreten wird. Ich habe auch Simone de Beauvoirs „Memoiren einer Tochter aus gutem Haus“ gelesen. Einerseits beschreibt sie darin die auch vor der heutigen Situation bereits weitgehend durchgesetzte Verachtung der… weiter lesen »
Thea
„… und die frauliche Intelligenz, deren Verhältnis zur Welt nach dem Sündenfall Nicht so gravierend gestört wurde wie die des Mannes, endgültig zusammengetreten wird. …“ Ich habe nicht die geringste Lust, immer wieder auf Sie reagieren zu müssen. Um Ihre Person geht es mir nicht, ich kenne Sie ja gar nicht. Aber dieser Ihr Halbsatz, den ich zitiere, ist eine glatte Häresie, die einfach nur als Unsinn bezeichnet werden muss. Nicht nur die katholische Kirche, keine christliche Konfession lehrt, dass die Folgen der Erbsünde unterschiedlich auf die Geschlechter verteilt sind. Im Alten Testament ist überhaupt keine Rede davon, in keinem… weiter lesen »
zeitschnur

Ihnen sei einfach mal eine eingehende Bibellektüre empfohlen inklusive Kontemplatio.

Und wenn Sie keine Lust haben, auf mich eingehen zu müssen, warum tun Sie dann?

Gehts eigentlich noch?

zeitschnur

Sie verkennen – um es für die „nicht-informierten Leser“ zu sagen, die Sie meinen hier belehren zu sollen – selbst leider vollkommen den Unterschied zwischen „Erbschuld“ und geschlechtsspezifischer Sündenfolge nach dem Sündenfall.

Für alle interessierten Leser sei dabei auf Gen. 3 verwiesen, bei denen Gott der Frau, bzw dem Mann eine jeweils spezifische Sündenfolge zuweist.

Dass damit natürlich NICHT gemeint ist, dass nicht beide gleich schuld seien, dürfte jeder vernünftige Leser ohnehin begriffen haben.

Christoph Rhein
Der Wille, über das Menschenleben verfügen zu können, ist leider ein Teil der Erbsünde, das jedem von uns inne ist. Ich will – nicht „Vater, wie DU willst“. Die neuerliche Seuche der Abtreibung – einschließlich ihrer Förderung beruhen auf zwei erstaunlicherweise widerstrebenden Prinzipien, einerseits des kapitalistischen Liberalismus und auf der anderen Seite des materialistischen Marxismus-Leninismus, des Kommunismus. Beiden gemeinsam ist die Tatsache, daß GOTT nicht mehr an erster Stelle steht, sondern einerseits das Individuum des freien Menschen, andererseits der Arbeiter und Proletariat, der sich den Gesetzen des Marxismus unterwirft und nur noch FÜR DIE MASSE da ist. Diese beiden Grundthesen… weiter lesen »
Sophus
Der schwerste Fehler, den sich ein Leser beim Romanlesen leisten kann, ist die Identifikation des Autors mit dem Protagonisten des Romans. Eine solch naive Identifikation ist der Tod jedes Textverständnisses und damit jeder literarischen Interpretation. Das heißt im Klartext zum vorliegenden Fall: Max Frisch ist nicht Homo Faber! Wenige Jahre zuvor hatte seine Romanfigur im Roman „Stiller“ nie aufgehört zu beteuern: „Ich bin nicht Stiller!“ In diesem Sinne sagte der Autor Max Frisch, als er die Rolle Walter Fabers in Homo Faber“ kommentierte: „Dieser Mann lebt an sich vorbei, weil er einem allgemein angebotenen Image nachläuft, das von ‚Technik‘. Im… weiter lesen »
Christoph Rhein
Es gibt in der Literaturkritik in bezug auf die literarischen Stilmittel das Argument, den Autor nicht mit der Literatur zu verwechseln, um die Stilmittel klar erkennen zu können. Peter von der Matt sagte über Max Frisch: „Er liebte es, die Persönlichkeiten seiner Romane auf den Stilmitteln der Entfremdung aufzubauen. Wer Max Frisch kennt, weiß, daß hinter seinen Hauptfiguren sein eigenes Denken, sein eigenes Ich zum Tragen kommt.“ In der Philologie kennen wir dieses unter dem Stichwort Wirkungsabsichten. Ja, sie haben recht: Die Geschichte von Hanna und Sabeth, genauer die Abortio, ist nicht die Hauptwirkungsabsicht, tatsächlich ist es die Entfremdung des… weiter lesen »
Leo Laemmlein

Schwangerschaftsverhütung und Abtreibung sind nicht das gleiche, aber sie entstammen demselben Nein zum Kind. Auch die Statistik zeigt: Je mehr verhütet wird, desto mehr wird abgetrieben.

hicesthodie

„sie entstammen demselben Nein zum Kind“

Deshalb ist Schwangeschaftsverhütung auch nicht das „kleinere Übel“!

Leo Laemmlein

Im Prinzip ja, dennoch wird man tötende und nicht tötende Methoden unterschiedlich bewerten müssen. Es sind aber nur Abstufungen schwerer Sünde.

Reinhold

Diese Darstellung wird Frischs Homo faber nun wirklich nicht gerecht. Dort geht es um den Menschen in seiner technisierten Umwelt. Die Geschichte mit Hanna ist doch eher eine beiläufige Rahmenhandlung. Der Abtreibung wird da nicht das Wort geredet.

martin eisel
Herr @ Hecker!Lesen Sie das Buch nochmal von vorne bis hinten mit Muße durch . Was ist das Hauptthema und wie wird es in der Gestalt des Walter Faber „verarbeitet“ ? Wenn Sie schon den berühmten Kritiker Kaiser zi- tieren , dann gönnen Sie ihm doch soviel Raum , dass Sie Ihn auch als Zeugen verwenden können . Irgenwelche zusammengeklaubten Zitätchen sagen doch gar nichts aus ! Außerdem ist Frisch nicht Faber , genausowenig wie Don Giovanni nicht Mozart ist . Die verächtliche Haltung gegenüber Frisch , die Verunglimpfung des Autors ( „kleinbürgerlich“ , „Triumph des Willens“ als Nähe zum… weiter lesen »
Michael Koppe

@ Sophus: Genauso ist es! Walter Faber ist NICHT Max Frisch und wird von diesem IMPLIZIT einer gnadenlosen Kritik unterzogen. Bei der Lektüre im Deutschunterricht 1969 ist auch damals niemand auf eine andere Sichtweise gekommen, weil es so OFFENSICHTLICH ist. Der Roman ist übrigens auch heute noch ungemein beliebt bei den Schülern!

Reinhold

War er bei uns auch. Ich fand Frisch eh gut. Die Darstellung Heckers geht nun wirklich daneben.

zeitschnur
Bei „Homo faber“ wurde allerdings immer von einer starken identifikation des Autors mit der Aussage seines Romans ausgegangen. Die autobiografischen Züge sind unverkennbar, und der Fluss der Gedanken folgt eben doch denen Fabers, ohne dass eine erkennbare Distanzierung des Autors zu ihm geschieht. Natürlich ist ein Autor nicht (zwingend) identisch mit einer Romanfigur, die er erschafft, aber – und das gilt es zu bedenken – er kann sich dennoch sehr stark mit einer Figur identifizieren. Das „Identifizieren“ impliziert ja icht notwendig Indentität! Wer das bestreiten wollte, würde das Spektrum schriftstellerischer Methoden einengen. Selbstverständlich konnte ein Autor immer über eine Figur… weiter lesen »
Sophus
Dürfen in der literarischen Diskussion darf man innerhalb einer gewissen fachlichen Kompetenz fast alles. Aber alles hat seine Grenzen! Diese Grenzen hat Hubert Hecker im Falle von Max Frischs Roman Homo Faber mit seiner inkompetenten Personalidentifikation und der damit einhergehenden Herabwürdigung der Person des Autors weit überschritten. Die absolute Notwendigkeit der Nichtidentifikation des Schriftstellers Max Frisch mit der Romanfigur Walter Faber ist in der Forschung seit Erscheinen des Romans unbestritten. Dass Max Frisch an eine solche Möglichkeit einer wissenschaftlichen Unterstellung nicht gedacht hat, ergibt sich aus dem oben zitierten Kurzkommentar, in dem er sich vom existentiellen Scheitern Walter Fabers klar… weiter lesen »
Sophus
@ Christoph Rhein Täuschen Sie sich da nicht, wenn Sie sagen: „So, wie „Stiller“ sich verstellen muß, um nicht in den Tod getrieben zu werden, so wird Hanna eben die Abortio durchführen, um in der Welt des Homo faber zu bleiben“? Hanna hat eben nicht abgetrieben, nicht zuletzt deswegen, weil Walter Faber, der Vater des sich abzeichnenden Kindes, zu ihr ständig „von deinem Kind“ sprach. Daher hat sie es behalten, einen anderen Mann geheiratet, sich dessen Kinderwunsch verweigert, so dass die Ehe zerbrochen ist. Sabeth ist aus Nichtwissen über die sie betreffende Vaterschaft ein inzestiöses Verhältnis mit dem ihr unbekannten,… weiter lesen »
zeitschnur
@ Sophus Ich sagte ja, dass man das so sehen kann, wie Sie es tun – allerdings geht Hecker ja mit der Einwendung bereits um, die Sie vortragen und nennt ja Autoren, die Frisch sehr wohl biografisch lesen: „Der homo faber scheitert, aber er lernt kaum etwas dazu – konstatiert der Literaturkritiker Joachim Kaiser. Faber wandelt sich nicht, notiert Walter Schmitz, ein Kenner des Werks von Frisch. Er bleibt an die Vergangenheit fixiert. Seine Änderungsentschlüsse und neuen Einstellungen sind so klischeehaft wie seine Äußerungen dazu – etwa: Ich preise das Leben! Fabers Persönlichkeit bleibt ambivalent, in sich widersprüchlich – wie… weiter lesen »
Reinhold

Homo faber zeigt die Fragen des Menschen in der technisierten Welt auf. Da gibt es Kernsätze, die absolut nichts mit Abtreibung zu tun haben. Die Rahmenhandlung können wir auch ruhig vernachlässigen, sie ist wenig wichtig.

zeitschnur
Vielen Dank für das Updating – es ist tatsächlich diese Prämisse, dass die Existenz der Essenz vorausgehe, die diese „existenzielle Ratlosigkeit“ im Leser zurücklässt. Der Homo Faber ist programmatisch a-moralisch und Frisch übt daran keinerlei Kritik. Es ist der Wunschtraum des möglicherweise entsetzten oder einfach pathetischen Lesers, dass er es täte. Aber bitte: Wo tut er es? Eben – nirgends. Dazu passt auch die eigenwillige Interpretation des „Du sollst dir kein Bildnis machen“. Je mehr man „liebt“, desto weniger wisse man, wie der andere ist. Das klingt erst mal gut. Aber bei genauerem Hinsehen, kommen Zweifel: Frisch erliegt gewaltigen, durch… weiter lesen »
Sophus
Auch von mir ein großes Danke Herr @ Hubert Hecker für Ihr Updating. Nun übertiteln Sie Ihren Text nach wie vor: Homo faber – ein Albtraum sozialtechnischer Vernunft. Aber ist es wirklich Vernunft? Kann die menschliche Vernunft, ein Geschenk des Schöpfergottes, einen Menschen wie Homo Faber so in die Irre führen? Es war nicht die „Vernunft“ – im Gegenteil: Es war die Missachtung der Stimme seiner Vernunft, denn er wollte ein Bild von sich selber bedienen, das andere sich von IHM machen sollten: Damit ist Homo Faber, wie ihn Max frisch kennengelernt und als Gefahr für sich selber erkannt hatte,… weiter lesen »
zeitschnur

@ Sophus

Das hab ich nicht gefordert – klar wäre das der Tod des Romans gewesen, keine Frage. Darin stimmen wir überein. Es gibt jedoch viele andere Wege, durch die Art der Erzählhaltung auf subtile Weise zu erkennen zu geben, wo man steht als Autor.
Wie ich es darlegte, ist das aber bei Frisch nicht mit triftigen Gründen (sondern allenfalls aus einer subjektiven Erwartungshaltung des Lesers) erkennbar.

Mein Fazit ist daraus: Er will das auch nicht.

Und warum er das nicht will, habe ich versucht, zu erklären.
Klar – das muss nicht so sein, wie immer bei literarischen Analysen…

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