Gender-Ideologie – In Italien wird dagegen mobil gemacht (obwohl der Papst es nicht will)

Am 30. Januar findet in Rom eine Großkundgebung gegen die Gender-Ideologie statt. Im Bild die Kundgebung vom 20. Juni 2015
Am 30. Januar findet in Rom eine Großkundgebung gegen die Gender-Ideologie statt. Im Bild die Kundgebung vom 20. Juni 2015

(Rom) Italien erlebt derzeit, was Frankreich 2012/2013 erlebte, und rüstet sich zu einer weiteren Volkskundgebung gegen die Einführung der „Homo-Ehe“ und der Gender-Ideologie an Schulen und Kindergärten. Die Kundgebung findet statt, obwohl Papst Franziskus zu verstehen gab, daß er das nicht wünscht und die päpstlichen Adlaten in der Bischofskonferenz Druck gegen die Kundgebung ausüben. Die Frage ist von europäischer Bedeutung, denn die Streitfragen sind überall dieselben. Nach der Niederlage in Frankreich, soll eine solche in Italien verhindert werden. Gestern wurde der Termin für die Kundgebung bekanntgegeben. In nur zwölf Tagen hoffen die Organisatoren auf eine Massenmobilisierung.

Am 26. Januar beginnt der Senat des italienischen Parlaments mit der Debatte über einen entsprechenden Gesetzentwurf, das DDL Cirinnà, benannt nach einer linksdemokratischen Senatorin.

Die Kundgebung vom Juni 2015

Am 20. Juni 2015 versammelte sich eine Million Menschen zum „Family Day“ auf der Piazza San Giovanni vor der Lateranbasilika. Der traditionelle Aufmarschplatz der politischen Linken Italiens wurde an diesem Tag von Katholiken und anderen Menschen guten Willens gefüllt. Unter dem Motto „Hände weg von unseren Kindern“ demonstrierten sie lautstark gegen Regierungspläne, durch Gleichstellung homosexueller Beziehungen mit der Ehe deren Sonderstellung in der Rechtsordnung anzugreifen und damit an den Wurzeln des Staatswesens zu sägen. Die Kundgebungsteilnehmer sagten auch Nein zur Einführung der Gender-Ideologie im Bildungswesen, durch die Kleinkinder bereits im Kindergarten frühsexualisiert, homosexualisiert und der Familie, bestehend aus Vater, Mutter und Kindern entfremdet werden sollen.

Nun soll eine zweite Großkundgebung folgen, um dem Parlament eine klare Botschaft aus dem Volk zu vermitteln, daß man diese gesellschaftspolitischen Experimente nicht will. Alle Meinungsumfragen zeigen deutliche Mehrheiten gegen die Zielsetzungen des Gesetzentwurfes. 2007 hatte eine erste Kundgebung den damaligen Versuch der Linksregierung zu Fall gebracht, die „Homo-Ehe“ einzuführen.

Französische Erfahrungen

Der "Family Day" vom 20. Juni 2015
Der „Family Day“ vom 20. Juni 2015

Seit der Machtübernahme von Staatspräsident Hollande im Jahr 2012 wirft Frankreich seinen Schatten auf Italien. Obwohl auch in Frankreich Millionen Menschen gegen die Legalisierung der „Homo-Ehe“ auf die Straßen gingen, drückte die sozialistische Parlamentsmehrheit ihren Willen durch. Gegen die Opponenten setzte die Regierung sogar die Polizeigewalt ein.

Die Organisatoren in Italien wollen aus den französischen Erfahrungen lernen. Entsprechende Kontakte nach Frankreich gibt es schon länger, um einen „europäischen Anti-Gender-Plan“ zu entwerfen, wie Filippo Savarese, der Sprecher von Manif pour tous-Italien und Generation Familie im Oktober 2015 bei einem Treffen im römischen Teatro Adriano sagte. „Die Schule ist dabei unser Verbündeter, denn wir kämpfen nicht gegen die Schule, sondern für die Schule“, so Savarese.

„Jede heutige Herrschaftsform neigt dazu, die Idee der menschlichen Natur zu verdrängen, weil sie die Quelle einer möglichen Revolte darstellt“

Bei dieser Gelegenheit sagte der Philosoph Diego Fusaro, Habilitand für Geschichte der Philosophie an der Universität San Raffaele von Mailand, dessen Forschungsschwerpunkt Karl Marx, Antonio Gramsci und die Postmoderne sind:

„Die Gender-Theorie gehört zu den Ideologien im Marx’schen Sinne, mit denen etwas als natürlich behauptet wird, was alles andere als natürlich ist. Im Besonderen dient die Gender-Ideologie dazu, die Identität von Mann und Frau zu leugnen, indem sie als rein kulturelle Entscheidung behauptet wird, indem das biologische Element zugunsten eines rein sozialen Elements ausgeblendet wird. Auf diese Weise neutralisiert die Gender-Ideologie die menschliche Natur und damit einen möglichen Widerstand gegen die Welt des Technokapitalismus. Denn wenn es keine menschliche Natur gibt, ist es auch nicht möglich, zu behaupten, die menschliche Natur werde verletzt oder abgetötet. Camus hat es bereits in ‚Der Mensch in der Revolte‘ auf sehr deutliche Weise geschrieben: Jede Form der Herrschaft neigt heute dazu, die Idee der menschlichen Natur zu verdrängen, weil sie die Quelle für eine mögliche Revolte darstellt.“

Manif pour tous-Italien entstand im Juli 2013. Heute zählt die Vereinigung mehr als 80 Ortsgruppen. Ludovine de la Rochère, die Vorsitzende der französischen Bürgerrechtsbewegung Manif pour tous sagte in Rom:

„Langsam, langsam entstehen in den europäischen Ländern und in der Welt Vereinigungen, um gegen die Gender-Ideologie vorzugehen, da sie der Ursprung aller Fragen ist, die sich heute zur Identität von Mann und Frau, zur Mann-Frau-Partnerschaft, zur Ehe und zur Weitergabe des Lebens stellen. Diese Ideologie hat sehr schwerwiegende Auswirkungen. Doch langsam, langsam bilden sich Vereinigungen und beginnt die Zusammenarbeit und so wird – wie Ihr sagt – die Front vorbereitet.

Druck der Oberhirten gegen die Kundgebung

Das Organisationskomitee des "Family Day"
Das Organisationskomitee des „Family Day“

Im Gegensatz zu Frankreich stehen die italienischen Organisatoren allerdings unter einem zusätzlichen Druck. In Italien, wo die Bischöfe mehr Gewicht haben als in Frankreich, wurde von Papst Franziskus die Order ausgegeben, zum Thema „Homosexualisierung“ und „Gender-Ideologie“ einen Konflikt mit dem Staat und anderen gesellschaftlichen Gruppen zu vermeiden. Mit anderen Worten: die Katholiken sollten kapitulieren, sich fügen und das Feld anderen Kräften überlassen.

Bereits in Sachen Manif pour tous in Frankreich, gab sich Papst Franziskus distanziert. Während alle möglichen Leute im Vatikan ein- und ausgehen, kam es erst nach einigem Hin und Her und beträchtlicher Verzögerung zu einer Mini-Begegnung. Ludovine de la Rochère wurde am 12. Juni 2014 zur morgendlichen Heiligen Messe in das vatikanische Gästehaus Santa Marta eingeladen. Im Anschluß daran konnte sie, neben zahlreichen anderen Anwesenden, ganz kurz mit dem Papst sprechen.

Der Vatikan vermied es, die Begegnung ins Bild zu setzen. Von den Radio Vatikan-Sektionen berichteten nur die französische und die italienische darüber, obwohl die Baronin unter Beweis gestellt hatte, wie lebendig die gern totgesagte katholische Welt in Wirklichkeit ist. Einzig die tschechische Sektion von Radio Vatikan veröffentlichte ein Foto, das Ludovine de la Rochère an der Seite von Papst Franziskus zeigt. Die Abneigung von Papst Franziskus, sich dem linken Denken entgegenzusetzen, geht tiefer. Daß der französische Protest und Manif pour tous auf die Initiative einer traditionsverbundenen Katholikin zurückgeht, dürfte Franziskus die Sache jedenfalls nicht sympathischer gemacht haben. Nicht anders sieht es in Italien aus. Traditionsverbundene Katholiken stehen am Anfang der katholischen Auflehnung gegen ideologische Bevormundung durch den Staat. In Frankreich wie in Italien zeigte sich, daß sie damit Millionen bewegen können, also weit über die traditionsverbundenen Kreise hinausreichen. Roberto de Mattei, und vor ihm schon Mario Palmaro, erklärten sich dieses Phänomen durch die größere intellektuelle und geistliche Regsamkeit der Tradition gegenüber dem „schwachen Denken“ anderer katholischer Kreise. Starkes Denken bewege und die christliche Botschaft sei das stärkste Denken überhaupt.

„Für uns den Kampf, für Gott den Sieg“

Messa in Latino mobilisiert für die „Marcia di San Giovanni” (Marsch von St. Johannes), in Anspielung auf den Austragungsort vor der Lateranbasilika und den Widerstand kirchlicher Hierarchen gegen die Kundgebung, mit der Parole:

Für uns den Kampf, für Gott den Sieg.
Unabhängig, wer teilnimmt, ob Atheist, Traditionalist oder Neokatechumen: Für die Familie von einem Mann und einer Frau.
Unabhängig davon, wer Verrat geübt hat, auch wenn er Violett oder Purpur kleidet, oder welcher Couleur auch immer.
Unabhängig vom Ausgang des Kampfes.
Wir werden versuchen, dabei zu sein.

Ein Wort, das auch die Schriftstellerin und Journalistin Costanza Mirana (Rai Vaticana, Avvenire, Il Timone, Il Foglio) aufgegriffen hat:

"Stop Gender - Wir verteidigen unsere Kinder"
„Stop Gender – Wir verteidigen unsere Kinder“, 20. Juni 2015

„Dieser Termin wird wirklich entscheidend sein. Wir können die Geschichte unseres Landes verändern und ich glaube nicht zu übertreiben, wenn ich sage, wir können sogar die Geschichte der ganzen westlichen Welt verändern: Wenn Italien das Gesetz stoppt, das die Homo-Propaganda „Gesetz der zivilen Rechte“ nennt, aber in Wirklichkeit ungeordnete Begierden legitimieren will, setzen wir eine Front ins europäische Herz. Dann werden wir die Niederlage der Menschheit an der Wiege der westlichen Zivilisation stoppen, indem wir den Realitätssinn zurückholen und sagen: Die Tatsache, daß die Menschen durch einen Vater und eine Mutter gezeugt werden, kann nicht umgestürzt werden, außer um den erschreckenden Preis, die Schwächsten dafür bezahlen zu lassen und die Existenz der Menschheit selbst aufs Spiel zu setzen. Indem wir sagen, daß aus der Sicht des Staates jeder Erwachsene unter Seinesgleichen frei ist, zu lieben, wen er will, und seine Sexualität auszuleben, weil das seine Privatsache ist, die jeder selbst verantworten muß, aber es nie ein konstitutives Prinzip unserer Zivilisation sein kann, die Begierden in Recht zu verwandeln. Und indem wir sagen, daß die staatlichen Institutionen jene zu unterstützen und anzuerkennen haben, die sich in den Dienst des Lebens und damit der Zukunft stellen, weil sie einen objektiven Dienst für das Gemeinwohl leisten, indem sie Kindern das Leben schenken und ihnen einen stabilen und sicheren Hort bieten, in dem sie aufwachsen können.
Es ist Zeit, die Geschichte zu ändern. Allein können wir nichts erreichen, wir sind nach geltenden Maßstäben ein ‚heruntergekommenes‘ Volk, wir haben keine Medien, kein Fernsehen auf unserer Seite, nicht einmal jene, von denen man es sich erwarten würde. Wir haben niemand von denen dort oben, die uns helfen, die uns einen Euro geben, Strategien entwerfen und uns den Weg ebnen. Aber wir sind nicht allein, wir haben die Gesellschaft unserer Brüder, bewegende Freundschaften, die in den neuen Schützengräben geschlossen werden – und wir haben einen mächtigen Verbündeten. Für uns der Kampf. Für Gott den Sieg.“

Die Kundgebungsteilnehmer sammeln sich am 30. Januar ab 10 Uhr im Circus Maximus. Um 12 Uhr setzt sich der Marsch Richtung Piazza San Giovanni  in Bewegung. Um 14 Uhr beginnt die Schlußkundgebung auf der Piazza San Giovanni vor der Lateranbasilika.

Text: Giuseppe Nardi
Bild: La Croce/MiL (Screenshots)

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6 Comments

  1. Die Hirten führen die Schafe den Wölfen in den Rachen. Ist denn der rechte Weg so schwer…? Die Vorbereitungen für den Antichrist laufen anscheinend auf Hochtouren, oder gibt es eine andere Erklärung ?
    Ja die könnte es eventuell geben : der Antichrist sitzt vielleicht bereits auf seinem Thron nur haben wir ihn noch nicht erkannt…..

    Der Antichrist wird mit der Legalisierung und Förderung der widernatürlichen fleischeslust die Menschen verführen. Er wird von Barmherzigkeit und Vergebung sprechen, von Teilen miteinander und Brüderlichkeit.
    Er wird vergöttert werden wegen seinen Taten und „Wunder“, wegen seiner Botschaft das es im Prinzip keiner Religion bedarf da wir ja alles Kinder Gottes sind….
    Halten wir unsere Augen offen und auf Gott gerichtet.

    Einen guten Anstoß: bevor wir etwas glauben, sollten wir uns überlegen ob Jesus das auch gesagt oder getan hätte. Oder ob die Hl.Muttergottes das so gesagt hat oder hätte, irgendwo.
    Dann wissen wir schnell wessen Kind die neue Lehre ist…..

  2. Es geht alles ins unverständliche Gegenteil. Anstatt dass sich Papst und Bischöfe
    in die vorderste Reihe stellen, um gegen diese unmenschliche das Naturgesetz ver-
    achtende Ideologie zu protestieren, wird von oberster Stelle eine Teilnahme quasi
    verboten. Man kann es nicht glauben, was da vor sich geht. Soll denn so die Chris-
    tenheit dem Teufel übergeben werden ? Der gesunde Menschenverstand, der christli-
    che sowieso, sträubt sich in ungeahnter Weise. Die alles zerstörende Gender-Ideolo-
    gie, die den Menschen ins Tierhafte führt, Gottes Ordnung zerstört und deshalb keine
    Religion an Gott zulässt, wird vom obersten Hirten Franziskus nicht bekämpft. Ist
    das was jetzt ist, noch die katholische, kämpfende Kirche ? Niemals ! Wir haben so
    eine allgemeine Weltkirche, dem Zeitgeist huldigend, ohne Konturen in Häresie ver-
    fallen. Das hat den Vorteil, dass Gott in absehbarer Zeit eingreifen muss und er
    wird es tun. Wehe aber euch ihr Heuchler, die ihr Gott mit eurer falschen Barmher-
    zigkeit beleidigt und herausfordert und den Christen Ärgernis gebt.

    und darf nicht sein !

  3. Die Menschen können protestieren,wie sie wollen, letztlich setzen sich „die da oben“ durch.

    Egal, ob laizistischer Präsident oder Papst.

  4. ‚In Italien wird dagegen mobil gemacht (obwohl der Papst es nicht will)‘

    Gilt „Geht auf die Straßen und macht Lärm!“ (Papst F.) plötzlich nicht mehr?

  5. Ein Zitat:
    Der Feminismus ist unsere Erfindung. Früher zahlte nur die Hälfte der Bevölkerung Steuern, jetzt alle.
    Außerdem wurde damit die Familie zerstört und wir haben nebenbei die Macht über die Kinder erhalten. Sie sind durch Medien und Schule unter unserer Kontrolle. In dem wir die Frauen gegen die Männer aufhetzen und die Partnerschaft und die Gemeinschaft der Familie zerstören, haben wir Egoisten geschaffen, die nur noch hart arbeiten und konsumieren. Dadurch sind sie unsere Sklaven und finden das alles auch noch gut.

    Nicholas Rockefeller

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