Post vom Papst – Franziskus schreibt seinem Kritiker Antonio Socci

Brief von Papst Franziskus an Antonio Socci
Brief von Papst Franziskus an Antonio Socci

(Rom) Der katholische Publizist Antonio Socci, ein akzentuierter Papst-Kritiker, erhielt ein persönliches Schreiben von Papst Franziskus. Es ist nicht das erste Mal, daß Franziskus einem Papst-Kritiker seine Aufmerksamkeit zukommen läßt. Kurz vor dessen Tod, telefonierte der Papst im Herbst 2013 mit dem Rechtsphilosophen Mario Palmaro, dem damals intellektuell schärfsten Kritiker dieses Pontifikats. Antonio Socci ging in seiner Papst-Kritik soweit, in seinem 2014 erschienen Buch „Das ist nicht Franziskus“, die Gültigkeit der Papst-Wahl in Frage zu stellen. Darin folgte ihm jedoch weder Kirchenrechtler noch andere Kirchenvertreter. In seinem jüngsten Buch „Die letzte Prophezeiung“ korrigierte er diese Position. Er erkennt seither die Wahl an, hält aber an der Kritik an diesem Pontifikat fest. Nun erhielt er überraschend Post vom Papst. In der Tageszeitung Libero berichtete er darüber:

Der Brief, den mir der Papst zu meinem Buch „Die letzte Prophezeiung“ geschrieben hat. Und meine Antwort

von Antonio Socci

Am vergangenen Freitag schaute ich in Eile im Haus meiner Eltern vorbei, es ist voller Erinnerungen an meinen Vater wie sein schönstes Bild: Der Bergarbeiter, getragen auf einer Tragbahre von anderen Kumpeln (mein Vater riskierte selbst einmal im Bergwerk sein Leben und blieb Invalide).

Er lehrte mich, daß das Leben ein Kampf für die Wahrheit ist, und daß die Wahrheit und die Freiheit noch wichtiger sind als das Brot. Ihm, der als katholischer Bergarbeiter sich am 18. April 1948 für die Freiheit unseres Landes schlug, verdanke ich die wichtigste Lehre: ohne Lüge zu leben.

Und an ihn habe ich am Freitag sofort gedacht, als ich diesen Brief mittels Eilzustellung erhielt. Meine erstaunte Mutter übergab mit einen weißen Briefumschlag mit dem Stempel der Vatikanstadt, indem sie mir zuflüsterte: „Hat Dir der Papst geschrieben?“

Und tatsächlich, die Handschrift ist unverwechselbar. Er hat mit einer Füllfeder mit schwarzer Tinte meine Adresse geschrieben (wo immer er die gefunden hat), auf der Rückseite den Absender und drunter: „Casa Santa Marta – 00120 Città del Vaticano“.

Ich habe an meinen Vater gedacht, weil er für mich ein Symbol ist für jenes christliche Volk, das vom pseudointellektuellen Establishment verachtet wird, das Papst Franziskus feiert (Ich denke an „La Repubblica“). Jenes christliche Volk, das sich in den vergangenen drei Jahren von seinen Hirten verlassen fühlte.

Papst Franziskus hat zwar unter den Antiklerikalen einen großen Medienerfolg, aber die Kirche in eine große Verwirrung gestürzt. Es genügt, an die gestern auf dem Rückflug von Mexiko gemachten Aussagen zu denken, wo er sich massiv zur Einwanderungspolitik „eingemischt“ hat, aber erklärte, sich nicht in die italienische Diskussion zur Homo-Ehe einmischen zu wollen (obwohl er Bischof von Rom und Primas von Italien ist).

Das Imperium

Am Freitag, gerade als ich seinen Brief bekam, sah ich den Heiligen Vater im Fernsehen wegen der gemeinsam von ihm und dem orthodoxen Patriarchen Kyrill unterzeichneten Erklärung. Es handelt sich um eine denkwürdige historisch-politische Wortmeldung, mit der die römisch-katholische und die orthodoxe Kirche zusammen die „Obama-Agenda“ umgestoßen haben, der sich der Papst bisher katastrophalerweise unterworfen hatte.

Die Erklärung bringt die Kirche zurück auf den Weg Benedikts XVI. und ist ein wahres Torpedo gegen „die Diktatur des Relativismus“ des Westens und gegen die Diktatur des Islamismus im Orient. Sie ist ein Schrei der Freiheit, die unsere christlichen Werte hochleben läßt, vom Atlantik bis zum Ural, und uns die große Geschichte vom Europa der Völker und der Kathedralen zurückgibt.

Das Gegenteil dessen, was Franziskus in diesen Jahren gemacht hat.

Die Erklärung ergreift entschieden (endlich) die Verteidigung der verfolgten Christen und der Religionsfreiheit auf allen Längengraden, und tut dies mit einem Appell zu einem mutigen christlichen Zeugnis im öffentlichen Leben. Sie greift die nihilistische Technokratie Westeuropas an, das seine christlichen Wurzeln verleugnet hat und die Christen bis zur Verachtung ausgrenzt. Und schließlich verteidigt sie mit Nachdruck die natürliche Familie und das Leben von seiner Zeugung bis zu seinem natürlichen Ende.

Jedoch gleich nach der feierlichen, vor den Fernsehkameras erfolgten Veröffentlichung dieses Dokumentes versuchte Papst Bergoglio seine Unterschrift „zurückzunehmen“, indem er dessen Bedeutung herunterspielte. Er reduzierte alles auf einen passenden „Phototermin“.

Wie erklärt sich dieser reumütige und unglaubliche Rückzieher? Offensichtlich erlaubt es das Imperium, das Benedikt XVI. „demissionierte“ und das das Pontifikat von Franziskus „stützt“, es ihm nicht, die geopolitische Verortung der Kirche umzustürzen.

Deshalb ist Franziskus (der sich 2013 zu Syrien eine mutige Unabhängigkeit erlaubte) sofort in die ihm zugewiesenen Grenzen zurückgekehrt. Das war nicht schwer für ihn aufgrund der Leichtigkeit, mit der normalerweise redet, zurücknimmt und sich widerspricht je nach Gesprächspartner. Sein Lehramt ist häufig so wechselhaft wie das Kleid Sarumans.

Wahrscheinlich fragt man sich nun auch im Patriarchat von Moskau, wie viele Franziskusse eigentlich im Umlauf sind. Wir fragen uns das schon seit drei Jahren. Jedes so geführte Boot kentert, und in der Tat regiert in der Kirche die Verwirrung.

Vielleicht bittet der Papst deshalb mit solchem Nachdruck um das Gebet.

Leider hat er viele Schmeichler, Höflinge, Schuhputzer und Fans, die ihn feiern, aber nur wenige von ihnen beten für ihn und für das Boot des Petrus, das unter dem Applaus und dem Gelächter der Welt unterzugehen droht.

Ich hingegen bete für ihn.

[...]

Der Brief

Als ich den Umschlag öffnete, habe ich gesehen, daß er ganz von ihm stammte. Ich verstehe den Sinn bestimmter Details: die Päpste kommunizieren über das Staatssekretariat (in der Vergangenheit erhielt schon päpstliche Schreiben dieser Art).

Dieser vom Papst selbst handgeschrieben und direkt übermittelte Brief, ohne irgendein vatikanisches Büro zu durchlaufen, hat eine präzise Bedeutung: Es will ein familiäres Zeichen sein, ein väterlicher Gestus der Zuneigung und der Gemeinschaft.

Obwohl ich weiß, wie gerne Papst Bergoglio Formalismen verläßt, hätte ich nicht damit gerechnet. Ich ließ ihm vom Verlag Rizzoli ein Exemplar meines Buches zukommen. Darin findet sich eine Widmung, mit der ich dem Papst erkläre, daß das Buch enthält, was mein Gewissen von mir verlangt hat, ihm zu sagen.

Ich war daher sehr erstaunt, seinen Brief zu sehen und seine wirklich nicht formellen Worte zu lesen.

Vatikan, 7. Februar 2016

Herr Antonio Socci
Lieber Bruder:

Ich habe Ihr Buch und das Begleitschreiben erhalten. Vielen Dank für diese Geste. Der Herr möge es Ihnen vergelten.

Ich habe damit begonnen, es zu lesen, und bin sicher, daß mir viele der darin enthaltenen Dinge sehr gut tun werden. In Wirklichkeit helfen uns auch die Kritiken, auf dem rechten Weg des Herrn zu wandeln.

Ich danke Ihnen wirklich sehr für Ihre Gebete und jene Ihrer Familie.

Ich verspreche Ihnen, daß ich für Euch alle beten und den Herrn bitten werde, Euch zu segnen und die Gottesmutter, Euch zu behüten.

Ihr Bruder und Diener im Herrn,

Franziskus

Das sind Worte, die mich nicht gleichgültig lassen. Es gibt Dinge dieses Papstes, die mich zutiefst bewegen (wie ich es auch im Buch geschrieben habe).

Mich begeistern seine evangelische Freiheit und seine Schlichtheit, sein Stehen außerhalb der klerikalen Schemata. Es ist bewegend, wenn er vom Blick Jesu spricht, oder wie in den vergangenen Tagen in Guadalupe von den mütterlichen Augen Mariens. Und wenn er daran erinnert, daß Unser Heiland will, daß niemand verlorengeht und bereit ist, jeden auf Seine Schultern zu laden.

Aber letztlich besteht ein Pontifikat in erster Linie aus seinem Lehramt und aus der Leitung der Kirche, und angesichts der Orientierungslosigkeit und der Verwirrung, die in diesen drei Jahren das christliche Volk erfaßt haben, mußte und wollte ich die Wahrheit sagen, auch um den Preis des beruflichen und moralischen Selbstmords.

Parrhesie, nicht Heuchelei

Ich habe das in Brennesseln geworfen, was die Welt „Prestige“ nennt, aufgebaut in Jahrzehnten der Arbeit, um ein Ausgestoßener der katholischen Welt zu werden, die mein Zuhause ist. Ich wurde mit einem Schlag zum „Aussätzigen“. In diesen beiden Jahren mußte ich viele Beschimpfungen verdauen. Die häufigsten waren: „Du bist vom Teufel besessen“ und „Du bist verrückt“.

Andere forderten einen Exorzisten für mich oder sogar ein Exkommunikationsurteil. Sie haben sogar unterstellt, ich sei von irgendeiner Sekte, irgendeinem Guru oder einer obskuren „Macht“ in Beschlag genommen worden, aber in jedem Fall draußen aus der Kirche.

Ich wurde aus ihren Medien verbannt und mein Buch wurde von bestimmten katholischen Buchhandlungen auf den Index gesetzt, die wahrscheinlich kein Problem damit hat, Augias und Mancuso zu verkaufen.

Heute aber verschaffen mir die Worte von Franziskus Gerechtigkeit für Monate und Monate der Verleumdung. Sie sind vor allem, für jeden von uns, ein Beispiel der Demut und der Väterlichkeit.

Die Legitimierung der „Kritik am Papst“, die im Schreiben enthalten ist, scheint mir auch zu lehren, daß wir mutige und nicht ängstliche oder opportunistischen Christen sein sollen. Man soll mit Parrhesie und nicht mit kalkulierter Heuchelei sprechen.

In meinem Buch habe ich die Worte des spanischen Bischofs Melchor Cano (1509-1560), eines großen Theologen des Konzils von Trient zitiert:

„Petrus braucht nicht unsere Lügen und unsere Schmeicheleien. Jene, die blind und unterschiedslos jede Entscheidung des Papstes verteidigen, sind jene, die die Autorität des Heiligen Stuhls untergraben: sie zerstören seine Fundamente anstatt sie zu stärken.“

Franziskus weiß im übrigen genau, daß für ihn die Gefahr nicht von der Freimut der Kinder Gottes kommt, sondern von seinem Hof: eines Tages ging er soweit zu sagen, daß „der Hof der Aussatz des Papsttum ist“.

Im übrigen stimmt es auch, daß an der Römischen Kurie und an den anderen Kurien unter seinem Pontifikat ein Klima des regelrechten Schreckens herrscht, eine nie zuvor erlebte bedrückende inquisitorische Luft. Und dafür trägt er die Verantwortung.

Die Art, wie er die kirchlichen Angelegenheiten in diesen Jahren geführt hat und auch die jüngste Synode, zeigen leider, daß es neben dem väterlichen und verständnisvollen Franziskus auch einen gibt, der die Macht auf sehr harte Weise gebraucht. Manchmal auch, um der Kirche heterodoxe Lehren aufzuzwingen.

Er ist es, der gegen Ordensfamilien von großem und orthodoxem Glauben die eiserne Faust einsetzt und dann jene lobt und fördert, die den Winden der weltlichen Ideologien hinterherlaufen.

Ich hoffe weiterhin, daß er diesem Klima ein Ende bereiten wird und alle auffordert, in der Freiheit und der Würde der Kinder Gottes in der Kirche zu bleiben, wie auch das Konzil lehrt (ohne Säuberungen, Rache und Demütigungen fürchten zu müssen).

Ich hoffe aber vor allem, daß er dem Auftrag des Petrus treu bleibt und den katholischen Glauben verteidigt und ihn nicht ausverkauft und auch nicht umstürzt: das ist ihm nicht erlaubt. Das kann er nicht tun.

Denn auch der Papst kann nicht tun, was er will, wie Joseph Ratzinger sagte. Er ist kein absoluter Monarch, wie es einmal einige Herrscher waren. Er ist das genaue Gegenteil: Er ist der Garant des Gehorsams. Er ist der Garant dafür, daß wir nicht seiner Meinung oder Meinung von wem auch immer sind, sondern den Glauben aller Zeiten bekennen, den er gegen die Meinungen des Augenblicks verteidigt.

Einleitung/Text: Giuseppe Nardi
Bild: Antonio Socci

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32 Comments

  1. Mein Kommentar vom 19. Februar 14h53 („Papst F. über Kyrill“ usw.) passte besser zu diesem guten Beitrag.
    Den Glauben ausverkaufen, umstürzen, „das kann er (der Papst) nicht tun“, schreibt Socci; doch, er KANN es sehr wohl! Er hat sehr viel Spielraum bis zu der dogmatisch festgesetzten Grenze!

  2. Bliebe zu fragen, wo solche intellektuellen Köpfe und Stimmen der Kirche im Land der Dichter und Denker verblieben sind…

      • @zeitschnur,
        Diesen Ihren Kommentar kann ich so nicht stehen lassen, weil für Sie nicht zutreffend:
        auf der Kommentarseite der Website http://www.katholisches.info posten sicher viel fromme Gläubigen;
        Haß und Abneigung gegen weise und/oder mehr oder weniget gelehrte Postings habe ich nicht feststellen können- wobei ich bei dem Wort „Intellektuellen“ immmer so meine Bedenken habe (da schwelt wahrscheinlich die Remineszenz an die russische „Intelligentzia“ und die in romanischen Ländern bekannte „intellectuels“ mit; wie die Ereignisse in den letzten Jahren zeigten, besonders in Paris und Molenbeek St.Jean, waren diese Intellektuelle nicht sehr erfolgreich, im Gegenteil).
        Und weggemobt werden Sie natürlich auch nicht:
        Über die letzte 3 Jahren hat sich die monatliche Gesamtlänge Ihrer Postings grob vervierfacht und Ihre relative Präsenz beträgt ca. 25% des Gesamtforums.
        Sie sind also nicht weg, sondern noch präsenter als früher.
        🙂 Ridentem dicere verum (Horaz, Satirae I,1,19)

      • @ Adrien Antoine

        Sie wurden neulich von einem User schon gefragt, wo Sie eigentlich Ihre Zahlen hernehmen, vermutlich doch wohl selbst erfunden…

        Aber Spaß beiseite: Lesen Sie doch einfach mal alle Postings – und nicht immer nur meine, dann wird sich die Prozentzahl mit Sicherheit verkleinern.

        Hier schreiben auch andere sehr ausführlich, schauen Sie einfach noch mal nach.

        Wobei es natürlich eine große Ehre wider Ihren vermutlich intendierten Willen ist, dass Sie meiner Präsenz eine größere Bedeutung einräumen als sie quantitativ vorliegt.

        Egal ob einer mehr lang oder mehr kurz schreibt – es geht dabei immer darum, ob er Leser erreicht.
        Letzteres nehmen Sie wahr …und all jene, die sich nicht mehr einkriegen vor dumpfen Schmähkommentaren.

        Ich sagte übrigens nicht, dass ich mehr weg bin als früher, sondern dass einige Hitzköpfe und Intriganten hier mich weghaben wollen.
        Ein typischer Fall von „Non sequitur“ mein lateinischer Freund, Sie ziehen wieder einmal einen Fehlschluss. Tztztz :-))
        Lateinische Zitate vermögen diesen Mangel leider nicht zu kaschieren…

        Es war also Tinte damit: Risus vester sardonicus!

  3. Dieser Papst ist so schillernd, daß man selber immer verwirrt ist bzw. verwirrt sein kann.

    Dieser Brief an Sie, Herr Socci, ist ein schönes Beispiel dafür, daß der Papst einen guten Tag erwischt hatte. Wie man weiß, kann das schnell auch wieder anders bei ihm sein. Ihre Freude und Erleichterung sind gut verständlich, aber…

    Wie Sie richtig sagen, ist diese Übereinkunft mit der russischen Orthodoxie ein großer Schritt in die richtige Richtung. Aber dann zuckt Papst Franziskus wieder zurück, und das Rätselraten beginnt von vorne. Und die Frage stellt sich, was er wirklich denkt. Persönlich war ich skeptisch gerade auch wegen des Trefforts Kuba. Und wie dem auch sei, war die Skepsis offenbar gerechtfertigt.
    Also auf dem Rückflug war er wieder der „alte“ Bergoglio. Da hat er wieder die Katzen aus dem Sack gelassen und hatte nicht nur diese Übereinkunft mit dem Patriarchen praktisch ein gut Stück weit entwertet. Es bleibt nur noch Kopfschütteln.
    Dann sprach er davon, nach Kreta zum Treffen der orthodoxen Oberhäupter reisen zu wollen. Das zeigt, daß er wirklichkeitsfremd ist. Wer meint er denn, wer er ist? Wenn er denken sollte, diese Patriarchen würden gerade auf ihn warten, daß er sich als ihr Meister aufspielen kann…, zumal die schon genug mit sich selbst zu tun haben dürften. Aber so ist er; so sieht er die Welt. Er sieht offenbar nicht dahinter und nimmt das Vordergründige als Realität. Er hat keine Bodenhaftung und schwebt so in Illusionen dahin- und das ist es, was bei vielen so gut ankommt, aber für jeden und die Kirche hochgefährlich ist.

  4. Eines ist klar: Socci ist tapfer oder versucht, tapfer zu sein. das finde ich sehr gut.

    Aufschlussreich auch seine Überlegungen zur Aufrichtigkeit und zu den typischen Reaktionen der Katholiken auf Aufrichtigkeit – kommt mir irgendwie bekannt vor… muss eine echte fromme Macke sein, diese Platzwartmentalität…

    Sehr berührend auch das Zitat von Mechior Cano – das beleuchtet ebenfalls die ganze Problematik um das Vaticanum I erneut in dem Sinne, den ich schon längere Zeit versuche zu kommunizieren – mit denselben Erfahrungen, die Socci macht…

    Diese Problematik ist also seit 500 jahren bereist deutlich ausgesprochen, und doch hat ein großer Teil der Hierarchie samt dem Kirchenvolk nichts daraus gelernt. Cano steht in diametralem Gegensatz zu Ignatius in der Frage.

    Der Brief F.s ist irritierend. Man hat wirklich manchmal den Eindruck es gebe viele Franziskusse in einer einzigen Person.
    Was geht nur in diesem Mann vor?

  5. Ich kann meinen größten Kritiker köpfen oder ihm schmeicheln. Wenn ich letzteres tue, bewirke ich vielleicht, dass jener milder wird und sich denkt, ich sei ja gar nicht so schlimm und Kritik an mir wird aufgeweicht.

  6. Es ist in der Tat so, dass man manchmal nicht weis was in diesem Mann vorgeht, was er denkt und was er plant. Franziskus ist in seinem Tun und Reden widersprüchlich. Ein Hauptmerkmal ist bei ihm, das eines Verwirrers und unbedachten Unterhalters. Deshalb ist die Frage berechtigt, wie frei ist er, welchen Spielraum lassen ihm die Kardinäle und Strippenzieher im Hintergrund. Hat er doch selber schon gesagt, dass er nur das macht, was die Kardinäle von ihm verlangen. Vielleicht kommt hier Licht in das Geschehen durch das Schreiben an die: “..Lieben Brüder Freimaurer..“von dem Franziskus gewusst haben muss. Wer hätte das vor wenigen Jahren für möglich gehalten. Da muss man doch sofort an La Salette denken.

  7. Interessant ist in dem Zusammenhang, dass Melchior Cano damals den aufsteigenden Jesuitenorden als „Vorläufer des Antichrists“ betrachtete.

    Damals wurde er in der Katholischen Kirche dafür belächelt bzw. für einen gehalten, der sich in etwas verrannt habe.
    Man hielt ihn für einen brillianten Theologen, dessen Werk „De locis theologicis“ grundlegend für die weitere Entwicklung der Theologie werden sollte, der aber hinsichtlich der Ignatius-Ideologie übertrieben habe.

    Es hat etwas geradezu Gespenstisches, wenn man das heute hört: Denn heute kann man begründet den Eindruck haben, dass Cano einer der wenigen war, der die große Gefährlichkeit dieser ignatianischen Ideologie erkannte und visionär vorausgesehen hat, was uns eines Tages daraus für ein Abgrund erwachsen würde.

    • Genau so ist es. Das Dilemma der Kirche besteht heute darin, dass es ihr nicht gelungen ist, sich des Jesuitenordens zu entledigen.
      So lasten die zahllosen Verbrechen und die ungeheure Blutschuld, die dieser Orden angehäuft hat, wie eine tonnenschwere Hypothek auf der Kirche, die diese dauerhaft nach unten zieht.
      Das geht so weit, dass die Kirche tatsächlich dem Antichristen den Weg bereitet, wie es heute der Fall ist und wie es in La Salette prophezeit wurde.
      Melchior Cano hatte also vollkommen recht.
      Man hat angesichts der Verbrechen der Jesuiten immer beide Augen zugedrückt, da diese (scheinbar) dem Wohl der Kirche dienten.
      Darin liegt eine grosse Schuld der Verantwortlichen der Kirche, das Prinzip „der Zweck heiligt die Mittel“ akzeptiert zu haben.
      Jesuiten und Freimaurer hingegen wollen seit jeher das Gute durch das Böse bewirken.
      Dies ist aber unmöglich, da das Böse fortwährend immer nur Böses gebiert.
      Nur Gott kann aus dem Bösen das Gute hervorgehen lassen.

  8. Falls Bergoglio das Buch wirklich (und bis zum Ende) lesen sollte, dann wird er nicht umhin kommen, zu denken: „So gründlich hat mir wohl noch nie einer den Kopf gewaschen!“.

    Socci ist nämlich ein sehr aufmerksamer Beobachter, der auch auf die (oft wichtigen!) Details achtet, die viele übersehen; ein sehr rationaler Mensch also.

  9. Es gibt viele Franziskusse? In einer Person? Das ist nicht irritierend, dafür gibt es einen klinischen Befund. Aber vorsichtig.
    Die historische Gemeinsame Erklärung jedenfalls ist das hervorragend gelungene Produkt der vatikanischen Diplomatie und der Sicherheit der orthodoxen Seite. Mit Franziskus‘ Naturell hat es nichts zu tun. Das kam dann schnell wieder, wie gewohnt, als unreflektiertes loses Gerede hervor. Er ist einfach ein verwirrter alter Mann, der in seiner ihm eigenen Eitelkeit sich für junggeblieben hält und tatsächlich seit seiner Jugend nichts dazugelernt haben dürfte und offensichtlich auch nicht mitbekommen hat, daß seine Weltendeutung längst überholt ist. Er ist der letzte der neuen Art Kirche, der Opa der Moderne.

  10. „Diese Problematik ist also seit bereits 500 Jahren deutlich ausgesprochen, und doch hat ein grosser Teil der Hirarchie samt dem Kirchenvolk nichts daraus gelernt“. Aber Sie schon -als Spezialistin- doch schon, nicht? Doch doch, es haben einige daraus gelernt. Aber davon wollen Sie ja nix wissen,das Sie ja immer „alles besser Wissen“, nicht?

    • Wenn es heißt „ein großer Teil“ habe nichts daraus gelernt, gibt es logisch einen kleinen Teil, der es tat – und auf den stütze ich mich.

      Macht es jetzt klick?

    • Zeitschnur bietet immer interessante Sichtweisen und vor allem nachprüfbare und nachvollziehbare Fakten an. Dieses auf Zeitschnur eindreschen ist viel nerviger und unqualifizierter als irgendetwas, was sie jemals geschrieben hat und vermutlich noch schreiben wird.

      • @ Tridentinus: Na und? Bringt’s was?.Die grosssen und mächtigen dieser Welt interressiert das doch einen Bohnenkäse.
        Was Sie hier als „nachvollzeibare Fakten“ bezeichnen,ist völlig schleierhaft. Sie betreiben genauso wie zeitschnur Rabulistik. Gründet doch eure eigene Kirche oder Sekte. Jeder soll nach seiner Façon selig werden.

      • „Eindreschen“ – Leone, wer verwendet dieses eher wenig gebräuchliche Vokabular ansonsten häufiger in diesem Forum!? Wenn Sie sich das beantworten, wissen Sie auch, welche Person aller Wahrscheinlichkeit nach hinter „Tridentinus“ steckt.

  11. Der Dreieine Gott läßt diese vielen Versuchungen durch den Papst aus Argentinien zu, wahrscheinlich zur Reinigung der Kirche allgemein und zu „meiner eigenen Reinigung“.
    Es ist sicherlich eine besondere Zeit der Prüfung und damit vielleicht auch eine Gnadenzeit (und damit meine ich nicht dieses „Jahr der Barmherzigkeit“) zu Buße und Umkehr.

    Man soll m.Er. wie Herr Socci es hier schreibt, immer für den „Papst“ Franziskus beten in Liebe zu diesem Menschen, damit man vor Gott als Sünder, der man selber ist, dereinst hoffentlich bestehen kann.
    Das liebreiche Gebet für diesen Papst (trotz oder gerade wegen vielerlei Kritikwürdigem) kann einen selbst von Sünden reinigen. Genau darin kann sich das Christsein bewähren und man hat die Chance im Glauben und der Kreuzesnachfolge Christi zu wachsen.

  12. Socci hat den „Test“ nicht bestanden, er ist genauso geschwätzig wie Franziskus, wenn auch vermutlich weniger clever.

    Da erhält er ein paar nette Zeilen aus der Casa Santa Marta, wie sie jeder Onkel routiniert hinkritzelt, und weiß nichts Besseres, als damit sofort und wie betäubt an die Öffentlichkeit zu rennen. Genauso wie die geschiedene Frau in Buenos Aires nach einem Anruf aus CSM oder desgleichen der Figaro des zum Papst gewählten Erzbischofs usw. usf.

    Geschwätzigkeit überall. Passt aber zu der bei Kirchenleuten mittlerweile scheinbar unverzichtbar gewordenen dauernden Umarmerei, Lacherei und Küsserei älterer Männer untereinander und überhaupt allem, das sich ihnen in den Weg stellt. Kein Stil, keine Beherrschung, keine Vorbilder.

  13. @Leone: In dieser Sicht bringt das alles nichts und sind alle Tradis, gleich welcher Ausrichtung, völlig irrelevant. Auch die Progressisten sind es gesellschaftlich längst. Im dt. Sprachraum nur verdeckt durch die finanziellen Möglichkeiten dank Hitlers Kirchensteuer.

  14. @ Carlo

    Ihr Statement greift daneben – das ist nicht „geschwätzig“, sondern folgerichtig, was Socci hier tut.
    Er hat den Papst öffentlich kritisiert und wenn er dessen Reaktion verschwiege, auch wenn sie mit der Privatpost kommt, wäre es mindestes unfair.

    Desweiteren nimmt er diese Antwort ja sehr wohl kritisch aufs Korn.

    Interessant auch seine Ansicht, dass es tatsächlich F. selbst ist, der all die Ärgernisse der letzten 3 Jahre selbst verantwortet und nicht etwa der Hof oder sonst wer. Dass irgendwelche Katholiken irgendetwas meinen und tun, irgendwo draußen in der Weltkirche, ist normal, war schon immer so, ist an sich kein größeres Problem.

    Ein Problem ist aber ein Papst, der so autoritär herrscht, wie er es ohnehin nicht sollte (leider legitimiert durch das V I), denn der hl. Petrus verbietet ausdrücklich dass die Kirche von ihren Oberen beherrscht werden darf! F. ist darin zwar nicht der erste Tyrann auf dem Stuhl Petri, aber der erste, der dafür von aller Welt hofiert wird und keinen Gegenspieler mehr in der Welt hat.

    • Ja, Fr. Zeitschnur, das nächste Mal werde ich auch etwas von Mechior Cano einbauen, dann ist alles paletti.

      • Ja, eben! DESWEGEN springen Sie auch über das Stöckchen dieses geschmeichelten Kärtchenveröffentlichers, denn einen Brief kann man das, was er da herumschwingt, nun wirklich nicht nennen!

      • @ Carlo

        Wie würden Sie das denn nennen?
        Und was der restliche Quatsch?

        Socci hat F. angegriffen und einen Brief von ihm bekommen, den er kommuniziert. Punkt. Der mag Ihnen ja nicht genügen oder gefallen, aber Sie sind ja auch nicht gemeint. Was soll also diese sinnlose Wortklauberei? Haben Sie nun etwas Sachhaltiges zu sagen oder nicht?

  15. Dieser Brief sagt rein nichts aus, besteht aus reinen frömmlerischen Floskeln. Natürlich verwendet in wahrhaft frommer Mensch ebensolche Formulierungen, ja, aber in diesem Kontext ist derlei vor allem eben dieses: viel zu wenig, ja ein Nichts.

    Eigentlich könnte alles in einem beliebigen Brief an irgendjemandem stehten, bis auf ein paar dürre Sätze:
    „Ich habe Ihr Buch und das Begleitschreiben erhalten. Vielen Dank für diese Geste…

    Ich habe damit begonnen, es zu lesen, und bin sicher, daß mir viele der darin enthaltenen Dinge sehr gut tun werden. In Wirklichkeit helfen uns auch die Kritiken, auf dem rechten Weg des Herrn zu wandeln.“

    Das Wort „Geste“ erscheint sehr schwach gewählt, aber sei’s drum. Wichtiger erscheint, dass absolut nix drinsteht, als dass er mit dem Lesen begonnen hat. Nichts Persönliches, nichts Konkretes, kein Eingehen auf den Inhalt, kein Verweis auf eine spätere, konkretere Mitteilung, nichts, nur Leerformeln. Nicht einmal so Allgemeines wie: „Sie sind bisher stets sehr hart mit mir ins Gericht gegangen, weshalb ich der Lektüre mit großer Spannung entgegensehe“.
    So einen Brief schreibt man nicht mit der Hand, er klingt ganz nach einem vorgefertigten Schreiben aus irgendeinem Sekreariat.
    mE handelt es sich um einen reinen Publicity-Gag dieses in derlei Dingen sehr gewandten Papstes.
    Dass der Empfänger Rührung zeigt, ist verständlich. Nun ja, man freut sich drüber. Es stehen wirklich nur nette Sachen drin.
    wir als Unbeteiligte können es uns aber leisten, die Sache kritisch zu sehen.

    • Man kann nur hoffen, dass dieses Schreiben kein Fake irgendeines Geheimdienstes war und Socci das unvorsichtige Öffnen desselben etwa mit gesundheitlichen Beeinträchtigungen zu bezahlen hätte.

  16. Ich verstehe dass Herr Socci sich freut dass er einen Brief vom Papst empfangen hat.Das ist doch etwas besonderes,was man auch sagt.

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