Wie sieht Papst Franziskus das Zweite Vatikanische Konzil? – Kardinal Sarah ins Gefängnis?

Was denkt Papst Franziskus über das Zweite Vatikanische Konzil?
Was denkt Papst Franziskus über das Zweite Vatikanische Konzil?

(Rom) Wie hält es Papst Franziskus mit dem Zweiten Vatikanischen Konzil? Das war jüngst Thema bei Il Sismografo (Der Seismograph), einem inoffiziellen Pressespiegel des vatikanischen Staatssekretariats im Internet. Der „Seismograph“ provoziere „kleine Erdbeben“ schrieb der Vatikanist Sandro Magister. Das jüngste „Erdbeben“ betrifft „nichts geringeres als die Hermeneutik, mit der Papst Franziskus das Zweite Vatikanische Konzil interpretiert und anwendet“.

Die handelnden Personen in der Sache sind:
Luis Badilla Morales, der Chefredakteur von Il Sismografo, ein Chilene, der „Minister der Regierung Allende war und seit 1973 im politischen Exil in Europa“ lebt (Terre d’America) und viele Jahre für Radio Vatikan arbeitete;
Massimo Faggioli, Kirchenhistoriker und ein führender Vertreter der progressiven „Schule von Bologna“ um Giuseppe Alberigo, für die das Zweite Vatikanische Konzil ein positiver „Bruch“ und „Neubeginn“ in der Geschichte der Kirche war;
Agostino Marchetto, Kurienerzbischof und ehemaliger Diplomat sowie gewichtigster Kritiker der „Schule von Bologna“ – und langjähriger Freund von Papst Franziskus. Marchetto ist ein Vertreter der „Hermeneutik der Kontinuität“ im Sinne von Papst Benedikt XVI.

„Der Papst kennt keine Unsicherheiten, wie das Konzil zu interpretieren ist“

Luis Badilla Morales
Luis Badilla Morales, Minister unter Allende, seit 1973 im „politischen Asyl“ in Rom

Am 14. Januar veröffentlichte Il Sismografo ein begeistertes Interview mit Faggioli, das Badilla und der Herausgeber der Internetseite, Francesco Gagliano, führten.

Faggioli behauptete darin, Papst Franziskus „spricht sehr wenig vom Konzil“, weil „er es macht, es ständig umsetzt, und die faszinierendste Sache dabei ist, daß er nie ein Interesse an der Frage der Hermeneutik des Konzils gezeigt hat“. Vielmehr sei Franziskus „der erste Papst, der keine Unsicherheiten dazu hat, wie das Konzil zu interpretieren ist“. Das komme daher, daß der Papst, laut Faggioli, wie folgt über das Konzil denke: „Wir haben es jetzt in der Hand und wir interpretieren es, ohne Streitigkeiten von vor 30 oder 40 Jahren wiederaufzumachen“.

Die Begeisterung von Faggioli und seiner beiden Interviewer „erklärt sich, weil sie die Interpretation des Zweiten Vatikanischen Konzils durch Papst Franziskus mit jener der ‚Schule von Bologna‘ gleichsetzen“, so der Vatikanist Sandro Magister.

„Nicht wahr“, daß Papst Franziskus kein Interesse an der Frage der Konzils-Hermeneutik hat

Prompt reagierte Kurienerzbischof Marchetto, der die „Schule von Bologna“ und ihre Lesart des Zweiten Vatikanischen Konzils einer systematischen Kritik unterzogen hatte. Nur drei Stunden nach der Veröffentlichung des Interviews ging in der Redaktion des Sismografo eine Replik von Msgr. Marchetto ein, die kommentarlos veröffentlicht wurde.

Kurienerzbischof Agostino Marchetto, Hermeneutiker der Kontinuität und Freund von Papst Franziskus
Kurienerzbischof Agostino Marchetto, Hermeneutiker der Kontinuität und Freund von Papst Franziskus

Deren Vertreter ignorieren das Schreiben jedoch und behaupten weiterhin Papst Franziskus als einen der Ihren und damit in Sachen Konzil eine Deckungsgleichheit des päpstlichen Denkens mit jenem der „Schule“.

Die Internetseite Il Sismografo scheint nicht unter den offiziellen Medien des Heiligen Stuhls auf, ist aber dessen direkte Gründung. Sie wird von Journalisten von Radio Vatikan geleitet und betrieben und steht unter der Aufsicht des Staatssekretariats, bis das neue Kommunikationssekretariat unter Präfekt Dario Viganò, dem bisherigen Direktor des vatikanischen Fernsehsender CTV, einsatzbereit sein wird.

Die Neutralität zugunsten der Parteinahme aufgegeben

Aufgabe des Ende Januar 2012 gegründeten Sismografo ist es, Artikel anderer Medien über Papst Franziskus und den Heiligen Stuhl vollinhaltlich in fünf Sprachen zu übernehmen und zu verbreiten. Bis vor kurzem geschah dies ohne eigene Beiträge und unkommentiert.

„Seit einigen Monaten aber haben sich die Dinge geändert. Luis Badilla Morales, der Hauptverantwortliche der Seite greift immer häufiger mit seinen Kommentaren ein, die alles sind, aber nicht neutral“, so Magister.

Er wurde von Anfang an mit der Leitung der Seite beauftragt und ist seit einigen Monaten bei TV2000, dem Fernsehsender der Italienischen Bischofskonferenz, omnipräsent. Besonders intensiv trat er während der Bischofssynode im vergangenen Oktober in Erscheinung. Auf welcher Seite der Barrikade er steht, daraus machte er kein Hehl.

Ohne Kommentar hingegen, verbreitete er die „Enthüllung“ des päpstlichen Hausvatikanisten Andrea Tornielli von einer angeblichen „Konspiration“ gegen Papst Franziskus. Als „Verschwörer“ machte er die „dreizehn Kardinäle“ aus, die bei Papst Franziskus mit einem Brief gegen die Geschäftsordnung der Bischofssynode protestierten und gegen den Eindruck, nur mehr „vorgefertigte Ergebnisse“ abwinken zu sollen. Sie hielten dem Kirchenoberhaupt vor, daß die Bischofssynode manipuliert werden solle.

Faggioli kann in Vatikan-Medium Gefängnis für Kardinal Sarah fordern

Massimo Faggiolis Buch über Papst Franziskus: Tradition in Transition
Massimo Faggiolis Buch über Papst Franziskus: Tradition in Transition

Als Sandro Magister die behauptete „Verschwörung“ als Unterstellung entlarvte, kam der ganze Zorn der Papst-Entourage zur Explosion, weil die Kardinäle den ursprünglichen Synoden-Plan zu Fall gebracht hatten. Auch Badilla konnte sich nicht mehr zurückhalten und schrieb mehrere persönliche, „sehr polemische“ Kommentare gegen die Kardinäle, die den Brief an den Papst unterzeichnet hatten und die bei der Synode zu den entscheidenden Synodenvätern gehörten, die sich der Zulassung wiederverheirateter Geschiedener zur Kommunion und der Anerkennung der Homosexualität widersetzten.

Schützenhilfe erhielt Badilla dabei von Faggioli, der an der University of St. Thomas in Minneapolis Geschichte des Christentums und an der Villanova Univesity von Philadelphia Theologie lehrt. Faggioli griff die Kardinäle-Synodalen noch schärfer an und ging soweit, für einen der dreizehn Unterzeichner, für Kardinal Robert Sarah, den Präfekten der Gottesdienstkongregation, sogar nach dem Gefängnis zu schreien. Faggioli gerierte sich mit Schaum vor dem Mund als Denunziant und behauptete, der afrikanische Kardinal habe bei seinen Wortmeldungen in der Synodenaula Dinge gesagt, „die in einigen westlichen Demokratien strafrechtlich relevant“ seien.

Seine Breitseite feuerte Faggioli aus den Spalten der Huffington Post ab. Badilla übernahm die untergriffige Forderung, einen Kardinal der Kirche und Präfekten der Römischen Kurie, für eine nichtöffentliche Äußerung in Verteidigung der kirchlichen Morallehre ins Gefängnis zu wünschen, kommentarlos beim Sismografo, einer inoffiziellen Seite des Staatssekretariats.

Schlagabtausch: Liturgiker Grillo macht sich über Papst-Briefe lustig

Faggioli, sollte sich damit eigentlich für jede Zusammenarbeit mit kirchlichen Einrichtungen selbst diskreditiert haben. Doch bei Badilla ist er auch weiterhin ein gern gesehener Gast und Interviewpartner, wie jüngst vor wenigen Tagen. Eine gemeinsame Gesinnung schweißt zusammen.

Durch das Interview wurde das Augenmerk auf das Verhältnis von Papst Franziskus zum Zweiten Vatikanischen Konzil gelenkt. Am Tag nach dem Schlagabtausch zwischen Faggioli und Kurienerzbischof Marchetto veröffentlichte der Sismografo kommentarlos die Stellungnahme von Andrea Grillo, einem bekannten Theologen und Professor für Liturgiewissenschaften an der römischen Hochschule der Benediktiner Sant’Anselmo.

Grillo eilte Faggioli zu Hilfe und machte sich sogar über die beiden Briefe von Papst Franziskus lustig, die er als bloße Kurienprodukte abtat. Papst Franziskus sei „nicht Traditionalist“, so Grillo, sondern ein „Post-Liberaler“. Konkret meinte der Liturgiker damit, daß die Hermeneutik der Kontinuität, wie sie Marchetto und Benedikt XVI. vertreten, eine „traditionalistische“ Lesart des Konzils sei. Franziskus aber mit „Traditionalismus“ in Verbindung zu bringen, das sei ja schließlich wirklich lächerlich.

Franziskus: Zweites Vaticanum heißt, „das Evangelium im Licht der zeitgenössischen Kultur neu zu lesen“

„In der Tat ist es leicht, in den Worten und Gesten von Franziskus Anhaltspunkte zu finden, die ihn vielmehr in die Nähe zu den Thesen der Schule von Bologna rücken“, so Magister.

Einen expliziten Anhaltspunkt lieferte Franziskus im Interview der Civiltà Cattolica von September 2013. Darin bezeichnete er das Konzil als „einen Dienst am Volk“, der darin bestehe „das Evangelium im Licht der zeitgenössischen Kultur neu zu lesen“.

„Nachdem dieses Interview erschienen war, wurde der Papst vertraulich darauf hingewiesen, daß die Verkürzung des Konzils auf ein solches Verständnis zumindest ‚unpräzise‘, wenn nicht ‚falsch‘ sei“, so Magister. Dieser Hinweis für den Papst kam von Kurienerzbischof Marchetto, der früher faktisch der „Einwanderungsminister“ des Vatikans war und daher mit Migrationsfragen zu tun hatte. Ein Thema, das schon Jorge Mario Bergoglio wichtig war und so lernte man sich kennen. „Die beiden befreundeten sich in gegenseitiger Wertschätzung“, so Magister. Marchetto wohnt im römischen Klerushaus in der Via della Scrofa auf Zimmer 204. Bergoglio belegte früher die Nummer 203, wenn er sich in Rom aufhielt.

Franziskus ließ sich von seinem Freund die Kritik an seiner Interview-Aussage erklären. Daraus folgte der Brief an Marchetto, mit dem der Papst seine September-Aussage korrigierte und die Veröffentlichung des Briefes erlaubte, was Marchetto am 13. November 2013 tat.

Kampf um die Deutungshoheit des Konzils

Don Dossetti mit dem späteren italienischen Ministerpräsdenten und EU-Kommissionspräsidenten Romano Prodi
Drang nach links: Don Dossetti mit dem späteren EU-Kommissionspräsidenten Romano Prodi

Die „Schule von Bologna“ läßt aber nicht locker. Immerhin geht es um die Deutungshoheit des Konzils, die mit jahrelanger Ellbogentechnik errungen wurde. Erst durch die Wahl von Papst Benedikt XVI. wurde ihr von höchster Stelle entgegengetreten und ihr Monopol in Frage gestellt. Ein Monopol, das nicht unwesentlich mit Unterstützung der Deutschen Bischofskonferenz zustande gekommen war.

Der Brief an Marchetto war eine klare schriftliche Aussage, der aber eine Reihe anderer Gesten und Worte entgegensteht. Damit wurde die Ambivalenz von Papst Franziskus im Umgang mit dem Konzil nicht aufgelöst. Die „Schule von Bologna“ kann ihrerseits auf päpstliche Gesten zu ihren Gunsten verweisen. Dazu zählt die jüngst erfolgte Ernennung von Corrado Lorefice, einem Vertreter der „Schule von Bologna“, zum neuen Erzbischof von Palermo.

Lorefice schrieb ein Buch über Don Giuseppe Dossetti und Kardinal Giacomo Lercaro. Dossetti war ein ehemaliger linkskatholischer Politiker, der dann Priester wurde und beim Konzil als technischer Organisator der progressiven „Rheinischen Allianz“ galt. Aufgrund seiner parteipolitischen und parlamentarischen Erfahrung, versuchte er das Konzil über die Geschäftsordnung zu steuern. Ein Aspekt, der den allermeisten Konzilsvätern so fremd war, daß er von ihnen nicht einmal wahrgenommen wurde.

Kardinal Lercaro war Erzbischof von Mailand und der italienische Hauptvertreter der „Rheinischen Allianz“. Lercaro wurde einer der vier Konzils-Moderatoren und von 1964-1957 Vorsitzender des Consilium ad exsequendam Constitutionem de Sacra Liturgia, des Rats zur Umsetzung der Konstitution über die heilige Liturgie. Sekretär des Rates, der für die Liturgiereformen von 1965 und 1969 verantwortlich zeichnet, war Pater Annibale Bugnini. Lercaro wurde zwar 1967 nach einer Rede über den Vietnamkrieg, wegen internationaler diplomatischer Verwicklungen mit den USA, von Papst Paul VI. als Vorsitzender abberufen, blieb aber Ratsmitglied.

Paul VI., Giuseppe Dossetti und die „Rheinische Allianz“

Papst Paul VI. mit Konzilsgeneralsekretär Pericle Felici
Papst Paul VI. mit Konzilsgeneralsekretär Pericle Felici

Der Kirchenhistoriker Alberto Melloni und derzeitige Leiter der „Schule von Bologna“ gab jüngst eine neue Parole aus. Auch Papst Paul VI. habe Dossetti geschätzt und seine Art der Abstimmungen bis zur letzten Stimme, um eine neue „synodale“ Kirche zu schaffen. Bisher war Paul VI. ein Lieblingshaßobjekt der „Schule“. Papst Montini wird vorgeworfen, daß der radikale Umbau der Kirche auf halbem Weg steckengeblieben und eine „restaurative“ Phase unter Johannes Paul II. und Benedikt XVI. möglich geworden sei. Mehr noch: Paul VI. habe bereits „restaurative“ Züge getragen, die Reformen gebremst und mit der Enzyklika Humanae vitae einen „Rückschritt“ vollzogen.

Als Melloni, zwei Tage nach Abschluß der außerordentlichen Bischofssynode am 21. Oktober 2014 im Corriere della Sera diese These aufstellte, widersprach ihm auch damals Msgr. Marchetto. Der Kurienerzbischof zitierte aus dem unveröffentlichten Tagebuch von Kurienerzbischof Pericle Felici, dem Generalsekretär des Konzils, aus dem unzweifelhaft die Abneigung Pauls VI. gegen die Manöver Dossettis hervorgeht. Felici, später zum Kardinal erhoben, sollte am 16. Oktober 1978 als Kardinalprotodiakon der Welt die Wahl von Papst Johannes Paul II. verkünden.

Das Tagebuch wurde von Marchetto, der bereits daran arbeitete, im November 2015 im Vatikanverlag veröffentlicht. Dabei handelt es sich um eine wichtige neue Quelle, um eine umfassende Geschichte des Konzils schreiben zu können. Magister zitiert zur Unterstreichung drei Stellen.

Die Konzilsmoderatoren I

„Als die Moderatoren ausgewählt wurden in den Personen Agagianan, Lercaro, Döpfner und Suenens, erlaubte ich mir den Kardinalstaatssekretär (Amleto Cicognani) darauf hinzuweisen, daß es sich dabei erklärtermaßen um parteiische Männer handle, die daher wenig geeignet seien, zu ‚moderieren‘. Der Staatssekretär antwortete mir mit einem gewissen Groll. Letztendlich und nach schmerzlichen Erfahrungen war er der erste, der den bei der Auswahl der Personen gemachten Fehler anerkannte.“

Die Konzilsmoderatoren II

„Leider sind die Moderatoren nicht nur einmal wenig kluge Wege gegangen. Sie haben begonnen auf eigene Faust zu handeln, indem sie das Generalsekretariat übergingen und sich der Arbeit Don Dossettis bedienten, den Kardinal Lercaro als Sekretär der Moderatoren vorgestellt hat. Ich ließ gewähren, bis die Probleme sichtbar wurden… Dann habe ich bei Kardinal Agagianan protestiert und daran erinnert, daß der Sekretär der Moderatoren laut Geschäftsordnung der Generalsekretär ist und ich keinen Ersatz zulasse, außer der Papst will es, und daß ich für nichtig halte, was bisher von Don Dossetti gemacht worden war. Dasselbe sagte ich auch Kardinal Döpfner. Der Papst, von mir darüber informiert, sagte kategorisch, daß er Don Dossetti nicht auf jenem Posten haben will, mehr noch, daß er nach Bologna zurückkehren solle.“

Die Konzilsmoderatoren III

„Es lohnt daran zu erinnern, wieviel ich arbeiten mußte, damit in den Approbationsformeln der Dekrete durch den Papst nicht jene Konzepte der falschen Kollegialität Eingang finden, die Gegenstand der Abstimmung vom 30. Oktober waren. Man wollte den Papst darauf reduzieren, mit dem bereits Beschlossenen übereinzustimmen. Der Papst, dem ich die Sache berichtete, bemerkte dazu: ‚Es sind sie, die in Übereinstimmung mit mir sein müssen, nicht ich mit ihnen!‘ Optime dictum!“

Die „Schule von Bologna“ in Privataudienz beim Papst

Am 23. Juni 2015 wurde Alberto Melloni zusammen mit einer Vertretung des von ihm geleiteten Instituts in Bologna von Papst Franziskus in Privataudienz empfangen, „der sie erneut glauben ließ, auf ihrer Seite zu stehen“, so Magister.

Einige Monate später, am 9. November, schrieb Franziskus aber einen zweiten Brief an Kurienerzbischof Marchetto, der mit einem warmherzigen Lob für dessen Edition des Konzilstagebuches von Kardinal Pericle Felici beginnt und damit dem „radikalsten Gegenteil der Theorien von einem „Bruch“ und „Neubeginn“ durch das Zweite Vatikanische Konzil“, so Magister.

Um die Sache zu beruhigen, boten Luis Badilla und Francesco Gagliano auch Erzbischof Marchetto ein Interview über die „Interpretation und Umsetzung“ des Konzils an. Die fünf Fragen und Antworten wurden am 18. Januar von Il Sismografo veröffentlicht.

Was aber denkt Papst Franziskus wirklich über das Konzil?

Weniger klar denn je ist die Haltung von Papst Franziskus zum Zweiten Vatikanischen Konzil. Laut den Briefen und Aussagen von Kurienerzbischof Marchetto würde Franziskus die Hermeneutik des Bruchs entschieden ablehnen und sei vielmehr auf der Linie der Hermeneutik der Kontinuität von Papst Benedikt XVI. Dieser Eindruck wird allerdings nur in den beiden Briefen an Marchetto vermittelt, ansonsten weder durch seine Aussagen oder Handlungen noch in seinen Beteuerungen gegenüber den Vertretern der „Schule von Bologna“ bestätigt.

Letztendlich könnte man den Eindruck gewinnen, der Papst wolle seinen jeweiligen Gesprächspartnern „gefallen“ und ihnen eine Freude bereiten. Ist es Erzbischof Marchetto, so lobt er ihn und stellt sich an seine Seite. Sind es die Vertreter der „Schule von Bologna“, so lobt er diese und stellt sich an ihre Seite. Ist es nur eine Form, einer als störend empfundenen Diskussion aus dem Weg zu gehen? Oder ist das Konzil für Franziskus einfach „Schnee von gestern“, wie ein progressiver Vatikanist in dem Sinne meinte, daß sich die progressive Agenda gar nicht mehr damit aufhalten müsse?

Was also denkt der Papst wirklich über eine zentrale Frage der jüngsten Kirchengeschichte, zu der die Meinungen kaum gegensätzlicher sein könnten. Ein Ereignis, das die einen erst „zur Hälfte“ umgesetzt sehen, andere es so als „alternativlos“ behaupten und von den „Früchten des Konzils“ sprechen, die wieder andere trotz Anstrengung nirgends finden können und manche es gar für den Brandbeschleuniger der Kirchenkrise halten.

Text: Giuseppe Nardi
Bild: CR/TV2000/vatican.va/romanoprodi (Screenshots)

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zeitschnur
Dazu fällt mir nur ein Stichwort ein: Zickenkrieg. Ist ja ekelhaft. Ein einzige Gewimmel von Schlangen und Intriganten, die im Prinzip keinen vernünftigen Satz aussprechen. Worum geht es? Was ist „Restauration“? Wo ist denn der halbe Weg, weiß einer schon den ganzen? Und was hat Kard. Sarah konkret in der Aula gesagt? Und inwiefern ist es strafbar und vor allem in welchen „westlichen“ Staaten denn? Gott sei Dank, sitzt Jesus im Regiment und im zweifelsfall NICHT der Papst samt seiner desaströsen Hierarchie, die er sich ja nun seit 1917, nach Einführung des CIC, immer rücksichtsloser und herrischer selbst zusammenstellt. Seither… weiter lesen »
Reinhold

Das ist wieder ein Rundumschlag, der nichts aussagt als über die Kommentatorin mit ihren Tiraden.

Thomas Kovacs

Schon die Debatte als solches ist grotesk wir sehen täglich in den Handlungen des Papstes, dass er das Konzil klar so sieht, wie in der unmittelbaren Nachkonzilszeit

Franzel
Dieses 2. Vat. Konzil sollte durchaus als eine Abkehr von einer teilweise kritikwürdigen „Vergangenheit“ (die Jahrzehnte oder so vorher) angesehen werden. Eine gute Erneuerung hätte es werden sollen. Aber es kam wohl anders: das Kind wurde mit dem Bade ausgeschüttet. Und dafür ist der Begriff „Bruch“ wohl nicht geeignet: man muß hier schon von Amputation sprechen. Der Begriff „Bruch“ klingt ja irgendwie noch positiv, aber damit verschleiert man das ganze Ausmaß dessen, was sich tatsächlich zugetragen hatte und weiterhin zuträgt. Der „Bruch“, der ein Abbruch war und ist. Ob es eine Kontinuität gibt, wie von Papst Benedikt behauptet, das kann… weiter lesen »
fredius
Man kann erahnen wie Franziskus über das II.Vatikanum denkt. Das Konzil dass sich unter Johannes Paul II. und Benedikt XVI. zu erholen schien, da die Lehren der Kir- che bekäftigt und gefestigt wurden, ist für Franziskus das Sprungbrett für seine sogenannten Reformen geworden. Es ist ja bekannt, dass Franziskus als Kardinal den damals amtierenden Papst Benedikt XVI. öffentlich kritisiert hat. Deshalb ist es für Franziskus jetzt ein leichtes, das zu tun was er für richtig hält. Sein Ponti- fikat zeigt jetzt schon, dass er die Kirche verändert und glaubenslos macht. Mit seiner Vorgabe, dass Evangelium neu zu lesen, und zwar… weiter lesen »
zeitschnur
Unter JP II und BXVI. sind die „Lehren der Kirche“ keineswegs „gefestigt und bekräftigt“ worden. das kann man höchstens für die Sexualmoral sgaen, aber selbst da wurde durch die Umkehrung der Ehezwecke all das befördert, was man dann doch (noch) nicht zugestehen wollte. man wich also hier ab von der tradierten Ehelehre. Ansonsten braucht man nicht ständig zu wiederholen, wie sehr insbesondere JP II die Traditionen verlassen hat mt seinem Ökumenismus („Assisi“), seiner Allversöhnungslehre, der Zulassung schlimmster Missstände in der Hl. Messe und seinem undurchsichtigen Global-Player-Gehabe, das ja noch gar nicht wirklich erforscht ist. Seine Akten sind noch nicht freigegeben… weiter lesen »
Roma locuta

@Zeitschnur
Ich stimme Ihnen zu, wenn Sie sagen, dass JPII und BXVI mehr tun hätten können. FI macht es vpr, wie es auch anders geht.

Ihre Argumentation hinkt aber, wenn sie zweimal als Beleg Ratzingers „Einführung in das Christentum“ heranziehen müssen. Das ist nur dann schlüssig, wenn das dort Ausgesagte auch in seinem Pontifikat Bestätigung findet. Dann allerdings bräuchte man nicht mehr sein Buch zitieren.

In anderen Punkten (s.o.) gebe ich Ihnen Recht.

zeitschnur

@ roma locuta

Ratzinger hat das Buch halt nach der Papstwahl noch einmal genauso und unkorrigiert auflegen lassen – das sagt doch an sich alles.
Er hat die problematischen und häretischen Aussagen darin auch nicht zurückgenommen, als er Papst war, etwa durch eine andere Aussage zu den Themen.
Nein: Es blieb dabei.

Für mich besonders schwerwiegend seine Behauptung, man könne die „Messopfertheorie des 16. Jh (also die dogmatischen Aussagen des Tridentinums) so nicht mehr deuten wie bisher. Das ist wirklich starker Tobak!

Tridentinus
Denke am ehesten, dass dieser Papst wirklich post-konziliar ist und sich schon von seiner persönlichen Anlage her nicht für solch theoretische Fragen wie die Hermeneutik von Konzilstexten interessiert. Irgendwie hatte ja auch Karl-Josef Kardinal Becker SJ der Piusbruderschaft ähnliches empfohlen, nämlich nicht mehr über einzelne Formulierungen zu streiten. Man solle das Konzil hinter sich lassen. Dies könnte man aus traditionsorientierter Perspektive als Überwindung des Konzils begrüßen. Das wünscht Papst Franziskus natürlich nicht. Er will das Konzil nicht überwinden, sondern überschreiten, um nicht mehr auf Texte und deren Interpretation festgelegt werden zu können. Jetzt hat er wieder gesagt, wer alle Veränderung… weiter lesen »
Kirchen-Kater

Ja, vielleicht wird sogar der Vatikanaffe [Projektion am 8.12.] mit dem Heiligen Geist verwechselt?
Es wird wohl kaum der voll des Heiligen Geistes sein, der ihn immer wieder ausdrücklich für sich in Anspruch nimmt. Und es ist ja wohl vor allem Bergoglio selbst und seinesgleichen, die sich nicht verändern wollen, sondern stur ihre jahrzehntelang gescheiterte Agenda doch noch durchzusetzen trachten. Die Uneinsichtigkeit und Lernresistenz der Konzilsrevoluzzer ist doch das Problem. Die, die sich und ihren Wahn für die Sperrspitze des Fortschritts ansehen, sie sind doch längst die in Unreife und Pubertät völlig festgefahrenen Ewiggestrigen.

zeitschnur

Riskante Äußerung, mein Lieber, mir geht das gegen den Strich, das mit dem Affen und dem… ich kann es nicht aussprechen, und mit absoluter Sicherheit hat F. das auch gar nicht intendiert. Er dachte, er projiziert die Schöpfung auf den Petersdom. Das mag uns gefallen oder nicht, aber es war offenkundig, dass er genau das meinte.

Ich bitte also um Rücksichtnahme auf meine religiösen Gefühle. Sarkasmus, in dem der Hl. Geist vorkommt, verletzt mich.

Konrad Georg
@ Kirchen-Kater So einen noblen Namen kann ich mir, ehrlich, nicht geben. Die Kirche ist 200 m weit entfernt, jeden Tag ist eine Hl. Messe, aber ich schaffe es nur am Mittwoch zusätzlich. Rentner mit Lese-Freßsucht. Mir gefällt es nicht, wenn Sie den gewählten Papst einfach Bergoglio nennen, beide Namen zusammen sind angemessen. Aber - wenn wir Franziskus als Opfer des GdK, „Geist des Konzils“, einordnen und die Revoluzzer (mehr oder weniger selbstverschuldet) ebenso, dann sind wir auf der Spur, die niemand sehen will. Wie eine Ideologie wirkt der GdK in der Kirche mit NEUEN Wahrheiten, Verblendung bis Wahn. Das… weiter lesen »
Sophus
Allen zur Erinnerung! Papst Benedikt XVI. hat in seiner ersten Weihnachtsansprache nach seiner Wahl am 22. Dezember 2005 Grundsätzliches zur Problematik einer progressivistischen Konzilsauffassung gesagt: „Ihre Vertreter behaupten, dass die Konzilstexte als solche noch nicht wirklich den Konzilsgeist ausdrückten. Nicht in diesen Kompromissen komme jedoch der wahre Geist des Konzils zum Vorschein, sondern im Elan auf das Neue hin, das den Texten zugrunde liege: Nur in diesem Elan liege der wahre Konzilsgeist, und hier müsse man ansetzen und dementsprechend fortfahren. Eben weil die Texte den wahren Konzilsgeist und seine Neuartigkeit nur unvollkommen zum Ausdruck brächten, sei es notwendig, mutig über… weiter lesen »
dhmg
Ich denke, das zweite Vatikanische Konzil war die Strafe für die Menschheit nach dem 2. Weltkrieg, weil sie sich nach soviel Leid noch immer nicht bekehrt hatte(obwohl sie durch Fatima gewarnt war). Stattdessen wurde von da an noch schlimmer gesündigt als vor dem Krieg. Die 60er Jahre brachten zwar Wohlstand, doch gleichzeitig entfernte sich der Mensch durch Vergnügungssucht und Autonomiewahn von Gott und von da an nahm das heute sichtbare Unheil seinen Lauf. Ganz zu schweigen von den immer weniger werdenden Messbesuchern ab dem 2. Vatikanischen Konzil. Diese sind auf jeden Fall die „Früchte des Konzils“, soviel kann man gewiss… weiter lesen »
Methodus

Sehr verehrter Sophus,ich möchte mich zuerst zn dieser Stelle,für Ihren Beitrag v.18.1.2016,20′29,bedanken.Ich muste sehr nachdenken und dann war bereits die Diskusion geschlossen.Auch das war ,denke ich,gut.Es wäre schön,mit jemandem über den Glauben an den Dreieinigen Gott,tief glauben,zu sprechen,doch nicht hier.Ich kenne den Glauben Benedikts XVI ,ohne vorher darüber,gelesen zu haben,bin jetzt dankbar,für diese,neue Klarheit,die immer wieder,einzelne Sätze,die ich in der Heiligen Messe hörte,so lebendig macht.Ich bin nicht Theologe,(mein Beruf war Arzt),ich ging und gehe kaum zur Kirche,den Glauben suchte ich nicht als Krücke,dieser Katholischer Glauben kam an mich zu,als Geschenk,ich hörte nur zu,in Liebe.Danke,sehr verehrter Sophus,auch für diesen,obigen,Beitrag,..Und erneut,BenediktXVI.

zeitschnur
Nichtsdstotrotz hat Johannes XXIII. ein „Neues Pfingsten“ ausgerufen und Paul VI. und JP II folgten ihm darin. Und ich kann nur immer wieder sagen, der Konstruktionsfehler dieses Konzils wurde 1870 grundgelegt, als man den Papst zum geradezu esoterischen Idol erhöhte. Man sollte fragen, ob vor 1870 ein Papst je gewagt hätte, ein PFINGSTEN zu initiieren, also das, was normalerweise nur der Hl. Geist auf Gebet hin dann tut, wann er will! Manche wollen es nicht glauben, aber all dieser Quatsch vom „Konzilsgeist“ ist tatsächlich sehr wohl konziliare Doktrin, aber möglich wurde sie erst nach dem Papstdogma, auch wenn das Dogma… weiter lesen »
Konrad Georg

Die Katholiken hätten, vom Klerus angespornt, mit dem Rosenkranz den 2. Weltkrieg verhindern können.

Das weitere wurde uns mit dem Gebet von Amsterdam offenbart? – nein ins Gedächtnis zurück gerufen.

Konrad Georg

@ zeitschnur,

vielleicht dämmert Ihnen in ein paar Jahren, was es mit dem Geist des Konzils auf sich hat, wenn auch noch der Geist der Synode zu geistern anfängt.

Ersterer erscheint mir als verendet, aber sein Aasgestank wabert noch in all zu vielen Köpfen.

zeitschnur

@ Konrad Georg

Und Ihnen dämmert vielleicht bei Gelegenheit, mein Posting erst mal genauer zu lesen, bevor Sie solche herablassenden und themaverfehlenden Sprüche klopfen…

Franzel
Das Problem des 2. Vatikanischen Konzils hat mit dem Glauben zu tun m. Er. In der Kirche vor dem Konzil herrschte wohl manchmal nicht der wahre christliche Geist, sondern etwas wie ein klerikaler, pharisäischer Ungeist oder so. Das Konzil sollte dem ja offenkundig entgegenwirken, und Glauben und Kirche wirklich erneuern und Lasten auch abwerfen. Inwiefern sich das alles in den Konzilstexten spiegelt, kann ich nicht sagen, weil ich kein Fachmann bin. Offenbar aber scheint mir, daß das Konzil dann viele Theologen und Laien komplett überfordert hat und genau das ist ein Beweis meines im vorigen Satzes Gesagten. Das Konzil wirkte… weiter lesen »
Konrad Georg

@ Franzel
Der Geist Martin Luthers lastet auf DEutschland .
Ich möchte sie ermuntern, weiter auszuholen.
Das Ziel der dt. Bischöfe, der „Rheinischen Allianz“ im Konklave war, die Fortsetzung von 1517, die Reformation genannte Revolution Luthers, zu erreichen. Aber das allein erklärt nicht die ganze Bandbreite der Verwerfungen. Der protestantische Theologe Morstad aus Norwegen beschreibt die Entwicklung ab etwa 1900 . Die Probleme werden immer von schwachgläubigen Theologen angeleiert, von ebensolchen und daher leicht beeinflußbaren Klerikern verbreitet.

Sophus
Werter @ Methodus!Es freut mich, dass Ihnen der Bericht Kurienkardinal koche über die Theologie Papst Benedikts XVI. entsprochen hat.Ich nehme Ihre positive Rückmeldung zum Anlass, Sie und andere Interessierte mit einem weiteren Text, diesmal über die Exegesemethode Papst Benedikts XVI. bekannt zu machen, auf deren Basis er seine Jesus-Trilogie erarbeitet hat. Während der erste Text die notwendige Grundeinstellung des Theologen zum Wort Gottes beschreibt, lässt der nachfolgende Text von Frater Marcus Holden die Arbeitsweise Papst Benedikts XVI. erkennen. Es geht im Wesentlichen um die Leistungsfähigkeit der historisch-kritischen Methode und ihre Überforderung. Die Jesusbände Papst Benedikts XVI. haben uns gelehrt, dass… weiter lesen »
Methodus
Verehrter Sophus,erneut mein Dank,für Ihren wertvollen und wegweisenden Beitrag.Ich musste sehr lange lesen und nachschlagen.Papst Benedikt XVI scheute nicht,für den christlichen Glauben,alles,was Ihm durch Gottes Gnade,Gottes Vorsehung,geschenkt wurde,weiterzugeben.Er schöpfte seine Worte aus der tiefer,unerschöpflicher Quelle des eines,fleischgewordenes Gottes.Als,ob er das Wasser des Lebens,immer wieder und neu,zu den Menschen,im Jetzt,tragen würde,immer mit wahrem Dreieinigem,lebendigem Gott verbunden,gab er diese Gnade an die Menschen,mit ganzer Kraft ,die Ihm gegeben worden ist,Nur so,kann ein Priester das Zeugniss der Erlösungsgeschichte verkunden.So auch Sie,lieber Sophus,geben alles,um dieses ,in den Heiligen Evangelien,von den Aposteln,mit Wirkung des Heiligen Geistes,niederschrieben worden ist.Erschreckend ist,was in Frage gestellt werden soll und,mächtig… weiter lesen »
Sophus
Geehrte(r) @ Methodus! Sie haben das Problem der modernen liberalen Theologie sehr richtig erfasst und sehr eindringlich beschrieben. Mein Dank geht auch an Sie für diesen wunderbaren Text. Sie haben, abgesehen von den kleinen Korrekturen meinerseits, geschrieben: „Papst Benedikt XVI scheute sich nicht,für den christlichen Glauben alles,was Ihm durch Gottes Gnade und Gottes Vorsehung geschenkt worden ist,weiterzugeben. Er schöpfte seine Worte aus der tiefen,unerschöpflichen Quelle des einen, fleischgewordenen Gottes, als ob er das Wasser des Lebens immer wieder und neu zu den Menschen im Jetzt tragen müsste – immer mit dem wahren, lebendigen Dreieinigen Gott verbunden. So gab er diese… weiter lesen »
Franzel
Sehr geehrter @Sophus: es gibt wohl wenige Theologen, die einen solchen Durchblick haben wie Sie und dem Laien, wie mir, den Glauben, die Schrift und die eigentlich Aufgabe von Theologen so gut und wahr veranschaulichen können. Danke Ihnen. Wie wünschenswert wäre es, wenn sich Priester und Theologen Ihre Worte zu Herzen nähmen und umkehren könnten. Ich bin der Ansicht, daß das fast nicht anders möglich ist als durch Schmerz, Leid und Kreuz. Und das gilt entsprechend für die Laien. Durch die hohe Zahl von moslemischen Zuwanderern stellt sich eh jedem Christen die Frage nach dem eigenen Glauben und der eigenen… weiter lesen »
Sophus
Sehr geehrter @ Franzel! Ich bin kein Theologe! Vielmehr mische ich mich als Laie ein, was einen konkreten Anlass hatte: Aus Verärgerung über Rudolf Augsteins Leitartikel im „Spiegel“ Nr. 21 (25. Mai 1999) mit dem Titel: „2000 Jahre danach – Was bleibt von Jesus Christus? Über den Mythos, der die Welt prägte“ befasse ich mich als gelernter Historiker, Germanist und Geograph seitdem mit der Datierungsfrage der neutestamentlichen Schriften, um die Richtigkeit der apostolischen Frühdatierung gegen die von Kardinal Kasper übernommene evangelisch-lutherische Hypothese von der Spätdatierung nachzuweisen. Das ist mir mit einer an Sicherheit grenzenden Wahrscheinlichkeit gelungen. Da mein Buch nicht… weiter lesen »
Konrad Georg

Sehr geehrter @ Sophus,

die Zeitschrift Trenta giorni = 30 Tage hatte mich schon in den 90ern für dieses Thema scharf gemacht. So erkannte ich den Wahn, einerseits „sola scriptura“, gleichzeitig die Spätdatierung als vernünftig sehen zu wollen.

Bei Ihrer Aufzählung zu anno 43 fiel mir sofort die Überschrift ein: Markus hörte und schrieb sofort.

Ich bin dem so früh verstorbenen Michael Müller dankbar, daß er dieses Wagnis auf sich genommen hat.

Marienzweig

Sehr geehrter Sophus,
für Ihre detaillierten Ausführungen danke ich Ihnen ausdrücklich.
Ich werde sie meinem „geistigen „Sohn“ zukommen lassen, der kommenden Herbst ins Priesterseminar Freiburg eintreten wird.
Er soll gerüstet sein!
Vielleicht noch eine Frage: Haben Sie inzwischen eine Reaktion bzw. Rückmeldung der von Ihnen angeschriebenen Personengruppen erhalten?

Sophus
@ Marienzweig Ich hatte mein Rundschreiben mit dem Vermerk “ Mit der Bitte um Kenntnisnahme“ versehen, und damit bewusst signalisiert, dass ich keine Rückantwort erwartete. Diesen Ball hat S.Em. Kardinal Marx in der Rückantwort aufgenommen und damit den Verzicht auf eine Stellungnahme begründet. Eine sehr positive Replik erhielt ich von S.Em. Erzbischof Haas von Liechtenstein. Die „Rückantworten“ erfolgten für mich indirekt: Kardinal Kasper hat m.E. nicht mehr auf seine bisherigen Argumentationsstränge auf der Basis der Spätdatierung im Vorfeld der Ordentlichen Synode Herbst 2015 gebaut: Von einer ersten Anpassung der Lehre Jesu an die hellenistische Wirklichkeit gegen Ende des ersten Jahrhunderts… weiter lesen »
anjali jain

Sehr gut! Danke vielmals dass Sie Papst Benedikt auch so schaetzen!

Sophus

Übrigens:
Sehr geehrte @Marienzweig!
Sehr geehrter @ Konrad Georg!
Danke für Ihr Interesse. Falls Sie meinen verkürzten Rundbrief, erweitert durch entsprechende Erläuterungen in der Diskussion mit @ Suarez und @ GW, lesen wollen, haben Sie die Möglichkeit, den entsprechenden Thread im Archiv von katholisches.info nachzulesen: unter dem 2.Oktober 2015 und dem Titel „Beugen und Verbiegen der Ehelehre“. Mein Beitrag beginnt etwa in der Mitte der zahlreichen Kommentare. Im Verlauf finden Sie auch die Liste der Adressaten meines unverkürzten Rundbriefes.

Franzel
Sehr geehrter @Sophus: vielen Dank für all Ihre Informationen. Ich werde mir Ihre Zeitangaben aufschreiben bzw. herauskopieren. Da haben Sie ja schon viele Kämpfe gefochten, aber manche Theologen sind das eher nicht aus Berufung wie es aussieht, sondern wg. Beruf/Karriere, dem Weltlichen. Viele denken weltlich-klügelnd und ihnen können sich somit die Geheimnisse und vieles andere nicht erschließen. Leider aber sitzen sie an den „Schalthebeln der Macht“, verwirren die Menschen und arbeiten bewußt oder nicht für die Anti-Kirche. Viele Theologen sind offenkundig bar jeder Vernunft, was die Datierung der Schriften anbelangt. Es sind Wölfe im Schafspelz, die die Kirche zerstören möchten… weiter lesen »
Leo Laemmleint a
@ sophus Ich finde es sehr wertvoll, dass Sie die Frühdatierung der neutestamentlichen Schriften, besonders der Evangelien, historisch untermauern und den katholischen Oberhirten in Erinnerung rufen. Ein wenig ärgerlich finde ich, wenn Sie dabei die reformatorische Bibelwissenschaft einseitig aufs Korn nehmen. Ich habe eine Reihe von Bibeln zuhause, gewiss eine eher zufällige Auswahl. Aber wenn katholische Bibeln seit dem 2. Vatikanum geradezu penetrant Spätdatierungen in den Einleitungskapiteln aufdrängen, dann ist das den Herausgebern und Imprimatur erteilenden katholischen Bischofskonferenzen anzulasten, nicht den Lutheranern und Reformierten. Sowohl in Ausgaben der Jerusalemer Bibel wie der Einheitsübersetzung wie der Übersetzung aus Herders Bibelkommentar z.B.… weiter lesen »
Sophus
@ Leo Laemmlein Sie meinen: „Ein wenig ärgerlich finde ich, wenn Sie dabei die reformatorische Bibelwissenschaft einseitig aufs Korn nehmen“. Ihren Ärger müssen Sie schon bei der evangelisch-lutherischen Bibelwissenschaft abladen. Denn von Luther führt eine Spur der einseitigen Vereinnahmung der neutestamentlichen Schriften durch die evangelisch-lutherische Bibelwissenschaft über Semler, Reimarus, die Tübinger Schule, der Leben-Jesu-Forschung, Robert Bultmanns bis in die Gegenwart, auch zu den liberalen Neutestamentlern im katholischen Lager. Die katholische Kirche hat sich viel zu spät mit der Brisanz der Datierungsfrage befasst. Erst mit Papst Leo XIII. erkannte man die existentielle Gefahr für die eigene Lehre, die von dieser Falschdatierung… weiter lesen »
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